Motomenai, ohne Verlangen

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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Ghata » Sun Jan 31, 2016 8:57 am

Lieber Taiwa,

:-) eben war der Stockhieb nur in Gedanken - im Zendo ist er real und das Fühlen auch.
Die Hände auf der Tastatur kann ich auch sehen, jedoch kann ich den Sinneseindruck Fühlen nicht sehen. Das Fühlen gibt es nur in unserer Vorstellung der Gedanken und nicht real, da hierzu der Fühlende, das Ich, was wir glauben was da fühlt, nicht existent ist. Fühlen ist nur Fühlen , mehr nicht.

Ich habe ein Experiment für dich. Probiere aus, was der Unterschied ist zwischen Sinneswahrnehmungen in Gedanken, realen Sinneswahrnehmungen und Worten über Sinneswahrnehmungen:

Suche dir ein Stück Obst aus und lege es vor dich hin. Ich werde die Übung am Beispiel der Apfelsine beschreiben.

Schließe die Augen. Stelle dir vor, wie du die Apfelsine in die Hand nimmst. Wie schwer ist sie? Ist sie weich, hart, hat sie schon faule Stellen? Wie fühlt sich die Schale an? Rieche an ihr. Dann nimm in Gedanken ein Messer und schäle sie. Riechst du, wie der Geruch sich intensiviert? Geht die Schale gut ab? Teile die Apfelsine und probiere sie. Ist sie süß oder sauer? Saftig oder eher trocken? Schlucke sie. Merkst du, wie sie den Mund verlässt?

ÖFFNE DIE AUGEN

Jetzt nimm die Apfelsine wirklich in die Hand und mache die Übung noch einmal.

Wie hast du die Gedanken-Apfelsine erlebt und wie die reale? Gab es einen Unterschied zwischen den beiden Erfahrungen?
Schreibe alles auf. Wie erlebst du die Apfelsine beim Schreiben darüber?

Ist ausschließlich das Sehen eine reale Sinneswwahrnehmung, alles andere nur in Gedanken?


Ich freue mich auf deinen Bericht.

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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Taiwa » Sun Jan 31, 2016 2:58 pm

Liebe Ghata,
nun beginne ich mit dem Experiment. Ich suche mir dazu eine Mandarine aus. Mit geschlossenen Augen stelle ich mir vor eine Mandarine aus dem Netz zu nehmen und zu essen.
Nachdem meine Zeigefinger das Netz zerrissen haben, entnehme ich in Gedanken eine Mandarine. Ich kann nicht genau sagen, ob sie hart oder weich ist. Wenn ich daran rieche, rieche ich schwach den Geruch einer Mandarine. Ich fange an die Schale zu entfernen. Es geht schwer, Saft verspritzt und riecht lecker nach Mandarine. Ich nehme das erste Stück in den Mund und es schmeckt nach Mandarine, saftig, wie die gestern Abend beim Abendessen. Ich fühle sogar die klebrigen Hände vom abschälen und dem Saft.

Nun öffne ich die Augen. Das Netz mit den Mandarinen liegt noch unversehrt vor mir.

Jetzt öffne ich wirklich das Netz und entnehme eine Mandarine. Es geht schwer und das zerreißen tut an den Fingern weh. Die Mandarine fühlt sich kühl an und ich betrachte die Schale. Wunderschön und keine Mängelstellen. Beim endfernen der Schale riecht es nach Mandarine und es spritzt tatsächlich Saft über meine Hände. Nun sehe ich, dass die weiße Haut schwer abgeht. Ich knibbel sie ab, da ich sie nicht mag. Das erste Stück im Mund, mmm lecker saftig, aber etwas sauer. Die eben in Gedanken schmeckte irgendwie besser, süßer.
Als Unterschied nun beim Schreiben kann ich feststellen, dass die Sinneseindrücke aus Fühlen und Sehen zusammen ein realeres Bild der Mandarine erzeugen. In Gedanken ähnelte das Bild der realen sehr, jedoch war es anders. Nicht so intensiv und scharf.
Die vorgetäuschten Sinneswahrnehmungen unserer Gedanken sind Spiegelbilder von vergangenen Sinneswahrnehmungen und können genauso real sein, wie die gerade frisch auf uns einwirkenden Sinneswahrnehmungen.

