sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

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Sharifa
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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Mon Dec 26, 2016 10:02 am

Frucht-Aufgabe, 2. Versuch,
Lege eine Frucht vor dich auf den Tisch.
Was ist zu sehen? Was ist nicht zu sehen? Wie fühlt sich die Frucht an? Wie riecht sie? Wie schmeck sie? Was ist zu hören wenn du in die Frucht beißt?
Beziehe dich bei deiner Beobachtung ausschließlich auf deine Sinne des Sehens, Fühlens, Riechens, Schmeckens und Hörens.
Frucht-Aufgabe, 2. Versuch,
diesmal mit einer heimischen, gestern aufgesammelten MANGO.
Sie liegt vor mir auf einem Teller. Die Benennung mit der Bezeichnung „Mango“ erfolgt wieder sofort. Wäre schön, wenn mir auch die spanischen Vokabeln immer so schnell einfallen würden...
Ich sehe einen Teil der Frucht, die Farben: ein kräftiges Gelb, das an manchen Stellen ins Grünliche oder in Orange übergeht, die Frucht hat auch einige braune Stellen, was innerlich zur Be-Wertung: „nicht so schön“ führt.
Ich drehe die Frucht und stelle erstaunt fest, dass sie von jeder Ansicht anders aussieht, sowohl was die Farbe als auch die Form angeht.
Ich fahre mit den Fingerspitzen über die Oberfläche. Sie fühlt sich glatt an, an den braunen Stellen eher rauh, aber alles wird als „angenehm“ wahrgenommen bzw. (schon wieder) bewertet. Der Geruch ist auch angenehm, süß, „nach Mango“ eben. Ich schneide die Frucht mit einem Messer und das erzeugt ein Geräusch, das im bisher stillen Raum auftaucht. Ich schneide eine Scheibe heraus und ziehe mit den Zähnen das Fruchtfleisch von der Schale ab, schmatzendes Geräusch. Dabei bleiben Fasern zwischen den Zähnen hängen. Der Geschmack wird mit „wohlschmeckend“ bewertet. So esse ich Scheibe für Scheibe die eine Hälfte, die andere ist mir schon zu matschig. Da freut sich nachher unser Schwein.
Was wird in der Wahrnehmung von den Gedanken ergänzt oder hinzugefügt?
Kannst du feststellen wie der Gedankenablauf ist? Hier musst du besonders gut schauen.
Von den Gedanken wird also die Einordnung/Kennzeichnung vorgenommen und - wie mir hier deutlich bewusst wird – die (fast permanente) Bewertung.
Den Gedankenablauf kann ich im Nachhinein nicht mehr rekonstruieren. Das finde ich schon im Verlauf äußerst schwierig, es geht unheimlich schnell. Einmal schaue ich z.B. beim Kauen auf die Vorratsdosen im Küchenschrank und sofort sind die Gedanken weg vom Essen und bei einem anderen Thema, ebenso, als ich aus dem Augenwinkel meine Tochter auf der Couch sitzen sehe. Außerdem merke ich, dass ich innerlich schon manchmal Sätze für den Bericht hier formuliere.

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Ichbin01
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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Mon Dec 26, 2016 6:29 pm

Hallo Sharifa,

das hast Du sehr gut beobachtet.
und daran hindert, die eigene Erfahrung genau wahrzunehmen und zu schätzen.
Ja, nur die direkte Erfahrung zählt. Im LU Forum zu luntzen ist ok, aber es ist sehr wichtig, dass Du ausschließlich bei Deinem eigenen Prozess bleibst und nichts von anderen "übernimmst". Nur Erfahrung aus erster Hand bringen Dich hier wirklich weiter.
Die Benennung mit der Bezeichnung „Mango“ erfolgt wieder sofort....
Ich sehe einen Teil der Frucht, die Farben: ein kräftiges Gelb, das an manchen Stellen ins Grünliche oder in Orange übergeht, die Frucht hat auch einige braune Stellen, was innerlich zur Be-Wertung: „nicht so schön“ führt
Ja genau. Erst kommt die Erfahrung, z.B. Sehen der Frucht und dann sofort die Label-Maschine, die etwas bezeichnet, bewertet, kommentiert.

