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Re: Wohin?

Posted: Wed Apr 12, 2017 7:22 pm
by Truthcounts
zurzeit ist mein Leben sehr angenehm. Das Meiste fließt, es gibt wenig Aufregung, alles sehr friedvoll, liebevoll und meistens macht es Spaß. ... Es ist schon sehr lange her, dass es mir so gut ging wie jetzt, ich kann sehr befreit aufleben. Und in den letzten Tagen war es auch so, wenn etwas Blödes passierte, hielt ich mich damit nur ein paar Minuten mit auf und danach konnte ich weiter 'befreit aufleben'.
Ja, die Ich-Identifikation hat sich schon gut gelockert - geniess es!
Keine komplizierten Gedankenspielereien oder irgendwelche Suchen oder ähnliches. Und schwupps, ganz schnell, war mein Verstand wieder da und hat angefangen es zu suchen.... Und nun bin ich hier und weiß einfach nicht, wie ich es machen kann, nicht mehr alles so kompliziert über die Gedankenwelt zu betrachten. Und nun ja, es einfach nicht zu machen, das kann ich nicht. Ich bekomme es einfach nicht hin. So sehr ich es auch probiere und vielleicht ist genau das das Problem.
Ja, sobald eine Anstrengung erfolgt, lädt das einen sich Anstrengenden ein. Aber ist die direkte Erfahrung wirklich anstrengend? Was musst Du tun, um zu sehen, zu hören, zu spüren, zu fühlen, zu riechen, zu schmecken?
Vielleicht habe ich auch noch zu sehr Jed McKenna ihm Ohr, der ja sagt, dass man sich alles ganz genau anschauen muss und alles loswerden muss und denke, ich muss mir noch ganz viel anschauen und ganz viel falschen Glauben abbauen, bis ich durch bin.
Ja, da kommt man nicht dran vorbei, aber nach dem Durchschauen der Ich-Illusion geht das viel schneller.
Und anstatt dann einfach konsequent gar nicht mehr ins Kino zu gehen, denke ich, ich muss mir all die Filme noch zu Ende anschauen, bevor ich endlich aus dem Kino rausgehen kann.
Und dann ist da auch wieder Angst. Angst, dass jemand mich komisch anschaut, wenn ich aus dem Kino rausgehe, Angst, dass ich etwas verpasse, wenn ich den Film nicht zu Ende sehe.
Das ausgedachte Leben ist für mich faszinierender als die direkte Erfahrung.
Das ist doch gut erkannt - der Verstand sorgt für reichlich Unterhaltung und baut auch Spannungsbögen auf wie in einer Spielfilmserie. Es wird gewartet auf eine gefällige Story über den Hauptdarsteller "Ich", dabei ist das "Ich" selbst die Story.

Deine Vorstellungskraft ist im direct pointing nicht in Gefahr, nur die Bewertung ist gefährdet, also dass Du der Vorstellung mehr glaubst als Deiner tatsächlichen Realität der direkten Erfahrung. Du wirst auch nach dem Durchschauen noch die Ich-Vorstellung weiter nutzen, aber eben wissend, dass Du mit einem gedanklichen Konzept arbeitest. Gibt es was Reales dabei zu verlieren?
Ich will von der Täuschung weg, weil sie mir so anstrengend erscheint und weil es mir einfach sehr richtig erscheint, die aufzudecken. Was nicht wahr ist, ist auch nicht richtig.
Ja.
Außerdem will ich wissen, wie die Welt ohne Täuschung ist. Ich will wissen, was da außerhalb der Gedankenwelt existiert, was das ist, das man sich nicht vorstellen kann. Ich will wissen, wie die Welt wirklich funktioniert, außerhalb der falschen Vorstellungen, die ich gelernt habe.


Eine Illusion will wissen, wie es ohne sie ist? Ein Gedanke will wissen, wie direkte Erfahrung ist? Eine Einbildung will wissen, wie die Welt wirklich funktioniert? Warum will jemand wissen, wie etwas funktioniert? Wahrscheinlich um es in seinem Sinne steuern zu können und damit selbst am Leben zu erhalten. Gibt es wirklich einen Handelnden, der überhaupt Einfluss auf den Lauf der Dinge nehmen könnte? Beobachte Deine Handlungen und suchen dabei den Handelnden.
Der Sucher kann nicht dingfest gemacht werden, es sind Gedanken, die sich immer wieder darum kreisen, dass etwas fehlt. Emotionen gehören auch dazu.
Es fehlt nichts, es ist Einer zu viel da.

Re: Wohin?

