Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich Gedanken und den Inhalt der Gedanken in meiner Erfahrung trennen kann - daher würde ich sagen, ich kann den Inhalt von Gedanken nicht direkt erfahren. Andererseits ist der Inhalt der Gedanken natürlich trotzdem wahrnehmbar...
Hier ist eine Übung, die den Unterschied zwischen der direkten Erfahrung von Gedanken und dem Inhalt von Gedanken aufzeigt:
Stell dir eine Tasse vor.
Erzeuge ein möglichst klares Bild.
Sieh deutlich die Größe, Form, Farbe und das Volumen der Tasse.
Achte darauf, ob sie verziert oder schlicht ist. Achte darauf, ob sie einen Henkel hat. Achte darauf, ob sie schwer oder zerbrechlich ist.
Ist das Bild klar?
Dieses mentale Bild ist der Gedankeninhalt! Gedanken und mentale Bilder sind insofern real, als sie als Gedanken und Bilder erscheinen – ihre Anwesenheit kann nicht geleugnet werden.
Aber:
Kann das Bild der Tasse physisch gegriffen werden?
Kann Tee hineingegossen werden?
Kann daraus getrunken werden?
Das Bemerken, dass der Gedanke da ist, ist die
direkte Erfahrung des Gedankens.
Die vorgestellte „Tasse“ ist der
Inhalt des Gedankens.
Ist dieser „real“?
(unsicher bin ich mir noch, ob ich die Wahrnehmung der Form "rund" z.B. eines Apfels eher durch die Farbe oder durch die Empfindung erfahren kann - dass ich es nicht nicht sicher sagen kann, deutet vielleicht darauf hin, dass diese Information ebenfalls nicht in der direkten Erfahrung existiert).
Nun:
Was ist “rund”?
Wird “rund” direkt erfahren? Oder nur Farbe umgeben von anderen Farben - und zusätzlich ist da das Wissen (= ein Gedanke!) “Diese Form ist rund”?
Daher würde ich sagen: "Apfel" kann nicht direkt erfahren werden, weil "Apfel" keine direkte Sinneswahrnehmung ist, sondern bereits eine Abstraktion basierend auf eben solchen direkten Sinneswahrnehmungen/Erfahrungen wie Sehen und Empfindung. "Apfel" ist Inhalt von Gedanken, wenn eine Einteilung/Interpretation der direkten Erfahrung geschieht.
Ja, genau:
„Apfel“ ist ein Begriff.
Wenn bestimmte direkte Erfahrungen (eine Farbe aus einer bestimmten Bandbreite, Geschmack und Geruch aus einer bestimmten Bandbreite, etc.) gemeinsam auftreten, macht es Sinn, diese Kombination aus direkten Erfahrungen als „Apfel“ zu bezeichnen und entsprechend damit zu interagieren; ihn zu essen und nicht zu versuchen, ihn zum Schreiben zu benutzen ;)
Und wenn wir den Begriff „Apfel“ haben und in der Küche oder im Supermarkt nach einer Kombination aus direkten Erfahrungen suchen, auf die der Begriff zutrifft, können wir eine solche dann finden und sagen: Ja, hier ist das, was mit „Apfel“ gemeint ist.
„Ich“ ist ein Begriff.
Ist in der direkten Erfahrung irgendetwas zu finden, wofür er steht?
Apropos:
Ich habe mich gefragt, ob das eine eher sprachliche Prägung ist, weil ja auf Deutsch und allen mir bekannten Sprachen Handlungen immer einen Ausführenden brauchen
Hier ist eine Übung, die das sprachliche Benennen von Erfahrung untersucht. Sie dauert etwa 20 Minuten, und du brauchst Papier und einen Stift.
Die Übung besteht aus zwei Abschnitten von jeweils 10 Minuten.
Achte während beider Abschnitte auch auf körperliche Empfindungen: Gibt es irgendwo Anspannung oder Entspannung?
Schreibe in den ersten zehn Minuten auf, was gerade jetzt erfahren wird, und verwende dabei das Wort „Ich“.
Zum Beispiel:
- Ich sitze auf einem Stuhl.
- Ich höre eine tickende Uhr.
- Ich schaue auf einen Bildschirm.
- Ich habe Hunger.
Komm direkt zum Punkt. Keine Vergangenheit oder Zukunft, keine Fantasie - nur eine schlichte Beschreibung der Erfahrung genau hier und jetzt.
Schreibe in den nächsten zehn Minuten weiterhin auf, was erfahren wird, diesmal jedoch ohne das Wort „Ich“ zu verwenden. Beschreibe die Erfahrung einfach so, wie sie geschieht, mithilfe von Verben.
Zum Beispiel:
- auf einem Stuhl sitzen
- tippen
- atmen
- blinzeln
- die Uhr hören
(Beobachte dabei weiterhin, was im Körper geschieht.)
Vergleiche am Ende der zwanzig Minuten die beiden Arten, wie Erfahrung benannt wurde, und beantworte folgende Fragen:
Ist eine der beiden Beschreibungen wahrer als die andere? Wenn ja, welche?
Was ist hier vor jeder Benennung?
Verändern Benennungen die Erfahrung – oder beschreiben sie sie nur?
Hast du Unterschiede im Körper bemerkt?
Vielleicht sind Gedanken, bei denen eine "Ich-Identifikation" folgt, welche, bei denen "Ich" den Inhalt meiner Gedanken zu erfahren glaube, so wie ich ja auch einen Tisch oder Apfel zu sehen glaube. Aber jetzt begebe ich mich wieder in die Interpretation.
;) Interpretationen und Vermutungen sind auch Gedankeninhalte, und die sind in dieser Untersuchung nicht hilfreich und auch gar nicht nötig: Bald werden wir auch Gedanken ganz direkt untersuchen.