Lass uns das noch einmal etwas genauer herausarbeiten.
Bitte schreibe bei Deiner 2. Übung (Mango) hinter jeder Aussage, ob es eine Sinneswahrnehmung (S) oder ein Gedanke (G) ist.
Zum Beispiel so: Ich sitzt gerade vor dem Computer und ich nehme deutlich wahr, wie meine Hände sich wie von selbst über die Tastatur bewegen (S). Ach ich könnte ja noch mal von meinem leckeren Tee nippen, den ich zu Weihnachten geschenkt bekommen haben (G). Ich nehme die Tasse, fühle das glatte Porzelan auf der Haut (S). Schöne Tasse (G) usw...

Freu mich auf Deine Beschreibung :-)
Herzliche Grüße - Ichbin

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Sharifa
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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Mon Dec 26, 2016 8:39 pm

Hola, Ichbin,
ich war schon ganz hippelig, wann deine nächste Antwort kommt, damit ich weiß wie's weitergeht! Vor lauter „Verzweiflung“ habe ich dann mal ein bisschen gespickt, wenn du sonst noch so begleitest oder schon begleitet hast. Es ist aber tatsächlich so, dass ich bei meiner eigenen Erfahrung bleiben möchte, daher habe ich mich nicht sehr ins Lesen vertieft!

Zu der Fruchtübung wollte ich noch ergänzen, dass ich das Ganze zwar in der Ich-Form ge- und beschrieben habe, dass es aber während der Übung so war, dass ich „mich“ nicht als Person gesehen habe (also nicht so getan habe, als könnte ich mich von außen beobachten), sondern dass ich quasi mit dem Raum „verschmolzen“ war – ich kann's jetzt nicht besser ausdrücken - und lediglich konzentriert den Ausschnitt Arme, Hände, Messer, Mango wahrgenommen haben und natürlich das, was ich dann im Mund fühlte.

Okay, nun Teil zwei der Aufgabe:
mein „Protokoll“
mit Einfügung von (S) Sinneswahrnehmung und (G) Gedanke

Die MANGO liegt vor mir auf einem Teller. (S)
Die Benennung mit der Bezeichnung „Mango“ erfolgt wieder sofort. (G)
Wäre schön, wenn mir auch die spanischen Vokabeln immer so schnell einfallen würden...(G)
Ich sehe einen Teil der Frucht,(S)
die Farben: ein kräftiges Gelb, das an manchen Stellen ins Grünliche oder in Orange übergeht, die Frucht hat auch einige braune Stellen, (S)
was innerlich zur Be-Wertung: „nicht so schön“ führt.(G)
Ich drehe die Frucht (hm, was ist das jetzt? Weder S noch G, ich bezeichne es mal mit T wie Tätigkeit!)
und stelle erstaunt fest,(S + G: das Feststellen im Sinne von Sehen/Erkennen ist S, das Erstaunen G) dass sie von jeder Ansicht anders aussieht, sowohl was die Farbe als auch die Form angeht.
Ich fahre mit den Fingerspitzen über die Oberfläche. (T)
Sie fühlt sich glatt an,(S)
an den braunen Stellen eher rauh, (S)
aber alles wird als „angenehm“ wahrgenommen bzw. (schon wieder) bewertet. (G)
Der Geruch (S)
ist auch angenehm, süß, „nach Mango“ eben.(G)
Ich schneide die Frucht mit einem Messer (T)
und das erzeugt ein Geräusch, (S) das im bisher stillen Raum auftaucht. (S)
Ich schneide eine Scheibe heraus (T) und ziehe mit den Zähnen das Fruchtfleisch von der Schale ab, (T)
schmatzendes Geräusch. (S)
Dabei bleiben Fasern zwischen den Zähnen hängen. (S)
Der Geschmack wird mit „wohlschmeckend“ bewertet.(G)
So esse ich Scheibe für Scheibe die eine Hälfte, (T)
die andere ist mir schon zu matschig. (S/G)
Da freut sich nachher unser Schwein.(G)
Am Ende habe ich klebrige Finger (S)
und lecke sie alle 10 ab,(T)
was durchaus einen „erotischen Beigeschmack“ hat.(G)

Okay, es ist schon auffällig beim Überlegen und Einordnen, dass praktisch jede Sinneswahrnehmung zu einer Gedankenetikettierung führt oder manchmal beides sozusagen miteinander verschränkt ist. Der Prozess läuft schon so automatisch, dass es mir gar nicht auffällt. Ich glaube, bevor ich das wirklich so Satz für Satz analysiert habe, hätte ich behauptet, dass ich lediglich Sinneswahrnehmungen beschrieben hatte.
Sehr aufschlussreich.

