Offene Einladung zum Direct Pointing

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Mia » Mon Mar 12, 2012 4:51 pm

Ich verstehe jetzt die Frage nicht ganz, aber versuche es mal:

Wenn ich denke, da sei jemand, dann ist das eine Vorstellung. Kein Wahrnehmung.

Aber ich kann schon erfahren, dass da ein Wahrnehmen oder Gewahrwerden, Bewußtwerden von der Existenuz eins Gedankens oder Gefühls etc. ist. So wie ich auch bemerken, "wahrnehmen" kann, dass ich bemerke, dass ich etwas geträumt habe, oder dass ich nur eine Vorstellung, aber keine Erfahrung vom Beobachter habe.

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Bernhard
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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Bernhard » Mon Mar 12, 2012 10:50 pm

Wenn ich denke, da sei jemand, dann ist das eine Vorstellung. Kein Wahrnehmung.
Es ist ein Gedanke im Erleben.
Ob dieser Jemand real existiert, ist zu überprüfen.

Schliess die Augen und stell Dir vor dass vor Dir eine grosse schwere dunkelgrüne Wassermelone liegt.
Öffne die Augen und SCHAU ob die Melone real ist.

Gibt es einen Jemand? - SCHAU NACH

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Mia » Tue Mar 13, 2012 11:10 am

Wenn ich da nachschaue, dann sehe, erfahre ich nichts.

Ich hab' mich etwas dabei angestrengt, weil Du mich nun ja schon mehrfach fragtest. Beim Nachschauen bin ich eingeschlafen und hatte ein Gefühl von Leere dabei.

Ich weiss nicht genau, ob ich es richtig mache. Ich dachte noch, es gibt ein Vermögen, das Beobachtungsvermögen. Aber Du fragst ja nach jemanden.

Ich bin etwas verwirrt. Woran erkenne ich denn einen Jemanden?

ich dachte, dann ich habe ja auch ein Sehvermögen, auch da könnte ich fragen, ob es jemanden gibt. Das fiel mir leichter. Meine Antwort: Jemanden gibt es nur als Vorstellung, als Gedankenkonstrukt. So erlebe ich das.

Und ich erlebe, dass ich diese Vorstellung habe und fast immer mit mir herumtrage.

Aber dann sind die Anderen vielleicht auch nicht Jemand. Das ist vielleicht überhaupt nur eine Vorstellung?

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Bernhard » Tue Mar 13, 2012 5:42 pm

Jemanden gibt es nur als Vorstellung, als Gedankenkonstrukt. So erlebe ich das.
Und ich erlebe, dass ich diese Vorstellung habe und fast immer mit mir herumtrage.
Ja, da bist du auf der richtigen Spur.
Gibt es ein ICH, das nicht "Vorstellung" ist?
Aber dann sind die Anderen vielleicht auch nicht Jemand. Das ist vielleicht überhaupt nur eine Vorstellung?
Ja, womöglich. Schaue erst mal nach, ob es DICH gibt...

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Mia » Wed Mar 14, 2012 7:34 pm

Ich frage mich ganz oft am Tag, wo dieser Jemand den ist, den ich 'Ich' nenne. Und was das ist? Um meist scheint es mir ein angenehme Kindheitserinnerung zu sein, an der ich festhalte. So eine Erinnerung, die haben mich damals "Claudia" genannt und mir das gesagt, und über und durch diese Identität werde ich geliebt. Es ist also ein sehr angehmes Erinnerungs-Gefühl, dieses Ich.

Dann habe ich mich gefragt, wer das Ich ist, das diese Erinnerung hat. Und da kommt wieder so ein angenehmes Gefühl als Antwort. Wie wenn es da ein Grundgefühl geben müßte, das alles zusammenhält, was sonst so passiert.

Aber es sind immer Eindrücke, Gefühle oder Erinnerungen, hinter denen niemand zu finden ist. Es sind einfach Eindrücke Gefühle, Gedanken, mehr nicht. Dennoch werde ich diese Ich-Fiktion nicht los. Ich kann sie nicht einfach abstreifen, es ist so gewohnt und fundamental.

Das Phenomen, dass ich mich ganz leer fühle und da nichts ist und ich auch in so einem Space tief und ruhig schlafe, kommt jetzt öfters. Aber ich weiß nicht, ob das etwas mit dem Prozess hier zu tun hat.

Ich werde jetzt immer weiter hinschauen.

Gibt es sonst noch was?