Nun gehe ich die Hände waschen.
Liebe Grüße - Taiwa
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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Ghata » Sun Jan 31, 2016 5:45 pm

Lieber Taiwa,

sehr schön :-)
In Gedanken ähnelte das Bild der realen sehr, jedoch war es anders. Nicht so intensiv und scharf.


Genau, das Abbild in den Gedanken verliert im Vergleich zur realen Erfahrung.

die Sinneseindrücke aus Fühlen und Sehen zusammen ein realeres Bild der Mandarine erzeugen
Wo erscheint dieses Bild?

Das Fühlen gibt es nur in unserer Vorstellung der Gedanken und nicht real, da hierzu der Fühlende, das Ich, was wir glauben was da fühlt, nicht existent ist
Ist ausschließlich das Sehen eine reale Sinneswahrnehmung und alles andere nur in Gedanken und nicht real? Bitte nimm ausführlich dazu Stellung.


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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Taiwa » Sun Jan 31, 2016 6:51 pm

Hallo Ghata,
es macht Spaß mit dir zu schreiben und ich bin gespannt, was du hierzu schreibst.
die Sinneseindrücke aus Fühlen und Sehen zusammen ein realeres Bild der Mandarine erzeugen

Wo erscheint dieses Bild?
Nun, wo erscheint dieses Bild ? Eine gute Frage. Unser Gehirn nimmt die Auswertung mit Hilfe des Auge (sehen), dem Fühlen der Finger und einem Teil beigemischter Erfahrung aus vergangener Zeit vor. Das Bild entsteht dann in unserem Denken. Vielleicht ist Bild eine falsche Bezeichnung und es müsste eher Ergebnis heißen.
Ist ausschließlich das Sehen eine reale Sinneswahrnehmung und alles andere nur in Gedanken und nicht real? Bitte nimm ausführlich dazu Stellung
Nicht allein das sehen ist eine reale Sinneswahrnehmung, sondern alle durch unsere Sinne wahrgenommenen Dinge sind reale Sinneswahrnehmungen. Die vorgetäuschten Sinneswahrnehmungen unserer Gedanken sind Spiegelbilder von vergangenen echten (direkten) Sinneswahrnehmungen und können genauso real erscheinen, wie die gerade frisch auf uns einwirkenden Sinneswahrnehmungen. Mit der Aussage, dass das Fühlen nur in der Vorstellung unserer Gedanken existiert und nicht real ist, meine ich, dass es ein Gefühl ist. Ich will es mal versuchen anders zu beschreiben. Wenn mir jemand große Angst macht, so kann es Schmerzen verursachen genau wie Trauer. Es ist aber ein Schmerz der im Geiste real erscheint und auch reale Wirkung (z.B. Tränen) haben kann, jedoch nicht Materiell real ist. Wenn ich mir mit einem Hammer auf den Finger schlage, so spüre ich einen realen Schmerz aufgrund der Verletzung und nicht wie bei der Trauer durch Denken. Beide Arten von Schmerz entstehen in unserem Gehirn und haben in der realen Vorstellung ähnliche Auswirkungen.

Liebe Grüße - Taiwa
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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Ghata » Sun Jan 31, 2016 7:07 pm

Lieber Taiwa,
Das Bild entsteht dann in unserem Denken. Vielleicht ist Bild eine falsche Bezeichnung und es müsste eher Ergebnis heißen.
Man könnte es Ergebnis nennen oder einen Gedanken, der als geistiges oder mentales Bild erscheint.

Unser Gehirn nimmt die Auswertung mit Hilfe des Auge (sehen), dem Fühlen der Finger und einem Teil beigemischter Erfahrung aus vergangener Zeit vor.
Und das ist das gedankliche Konzept, wie es vor sich geht. Genau wissen können wir es allerdings nicht, da wir das Gehirn nicht direkt mit den Sinnen beobachten können.
Wenn mir jemand große Angst macht, so kann es Schmerzen verursachen genau wie Trauer. Es ist aber ein Schmerz der im Geiste real erscheint und auch reale Wirkung (z.B. Tränen) haben kann, jedoch nicht Materiell real ist.
Untersuche das einmal.
Denke an eine Situation, die dir wirklich sehr unangenehm war. Was passiert im Körper?
Spürst du erinnerte Empfindungen in Form eines Gedanken oder Empfindungen, die gerade jetzt im Körper stattfinden und wahrgenommen werden und damit real sind? Was spürst du genau, beschreibe es.


