Hallo Verananda,
hier sind meine Antworten:
1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein, es existiert nichts dergleichen und hat auch niemals existiert. Im direkten Erleben kann kein Ich etc. gefunden werden. Es ist nur ein Gedanke.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Die Ich-Illusion gründet auf dem Glauben, es gäbe eine eigenständige, wahrnehmende, handelnde Person und eine Welt außerhalb dieser Person. Dieser Eindruck der Trennung entsteht durch einen Gedanken, der sich in Sekundenbruchteilen zwischen Wahrnehmung und Wahrgenommenem schiebt und behauptet, „ich“ nehme dies und das wahr und dadurch diese Trennung erschafft. Gleichzeitig geschieht Aufspaltung in „ICH“ und „NICHT-ICH“.
Neugeborene Babies haben noch kein „Ich-Gefühl“ und empfinden keine Trennung zwischen sich und der Welt. Erst Eltern und Bezugspersonen bringen dem Kind bei, eine Person zu sein. Es lernt, sich als Klaus oder Franziska zu sehen, mit (vermeintlich) eigenem Willen.
Meine unmittelbare Erfahrung dieser Illusion ist:
findet (als Beispiel) Heben einer Hand statt, taucht sofort und ganz subtil ein Gedanke auf, der sagt: ICH hebe die Hand. Gleichzeitig suggeriert er auch die Illusion einer Entscheidung (rechte oder linke Hand) und der Kontrolle darüber.
Bei genauer Prüfung durch unmittelbares Erfahren / Wahrnehmen ist aber beim besten Willen kein „ICH“ zu finden.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog?
Die Illusion erkannt und durchschaut zu haben, ist eine unglaubliche Befreiung. Gleichzeitig auch eine mehr oder weniger große Ent-Täuschung. Alle Vorstellungen, wie „Erwachen“, „Erleuchtung“, etc. sein könnten (meist eine Idee von ewiger Glückseligkeit und Ekstase), sind als das entlarvt, was sie sind: Träume. Gedanken. Ebenfalls Bestandteile der Illusion des ICHs.
Es ist nicht so, dass mit dem Erwachen plötzlich – hokuspokus – nur noch Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Das Leben, das vorher da war, ist auch nach dem Aufwachen da. Dieselben Menschen, derselbe Job, das gleiche Gesicht im Spiegel. Nein, nicht ganz das gleiche Gesicht: jetzt ist noch ein Leuchten und Strahlen in den Augen hinzukommen, eine ganz spezielle Wachheit.
Der Prozess jedoch geht weiter; es finden sich immer wieder immer subtilere Tricks des Egos, sich am Leben zu erhalten. Als Basis bleibt aber ungeachtet aller Mind-Tricks das unumstößliche Wissen um die Illusion des ICHs sowie die bewusst gewordene innere Freiheit, die durch nichts beeinträchtigt werden kann.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Mein Erwachen fand insgesamt betrachtet sanft statt; immer einen Schritt weiter und tiefer. Auf klare Einsichten folgten auch Schlummerphasen im Ichgefühl.
Der Durchbruch war das volle Erkennen und Erleben des reinen Bewusstseins; die absolute Erkenntnis, dass alle Erscheinungen nur ein Traum sind; geboren aus Gedanken.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich?
Die Gedankenform „ICH“ erschafft die Illusion einer Person, eines von der Welt getrennten Wesens. Hier bin ICH, dort das Andere. Losgelöst von der Welt „da draußen“.
Die Konzepte von „Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle“ können nur innerhalb dieser Ich-Illusion existieren. Sie erfordern eine sich selbst als eigenständig wahrnehmende Person, die eine Welt außerhalb von sich selbst sieht. Diese Person braucht die (illusorische) Überzeugung, einen eigenen freien Willen zu haben, der in der Dualität der Welt zwischen Alternativen auswählt, entscheidet und meint zu kontrollieren was geschieht. Voraussetzung dafür ist das vollständige Vergessen der eigenen Quelle, aus der alles entspringt.
Die Frage nach der Verantwortung setzt die Existenz einer Person voraus, die Verantwortung tragen könnte.
Als Beispiel:
Nehmen wir einen Avatar in einem Spiel. (Second Life z.B.). Der Schöpfer/Spieler des Spiels legt vorab alle Rahmenbedingungen fest. Z.B. in welcher Umgebung bewegt sich der Avatar? Welche Kleidung, Alter, Aussehen hat er? Wer spielt noch mit? Was ist das Ziel? Usw.
Es steht außer Frage, dass der Schöpfer/Spieler des Spiels die Handlungen des Avatars im Spiel kontrolliert und sich im Spiel in Form des Avatars wie auch immer zum Ausdruck bringt. Gleichzeitig ist auch alles Andere im Spiel (Umgebung, Farben, Häuser, was auch immer man sich ausdenken kann) Ausdruck der Fantasie des Spielers.
So auch im "wirklichen" Leben: das absolute BEWUSSTSEIN, das unendliche Potential, drückt sich durch das Leben aus.
Und um wieviel interessanter erst wird „das Spiel des Lebens“, wenn der Avatar (Mensch) mit einer Prise Eigenständigkeit (Ego) ausgestattet wird?! Und sogar auch noch vergessen darf, dass er „nur“ ein Avatar ist und sich vermeintlich eigenständig durch das Spiel (die Schöpfung) bewegt? Dabei wilde Abenteuer übersteht, emotionale Achterbahnfahrten durchlebt, spirituelle Askese sucht, ….
Solange, bis er sich wieder erinnert..... und zurückkehrt in die Einheit.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Wahrheit unterliegt keiner Veränderung. Alles andere ist Illusion.
Love
Sakina