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Mia » Wed Mar 14, 2012 7:47 pm

Noch mal:

Wenn ich das in meinem eigenen Worten zusammenfasse, klingt das so. Im Satzbau gibt es ein Sujekt und eine Verbalphrase/ ein Verb. Mein Lebendvollzug beschriebt sich als eine Reihe von Verbalphrasen:

sieht, hört, riecht, spürt, denkt, erinnnert, denkt.

Wenn ich mich frage wer denn?

Dann löst sich die Antwort wieder auf ein eine Serien von Verben:
erinnert, stellt sich vor, denkt.

Und wenn ich weiter frage, na wer denn, dann geht es unendlich so weiter.

Es kommt nie ein Subjekt zu diesem Satz. Eher kommt ein komische leeres Gefühl und so weiter und so weiter.

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Bernhard » Thu Mar 15, 2012 9:03 am

Claudia Du machst das sehr gut - Überprüfen was real ist...
So eine Erinnerung, die haben mich damals "Claudia" genannt und mir das gesagt, und über und durch diese Identität werde ich geliebt. Es ist also ein sehr angehmes Erinnerungs-Gefühl, dieses Ich.
So ist das Ich entstanden. Es sind aber bestimmt nicht nur angenehme Gefühle dabei im Spiel gewesen. "Claudia" sollte schließlich auch gehorchen, konnte ausgeschimpft werden...
Es kommt nie ein Subjekt zu diesem Satz. Eher kommt ein komische leeres Gefühl und so weiter und so weiter.
Kann es sein, dass das Ich nichts weiter als eine sprachliche Konvention ist?

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Mia » Thu Mar 15, 2012 9:46 am

Ich weiss nicht, wann ein Kind sein Ich erzeugt. Ich war etwas über 1 Jahr alt als ich aus einem Kinderheim in meine Familie zu meiner Mutter, Großmutter und -vater geholt wurde. Und ich assoziiere aus dieser Zeit alles, was mit meinem Namen zu tun hat als positiv. Ich war so unglaublich froh ein Zuhause, eine Zugehörigkeit zu haben. Das Gefühl ist das einzige, an das ich mich aus der frühen Zeit erinnere. Ich erlebte das als geliebt werden. Man hat sich dann wirklich um mich gekümmert.

Ich denke l. Kant und vielen andere Philosophen Subjekt-Pädikat ist eine Denkstrukur, die uns angeboren ist. was nicht bedeutet, das die Welt so strukturiert ist. Unser Denken ist so strukturiert. Und es ist natürlich auch eine sprachliche Struktur und Konvention. Ich konnte anhand dieser am besten illustrieren, was wegfällt.

Nachdem ich gestern geschrieben hatte, bekam ich Angst. die Angst vor, da ist ja nichts, niemand. Ich hatte so ein Gefühl von Bodenlosigkeit.

Und ich erlebe, dass mit dem Nachschauen vieles leichter wird.

Und heute morgen merkte ich, dass nicht nichts da ist. Da ist ein Körper da. Aber das ist kein Ich. Ich war ganz fasziniert davon mit meinen neuen Fähigkeiten des Nachschauens zu spüren, dass ich meinen Körper von innen und gleichzeitig von aussen wahrnehme. Ich atmete und legte meine Hand auf den Oberkörper und merkte was für ein komplexes Miteinander von äußeren und inneren Sinneseindrücken da vorliegt, um diesen Körper wahrzunehmen. Es ist kein Ich, es ist ein Etwas, das 'ich' erleben darf. 'Ich' konnte mich daran festhalten.

Also es stimmt auch nicht, dass da nichts ist. Irgendwie geschieht diese Folge von Eindrücken, Erinnerungen, Gedanken, Gefühlen nicht im luftleeren Raum, sondern es ist immer dieser Körper erfahrbar.

Das finde ich sehr beruhigend.

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Bernhard » Thu Mar 15, 2012 8:59 pm

Nachdem ich gestern geschrieben hatte, bekam ich Angst. die Angst vor, da ist ja nichts, niemand. Ich hatte so ein Gefühl von Bodenlosigkeit.
Die Angst hat eine Funktion: sie will dich beschützen.
Lass die Angst zu und schau was sie beschützen will?
Schau wer "hat" die Angst?
Gibt es das, was sie beschützen will?

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Mia » Fri Mar 16, 2012 10:41 am

Ich weiß, wovor sie mich beschützen will: Vor Orientierungslosigkeit.

Deswegen war ich so froh als ich meinen Körper als Orientierungspunkt fand.