Posted: Thu Apr 13, 2017 11:18 pm
by Milkyway
Ja, die Ich-Identifikation hat sich schon gut gelockert - geniess es!
Ja gerne. Was mir heute diesbezüglich durch den Kopf ging: Wie schlimm ist es eigentlich, in den Gedanken zu versinken (Damit meine ich, sie zuzulassen, anstatt sie wegzudrücken)? Das ist ein Thema für mich, da ich immer noch viele Gedanken wegzuschieben versuche. Aber die Gedanken als Erscheinung anzunehmen ist doch nötig, um anzuerkennen, dass Ihr Inhalt unwahr und Täuschung ist, oder? Wenn ich einen Gedanken wegdrücke, dann liegt das doch auch daran, dass ich seine "negative Botschaft" sehr ernst und wichtig nehme. Es ist auch eine Erfahrung, die ich mache, dass wenn ich die Gedanken mit Freude genieße, dass sie dann schnell vorbeigehen und ihr Inhalt nicht so sehr ablenkt und somit der Blick auf den Rest freier bleibt.
Gedanken existieren ja auch, sie können gar nicht unterdrückt werden. Und es macht für die Erkenntnis der Ich-Illusion ja auch gar keinen Unterschied, ob sie unterdrückt werden oder nicht. Es geht dabei nur darum, ob die Gedanken damit recht haben, dass es mich gibt, oder? Aber meine Erscheinung gibt es doch. In dem Sinne, dass hier immer der Körper ist, dass die Gedanken da sind und sich um den Körper in Bezug auf die Welt um ihn herum drehen, dass gesehen wird und zwar etwas anderes als das, was andere Menschen sehen.
Ja, sobald eine Anstrengung erfolgt, lädt das einen sich Anstrengenden ein. Aber ist die direkte Erfahrung wirklich anstrengend? Was musst Du tun, um zu sehen, zu hören, zu spüren, zu fühlen, zu riechen, zu schmecken?
Nichts, es wird ja automatisch wahrgenommen. Ah, OK. Alles schon da. Wo nichts gesucht werden muss, ist auch kein Sucher notwendig. Wo nicht gesucht werden muss, ist keine Anstrengung notwendig, also auch kein Anstrengender. Das heißt ja, dass selbst, wenn ich ein abstraktes Problem lösen muss, wofür der Verstand nötig ist, ist kein Suchen, kein Anstrengend notwendig, Der Verstand braucht niemanden, der ihn nutzt, er widmet sich einfach seiner Aufgabe, das Problem zu lösen.
Dann kann ich ja auch gar nichts tun, um zu erkennen, dass da niemand ist. Es ist ja auch keine Aufgabe für den Verstand.
Nun merke ich ja, dass ich immer noch an ein Ich glaube. Was heißt das eigentlich? Glaube ist ja nichts, was in der Direkten Erfahrung passiert. Was ist das, was sagt, dass das Ich wahr sein soll, dass es wirklich existiert? Ist das nur ein Gedanke, dem geglaubt wird? Ist das Ich nur der Gedanke "Ich", der einfach aus Gewohnheit immer wieder auftaucht?
Vielleicht habe ich auch noch zu sehr Jed McKenna ihm Ohr, der ja sagt, dass man sich alles ganz genau anschauen muss und alles loswerden muss und denke, ich muss mir noch ganz viel anschauen und ganz viel falschen Glauben abbauen, bis ich durch bin.
Ja, da kommt man nicht dran vorbei, aber nach dem Durchschauen der Ich-Illusion geht das viel schneller.
Kann es mir hier im Weg stehen, zu denken, dass ich mir noch ganz viel anschauen muss? In dem Sinne, dass es mich ablenkt und ich mich ablenken lasse und dabei nicht den Fokus darauf habe, ob es mich wirklich gibt?
Deine Vorstellungskraft ist im direct pointing nicht in Gefahr, nur die Bewertung ist gefährdet, also dass Du der Vorstellung mehr glaubst als Deiner tatsächlichen Realität der direkten Erfahrung. Du wirst auch nach dem Durchschauen noch die Ich-Vorstellung weiter nutzen, aber eben wissend, dass Du mit einem gedanklichen Konzept arbeitest. Gibt es was Reales dabei zu verlieren?
Nichts, was ich sehe, kann verloren gehen. Nichts, was ich höre kann verloren gehen. Nicht einmal Gedanken. Die Gedanken ändern sich wahrscheinlich, Ich-Gedanken mag es immer noch geben, aber auch die Gedanken nennen es dann ein Konzept. Gefühle können nicht verloren gehen.
Aber wie ist es mit Erinnerungen an schöne Erlebnisse? Es sind dann Bilder, die nicht mehr an eine Person gebunden sind. So kann die Erinnerung sich erst voll entfalten. Filme können immer noch angeschaut werden, sie haben nur keine Bedeutung mehr für mich als Person. Es geht nur der Hauptdarsteller verloren. Den Körper gibt es ja auch immer noch, er ist aber nicht mehr der Hauptdarsteller mehr, sondern einfach etwas, das gesehen wird, wie alles andere, das gesehen wird.
Es ist klar für mich zu sehen, dass da nichts Reales dabei verloren wird. Aber geht überhaupt etwas verloren? Wird etwas irreales verloren? Aber wie kann etwas irreales verloren gehen. Ich suche wieder nach etwas, was verloren gehen könnte, finde aber nichts.
Fällt es mir einfach nur schwer, zu akzeptieren, dass es da, wo ich nichts finde, auch nichts gibt?
Eine Illusion will wissen, wie es ohne sie ist? Ein Gedanke will wissen, wie direkte Erfahrung ist? Eine Einbildung will wissen, wie die Welt wirklich funktioniert? Warum will jemand wissen, wie etwas funktioniert? Wahrscheinlich um es in seinem Sinne steuern zu können und damit selbst am Leben zu erhalten. Gibt es wirklich einen Handelnden, der überhaupt Einfluss auf den Lauf der Dinge nehmen könnte? Beobachte Deine Handlungen und suchen dabei den Handelnden.
Als ich gerade dabei war, die Frage zu beantworten, ist etwas komisches passiert. Ich habe heute viel nach einem Handelnden gesucht, aber keinen gefunden. Die Gedanken begleiteten die Realität wie ein ständig plappernder, nie zufriedener Miesepeter, aber auch sie haben nicht gehandelt. Eigentlich wollte ich das so aufschreiben. Aber als ich Deine Fragen durchging kam auf einmal total klar die Sicht, dass ich total an mich glaube. Dass ich hier bin. Nicht mit einem Ich, sondern als ich. Ich sitze hier und schaue meinen Fingern zu, wie sie auf der Tastatur tippen. Ich denke darüber nach, ob ich das schreiben kann, oder ob ich nicht eigentlich schon weiter sein sollte, und mir so etwas nicht passieren sollte. Ich weiß auch, dass ich es war, der heute in einen Fahrradladen gegangen bin. Das ist sehr klar, dagegen ist völlig unklar für mich, inwiefern ich eine Illusion sein soll. Ich denke auch, dass es nicht sein kann, aber wenn ich das denke, kommt es mir vor, als würde ich den Gedanken, dass ich hier sitze und schreibe, unterdrücken. Wie kann das sein? Heute Mittag war für mich völlig klar, dass es mich nicht gibt, weil alles, was mit mir zu tun hat, Gedanken sind, die reine Annahmen sind. Und jetzt genau das Gegenteil: Hier ist mein Körper, das ist mein Leben und alles ist genau so richtig. Ich bin darüber diesmal nicht verwirrt, sondern wundere mich eher, dass mir das nicht vorher aufgefallen ist. Es erscheint mir so gerade sehr einfach. So kann ich so sein, wie ich bin und alles andere so sein, wie es ist. Ich denke, es dürfte eigentlich nicht sein, aber ich will ja ehrlich sein und da ist es total einfach zu sehen. Es ist auch überhaupt nicht anstrengend, mir beim Schreiben zuzuschauen. Ich finde, ich mache das prima... Der einzige Widerstand ist, dass ich denke, es dürfte nicht so sein, weil es das Ich ja wohl nicht gibt. Aber da ich sehe, dass ich das denke, ist es nicht so schlimm...
Muss ich erst alles voll zulassen, bevor ich mein (nicht)-Ich erkennen kann?