Aber wenn ich nun die ganzen Gedanken einfach abschalten könnte, wäre das Ganze dann nicht auch ein bisschen fad?

Jedenfalls finde ich das super-spannend. So, auch wenn das jetzt eine Gedankenetikettierung war, musste ich das noch loswerden!

Suerte!
Sharifa

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Tue Dec 27, 2016 11:46 am

Liebe Sharifa,

vielen Dank.
Okay, es ist schon auffällig beim Überlegen und Einordnen, dass praktisch jede Sinneswahrnehmung zu einer Gedankenetikettierung führt oder manchmal beides sozusagen miteinander verschränkt ist. Der Prozess läuft schon so automatisch, dass es mir gar nicht auffällt.
Ganz genau. Das hast Du gut beobachtet.
Aber wenn ich nun die ganzen Gedanken einfach abschalten könnte, wäre das Ganze dann nicht auch ein bisschen fad?
Interessante Fragestellung.
Lass es uns ausprobieren ;-) Dazu möchte ich Dich bitten, dass Du folgende Übung machst.
Du brauchst ca 20 Minuten.

Schreibe 10 Minuten lang, was du gerade erlebst und benutze dabei "ich" und "mein".

Mein Beispiel: Ich höre das Klackern der Tastatur. Ich spüre den Druck unter meinen Fingern von den Tasten. Ich sehe, wie die Buchstaben auf dem Bildschirm erscheinen. Ich spüre einen leichten Rückenschmerz.

Spüre deinen Körper. Empfindest du so etwas wie Anspannung oder Entspannung?

Dann schreibe 10 Min. lang, was du gerade lebst ohne "ich" und mein".
Klackern der Tasten. Wechselnder Druck unter den Fingerkuppen. Buchstaben erscheinen auf dem
Bildschirm. Schwenken des Baukranes. Leichtes Ziehen in der Lendenwirbelsäule,

Spüre wieder, was im Körper geschieht.

Vergleiche jetzt die beiden Möglichkeiten, die Erfahrung zu beschreiben. Ist eine wahrer als die andere? Wenn ja, welche?
Was ist ohne die Benennung vorhanden?
Beeinflussen Benennungen die Erfahrung oder beschreiben sie sie einfach?

Freue mich auf Deine Antworten.
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Tue Dec 27, 2016 6:20 pm

Hola, Ichbin,
das hätte ich mir ja denken können, dass meine lapidare Nebenbemerkung nicht ignoriert wird, sondern direkt einer genauen Prüfung unterzogen wird. Super! Danke für die Anregung. Habe die heutigen Vorbereitungen fürs Mittagessen für die Übung genutzt.

Teil Eins:
Schreibe 10 Minuten lang, was du gerade erlebst und benutze dabei "ich" und "mein".
Ich hole einen kleinen Kürbis aus dem Kühlschrank und nehme ein Messer und ein Holzbrett. Ich steichle mit den Händen über die Oberfläche des Kürbis (eine Auswirkung der Frucht-Übung, ansonsten streichle ich nicht unbedingt das Mittagessen, bevor ich es zubereite. Grins.) Er fühlt sich angenehm an, etwas rauh. Ich schneide den Kürbis zunächst in Viertel, entferne die Kerne, und lasse diese in den sogenannten „Miss-Piggy-Eimer“ fallen. Die geschnittenen Viertel unterteile ich nochmal in Scheiben und sammle diese in einer Glasschüssel. Ich hole einen weiteren Kürbis. Der ist deutlich größer und ganz schön schwer. Und ich kann ihn überhaupt nicht gut schneiden. Also hole ich meinen größten Topf, lege den Kürbis hinein und bedecke ihn mit Wasser. Ich drehe das Gas an, „klicke“ mit dem Anzünder am Kocher und stelle den Topf auf die Flamme. Zwischendurch schweifen meine Gedanken ab zu der Mail, die ich gerade von einer ehemaligen Kollegin bekommen habe. Gleich zwei Kollegen in meinem Alter sind gestorben. Ich überlege, wie ich auf diese Nachricht reagieren könnte.
Dann hole ich die Zutaten und eine Schüssel, um eine Marinade für den Kürbis vorzubereiten.

