Re: Hin und her
Posted: Sun Jan 29, 2012 7:43 pm
Was ist denn das Selbst?Ich habe gesehen, dass es eine Gewohnheit ist, an ein Selbst zu glauben.
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Was ist denn das Selbst?Ich habe gesehen, dass es eine Gewohnheit ist, an ein Selbst zu glauben.
So wie ich es jetzt sehe: Eine Fiktion.Was ist denn das Selbst?
Diese Frage kann ich Dir erst später wirklich beantworten, bin gegenwärtig allein. Werde es gerne beobachten. Rein theoretisch kann ich nur sagen, dass "ich" ja nicht anders bin wegen diesem Wissen, denn "mich" gibt es ja nicht. Es wird also geschehen, was geschieht.Wie ist es, mit diesem Wissen mit anderen Personen zusammenzusein? Wie fühlt es sich an, wenn jemand eine Überzeugung äußert, die dir zuwider ist? Was passiert dann?
Heute war ich nicht viel mit anderen Menschen zusammen, hatte aber immerhin ein vereinbartes Gespräch über ein für mich unbequemes Thema. Ich stelle im Nachhinein keinen Unterschied fest, wie ich mit diesem Mann interagiert habe. Oder doch, vielleicht schon: Es kann sein, dass ich in der Gesprächssituation gelassener war. Mein Reagieren und meine Art war einfach so, wie sie war. Da war kein bewusster Gedanke während des Gesprächs, dass es "mich" nicht gibt, aber es scheint, als ob dieses Wissen sich trotzdem auswirkte. Das Gespräch verlief unproblematisch und ganz natürlich.Wie ist es, mit diesem Wissen mit anderen Personen zusammenzusein? Wie fühlt es sich an, wenn jemand eine Überzeugung äußert, die dir zuwider ist? Was passiert dann?
Davon habe ich heute nicht viel erlebt, jedenfalls nicht bewusst. Werde aber aufmerksam bleiben.Ich will darauf hinaus, daß du beobachten sollst, wie sich an direktes Erleben (Wahrnehmung, Gefühle...) *hinterher* eine Art Bestätigung der Geschichte "Iris ist so und so" dranhängt.
Wenn die Gedanken sich nicht mehr an einer Ich-Vorstellung festhaken können, rutschen sie einfach ab. Sie tauchen zwar auf, verschwinden dann aber auch wieder.Rein vom Erleben her merkte ich heute immer wieder, dass eine Gelassenheit in Bezug auf „Ich“ da war. Wie ein ganz kurzes Checken und Wahrnehmen: Ah ja, da ist kein Ich. Im Moment ist es so, wie wenn die Gedanken nicht mehr in eine Tiefe hineinwurzeln, wie vorher. Komisches Bild, aber es fängt in etwa auf, wie die Gedanken zwar da sind, aber sich wie eine Oberflächenbewegung anfühlen.
Es ist da kein grosses Aha mehr oder irgendein spezielles Gefühl oder eine spezielle Erkenntnis.
Es ist sehr deutlich erkennbar, dass erst nach der Handlung der Gedanke kommt, dass „ich“ das gemacht, gehört, gedacht etc. habe. Das ist witzig zu bemerken. Es ist sowas wie ein laufender Kommentar, der eigentlich gar nicht nötig ist. Aber auch nicht unbedingt stört, solange er nicht geglaubt wird. Ohne einen Glauben an ein „ich“ ist dieser hinterherhoppelnde feststellende Kommentar eigentlich ganz süss...Beobachte mal, was vor sich geht bei alltäglichen Handlungen. Wer beschließt, sich hinzusetzen aufzustehen, zu husten, zu sprechen, zu lächeln, traurig zu sein etc. ? Zu welchem Zeitpunkt kommt der Gedanke "ich wollte mich hinsetzen"?