Morgen Abend bin ich mal unterwegs, deshalb werde ich es wohl erst am Samstag Abend schaffen, wieder zu schreiben.

Re: Wohin?

Posted: Fri Apr 14, 2017 8:11 pm
by Truthcounts
Es droht langsam zum Philosophiekurs zu werden - das Ich verschafft sich durch die vielen Fragen eine Gnadenfrist. Eigentlich sollte ich derjenige sein, der in diesem Prozess die Fragen stellt, doch bin ich auch ein Freund davon, den Verstand auch mit Erklärungen mal mehr zur Ruhe zu bringen, damit er nicht mehr so viel grübeln muss. Die reine Lehre ist das aber nicht.
Kann es mir hier im Weg stehen, zu denken, dass ich mir noch ganz viel anschauen muss? In dem Sinne, dass es mich ablenkt und ich mich ablenken lasse und dabei nicht den Fokus darauf habe, ob es mich wirklich gibt? ... Fällt es mir einfach nur schwer, zu akzeptieren, dass es da, wo ich nichts finde, auch nichts gibt?
Ja, da läuft ein Selbsterhaltungsprogramm der Ich-Illusion.
Wie schlimm ist es eigentlich, in den Gedanken zu versinken (Damit meine ich, sie zuzulassen, anstatt sie wegzudrücken)? ... Gedanken existieren ja auch, sie können gar nicht unterdrückt werden. Und es macht für die Erkenntnis der Ich-Illusion ja auch gar keinen Unterschied, ob sie unterdrückt werden oder nicht. Es geht dabei nur darum, ob die Gedanken damit recht haben, dass es mich gibt, oder?
Es ist natürlich direkter, wenn gar keine Gardine mehr da ist, aber meist muss man sich damit zufrieden geben, dass eine da ist und dann ist eben die Frage, ob es das Ich nur auf der Gardine gibt oder tatsächlich dahinter.
Aber meine Erscheinung gibt es doch. In dem Sinne, dass hier immer der Körper ist, dass die Gedanken da sind und sich um den Körper in Bezug auf die Welt um ihn herum drehen, dass gesehen wird und zwar etwas anderes als das, was andere Menschen sehen.
Schaust Du einen Film, sind da auch Körperformen zu sehen und gesprochene Worte zu hören, aber ist deshalb ein Teil des Bildschirms ein Jemand? Und was die individuelle Perspektive angeht, die hat der Bildschirm auch (sie bleibt unverändert, egal in welchem Winkel zu auf ihn schaust), aber ist er deshalb ein Jemand?
Nun merke ich ja, dass ich immer noch an ein Ich glaube. Was heißt das eigentlich? Glaube ist ja nichts, was in der Direkten Erfahrung passiert. Was ist das, was sagt, dass das Ich wahr sein soll, dass es wirklich existiert? Ist das nur ein Gedanke, dem geglaubt wird? Ist das Ich nur der Gedanke "Ich", der einfach aus Gewohnheit immer wieder auftaucht?
Wenn Du immer noch an ein Ich glaubst, dann haben wir ja schnell wieder zwei (Du und das Ich, an das Du glaubst), oder ist da einfach Ich-glauben ohne jemanden? Direkte Erfahrung muss nicht erst geglaubt werden, um real zu sein, weil sie ist. Gedankeninhalte müssen geglaubt werden, um mit der Realität verwechselt zu werden. Bei dem ganzen Ich-Spiel geht es um Sicherheit, ein Modell der Welt wird entworfen, mit dem sie vorhersagbar und damit gemanaged werden soll zusammen mit einem Ich im Zentrum. Um als Konstante bestehen zu können, braucht ein Ich Stabilität - da wird dann mal gerne die Welt dem Modell angepasst und nicht umgekehrt. Erst durch Denken entsteht auch Zeit und Geschichten, ansonsten wäre da immer nur hier und jetzt. Ein attraktives Reich fantastischer Möglichkeiten also, das sich durch seine internen Verstrickungen selbst verstärkt und damit schnell dominiert, was man dann mit "es wird geglaubt" beschreiben kann. Man ist doch eigentlich mit seinem ausgedachten Modell ständig damit beschäftigt, es zu verifizieren und die Löcher zu stopfen, und wo man sich am meisten aufhält, ist man schließlich zu Hause. Willst Du dort weiterleben oder ist Dir das dann doch zu anstrengend?
Aber als ich Deine Fragen durchging kam auf einmal total klar die Sicht, dass ich total an mich glaube. Dass ich hier bin. Nicht mit einem Ich, sondern als ich. Ich sitze hier und schaue meinen Fingern zu, wie sie auf der Tastatur tippen. Ich denke darüber nach, ob ich das schreiben kann, oder ob ich nicht eigentlich schon weiter sein sollte, und mir so etwas nicht passieren sollte. Ich weiß auch, dass ich es war, der heute in einen Fahrradladen gegangen bin. Das ist sehr klar, dagegen ist völlig unklar für mich, inwiefern ich eine Illusion sein soll. Ich denke auch, dass es nicht sein kann, aber wenn ich das denke, kommt es mir vor, als würde ich den Gedanken, dass ich hier sitze und schreibe, unterdrücken.


Wir haben die Übung ja schon gemacht und die Erfahrung war echter, wenn Du in den Beschreibungen das Ich weggelassen hast, also "sitzen, Finger-schauen, Tasten-tippen". Und gibt der Rest Deines Textes nicht nur Gedanken wieder? Ist jemand zu finden außerhalb der Gedanken, zu dem die Gedanken gehören? Oder wird mit dem Gedanken gleich ungeprüft ein Denker mit unterstellt - in Gedanken?

Re: Wohin?

Posted: Sat Apr 15, 2017 11:58 pm
by Milkyway
Es droht langsam zum Philosophiekurs zu werden - das Ich verschafft sich durch die vielen Fragen eine Gnadenfrist. Eigentlich sollte ich derjenige sein, der in diesem Prozess die Fragen stellt, doch bin ich auch ein Freund davon, den Verstand auch mit Erklärungen mal mehr zur Ruhe zu bringen, damit er nicht mehr so viel grübeln muss. Die reine Lehre ist das aber nicht.

...

