Klar, schauen wir uns die Fragen nochmal an:
Ist "wie Ich anfühlen" das Gleiche wie "Ich"? Bist du ein Körper oder hast du einen Körper? Wo fängt der Körper an, wo hört er auf? Wenn du guckst, oder wenn du die Augen zumachst. Und sogar, wenn du darüber nachdenkst: Sind deine Gene "deine" Gene? Wo kommt die Materie her, aus der der Körper besteht? Was mit Fingernägeln, Haaren, Darminhalt?
Weder bin ich ein Körper noch habe ich einen. Die meiste Zeit sind ein paar Arme, Beine etc. im Sichtfeld. Wenn die Augen zu sind, bleiben vom Körper nur noch ein paar Wahrnehmungs-"Blobs" übrig. Natürlich ist dann immer noch ein visuelles Selbstbild des Körpers übrig, aber wenn man das mal bewusst außer Acht lässt, dann lässt sich dieses Bild anhand der aktuellen Sinneswahrnehmung nicht mehr "zusammensetzen".
Was findest du, wenn du deine Ich-Erlebnisse zerlegst? WIE kommen sie zustande?
Es ist eben alles zusammengesetzt aus diesen eigentlich recht überschaubaren Bausteinen (Sinneseindrücke, Gedanken). Ein paar dieser Eindrücke sind immer stärker als andere, das ganze ist quasi sowas wie eine Linearkombination ;)
Wenn man sehr still ist, zB. ruhig sitzt und alleine ist, dann ist es auch leicht die Eindrücke einzeln wahrnzunehmen und auch nix weiter hineinzuinterpretieren. In anderen Situationen ist das aber sehr sehr schwierig, vor allem im Zusammenspiel mit anderen Menschen. Wenn mich auf Arbeit ein Kollege etwas fragt dass ich nicht beantworten kann, dann nimmt die Anzahl ungenehmer Gefühle zu (Hitze im Kopf, angespannter Bauch und Hände usw.). Durch diese Verstärkung der Empfindungen wird auch das falsche Selbstbild wieder verstärkt. Man muss schon ziemlich genau aufpassen wenn man im richtigen Moment darauf achten will.
Ansonsten ist die Arbeit eigentlich einfach nur eine Ansammlung von Dingen die getan wird. Tasten werden gedrückt, Mäuse werden geschoben, Meetings werden besucht, Kaffee wird getrunken ;)
Das Wort Arbeit scheint mir gar nicht mehr so richtig passend für das was da passiert. Einige Tätigkeiten haben einen etwas unangenehmeren Beigeschmack, aber letzten Endes ist es eben wirklich nur ein Geschmack und wird meistens schnell wieder durch einen anderen ersetzt.
Ich achte jetzt sehr häufig darauf wie sich die einzelnen Sinneserlebnisse zusammensetzen, und wie solche Gefühle wie "Ich bin müde" auch nur eine Menge von Eindrücken ist die zusammen auftauchen.
Ich vermute dass sich all das noch sehr vertiefen lässt, oder es vertieft sich einfach von alleine. Im Moment fühle ich mich irgendwie ziemlich entspannt was die ganze Sache angeht. Das Gefühl, noch irgendetwas besonderes jagen zu müssen ist seit 2 Tagen einfach weg.