Alles Liebe _()_
Ghata
P.S. Morgen werde ich erst nachmittags antworten könnnen.
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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Taiwa » Sun Jan 31, 2016 7:59 pm

Liebe Ghata,
ich versuche es mal ...
Wenn mir jemand große Angst macht, so kann es Schmerzen verursachen genau wie Trauer. Es ist aber ein Schmerz der im Geiste real erscheint und auch reale Wirkung (z.B. Tränen) haben kann, jedoch nicht Materiell real ist.

Untersuche das einmal.
Denke an eine Situation, die dir wirklich sehr unangenehm war. Was passiert im Körper?
Spürst du erinnerte Empfindungen in Form eines Gedanken oder Empfindungen, die gerade jetzt im Körper stattfinden und wahrgenommen werden und damit real sind? Was spürst du genau, beschreibe es.
Ich denke an eine sehr unangenehme berufliche Situation, welche ich als bedrohlich und ungerecht empfand ...

was passiert gerade in meinem Körper? Nun, ich bemerke wie es sich vor dem geistigen Auge (in Gedanken) wiederholt und ich ärgerlich werde. Ich beobachte diese Erinnerung weiter. Es fühlt sich unangenehm an und ich verändere meinen sonst freundlichen Gesichtsausdruck in ein ernstes Gesicht. Ja, ich weis es ist keine reale Bedrohung, jedoch bringt es mich real zu einer Veränderung, wie beschrieben.
Nun beobachte ich die Situation nochmals, jedoch von außen, wie als unparteiischer. Ich sehe die selbe Situation ohne mich darüber zu ärgern, da dort zwei Menschen miteinander ein Problem haben, nicht ich. Mir fällt eine Lösung ein und eigentlich brauche ich darüber garnicht mehr nachzudenken, denn es ist ja Vergangenheit.
Ich stelle fest, dass mich diese vergangene Situation damals wie heute nur berühren konnte, da ich Partei angenommen habe. Mein EGO ICH fühlte sich angegriffen und musste verteidigt werden. Da es nicht möglich war, blieb diese Erinnerung daran. Die Lösung: Niemals Partei ergreifen :-)

Erwarte gespannt deine Antwort ...

Lieben Gruß - Taiwa
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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Ghata » Sun Jan 31, 2016 9:01 pm

Lieber Taiwa,

wirklich eine unangenehme Situation! Danke für die ausführliche Beschreibung deiner Reaktionen.

Ich stelle fest, dass mich diese vergangene Situation damals wie heute nur berühren konnte, da ich Partei angenommen habe. Mein EGO ICH fühlte sich angegriffen und musste verteidigt werden.
Wer/was hat Partei ergriffen und dann beschlossen, keine Partei mehr zu ergreifen?
Wessen Ego Ich war angegriffen?
Was wird durch das Wort "Ego Ich" beschrieben?

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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Taiwa » Mon Feb 01, 2016 9:01 am

Liebe Ghata,
die Begleitung durch dich bringt mich wirklich dazu, genau hinzusehen und selbst vergangenes noch einmal zu betrachten. Lieben Dank dafür !
Taiwa wrote: „Ich stelle fest, dass mich diese vergangene Situation damals wie heute nur berühren konnte, da ich Partei angenommen habe. Mein EGO ICH fühlte sich angegriffen und musste verteidigt werden.“

Wer/was hat Partei ergriffen und dann beschlossen, keine Partei mehr zu ergreifen?
Wessen Ego Ich war angegriffen?
Was wird durch das Wort "Ego Ich" beschrieben?
Damals hat mein angegriffenes und gekränktes Ich Partei ergriffen und gemeint sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen zu müssen. Das Ich dachte wirklich, da ist ein realer Angriff gegen meinen Körper / gegen meine Gesundheit. Tatsächlich war es eine Reaktion auf eine heute nicht mehr ganz klare Aktion von mir. Ursache und Wirkung eben. In der Erinnerung daran kommt es mir ähnlich vor und erzeugt sogar immer noch Greul, so ein komisches Gefühl, anders wie damals, aber noch spürbar, was auf eine damals sehr starke Emotion hinweist, jedoch weis ich heute, dass da nur ein anderes Ego gegen etwas Unbeständiges und nicht bestehendes, eben meinem Ich, sich verteidigen wollte.
Mit Ego ist nur ein anderer Name für ein Ich gemeint. Beides ist eine Bezeichnung, ein Name für etwas nicht auffindbares.
Diesen Namen vergaben wir irgendwann in der Vergangenheit, ja sogar unmerklich, um etwas zu haben an dem wir etwas festmachen können. Zum Beispiel einen Angriff gegen unsere Meinung. Vor dieser Entwicklung zu einem Denken mit dem Gedanken an ein eigenständiges und verletzliches Ich, waren wir in einem ungeborenen Geist. Wir wussten nichts von einem Ich. Wir konnten keine Partei für uns oder jemanden/etwas ergreifen.