Ja, da läuft ein Selbsterhaltungsprogramm der Ich-Illusion.
Ich behalte schon gerne die Kontrolle. Und obwohl ich hier keine Frage von Dir bekommen habe, denke ich, ich müsste noch meine Sicht dazu mitteilen. Ich lass es diesmal einfach...
Schaust Du einen Film, sind da auch Körperformen zu sehen und gesprochene Worte zu hören, aber ist deshalb ein Teil des Bildschirms ein Jemand? Und was die individuelle Perspektive angeht, die hat der Bildschirm auch (sie bleibt unverändert, egal in welchem Winkel zu auf ihn schaust), aber ist er deshalb ein Jemand?
Mir ist aufgefallen, dass ich bei anderen Menschen auch immer eine Persönlichkeit annehme, sogar bei Filmfiguren oder den Legofiguren, die hier rumliegen. Da spielt mir die Fantasie einen Streich. Und bei 'mir' steckt auch mehr dahinter als ein paar Gedanken, eine körperliche Erscheinung, Bilder, Empfindungen und Gefühle, mein ich (bzw. meine Fantasie). Aber ja, wenn ich schaue, dann ist da nicht mehr. Da ist das Bild vom Laptopschirm, die Bewegungen der Finger, Musik, Gedanken, Gefühle. Sie müssen gar nicht zusammengehalten werden, um ein stimmiges Bild zu ergeben. Das wird mit allen Erscheinungen versucht: Sie in ein stimmiges Weltbild zu packen.
Ich schaue auf den Bildschirm und frage mich, ob er ein Jemand ist. Und da erscheinen Geschichten über ihn. Es wird ein großes Paket um ihn aufgebaut. Ganz schön viel Persönlichkeit für einen Bildschirm. Aber das sind alles Gedanken, die nichts mit dem Bildschirm selbst zu tun haben.

Wenn Du immer noch an ein Ich glaubst, dann haben wir ja schnell wieder zwei (Du und das Ich, an das Du glaubst), oder ist da einfach Ich-glauben ohne jemanden?
Ja, das ist Ich-Glaube. er erscheint auch nicht als oder mit jemanden. Der Ich-Glaube referenziert auf sich selbst. Weder davor noch dahinter steckt irgendwas. Er bezieht sich auch nicht auf Erinnerungen oder Bilder. Er steht einfach für sich selbst, ist sehr rein dabei. Die Gedanken, die mit meinem Selbstbild zu tun haben, sind etwas anderes, viel weniger rein. Der Ich-Glaube ist unabhängig von irgendwelchen anderen Gedanken oder Beschreibungen.

Man ist doch eigentlich mit seinem ausgedachten Modell ständig damit beschäftigt, es zu verifizieren und die Löcher zu stopfen, und wo man sich am meisten aufhält, ist man schließlich zu Hause. Willst Du dort weiterleben oder ist Dir das dann doch zu anstrengend?
Es ist ein ausgedachtes Modell, dessen Löcher sich gar nicht richtig stopfen lassen. Man stopft ein Loch zu, und dann ist man beschäftigt, es zu zu halten, weil es sonst gleich wieder aufgeht. Und ständig kommt ein neues Loch hinzu. Es ist noch das Gefühl da, eine Verpflichtung zu haben, das alles aufrechtzuerhalten. Als wäre ich schwach, wenn ich es nicht schaffe, die Illusion aufrecht zu erhalten - vor mir und vor anderen. Erinnerungen kommen hoch, wie ich schon als Teenager überfordert war, alle Löcher zu stopfen und ständig Angst hatte, dass ich die Illusion nicht aufrecht erhalten könnte. Dass jemand bemerkt, wer ich wirklich bin oder dass das alles Fassade ist. Ich dachte, ich müsste mich irgendwie interessant machen.
Ich will dort nicht leben, es fühlt sich auch nicht nach zu Hause an, sondern sehr fremd. Es ist auch anstrengend, aber das ist nicht so wichtig. Es fehlt der Glaube daran, dass es nicht nötig ist, die Löcher zu füllen.
Und gibt der Rest Deines Textes nicht nur Gedanken wieder? Ist jemand zu finden außerhalb der Gedanken, zu dem die Gedanken gehören? Oder wird mit dem Gedanken gleich ungeprüft ein Denker mit unterstellt - in Gedanken?

Texte sind verschriftlichte Gedanken. Es wird aber ein Denker mit unterstellt. Gerade, wenn ich nachschaue, ist mein Körper dieser Denker.

Re: Wohin?

Posted: Sun Apr 16, 2017 11:02 am
by Truthcounts
Mir ist aufgefallen, dass ich bei anderen Menschen auch immer eine Persönlichkeit annehme, sogar bei Filmfiguren oder den Legofiguren, die hier rumliegen. Da spielt mir die Fantasie einen Streich. Und bei 'mir' steckt auch mehr dahinter als ein paar Gedanken, eine körperliche Erscheinung, Bilder, Empfindungen und Gefühle, mein ich (bzw. meine Fantasie).
Was meinst Du damit, dass bei "Dir" mehr dahinter steckt? Ist das wieder die Idee, Präsenz zu sein? Welche real erfahrbaren Eigenschaften hat sie?
Ja, das ist Ich-Glaube. er erscheint auch nicht als oder mit jemanden. Der Ich-Glaube referenziert auf sich selbst. Weder davor noch dahinter steckt irgendwas. ... Der Ich-Glaube ist unabhängig von irgendwelchen anderen Gedanken oder Beschreibungen.
Ist der Ich-Gedanke wirklich unabhängig von irgendwelchen anderen Gedanken, wenn Du scheinbar selbst einer Legofigur ein Wesen einhauchen kannst? Machst Du es mit Deiner Körpererscheinung nicht genau so?
Es ist noch das Gefühl da, eine Verpflichtung zu haben, das alles aufrechtzuerhalten. Als wäre ich schwach, wenn ich es nicht schaffe, die Illusion aufrecht zu erhalten - vor mir und vor anderen. Erinnerungen kommen hoch, wie ich schon als Teenager überfordert war, alle Löcher zu stopfen und ständig Angst hatte, dass ich die Illusion nicht aufrecht erhalten könnte. Dass jemand bemerkt, wer ich wirklich bin oder dass das alles Fassade ist. Ich dachte, ich müsste mich irgendwie interessant machen.... Es fehlt der Glaube daran, dass es nicht nötig ist, die Löcher zu füllen.
Das sind klare Hinweise auf mangelnde Selbstliebe, dass Du unverstellt nicht liebenswürdig wärest und Dich deshalb ständig anstrengen musst, eine scheinbar liebenswerte Fassade zu pflegen und an Bedürfnissen anderer auszurichten und Dich selbst von außen ständig zu bewerten und korrigieren, als einfach von innen heraus zu leben. Glaubst Du, dass die Fassade wirklich durchträgt, andere überzeugend täuschen kann, oder bekommen die die Unstimmigkeiten nicht doch irgendwie subtil mit. Und möchtest Du die Freundschaft von Menschen, die Dich nur verstellt mögen? Wo ist Deine Schmerzgrenz, ab der Du Dich für andere nicht mehr zu verbiegen bereit bist? Und wie sind Deine ersten Erfahrungen mit Deiner Öffnung während unseres gemeinsamen Prozesses hier - sind Deine Veränderungen nach außen mit sozialen Nachteilen einhergegangen? Ist Dir der Kontakt zu anderen wichtiger als der Kontakt zu Dir selbst und kannst Du überhaupt ohne Kontakt zu Dir selbst in tiefen Kontakt zu anderen kommen? Diese Fragen setzen noch auf der Ich-Idee auf, um die eigentliche Frage vorzubereiten, ob mit dem Durchschauen der Ich-Illusion etwas lebenswichtiges verloren gehen kann oder stattdessen sogar etwas lebenswichtiges aufblühen kann? Ist die Ich-Illusion ein sinnloser Energieverbraucher oder eine Bereicherung?
Texte sind verschriftlichte Gedanken. Es wird aber ein Denker mit unterstellt. Gerade, wenn ich nachschaue, ist mein Körper dieser Denker.
Wie kann die Körpererscheinung der Denker sein? Kann Sehen denken? Kann spüren denken?