Ich bin oft desorientiert. Mehrfach am Tag. Auch ohne den Prozess. Im einem Moment tue ich was, im nächsten ist alles weg. Und ich bin verwirrt. Ich habe große Schwierigkeiten kontinuierlich den Faden zu behalten. Das Muster ist Ausweichen. Und das Ausweichen ist auch ein Schutzmechanismus aus der Kindheit. So bekämpfen sich da 2 Schutzmechanismen. Der, der ausweicht, und der, der sagte dranbleiben, sonst gehst Du verloren und kannst nicht überleben.

Die Angst will vor Schmerz schützen. In der Kindheit habe ich einen Ausweichmechanismus gestartet, weil mich jemand bedrängte, verletzte.

Schmerz ist einfach eine Erfahrung. Es gibt unangenehme und angenehme Erfahrungen. Auch wenn da kein Ich ist.

Die Angst will unangenehme Erfahrungszustände abwenden.

Und von was. Ja von dem System. Dem Körper, der Schmerzen haben kann. Wenn was weh tut, zucke ich zurück. Wenn ich mir vorstelle, dass was wehtun könnte oder unangenehm sein könnte, ziehe ich mich zusammen und habe Angst.

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Bernhard » Fri Mar 16, 2012 6:37 pm

Ich weiß, wovor sie mich beschützen will: Vor Orientierungslosigkeit.
Das ist nützlich - so kannst Du Strategien anwenden.
Dinge nicht zu vergessen, zB. Dir Notizen machen...

Braucht es dafür ein "Ich"?
Oder tauchen einfach diese Ängste auf?

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Mia » Sun Mar 18, 2012 9:25 am

Ich weiß nicht wie das Ich und die Ängste zusammenhängen. Ich glaube, der Körper porduziert die Ängste, damit ich ihn, sein Lebendigsein vor Schaden bewahre.

Ich glaube es ist eine Körperlebensfunktion, wie Hunger.

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Mia » Sun Mar 18, 2012 9:32 am

Also die Stragegie mit den Notizen hilft nur begrenzt. Denn ich müßte mir ja sonst alles notieren. Zum Beipiel: "jetzt will ich die Eier aus dem Kühlschrank holen." Und dann müßte ich den Zettel finden, wenn ich vor dem Kühlschrank stehe und nicht mehr weiss, was ich da eigentlich wollte.

Das ist nicht so praktikabel.

Um mehr präsent zu sein. Brauche ich dafür ein Ich. Ich brauche irgendeine Instanz, die sich entscheidet und dann auch erinnert und dran hält. Ich weiss nicht was, wer das sein könnte.

Wer macht sich den gute Vorsätze? Da gute Vorsätze sowieso nur begrenzt wirksam sind. Ist auch dieses Wer nicht so hilfreich.

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Bernhard » Sun Mar 18, 2012 6:08 pm

Beipiel: "jetzt will ich die Eier aus dem Kühlschrank holen."
Achte mal darauf, wann dieser (und ähnliche ) Gedanken auftauchen - bevor du zum Kühlschrank gehst, auf dem Weg dahin oder gar erst hinterher ("ich wollte zum Kühlschrank gehen...")

Tu das bei den unterschiedlichsten Alltagstätigkeiten!
Kommt der Gedanke "ich" vor oder nach Handlungen?

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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Postby Mia » Mon Mar 19, 2012 3:05 pm

Nein, der Gedanke "Ich" kommt nicht vor. Ich tue Dinge, ohne "ich" zu denken. Ich tue sie einfach. Im Satz, wenn ich zu mir rede, kommt natürlich immer das Wort "ich" vor. Aber ich tue viele Dinge auch ohne mit mir innerlich zu reden.

Wenn ich allerdings über das Ich nachdenke oder explizit beobachte, wo ist das Ich, dann kommt der Gedanke "Ich" schon vor. Aber für normale Handlungen nicht.

Wenn ich aber mit jemand anderem im Gespräch bin, und diese Person mich anspricht, dann fühle ich mich schon als jemand, -- also als ein Ich?!. Denn ich werde ja auch so behandelt. Ich denke allerdings nicht explizit darüber nach.

Wenn ich allein für mich Gedanken nachhänge, dann kommt meist ein Ich dabei mit vor. Zum Beispiel, wenn ich mich an das Wochenende erinnere oder Gespräche innerlich Revue passieren lasse, dann sehe ich mich ein bisschen wie eine handelnde Person in einem Film. Das ist doch dann auch wie Jemand, also wie eine Person, ein Ich!?.

Wenn ich aber unmittelbar etwas tue. Zum Beispiel ich führe im Yoga die Übungen aus, die angesagt werden, dann ist da kein Ich. Würde die Yogalehrerin sagen, das machst Du gut, oder ich mag Dich oder nicht. Dann wäre sofort ein starkes Ichgefühl da.


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