Vor einer Weile habe ich ein Buch von Prof. G. Hütter gelesen und er beschrieb darin die Entwicklung eines Kindes aus Sicht der Gehirnforschung. Wann das Ego/Ich in etwa entsteht und wodurch. Nun, es ist gleich wann, oder wodurch es entsteht, wichtig ist, dass ich heute bemerke, wenn ein Ich vor mir steht und spricht. Die direkte Betrachtung macht es möglich.

Liebe Ghata, freue mich auf deine Antwort.
_/\_ Taiwa
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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Ghata » Mon Feb 01, 2016 11:44 am

Lieber Taiwa,

danke für deine ausführliche Antwort.

Ja, das Ich entwickelte sich in der Kindheit aus dem, was im Zen der ungeborene Geist genannt wird.

Reaktionen auf Situationen sind auch nach dem Durchschauen der Ich-Illusion möglich. Das Ich hat viele Schichten, die jeweils subtiler werden. "Ich will das" und "Ich will das nicht" ist eine weitere Schicht und es gibt noch einige mehr.

Wie gehst du heute mit so einer Situation um?
Gibt es etwas, was in solchen Situationen entscheidet, innerlich auf Abstand zu gehen und nicht zu reagieren?



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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Taiwa » Mon Feb 01, 2016 12:24 pm

Liebe Ghata,
seit der beschriebenen Situation in der Vergangenheit hat sich einiges verändert. Genau genommen hat sich noch nicht einmal etwas verändert, sondern nur die Sichtweise darauf. Werde versuchen es zu beschreiben.
Wie gehst du heute mit so einer Situation um?
Diese damalige Situation wird sich noch sehr oft im Leben zeigen, denn das ist Leben.
Heute reagiere ich nicht und übernehme keine Partei für mich oder irgendetwas, sondern schaue genau hin. Manchmal muss ich plötzlich lächeln, irgendwie scheint sich alles zu wiederholen. Mir ist jedoch bewusst, dass sich dort gerade in diesem Moment kein Krieg anbahnt, sondern nur in den Gedanken sich etwas zusammen braut. Es ist einfach so und bedarf keiner Kommentierung. Es besteht aus Sinneswahrnehmungen, mehr nicht.
Gibt es etwas, was in solchen Situationen entscheidet, innerlich auf Abstand zu gehen und nicht zu reagieren?
Nein, es gibt nichts und niemanden, der in solchen Situationen entscheidet auf Abstand zu gehen. Alles was geschieht, geschieht einfach, mehr nicht. Durch ein betrachten ohne Ich, entfällt ein reagieren desselben.

Lieben Gruß
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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Ghata » Mon Feb 01, 2016 4:04 pm

Lieber Taiwa,

du hast sehr lebendig beschrieben, wie sich die Reaktionen verändern, wenn das Ich als Illusion erkannt wurde. Es wird nicht mehr so stark reagiert oder sogar gar nicht.

Das geschieht nicht bei jedem automatisch oder in vollem Umfang. Man kann dann auch noch gezielt die Natur von Begehren und Abneigung betrachten, womit dann die Grundlage für Reaktionen entfällt.

Ich möchte mit dir noch einmal die Körperreaktionen anschauen. Körperreaktionen können sowohl nach Gedanken als auch nach Sinneswahrnehmungen auftreten.
Wenn mir jemand große Angst macht, so kann es Schmerzen verursachen genau wie Trauer. Es ist aber ein Schmerz der im Geiste real erscheint und auch reale Wirkung (z.B. Tränen) haben kann, jedoch nicht Materiell real ist.

Der Gedanke ist real - du kannst ihn wahrnehmen - der Inhalt des Gedanken nicht. Du kannst die Mandarine, an die du denkst, nicht essen.

Obwohl der Gedankeninhalt nicht real ist, ruft er Körperempfindungen hervor, die gefühlt werden können und damit real sind. Körperempfindungen sind Druck, Kribbeln, Wärme, Kälte, einengendes Gefühl, Anspannung, Entspannung.