Re: Wohin?

Posted: Mon Apr 17, 2017 12:38 am
by Milkyway
Was meinst Du damit, dass bei "Dir" mehr dahinter steckt? Ist das wieder die Idee, Präsenz zu sein? Welche real erfahrbaren Eigenschaften hat sie?
Es ist ein Gefühl, dass da mehr ist, bzw. sein müsste. Seitdem wir kommunizieren ist es schon viel viel kleiner geworden. Es ist sehr abstrakt und geht in die Richtung, dass da ein Gefühl ist, das Recht auf Existenz zu haben und das Gefühl, dass mein Sein einen höheren Sinn hat. Auch die Vorstellung, dass ich seit meiner Geburt existiere und bis zu meine Tod existieren werde, gehört dazu. Ich befürchte, das sind aber nur ein paar der unbewussten Vorstellungen.
Wenn ich mir anschaue, was davon real erfahrbar ist, kommt erstmal der Gedanke, dass ich ja noch immer da bin. Das bezieht sich auf die Erwartung, dass ich irgendwann sterben werde, bisher aber noch nicht gestorben bin. Es ist unbestreitbar, dass sich diese Vorstellungen auf Gedanken und innere Bilder bezieht. Ich habe lange gedacht, dass ich, wenn ich genau in mich hineinhöre, irgendwelche feinstofflichen Geheimnisse über mich herausfinden kann, z.B., wie alt ich werde, oder was meine wirklich wahre Bestimmung ist. Das ist auch immer noch in mir und spielt seine Streiche mit mir. Ui, ich lasse mich ganz schön leicht von den real erfahrbaren Eigenschaften ablenken...
Ich versuche nochmal meinen Fokus darauf zu lenken. Ich frage mich, ob das wirklich sein kann, dass das wirklich alles nur Einbildung ist und schon immer war. In der wirklichen Erfahrung ist davon wirklich nichts. Nicht einmal ein Ich... Gleich überlege ich wieder, welche Sinneseindrücke die wirkliche Erfahrung ohne Ich sind. Allein die Sortierung in Sehen, Fühlen, Hören ist eine gedankliche Einordnung. Dabei ist es doch bekannt, was wirklich wahr ist, abseits der Gedanken. Es wird nur vom Schleier so stark verdeckt. Ok, gut, die Annahme, immer gleich in die Gedanken springen zu müssen, ist gerade etwas weniger geworden.Ganz kurz wirkt es gar nicht mehr so langweilig, was wohl hinter dem Schleier ist, sondern unheimlich schön.

Ist der Ich-Gedanke wirklich unabhängig von irgendwelchen anderen Gedanken, wenn Du scheinbar selbst einer Legofigur ein Wesen einhauchen kannst? Machst Du es mit Deiner Körpererscheinung nicht genau so?
Das ist schwierig zu sagen. Als ich das geschrieben habe, habe ich das so wahrgenommen. Nun ist der Ich-Gedanke überhaupt nicht mehr unabhängig, sondern springt die ganze Zeit herum von Idee zu Idee. Und ja, da ist das Ich auch nicht unabhängig von der Körpererscheinung.
Ich prüfe mal, ob ich dieser Körpererscheinung das Leben einhauche. Es tauchen Gedanken auf, die Sachen in dem Körper verorten, z.B. irgendwelche Organe. Ich sehe, die Finger können sich ohne meine Gedanken bewegen, der Körper lebt also unabhängig von meinen Gedanken. Hmm, die Gedanken sind in meinem Kopf, aber ich sehe meinen Kopf ja gar nicht. Sie gehen auch über die räumliche Grenze des Kopfes hinaus. Sie fühlen sich lebendig an, haben aber auch nichts mit dem Kopf zu tun. Der Körper lebt ziemlich unabhängig von mir, er hat die Position ohne mein Zutun gewechselt. Es ist eher so, als ob der Körper mir Leben einhaucht. Wenn der Körper sich bewegt, habe ich etwas zu tun, also mir Gedanken darüber zu machen. Nein, momentan ist der Ich-Gedanke überhaupt nicht unabhängig von den Gedanken, sondern er ist die Gedanken.