Kurzer Exkurs: Komme mir vor, wie „früher“, wenn ich in Deutsch Klasse 6 oder 7 die Vorgangsbeschreibung durchnahm. Help!

Na, ja das ging halt noch 'ne Weile so weiter.
Spüre deinen Körper. Empfindest du so etwas wie Anspannung oder Entspannung?
Ich fühlte mich „ganz normal“, muss ich sagen. Ein Unterschied wurde mir erst beim zweiten Teil deutlich: Da schnitt ich mich nämlich in den Finger und das war „überhaupt kein Problem“ - Da wurde mir klar, wäre das „im Ich-Modus oder – Fokus“ passiert, hätte ich vermutlich ein bisschen „Trara“ drumherumgemacht, in Gedanken mit mir selbst geschimpft oder so. Genauso rutschte mir einmal was auf den Boden. Das habe ich dann ohne weiteren „inneren“ Kommentar oder Ärger einfach aufgewischt.
Dann schreibe 10 Min. lang, was du gerade lebst ohne "ich" und mein".
Mango liegt auf dem Holzbrett. Messer schneidet Frucht zunächst viermal ein, mithilfe des Messers wird Haut abgezogen, Fruchtfleisch vom Kern geschnitten, auf dem Brett in kleinere Stücke zerteilt, vom Brett in eine Schüssel gekippt. Gleiches Verfahren mit weiteren Mangos.
Hand mit Messer rutscht ab, Messerklinge schneidet in Finger der anderen Hand. Kurzes Brennen, Blut wird wahrgenommen, unter kaltem Wasser abgespült, Brennendes Gefühl lässt nach.
Weitere Zutaten werden auf Holzbrett geschält und kleingeschnitten: Zwiebel, Paprika, Knoblauch, Ingwer. Diese Zutaten rösten in eine wenig Öl in einem kleinen Topf auf der Gasflamme. Mango-Fruchtfleisch wird dazugegeben, gewürzt, alles köchelt vor sich hin.
Restlicher Kürbis wird aus Abtropfsieb in Topf geschüttet, ein Viertel fällt auf den Boden, wird aufgehoben, Matsch weggewischt.
Vergleiche jetzt die beiden Möglichkeiten, die Erfahrung zu beschreiben.
Also, in Teil 2 war ich definitiv konzentrierter bei der Sache. Das klingt fast nach einem Widerspruch, denn alles „geschah“ einfach, auch die beiden „Missgeschicke“ haben den Fluss der Tätigkeiten nicht negativ unterbrochen, es wurde einfach hingenommen und eine entsprechende Handlung (Wunde abwaschen, Sauerei wegputzen) erfolgte ohne weiteren inneren Monolog.
Ist eine wahrer als die andere? Wenn ja, welche?
Ich finde, sie sind beide auf ihre Art und Weise „wahr“. Aber die zweite Möglichkeit ist irgendwie „objektiver“, ohne den kommentierenden „Ich-Erzähler“
Was ist ohne die Benennung vorhanden?
Bin mir nicht sicher, wie die Frage gemeint ist. Ohne die Benennung ist mehr ein „Fließen“ der Handlungen da, eine Einheit von Handelndem und Handlungen, keine Trennung mehr in Subjekt und Objekte.
Wow! Beim Aufschreiben fällt mir auf, dass das ja geradezu grandios ist! Das ist doch genau das, wovon die sog. Meister immer sprechen und was ich mir so schwer vorstellen konnte!?!?! Das ist ja irre!
Beeinflussen Benennungen die Erfahrung oder beschreiben sie sie einfach?
Aufgrund der genannten Erfahrungen trifft das erste zu: die Benennungen beeinflussen die Erfahrung. Die Erfahrung wird häufig ge- und bewertet, verglichen, eingeordnet usw.


