Dann wären wir hier fertig, hier kommen die Abschlussfragen.
Hui, das ging ja schnell! ;)
1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein, es gibt kein eigenständiges Ich. Das, was wir Selbst nennen, besteht aus Gedanken, Wahrnehmungen, Gefühlen, Empfindungen. Es gibt nichts zusätzliches.
2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Die Ich-Illusion ist die Idee, dass es außer Gedanken, Gefühlen, Wahrnehmungen und Empfindungen noch ein unabhängiges, übergordnetes Selbst gibt. Die Idee ist, dass dieses Selbst die Rolle eines Machers und Kontrolleurs einnimmt, so dass mein Leben "optimal gesteuert" abläuft. Es ist scheinbar zuständig für Entscheidungen, für meine Chraktereigenschaften, für meinen Selbstwert, und dafür, mich und andere zu kontrollieren.
Es ist eine Illusion, weil man, wenn man genau hin sieht, dieses zusätzliche Selbst nicht finden kann. Ich bin immer nur auf Gedanken gestoßen, die auftauchen und verschwinden, nicht auf eine hinzugefügte Einheit. Das gleich gilt für Entscheidungen. Die Idee, eine Entscheidung treffen zu müssen, ist selbst ein Gedanke. Die eigentliche Entscheidung taucht dann plötzlich auf, ohne dass es einen explitziten Entscheidungsprozess gibt.
3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.
Ich fühle mich vor allem vollständiger! Alles, was ich wahrnehme und denke, findet jetzt auf
einer Ebene statt. Es gibt nicht mehr den scheinbar außenstehenden Beobachter, der sich um alles kümmern muss, sondern er ist Teil des Tanzes, der einfach passiert. (das mit dem "Tanz" klingt vielleicht etwas esoterisch, ist aber ganz praktisch gemeint).
Mir fällt es viel, viel leichter, Gefühle und Gedanken als das zu erkennen, was sie sind: Gefühle und Gedanken, die entstehen und vergehen, und einfach zu akzeptieren, dass sie gerade vorbeischauen. (Das heißt nicht, dass diese Akzeptanz immer da ist, aber viel häufiger).
4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Der entscheidende Schritt war es, mit Deiner Unterstützung die Angst vor Kontrollverlust ernst zu nehmen und aufzugeben. Insbesondere die Idee, ich könnte und müsste andere kontrollieren, um liebenswert zu sein. Danach konnte ich "einfach" hin schauen und erkennen, dass da kein Selbst ist, das alles kontrolliert. Und dass mein Leben ohne Kontrolle schon immer perfekt läuft, dass ich schon immer ohne Kontrolle liebenswert bin.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden worden oder geschehen können?
Nein, es hätte nichts anders entschieden werden können. Die jeweiligen Entscheidungen ploppen einfach auf und ergeben sich. Wenn ich den Gedanken habe, dass jetzt eine Entscheidung ansteht ("steh ich jetzt auf oder bleibe ich noch 10 Minuten auf dem Sofa liegen?"), dann entsteht die Entscheidung "von alleine", ohne nachvollziehbare Kausalkette oder gar gedankliche Abwägung.
Das deckt sich auch mit meiner früheren Erfahrung, dass ich intuitiv "richtige" Entscheidungen treffe (richtig bedeutet hier: Entscheidungen, die meinen Gedanken auch hinterher noch "gefallen"), wenn ich nur ruhig genug bin. Das ist kein Wunder, weil
alle Entscheidungen intuitiv sind, und damit die intuitive Entscheidung zu dem passt, "was gerade ist".
6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?
Noch einmal meinen tiefen Dank für Deine tolle Unterstützung!
Liebe Grüße,
Roger.