War ich das vorhin, der saugte? Es erscheint mir jetzt eher so, dass da die Erscheinung von dem allen war. Ein Wohnzimmer, mehrere Menschen, ein Körper in der Mitte der Erfahrung, der saugte, und Gedanken dazu. Das ist das Bild der Erinnerung.
Das sind klare Hinweise auf mangelnde Selbstliebe, dass Du unverstellt nicht liebenswürdig wärest und Dich deshalb ständig anstrengen musst, eine scheinbar liebenswerte Fassade zu pflegen und an Bedürfnissen anderer auszurichten und Dich selbst von außen ständig zu bewerten und korrigieren, als einfach von innen heraus zu leben. Glaubst Du, dass die Fassade wirklich durchträgt, andere überzeugend täuschen kann, oder bekommen die die Unstimmigkeiten nicht doch irgendwie subtil mit. Und möchtest Du die Freundschaft von Menschen, die Dich nur verstellt mögen? Wo ist Deine Schmerzgrenz, ab der Du Dich für andere nicht mehr zu verbiegen bereit bist? Und wie sind Deine ersten Erfahrungen mit Deiner Öffnung während unseres gemeinsamen Prozesses hier - sind Deine Veränderungen nach außen mit sozialen Nachteilen einhergegangen? Ist Dir der Kontakt zu anderen wichtiger als der Kontakt zu Dir selbst und kannst Du überhaupt ohne Kontakt zu Dir selbst in tiefen Kontakt zu anderen kommen?
Ja, das ist gut beschrieben mit der mangelnden Selbstliebe. Dass die Fassade nicht durchträgt, habe ich schon oft mitbekommen. Es war immer ein Thema, dass andere Menschen, Erwartungen an mich trugen, wie ich sein sollte und das beschäftigte mich immer sehr. Das verstärkte aber immer noch den Wunsch, die Fassade zu stärken, damit ich mich nicht mehr so damit beschäftigen müsste. Dabei versuchte ich ja auch mich zu täuschen, dass ich eigentlich den Erwartungen anderer Menschen entspreche. Ich bin nie auf die Idee gekommen, die Freundschaft von Menschen, die mich nur verstellt mögen, nicht zu möchten, weil ich Angst hatte, sonst gar keine Freunde zu haben. Interessant, so ist mir das nie aufgefallen. Ich würde sagen, dass ich froh wäre, wenn ich mir das aussuchen könnte, ob ich mich verstellen muss, oder nicht. Es ist schon weniger geworden. Vor vielen Jahren habe ich begonnen, mich weniger zu verbiegen, weil die Schmerzgrenze erreicht war. Das hat mein Leben sehr verändert. Dennoch habe ich weiterhin das Gefühl, nicht ich selbst sein zu dürfen. Es ist auch einsamer geworden, ich habe weniger Kontakte, weil ich zu oft das Gefühl hatte, mich verbiegen zu müssen. Dennoch, die Menschen, bei denen ich mich verbiegen musste, vermisse ich nicht. Ja stimmt, es ist ein starker Antrieb für mich, mein Leben so einzurichten, dass ich mich weniger verbiegen muss.
Die Erfahrung mit unserem Prozess hat da sehr vieles einfacher gemacht. Ich kann auch mehr verzeihen, bin dann weniger wütend. Soziale Nachteile habe ich da nicht bekommen. Enttäuschungen werden bewusster erlebt, weil der Verstand mir weniger vorgaukelt, dass ich doch geliebt werde, aber sie verpuffen auch schneller.
Ja stimmt, bisher war mir der Kontakt zu anderen wichtiger als der zu mir selbst. Auch wenn ich immer behauptet hätte, dass es andersrum wäre, war mir die Außenwirkung immer sehr wichtig und unbewusst ordnete ich mich dem unter. Dabei fehlt mir der Kontakt zu mir total. Wahrscheinlich halte ich auch deshalb so sehr an dem Ich fest, weil ich denke, wenn ich mich nach außen wende, bricht der Kontakt zu mir selbst ab.
Diese Fragen setzen noch auf der Ich-Idee auf, um die eigentliche Frage vorzubereiten, ob mit dem Durchschauen der Ich-Illusion etwas lebenswichtiges verloren gehen kann oder stattdessen sogar etwas lebenswichtiges aufblühen kann? Ist die Ich-Illusion ein sinnloser Energieverbraucher oder eine Bereicherung?

Da kommt die Angst auf, dass ich, wenn ich merke dass ich eine Illusion bin, genau diesen Kontakt zu mir selbst abbricht. Es ist sowas wie der letzte Strohalm. Wenn das mit dem Verbiegen nicht klappt, dann sollte es doch wenigstens ohne Verbiegen klappen, wenn ich das bin, was ich wirklich bin. Hmmm, komisch. Da ist wirklich die Vorstellung, dass ich da was machen muss, um den Kontakt zu mir zu finden. Aber da ist auch der Gedanke, dass ich doch so bin, wie ich bin, ohne irgendwas dafür machen zu müssen. Beide Vorstellungen konkurrieren gerade sehr stark miteinander. Da ist wohl die Erwartung, dass mit dem Durchschauen der Ich-Illusion mehr wegfällt als das wirklich der Fall ist. Die Ich-Illusion ist ein sehr großer Energieverbraucher, der mir allerdings nicht immer sinnlos vorkommt. Ah OK, da fällt mir auf, dass ja nur die Illusion wegfällt. Mein wahres Ich kann ja gar nicht wegfallen. Ich frage mich, wie ich den Kontakt zu mir selbst finden kann, wenn es das Ich gar nicht gibt. Das macht mir momentan etwas Angst. Das mit dem Aufblühen geht mir durch den Kopf. Das ganze Leben kann dann aufblühen. Ich brauche gar kein Selbst, weil das ganze Leben alles erledigt. Dann bräuchte ich mich auch nicht mehr zu verstellen. Aber da Angst ist immer noch da. Ich hatte gerade Gefallen daran gefunden, den Kontakt zu mir selbst zu finden, aber nach dem Durchschauen der Ich-Illusion wäre das ja nicht da. Ich glaube, das trifft es ganz gut, wo ich schon seit längerem hänge.
Wie kann die Körpererscheinung der Denker sein? Kann Sehen denken? Kann spüren denken?
Alles nicht möglich.

Re: Wohin?

