Wann immer es sich so anfühlt, als wäre da ein Ich, als würde "ich denken, -fühlen, -handeln, -...", schau nach was da ist, was jetzt wirklich da ist.
Gestern Abend:
Als es dunkel wird, taucht der Gedanke "Morgen" auf. Ich nehme an, einfach weil der Tag zu Ende war. Aus dem "morgen" wird sofort ein "ICH muss morgen unbedingt ..."
Heute Morgen:
Sehr müde, als der Wecker klingelt. Aus der Müdigkeit (schwere Augen, schwere Glieder, Nebel im Hirn) wird sofort ein "ICH will nicht ... "
Da ist sehr viel wollen und nicht-wollen.
Gestern Abend:
Ich lese einen Text, der Fehler enthält und schon raus gegangen ist. Da ist sofort Scham und Ärger. Daraus wird "Ich bin ärgerlich auf ..." --- "Ich schäme mich vor XYZ über ..." Aus diesen Ich-Sätzen werden Erzählungen, die mit Glaubenssätzen gespickt sind "Man muss doch ... - Man darf doch nicht ..."
Wenn ich nachschaue:
- Der Gedanke "Morgen" löst einen Strom von weiteren Gedankenassoziationen aus, aber da ist kein ICH in diesen Assoziationen.
- "Müdigkeit" ist die Empfindung eines Schlafbedürfnisses (ein Ansammlung von Empfindungen). Das "Ich will nicht" ist ein Gedanke, der sich an diese Empfindung hängt
- "Scham und Ärger" ... Ich lese einen Satz mit einem Fehler. Dann ist da eine Empfindung. Schon die Benennung "Scham und Ärger" gehört vielleicht zu einer Geschichte. Vielleicht steckt da ein Glaubenssatz dahinter: Wenn ich einen Fehler mache, muss ich mich ärgern. Wieso gebe ich dem Gefühl einen Namen? Wieso löst der Name einen Handlungsimpuls aus? Weil es ein gelerntes Muster ist. Etwas das passiert. Wer oder was "glaubt" dass dieses Muster mehr ist, als das was es ist: Eine Gedankenverbindung. Ein Gedanke, der sofort wieder verschwindet ... oder eben weitere Gedanken auslöst ... Warum sollte das Muster verschwinden ... wer will, dass es verschwindet? Ich finde nichts, außer weiteren Gedanken und Empfindungen. Irgendwann reißt dieser Faden ab und etwas ganz anderes passiert ...