1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Ich, mich, Selbst sind nur Gedanken in Worte, Benennungen ausgedrückt. Bis auf Gedanken gibt es das nicht wirklich.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Die Ichillusion entsteht durch die Identifikation mit Gedanken, die in Zusammenhang mit Gefühlen gebracht werden. Bsp.: Ich laufe, während ich auf ein Handy schaue, gegen ein Verkehrsschild. Autsch taucht als Gedanke auf, nachdem der Zusammenstoß wahrgenommen wurde. Weitere Gedanken folgen dem ersten. Die Hand geht unwillkürlich zu "meinem" Kopf. Er ist im Erfahrungsbereich näher, als das Verkehrsschild. "Zwischen Beidem" gab es letztendlich nur die Wahrnehmung von Druck, eventuell wurden Temperaturunterschiede wahrgenommen. Die Gedanken folgen der Wahrnehmung unmittelbar, weshalb sie als wahr angenommen werden. Ohne Worte, die die Gedanken benennen können, bleibt nur die Wahrnehmung und undefinierbare Gedanken.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Es fühlt sich erleichternd an, aber auch ernüchternd und lustig. Anders als vorher scheint manches müheloser von statten zu gehen. Gedanken können vorüber ziehen. Lösen sie "gute" Gefühle aus, kann mit ihnen "gespielt" werden. Gedanken werden als Gedanken erkannt. Schwierig zu beschreiben, was gerade passiert. Auf der anderen Seite ist aber auch "alles wie vorher". Das Leben wird "anders" erfahren.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Das Experiment jedem Impuls sofort nachzugehen, egal ob "Unlust", "Angst", "Albernheit" als Gefühl definiert wurde. Den Gefühlen nachfolgenden Gedanken wurde kurz Aufmerksamkeit geschenkt, ehe wieder Wahrnehmung war.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle sind Gedanken, die auftauchen. Sie entstehen in Verbindung mit weiteren Gedanken und Gefühlen,. Gedanken stehen dabei "gleichberechtigt" neben der Wahrnehmung. Ich denke nur, dass ich die Kontrolle habe.
Bsp.: Ich möchte ins Schlafzimmer, finde mich aber in der Küche wieder, ohne es bemerkt zu haben. Bevor ich losging, hatte ich den Gedanken "Ich gehe ins Schlafzimmer" wahrgenommen, ihn vorbei ziehen lassen (ihm keine große Aufmerksamkeit geschenkt), um war plötzlich in der Küche, als die Wahrnehmung wieder bewusst wurde.
Noch ein Beispiel von jetzt. Jetzt wird Druck in den Fingern wahrgenommen. Der Gedanke des Schreibens taucht auf. Weitere Gedanken folgen. Immer wieder Pause, scheinbares Nichtstun, weil Gedanken gesucht werden, die geschrieben werden können. Warten auf den nächsten Impuls. Ich will hier die Fragen beantworten, und kriege es nur schleppend hin, hab es also nicht unter Kontrolle. Ich bin nicht dafür verantwortlich, dass die Gedanken, die ich hier gerade schreibe, so schleppend vorbei ziehen. Noch weniger bin ich dafür verantwortlich, wenn ich denke, das versteht keiner, dass und was ich hier grad schreibe.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Eigentlich schon. Mir fehlen die Worte.
Bleibt mir nur mich ganz herzlich für deine Begleitung zu bedanken. Es war sehr erhellend tiefer "reinzuschauen".