Posted: Mon Apr 17, 2017 7:48 am
by Truthcounts
Mein wahres Ich kann ja gar nicht wegfallen. Ich frage mich, wie ich den Kontakt zu mir selbst finden kann, wenn es das Ich gar nicht gibt. Das macht mir momentan etwas Angst. Das mit dem Aufblühen geht mir durch den Kopf. Das ganze Leben kann dann aufblühen. Ich brauche gar kein Selbst, weil das ganze Leben alles erledigt. Dann bräuchte ich mich auch nicht mehr zu verstellen. Aber die Angst ist immer noch da. Ich hatte gerade Gefallen daran gefunden, den Kontakt zu mir selbst zu finden, aber nach dem Durchschauen der Ich-Illusion wäre das ja nicht da. Ich glaube, das trifft es ganz gut, wo ich schon seit längerem hänge.
Wird ein Modell/Selbstbild/Image jemals akkurat beschreiben können, was da als menschliches Leben abläuft? Ich habe Dich auf eine Disbalance hingewiesen zwischen Aussenorientierung (die scheinbaren Ansprüche und Erwartungen anderer) und Innenorientierung (die eigenen emotionalen und körperlichen Signale). Natürlich gelingt ein authentischeres Ich-Modell, wenn man die inneren Signalen im Modellbau nicht außer Acht lässt, z. B. Gefühlreaktionen, die eine Umstimmigkeit ausdrücken oder körperliche Beschwerden, die ein unpassende Beanspruchung begleiten. Aber ist nicht am Ende jedes noch so ausgefeilte und achtsam gebaute Ich-Modell ein Korsett für das Leben, das sich als Mensch ausdrückt? Ist es nicht so, dass das Leben erzählt, was ein Mensch ist, und nicht die Idee eines Menschen das Leben formen kann? Ist das wahre Ich nicht nur ein trefflicheres Ich-Modell aber immer noch eine Illusion? Braucht das Leben den Glauben an ein Ich-Modell oder reicht der Umgang mit einem bewusst fiktiven Ich-Modell?

Angst ist sprachverwandt mit "Angustus = Enge", je enger das Ich-Modell, desto größer die Diskrepanz zur Weite des Seins. Die Enge und damit Bestimmtheit des Ich-Modells, die Sicherheit verspricht, bewirkt natürlich genau das Gegenteil, was sich dann in Angst ausdrückt. Da hilft es natürlich, das Ich-Modell zu weiten, in dem Sinne "ja, das bin ich auch - tat twam asi". Aber liegt nicht die ultimative Weite darin, den Glauben an die Realität des Ich-Modells aufzugeben? Wäre es ansonsten nicht die Verwechslung einer Landkarte mit dem tatsächlichen Gebiet? Und macht es nicht dennoch Sinn, eine Landkarte zu haben - als modellhafte Orientierungshilfe - aber immer die Augen aufzuhalten, was tatsächlich gerade erscheint? Und was erscheint tatsächlich - findest Du ein wahres Ich in der direkten Erfahrung?

Re: Wohin?

Posted: Tue Apr 18, 2017 12:11 am
by Milkyway
Wird ein Modell/Selbstbild/Image jemals akkurat beschreiben können, was da als menschliches Leben abläuft?
Nein, es kann gar nicht akkurat beschrieben werden.
Ich habe Dich auf eine Disbalance hingewiesen zwischen Aussenorientierung (die scheinbaren Ansprüche und Erwartungen anderer) und Innenorientierung (die eigenen emotionalen und körperlichen Signale). Natürlich gelingt ein authentischeres Ich-Modell, wenn man die inneren Signalen im Modellbau nicht außer Acht lässt, z. B. Gefühlreaktionen, die eine Umstimmigkeit ausdrücken oder körperliche Beschwerden, die ein unpassende Beanspruchung begleiten. Aber ist nicht am Ende jedes noch so ausgefeilte und achtsam gebaute Ich-Modell ein Korsett für das Leben, das sich als Mensch ausdrückt? Ist es nicht so, dass das Leben erzählt, was ein Mensch ist, und nicht die Idee eines Menschen das Leben formen kann? Ist das wahre Ich nicht nur ein trefflicheres Ich-Modell aber immer noch eine Illusion? Braucht das Leben den Glauben an ein Ich-Modell oder reicht der Umgang mit einem bewusst fiktiven Ich-Modell?
Ja, Gefühle sind Teil meines Modells von mir. Da denke ich, dass dieses Gefühl mein Gefühl ist und ich etwas tun muss. Und sie zu berücksichtigen sind wichtig für das Wohlbefinden. Am Ende aber sind sie genauso in dieses Ich-Modell eingewebt, wie die vermeintlichen Erwartungen anderer. Die Gefühle werden als Teil des Ich-Modells in Geschichten eingebettet und nicht als einfache Gefühle erlebt, sie werden mit der Bedeutung erfüllt, die es für mich hat - in der Vorstellung. Diese Vermischung von Ideen mit echten Gefühlen macht es schwierig, das auseinanderzuhalten und deshalb verfällt man immer wieder in die Geschichten. Diese Ideen, auch die der Innenorientierung, sind einschränkend wie ein Korsett, ja, das stimmt. Es passiert ja das, was passiert und nicht das, was in den Geschichten passiert. Insofern ist jede Idee auch wieder etwas Ablenkendes vom Leben, und führt dazu, dass das Leben nicht richtig gesehen wird und auch nicht richtig darauf reagiert werden kann. Stattdessen reagiert man entsprechend der Vorstellungen und wundert sich, wenn es nicht klappt. Das ist - wie ich heute auch mal wieder erfahren musste - leider sehr schmerzhaft.