Dasselbe geschieht in einer realen Situation wie der, die du geschildert hast.


Denke also noch einmal an eine Situation, du kannst auch gern eine schöne Situation nehmen, und achte auf die Körperempfindungen. Erlaube, dass sie sich voll entfalten.

Wo treten sie genau auf, welche Ausdehnung haben sie?

Wie fühlen sie sich genau an? Verändern sie sich?

Tragen diese Körperempfindungen bereits einen Namen wie Druck oder Kribbeln, Angst, Freude oder Ärger? Wo kommt dieser Name her und wann kommt er dazu?

Gibt es die gefühlten Körperempfindungen und jemanden, der fühlt, oder einfach nur fühlen?

Folgt auf diese Körperempfindungen wiederum etwas und wenn ja, was?


Ich freue mich auf deine Antwort.


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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Taiwa » Mon Feb 01, 2016 4:56 pm

Liebe Ghata,
hier meine Antwort zu deinen Fragen.

[quoteDenke also noch einmal an eine Situation, du kannst auch gern eine schöne Situation nehmen, und achte auf die Körperempfindungen. Erlaube, dass sie sich voll entfalten.][/quote]
• Ich denke an eine Beerdigung eines lieben Freundes.
Wo treten sie genau auf, welche Ausdehnung haben sie?
Die Empfindungen zur Erinnerung an die Beerdigung treten in Gedanken auf. Die Gedanken sind so real, dass sie die Empfindung Trauer und damit auch Tränen auslösen. Die Empfindung selber ist aber nicht real. Das Ergebnis Tränen ist real und der Gedanke ist real.
Wie fühlen sie sich genau an? Verändern sie sich?
Die Gedanken verändern sich bei jedem erneuten denken an dieses Erlebnis. Mit der Zeit werden sie schwächer und verblassen.
Tragen diese Körperempfindungen bereits einen Namen wie Druck oder Kribbeln, Angst, Freude oder Ärger? Wo kommt dieser Name her und wann kommt er dazu?
Das Ergebnis der Körperempfindung Trauer / Schmerz, auch wenn nur wie in diesem Fall in Gedanken, sind die Tränen. In diesem Fall haben sie den Namen Trauer / Schmerz bekommen. Der Name kommt automatisch durch die Namensgebung für alles in Gedanken dazu. Ich gebe beim Denken den Empfindungen in Gedanken die Namen, obwohl kein Ich da ist, was sie benennen kann.
Gibt es die gefühlten Körperempfindungen und jemanden, der fühlt, oder einfach nur fühlen?
Die Gedanken gibt es, jedoch nicht die gefühlten Empfindungen und es gibt auch niemanden der fühlt. Es ist einfach nur denken und fühlen.
Folgt auf diese Körperempfindungen wiederum etwas und wenn ja, was?
In diesem Beispiel wurden durch Gedanken Empfindungen von Trauer hervorgerufen, welche reale Tränen erzeugten.

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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Ghata » Mon Feb 01, 2016 4:59 pm

Lieber Taiwa,
Die Empfindungen zur Erinnerung an die Beerdigung treten in Gedanken auf. Die Gedanken sind so real, dass sie die Empfindung Trauer und damit auch Tränen auslösen. Die Empfindung selber ist aber nicht real. Das Ergebnis Tränen ist real und der Gedanke ist real
Welche Empfindungen sind nicht real?


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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Taiwa » Mon Feb 01, 2016 6:02 pm

Liebe Ghata,
manchmal fällt es mir schwer die Worte zu finden :-)
Welche Empfindungen sind nicht real?
Ich versuche es auszudrücken.
Der Gedanke an die Beerdigung löst eine Empfindung (Trauer) aus, welche sich durch Tränen zeigt.
Die Tränen sind real. Die Empfindung der Trauer ist nicht real.

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Re: Motomenai, ohne Verlangen

Postby Ghata » Mon Feb 01, 2016 6:07 pm

Lieber Taiwa,
Der Gedanke an die Beerdigung löst eine Empfindung (Trauer) aus, welche sich durch Tränen zeigt.
Bitte beschreibe genau, wo du diese Empfindung fühlst, wie es sich anfühlt und woher du weißt, dass es Trauer ist, abgesehen davon, dass dir die Tränen kommen. Achte auf den Körper.


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