Dankeschön, das war wieder sehr aufschlussreich! Hätte ich die Übung in einem Buch gelesen, hätte ich sie vermutlich gar nicht gemacht! (Motto: Was soll'n das jetzt?) Das ist wirklich gut, an diesem System hier: Wenn ich weiß, dass eine Rückmeldung kommt und meine Erfahrung dann auch bestimmt, wie's weitergeht, was als nächstes ansteht.
Das konnte ich mir so vorher gar nicht vorstellen.
Ist wirklich gut! Dankeschön!

Suerte!
Sharifa

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Tue Dec 27, 2016 9:40 pm

Liebe Sharifa,

wow, das hast Du sehr gut beobachtet.
Ich finde, sie sind beide auf ihre Art und Weise „wahr“. Aber die zweite Möglichkeit ist irgendwie „objektiver“, ohne den kommentierenden „Ich-Erzähler“.
Ja, so könnte man sagen.
war ich definitiv konzentrierter bei der Sache. Das klingt fast nach einem Widerspruch, denn alles „geschah“ einfach,
Nein, das ist kein Widerspruch. Was meinst Du: könnte man statt dem Wort "konzentrierter" evtl. auch "direkter" bzw. "ungefiltert" sagen?
ohne die Benennung ist mehr ein „Fließen“ der Handlungen da, eine Einheit von Handelndem und Handlungen, keine Trennung mehr in Subjekt und Objekte.
Ja ganz genau. Das hast Du sehr gut beobachtet.
Und lass uns hier noch einmal noch genauer schauen.
Wenn keine Trennung zwischen Subjekt und Objekt ist, braucht in Deinem Beispiel dann die Handlung einen Handelden?
Die Erfahrung wird häufig ge- und bewertet, verglichen, eingeordnet usw.
Sehr gut beobachtet
die Benennungen beeinflussen die Erfahrung.
Schau hier bitte noch einmal hin, ob das wirklich so ist?
Erfahrung ist Erfahrung, ob bennannt oder nicht! Z.B. Schmerzfühlen bei in Fingerschneiden ist Schmerzfühlen.
Die Beurteilung des Schmerzes ändert den Umgang mit der Erfahrung. Aber nicht die Erfahrung selbst.
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Wed Dec 28, 2016 3:06 pm

Hola, Ichbin,
Dankeschön für deine Rückmeldung!
Zu deinen Fragen:
Was meinst Du: könnte man statt dem Wort "konzentrierter" evtl. auch "direkter" bzw. "ungefiltert" sagen?
Ja, das trifft es viel besser. „konzentriert“ hat so einen angespannten, „gewollten“ Touch.
Wenn keine Trennung zwischen Subjekt und Objekt ist, braucht in Deinem Beispiel dann die Handlung einen Handelden?
Hm, das wirkt fast so ein bisschen paradox. Von außen gesehen ist ja schon ein „Handelnder“ da. Hätte mich jemand beim Kochen gefilmt, wäre „ich“ als Handelnde sichtbar. Aber gleichzeitig gehöre ich zur Handlung dazu, bin eingebettet, nicht getrennt oder diejenige die etwas beschließt und dann ausführt. „Es“ geschieht einfach.
die Benennungen beeinflussen die Erfahrung.

Schau hier bitte noch einmal hin, ob das wirklich so ist?
Erfahrung ist Erfahrung, ob benannt oder nicht! Z.B. Schmerzfühlen bei in Fingerschneiden ist Schmerzfühlen.
Die Beurteilung des Schmerzes ändert den Umgang mit der Erfahrung. Aber nicht die Erfahrung selbst.
Ja, du hast recht. Ich hatte das nicht präzise ausgedrückt. Die Benennung erfolgt ja NACH der Erfahrung,( wenn auch häufig unmittelbar danach) d.h. die Wahrnehmung/Beurteilung hinterher verändert dann etwas – die Interpretation, die Einordnung. So habe ich es auch eher gemeint.