Du wirst lachen, ich bin zurzeit so wenig unter Menschen, dass ich Deine Hausaufgabe bis jetzt nicht machen konnte! Bzw. kam mir die Aufgabe während der paar Kontakte nicht in den Sinn. Unvertraut ist mir das, wonach Du fragst, allerdings nicht. Vor ca. einem Jahr begann ich damit, in Situationen, wo ich merkte, dass bei mit irgendwelche Konflikte auftauchten, während ich einen anderen Menschen wahrnahm (meist wertende Gedanken der anderen Person oder mir selbst gegenüber), die Haltung einzunehmen: "Ich will diesem Menschen begegnen". Es ist ganz frappant, was dann geschieht. In mir lösen sich sämtliche Grenzen auf, die ja durch Gedanken, Ängste, Konditionierungen entstehen, und dann gibt es "mich" nicht. In diesem freien Feld geschieht Begegnung furchtlos und ganz simpel. Ich kann dann wirklich hören, was der andere Mensch sagt (ohne meine üblichen Filter) und kann (angst)frei darauf reagieren. Es zeigen sich noch weitere Facetten der Situation, vor allem auch solche, die mein Verhalten und meine Haltung / Identifikation hell erleuchten. Sie werden in einem neutralen Licht sichtbar, was aber oft ein Schmunzeln auflöst, ein verständnisvolles Erkennen. Mir selber gegenüber und auch den anderen Personen gegenüber.Wenn du mit andern zusammen bist, und du nimmst bewusst die ichlose Perspektive ein, wie fühlt sich das an? Ohne ein fiktives Ich verteidigen zu müssen... Zuhören als ob es nur den Standpunkt des Gesprächspartners gäbe. (gäbe?)
Ich kann dann wirklich hören, was der andere Mensch sagt (ohne meine üblichen Filter) und kann (angst)frei darauf reagieren.
Darauf wollte ich ja auch noch antworten. Ja, im Dialog werden Dinge viel klarer, auch für mich. Das ist übrigens der Grund, dass ich das hier mache. Reiner Eigennutz!!! :)Wenn eine Antwort verlangt wird, gebe ich mir sehr viel mehr Mühe. Und es hilft auch, ein Gegenüber zu haben, damit das alles konkreter wird. Danke!
Wenn ich spazierengehe, ist es wunderbar, wie der Körper läuft so ganz ohne Ich. Sagenhaft. Spannend auch, wenn ich das Geräusch der Schritte höre, aber weder die Schritte noch das Hören hat mit mir zu tun. Reaktionen laufen ganz spontan ab - ich sehe zum Beispiel etwas, das mich belustigt und merke, wie ich stehenbleibe und das für mich selbst laut kommentiere. Ich bin wie eine Zuschauerin dabei, aber ohne dass da ein "ich" ist. So habe ich wie doppeltes Vergnügen - einerseits das spontane, das als Reaktion auf etwas passiert, und dann dazu noch der Genuss des Bemerkens, dass das alles ohne mich geschehen und wahrgenommen worden ist. Wenn ich jemandem unterwegs begegne und ein paar Worte mit dieser Person austausche, staune ich über das, was ich eben gesagt habe. Das Verhalten hat sich gegenüber früher kaum geändert (ich habe auch früher spontan mit mir unbekannten Leuten unterwegs Worte gewechselt), aber das Staunen darüber war damals nicht dabei. Wenn schon höchstens eine Freude oder ein Stolz über "meinen" gelungenen Austausch. Jetzt ist so vieles einfach eine Überraschung. Und ich liebe die Leichtigkeit und völlige Anstrengungslosigkeit, mit dem solch spontaner Austausch passiert. "Ich" bin dabei, aber das ist auch alles.Wie sieht die Welt aus ohne Ich? Wie fühlt es sich z.B.an, spazierenzugehen? Was nimmst du wahr, wenn du spazierengehst? Kannst du überhaupt sagen "Ich nehme wahr?" , oder ist die Welt einfach "da"?
Was ist vorhanden und lebendig, wenn DU nur ein Gedanke bist?