Wenn ich mir anschaue, was wahr ist, dann ist keine der Ideen, die ich von mir selbst habe, wahr. Dadurch wird es sehr ruhig und leer. Kein verletztes Selbstbild, einfach ein paar starke Gefühle, Sehen, Atemgeräusche. Der Mensch, also mein Körper, sitzt hier und tippt, genau, wie er es macht. An den Fingern sind keine Gefühle zu sehen, keine Geschichten über ein verletztes Ich. Fehlt da der Kontakt zu mir selbst? Nein, es ist alles da. Und alles, was da ist, macht mich aus. Nichts zu viel, nichts zu wenig. Es ist kein wahres Ich, kein 'ich selbst', sondern einfach das, was da ist. Eine Stimme sagt noch zu allem 'meins, meins', ohne wirklich daran zu glauben. Nur eine Benennung von etwas, das auch da ist ohne Benennung, genauso, wie es da ist. Das Ich-Modell ist hilfreich, um hier und jetzt darüber schreiben zu können, um eventuell Planungen vorzunehmen, oder von dem Menschen zu sprechen. Aber es wird nicht gebraucht. Dann werden die Gefühle nicht verwechselt mit noch zu lösenden Problemen, ungute Gefühle gehören zu nichts. Gedanken tauchen auf, bleiben aber nicht wirklich hängen.
Angst ist sprachverwandt mit "Angustus = Enge", je enger das Ich-Modell, desto größer die Diskrepanz zur Weite des Seins. Die Enge und damit Bestimmtheit des Ich-Modells, die Sicherheit verspricht, bewirkt natürlich genau das Gegenteil, was sich dann in Angst ausdrückt. Da hilft es natürlich, das Ich-Modell zu weiten, in dem Sinne "ja, das bin ich auch - tat twam asi". Aber liegt nicht die ultimative Weite darin, den Glauben an die Realität des Ich-Modells aufzugeben? Wäre es ansonsten nicht die Verwechslung einer Landkarte mit dem tatsächlichen Gebiet? Und macht es nicht dennoch Sinn, eine Landkarte zu haben - als modellhafte Orientierungshilfe - aber immer die Augen aufzuhalten, was tatsächlich gerade erscheint? Und was erscheint tatsächlich - findest Du ein wahres Ich in der direkten Erfahrung?
Das ist ganz interessant beschrieben. Wenn zu viel Weite da ist, dann kommt Angst, also Enge und gleicht das wieder aus. Diese Enge ist auch eine Art Kontrolle, weil ein kleiner Bereich durchaus kontrolliert werden kann, die ultimative Weite liegt fern jeder Kontrolle.
Die Enge ist das Ich-Modell, es hält alles zusammen, alle Geschichten. Ohne den Glauben an die Realität des Ich-Modells, würde dies wohl alles auseinanderfliegen. Dann wäre keine Enge mehr da. Das ist ja etwas ganz anderes als ein weites Ich-Modell. Ja, erst dann ist da die wirkliche Landschaft und nicht mehr die fantasievollen Geschichten als Landkarte. Die Landkarte kann in bestimmten Situationen Sinn machen, meistens wird sie aber gar nicht so gebraucht. Der Körper macht doch sehr viel, ohne dass man sich da in Gedankenbildern verlieren muss. Da lenkt die Landkarte meistens eher ab.

Was erscheint tatsächlich? Ich kann ein Ich sehen, spüren, hören oder riechen. Es besteht nur in den Gedanken und die Gedanken plappern ganz schön laut vor sich hin.

Re: Wohin?

Posted: Tue Apr 18, 2017 9:35 am
by Truthcounts
Ich kann ein Ich sehen, spüren, hören oder riechen. Es besteht nur in den Gedanken und die Gedanken plappern ganz schön laut vor sich hin.
Meintest Du nicht eher "Ich kann kein Ich sehen"? Oder war es ein Freudscher Verschreiber?
Wenn ich mir anschaue, was wahr ist, dann ist keine der Ideen, die ich von mir selbst habe, wahr. Dadurch wird es sehr ruhig und leer. Kein verletztes Selbstbild, einfach ein paar starke Gefühle, Sehen, Atemgeräusche.
Wie ist es mit Angst in dieser ruhigen Leere?

Re: Wohin?

Posted: Tue Apr 18, 2017 11:38 am
by Milkyway
Meintest Du nicht eher "Ich kann kein Ich sehen"? Oder war es ein Freudscher Verschreiber?
:). Uh, ja klar, es war "kein Ich" gemeint. Ein Zeichen dafür, dass ich mich zu viel mit meinem gedanklichen Ich beschäftige im Vergleich zu dem, was ich sehe, spüre, usw. Das Ich-Geplapper ist schon ganz schön laut und ablenkend.
Wie ist es mit Angst in dieser ruhigen Leere?
Es kommen zwar ungute Gefühle, aber keine Angst. Es kann passieren, dass die Gedanken sich wieder einmischen und dann durch Geschichten und Benennung aus diesem Gefühl Angst machen.

Re: Wohin?

Posted: Tue Apr 18, 2017 1:00 pm
by Truthcounts
Das Ich-Geplapper ist schon ganz schön laut und ablenkend.
Ist ein Jemand erfahrbar, den lärmende Gedanken kümmern? Oder gibt es einen Kümmerer nur in diesem Geplapper?

Re: Wohin?

Posted: Tue Apr 18, 2017 10:28 pm
by Milkyway
Ist ein Jemand erfahrbar, den lärmende Gedanken kümmern? Oder gibt es einen Kümmerer nur in diesem Geplapper?
Erst als ich die Frage lese, kommt da etwas hoch.
Aber das ist alles nur in den Gedanken, was jetzt beim Schreiben wieder lauter wird, davor sehr unbedeutend war.
Aber das passiert alles nur innerhalb dieses Geplapper. Das bringt mich zum Lachen und dieses Geplapper beschäftigt sich gleich damit, wer da gelacht hat. Das ganze Geplapper wirkt gerade recht unbedeutend.
Außerhalb dieses Geplapper tauchen Gefühle auf, es wird gesehen, alles recht ruhig und angenehm.

Re: Wohin?

Posted: Wed Apr 19, 2017 12:55 am
by Truthcounts
Wie ist es heute? Sitzt noch jemand im Fernsehsessel des Kopfkinos?

Re: Wohin?

Posted: Wed Apr 19, 2017 10:11 am
by Milkyway
Den Tag bisher über wirkte es wieder etwas ich-behafteter.

Aber jetzt, da ich Deine Frage lese, sitzt da niemand im Fernsehsessel des Kopfkinos.
Gedanken sind einfach. Beim Reinsteigern in einen kleinen Wutanfall wie vorhin, da war es genau das. Da war auch die Sicherheit, Recht zu haben, aber niemand, der dabei zugeschaut hat, sondern einfach der Wutanfall.
Gedanken kommen und gehen und immer öfter taucht von irgendwoher eine Erinnerung auf, dass Gedanken unwichtig sind und dann löst sich das in Weite auf.

Jetzt gerade versuchen die Gedanken, ein Ich vorzugaukeln, das wir aber ziemlich schnell erkannt und das dann auch so aufgeschrieben und dabei gesehen, was passiert. Gedanken tauchen auf, manchen wird geglaubt, anderen nicht. Und auf die Frage, was ich sonst noch zu sagen habe, kommt keine Antwort.

Jetzt beim Schreiben habe ich das Gefühl, dass da wieder eher im Fernsehsessel des Kopfkinos sitzt, aber auch das wird als Wiederholung der immergleichen Ich-Geschichte erkannt und ist dann nicht mehr relevant.

Re: Wohin?

Posted: Wed Apr 19, 2017 11:17 am
by Truthcounts
Ist noch eine spirituelle Suche im Gange, ein Drang, noch etwas Fehlendes finden oder etwas noch verstehen zu müssen?