So weit, so gut.
Saludos y suerte!
Sharifa

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Thu Dec 29, 2016 7:54 pm

Hallo Sharifa,
Ja, du hast recht. Ich hatte das nicht präzise ausgedrückt. Die Benennung erfolgt ja NACH der Erfahrung,( wenn auch häufig unmittelbar danach) d.h. die Wahrnehmung/Beurteilung hinterher verändert dann etwas – die Interpretation, die Einordnung. So habe ich es auch eher gemeint.
Ja genau, so funtkioniert die Labeling-Maschine. Es geschieht einfach und dann erfolgt die Interpretation, die Benennung etc..

Sind dann Benennung, Interpretation, Einordung überhaupt notwendig? Bitte berichte ausschließlich aus Deiner Direkten Erfahrung.
„Es“ geschieht einfach.
Ja "Es" geschieht einfach. Schau noch etwas genauer hin.
gehöre ich zur Handlung dazu, bin eingebettet, nicht getrennt oder diejenige die etwas beschließt und dann ausführt.
Wenn es sowieso "geschieht". Ist dann tatsächlich eine "Instanz", "Jemand" oder "Etwas", was "eingebettet ist" irgendwo... eine "Instanz", die zwischen Trennung und Nicht-Trennung unterscheidet etc.?
Oder ist da einfach nur Geschehen ohne irgendetwas "davor", dahinter" oder "dazwischen"?

Bin gespannt :-)
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Fri Dec 30, 2016 11:54 am

Okay.
Ich versuche zu erklären, wo es bei mir momentan noch „hakt“. Ist nicht ganz einfach, ich hoffe, ich kann es verständlich machen:
Immer wieder im „Handlungsablauf“, im „Leben, das geschieht“, merke „ich“ und bleibe an dieser Frage hängen, dass da doch „etwas“ wahrnimmt. Wo „sitzt“ diese Wahrnehmung?!
„Ich sehe“ inzwischen durchaus, dass da keine festgefügte Person ist oder so eine Art „Männchen“ in mir. Trotzdem besteht doch eine Art von „Schicht“ (Bewusstsein?), die das Handeln lediglich wahrnimmt – und somit doch auch „außerhalb“ der Handlung steht? Ansonsten wäre da doch kein Bewusstsein von dem, was geschieht. Allein, dass ich Handlungsabläufe beschreiben kann, wie bei der Fruchtübung oder bei der Kocherei, zeigt das doch. Mir ist nicht klar, wie ich dieses Wahrnehmen/Beobachten dann „einordnen“ kann. Im Moment nehme ich es wahr, wie so eine Art „unsichtbarer Nebel, um meinen Körper herum“, also ausgedehnter als der phyisische Körper.
Mir ist es wirklich wichtig, das „restlos“ zu klären. Denn ich möchte nicht in der Annahme, dass ich „es“ begriffen habe, einfach nur ein neues Konzept überstülpen. Daher meine „Hartnäckigkeit“.
Wäre für einen hilfreichen Hinweis dankbar!

Saludos
Sharifa

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Fri Dec 30, 2016 12:38 pm

Hallo Sharifa,

ja, das sind gute Fragen.
Immer wieder im „Handlungsablauf“, im „Leben, das geschieht“, merke „ich“ und bleibe an dieser Frage hängen, dass da doch „etwas“ wahrnimmt.
Ja Wahrnehmung geschieht, das ist richtig. Die Frage ist, ob es "Etwas" ist. Eine "Instanz" außerhalb/getrennt oder ob Wahrnehmung einfach nur geschieht, ohne einen Wahrnehmenden?
Wo „sitzt“ diese Wahrnehmung?!
die das Handeln lediglich wahrnimmt – und somit doch auch „außerhalb“ der Handlung steht?
Lass uns das noch einmal genauer analysieren.
Stimmt das tatsächlich? Wird Handlung "außerhalb" der Handlung "wahrgenommen". Oder geschieht einfach nur Handlung? Wird einfach nur Handlung wahrgenommen?
Allein, dass ich Handlungsabläufe beschreiben kann, wie bei der Fruchtübung oder bei der Kocherei, zeigt das doch. Mir ist nicht klar, wie ich dieses Wahrnehmen/Beobachten dann „einordnen.
Mach bitte folgende Übung, vielleicht hilft Dir das besser zu verstehen und alles "einzuordnen".
Gehe in einen Park oder in die Natur und nimm dir Zeit zu schauen. Achte auf die Bewegung der Bäume, Sträucher, Pflanzen, Wolken...Sieh, wie sich alles bewegt.

Was bewegt das alles? Gibt es etwas, was das Wetter macht? Gibt es etwas, was macht, dass die Pflanzen wachsen? Was macht, dass die Wolken ziehen und der Wind sich bewegt? Sitzt irgendwo ein Generalmanager, der das alles bewegt?

Richte die Aufmerksamkeit auf die Körperempfindungen. Beobachte, wie auch sie sich bewegen wie alles andere auch. Sieh wie Gedanken Teil derselben einen Bewegung sind.

Gibt es irgendetwas, was von allem anderen getrennt ist?

Gibt es dich, außerhalb des Lebens, das Leben betrachtend? Bist du von der Natur getrennt? Wo ist die Trennlinie, die dich vom Leben selbst trennt? Wo ist die Grenze zwischen hier und dort?

Ich freue mich auf deine Beobachtungen und wünsche viel Freude beim Erkunden.
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Fri Dec 30, 2016 12:41 pm

P.S.
Ich werde bis einschließlich Mittwoch unterwegs sein. Ich werde Dir in dieser Zeit nur vom Handy aus antworten können.
D.h. ich werde die Zitierfunktion nicht nutzten können und auch sonst ist das vom Handy aus noch so komfortabel.
Also nicht wunder wenn´s die Tage etwas "holpriger" wird :-)
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Sat Dec 31, 2016 3:45 pm

Hallo, Ichbin,
Ja, dass die Wahrnehmung ebenfalls einfach geschieht, habe ich jetzt sehr deutlich erlebt. Lustigerweise war das direkt BEVOR ich deine Antwort gelesen habe. Und natürlich mal wieder in der Küche...

Die Übung in der Natur gehört schon seit einiger Zeit zu meinem Tag.
Du fragst:
Was bewegt das alles? Gibt es etwas, was das Wetter macht? Gibt es etwas, was macht, dass die Pflanzen wachsen? Was macht, dass die Wolken ziehen und der Wind sich bewegt? Sitzt irgendwo ein Generalmanager, der das alles bewegt?
Tja, an der Stelle denke ich geht es über die unmittelbare Wahrnehmung hinaus. Natürlich sehe ich den Generalmanager nicht; was aber nicht zwingend bedeutet, dass es „ihn“ - besser „es“ - nicht gibt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass so viele Prozesse nicht „von selbst geschehen“, sondern eben von Gott kommen. Damit meine ich keine Person mit Rauschebart auf einer Wolke, sondern eher eine Energie, die alles durchdringt. Und die eben z.B wenn ein Mensch oder Tier stirbt sich teilweise aus dem Körper zurückzieht. Denn auf materieller Ebene ist kein Unterschied zwischen einem lebendigem und einem toten Körper. Und trotzdem ist es ein riesen Unterschied! Bei letzterem setzen die Verwesungsprozesse ein. Solange das Wesen noch „beseelt“ ist nicht. Wir konnten das neulich ziemlich drastisch erleben, als unsere Kuh gestorben ist. Natürlich geht die Transformation weiter. Weiterhin ist alles mit allem verbunden.

Ich hoffe, ich kann mich da klar ausdrücken: an der Stelle ist - glaube ich – Schluss mit meiner direkten Erfahrung. Mir erscheint an der Stelle „Glaube“ an eine höhere Macht logisch. Dir vielleicht nicht, weiß ich nicht. Für mich bedeutet das aber nicht, dass ich nun meine, dass ich Rituale anwenden muss/kann oder diesem Gott meine Vorstellungen durch Gebete aufschwatzen kann. Insofern ist sozusagen keinerlei Unterschied zwischen Glauben und Nicht-Glauben. Eher so ein Hinnehmen/Annehmen, dass da etwas ist, das alles durchdringt.
Gibt es irgendetwas, was von allem anderen getrennt ist?
Nein. Die Trennung ist scheinbar. Das habe ich zum ersten Mal erlebt durch die „Experimente“ von Douglas Harding. Ich weiß nicht, ob du die „Kopflosigkeit“ kennst?! Jedenfalls ist das eine geniale Art direkt zu sehen. Da gibt es eine Übung mit geschlossenen Augen und man spürt bestimmten Fragen nach. Ganz einfache Dinge, z.B. wie groß oder klein bin ich? Und da habe ich ganz deutlich gemerkt, dass der Körper keine Begrenzung ist. Und ebenfalls in der Natur, wenn ich feststelle, dass ich meinen Kopf nicht sehe und dass da, wo andere einen Kopf haben, bei mir alles „offen“ ist und die Natur, den Himmel einfach ALLES einschließt.

Ja, so gesehen, ist dieses Beharren auf einer Art von Trennung schon ein bisschen lächerlich! Das ist so ein bisschen, wie ein trotziges Kind, dem man 50 mal etwas erklärt und es beharrt aber trotzdem auf seinem „ich will aber“.
Ist das so, dass die „Gehirnwäsche“ so gut funktioniert hat, dass ich selbst nach diesen Erfahrungen anscheinend immer wieder an alten Vorstellungen„hängenbleibe“?!

Saludos!
Sharifa

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Sun Jan 01, 2017 6:41 pm

Liebe Sharifa, tut mir leid, dass ich mich erst jetzt melde. aber die verbindung hier ist ausserordentlich schlecht. zudem hab ich mir eine erkältung eingefangen. ich werde mich wohl erst am mittwoch wieder bei dir melden.

bis dahin, lieben gruss und ich wünsche dir ein frohes neues jahr.
astrid
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Sharifa » Sun Jan 01, 2017 9:01 pm

kein Problem,
kuriere dich gut aus!

Saludos
Sharifa (ich tippe auch immer fast meinen "richtigen" Namen...)

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Re: sehen und leben, wer (oder was?) ich wirklich bin

Postby Ichbin01 » Wed Jan 04, 2017 7:41 pm

Liebe Sharifa,
so da bin ich wieder :-)
Ja, dass die Wahrnehmung ebenfalls einfach geschieht, habe ich jetzt sehr deutlich erlebt.
Ja, Wahrnehmung geschieht einfach. Es ist einfach nur wahrnehmen, richtig?
Mir erscheint an der Stelle „Glaube“ an eine höhere Macht logisch....Eher so ein Hinnehmen/Annehmen, dass da etwas ist, das alles durchdringt.
Ist das nun Glaube oder Erfahrung?
Ist diese "höhere Macht" eine "Instanz" ist da ein "etwas" oder sind da Prozesse?
Hat die "höhere Macht" eine Absicht? Hast "Du" Kontrolle darüber, was diese Macht tut oder nicht tut? Hat diese "höhere Macht" Kontrolle darüber oder eine Absicht?
Und wer bis Du im Vergleich zu dieser "höheren Macht".
Gibt es da diese "Instanz" "außerhalb" von Dir? Also dort "oben" das große die höhere Macht und hier unten "Du", das Kleine?

Bitte beantworte diese Fragen außschließlich aus deiner direkten Erfahrung und zwar hier und jetzt.
Nicht was Du dazu gelesen hast, nicht was Du dazu denkst, nicht was Du dazu gelernt hast. Und auch nicht welche Übung Du dazu irgend wann einmal gemacht hast.

Was ist hier und jetzt in Bezug auf die Fragen?
Ist das so, dass die „Gehirnwäsche“ so gut funktioniert hat, dass ich selbst nach diesen Erfahrungen anscheinend immer wieder an alten Vorstellungen„hängenbleibe“?!
Ja, Du bleibst daran hängen, weil Du an Deiner Direkten Erfahrung zweifelst. Stimmt´s? Das Konzept des ICHs ist so stark in uns eingepflanzt, dass wir es "wahr" hinnehmen.
Schau noch einmal genau hin, was ist Wahrheit aus Deiner direkten Erfarhung heraus. Wenn du nur ganz HIER und ganz JETZT bist und Dich z.B. im Raum umschaust. Was nimmst Du wahr?
Herzliche Grüße - Ichbin


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