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Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Sat May 19, 2012 7:30 pm
by Bernhard
Du schreibst, dass alle Systeme ihr Leben optimieren, das stimmt auch. Vielleicht ist es ja so, dass das, was ist nicht anders sein kann, aber dass man kann etwas aus dem Geschehen lernen kann und dann beim nächsten Mal anders damit umgehen kann. Meinst du das? Denn das Optimieren-Wollen basiert ja bei Menschen oft auf dem nicht Aktzeptieren, wie es ist. Also auf Unzufriedenheit und Unglücklichsein.
Gegen das optimieren wollen ist nichts einzuwenden.
So suche ich mir einen ruhigeres Örtchen wenn die Fussballfans mir zu laut sind.
Doch der Gedanke, es ist etwas FALSCH mit diesem Moment,
kommt nicht auf, da der aktuelle Moment das einzig Reale ist. Die ganze Wahrheit. Mehr gibt nicht.


Als Verifikationsmöglichkeit für Dich und weitere Begleiter bitte ich Dich die folgenden Abschlussfragen möglichst ausführlich zu beantworten:
1. Erkläre, wie das "ich" funktioniert, und wie es kam, dass du es durchschaut hast. Was hat dich überzeugt?

2. Wie fühlt es sich an, erwacht, d.h. von dieser Vorstellung befreit zu sein?

3. Wie würdest du das jemandem erklären, der noch nie die Existenz eines eigenständigen "Ichs" bezweifelt hat und nichts von alldem gehört hat?

Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Sun May 20, 2012 9:22 am
by Mia
1. Mich hat das genaue Hinschauen und die immerselbige Frage, wo ist das ICH auf dem Weg gebracht und auch überzeugt. Denn ich fand heraus, dass alles, was ich für das Ich hielt Erfahrungen, Erlebnisse und Erinnerungen sind, die das ich macht. Meist hielt ich ein bestimmtes Gefühl von meinem Körper für das Ich selbst. Beim Untersuchen fand ich heraus, dass das alles Erlebnisse sind, und dass das Ich, welches dahinterstehen soll nicht erlebbar ist. Ich hatte keine unmittelbar Erfahrung vom Ich vorzuweisen. Somit zeigte sich, dass das Ich ein gedankliches Konstrukt ist.

Mit den Fragen nach dem Macher tat ich mich sehr schwer. Das hat mir wenig weitergeholfen. Erleichternd fand ich aber die Kehrseite des Gedankens, dass ich auch nicht schuld bin an allem möglichen. Ich vermute, dass meine Ichvorstellung so gestrickt ist, dass ich für alles mögliche verantwortlich bin. Das ist schon eine Fantasie von Macht. Nur eben im negativen Sinne.

2. Entsprechend bin ich erleichtert, da Selbstvorwürfe und Stress zwar noch passieren aber eben nur mal kurz aus Gewohnheit, da sie keine Halt mehr finden in der Überzeugung, ICH sie es, die alles macht.

Ansonsten fühle ich mich ganz wie sonst auch. Angst habe ich nach wie vor, auch die ist wie ein Reflex. Ebenso habe ich alle möglichen Reaktionen auf dies und das.

Das Ganze ist etwas seltsamer geworden, es ist als fehle ein Halt. Ich meine weniger zu wissen. Viele Überzeugungen, die ich vorher hatte sind entweder weg oder stehen in Frage. So zum Beispiel dachte ich immer, mein Ich überlebt den Körper nach dessen Tod. Das war die Überzeugung, die ich am schwersten loslassen konnte, wollte. Nun habe ich keine Ahnung mehr. Alles ist somit etwas seltsam. Gleichzeitig ist es in vielen Situationen leichter.

3. Erstens wäre ich da sehr sehr zurückhaltend. Ich plaudere nicht einfach so darüber. Ich könnte, höchstens sagen, dass es leichter werden kann, wenn man nichts mehr persönlich nimmt. Und einfach sieht, dass es so ist, wie es ist.

Erklären könnte ich es nicht wirklich.


3.

Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Sun May 20, 2012 5:49 pm
by Bernhard
Viele Überzeugungen, die ich vorher hatte sind entweder weg oder stehen in Frage. So zum Beispiel dachte ich immer, mein Ich überlebt den Körper nach dessen Tod. Das war die Überzeugung, die ich am schwersten loslassen konnte, wollte. Nun habe ich keine Ahnung mehr. Alles ist somit etwas seltsam.
Ist es nicht wunderbar die einfache Wahrheit zu sagen "Ich weiss es nicht"?
Anstatt sich etwas zusammenzuphantasieren, damit man eine Antwort hat.
Was wissen wir schon zu 100% ?
Und auch ohne das Wissen läuft das Leben mühelos.



3. Wie würdest du das jemandem erklären, der noch nie die Existenz eines eigenständigen "Ichs" bezweifelt hat und nichts von alldem gehört hat?
Erklären könnte ich es nicht wirklich.
Angenommen jemand interessiert sich dafür, wie könntest Du es ihm aus Deiner eigenen Wahrnehmung (Wirklich-keit) erklären?

Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Mon Jun 04, 2012 1:18 pm
by Mia
Also hier habe ich sehr lange nicht geantwortet, da meine Wirklichkeit nachhaltig schwierig ist, und ich dachte, ich müßte hier eine geniale Verbesserung präsentieren.

Der Prozess hat in Hinblick auf Schuldgefühle und sich Runtermachen sehr befreit. Gleichzeitig fühlte ich mich orientierungsloser, haltloser als der Prozess so dem Ende entgegenging. Das ist sowieso schon meine Schwäche. Die Haltlosigkeit war verbunden mit Schwindelgefühlen, Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeits- und Erinnerungslücken. Erst mal entwickelte ich deswegen viel Angst. Das leigt auch daran, dass praktische Dinge erschwert sind.

Nach dem Telefonat mit dir war es besser, da ich es schaffte meine Gedanken "ich schaffe es nicht", zu neutralisieren. Dann hatte ich eine Woche lang einen Kurs mit schwierigen Themen. Da war mir auch im Sitzen viel schwindelig, und ich konnte oft nur verschwommen sehen, und ich erlebte mich auch im Vergleich zu den anderen als wackelig und instabil. Es gelang mir so einigermaßen, dies nur so zur Kenntnis zu nehmen, nichts groß daraus zu machen.

Als ich nach Hause kam, habe ich mich gedanklich in ein Beziehungsdrama gestürzt und konnte die obsessiven Gedankenflut und Panik nicht eindämmen. Erst heute morgen nach einem Gespräch mit Stefan wurde mir klar, dass ich bei zwanghaften Gedanken nicht einfach durch 'Verdrängen' oder irgendeinen vernünftigen Schachzug, wie das ist kein sinnvoller Gedanke "Punkt", rauskomme. Es geht aber wenn ich mich statt dessen auf die Atmung oder den inneren Körper, oder den Körper konzentriere. Das verschafft mir Momente ohne Stress.

Das ist ein Lichtblick. Für mich hat der Prozess auch viele Hoffnungen, und Glaubensstrukturen weggenommen. Das finde ich gut. Aber es verstärkt eben auch die Haltlosigkeit, die ich vorher schon hatte. Nun verankere ich mich über den Atmen im Jetzt. Sooft ich daran denke.

Vielen Dank Bernhard. Ich glaube, ich bin durch die Krisen hindurch auf einen guten Weg.

Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Mon Jun 04, 2012 4:09 pm
by Bernhard
Erst heute morgen nach einem Gespräch mit Stefan wurde mir klar, dass ich bei zwanghaften Gedanken nicht einfach durch 'Verdrängen' oder irgendeinen vernünftigen Schachzug, wie das ist kein sinnvoller Gedanke "Punkt", rauskomme. Es geht aber wenn ich mich statt dessen auf die Atmung oder den inneren Körper, oder den Körper konzentriere. Das verschafft mir Momente ohne Stress.
Das ist reine Übungssache - wenn Du 100 mal am Tag prüfst "Ist das wahr",
"Ist das nützlich" und "muss ich darüber jetzt nachdenken"
garantiere ich Dir, dass Dein Denken ruhiger wird.
Nur es erfordert Ausdauer und Wachsamkeit - dieser Fähigkeit ist trainierbar...
Es ist wie mit Fitness-Übungen :-)

Doch nun zurück zum Direct Pointing.
Also hier habe ich sehr lange nicht geantwortet, da meine Wirklichkeit nachhaltig schwierig ist, und ich dachte, ich müßte hier eine geniale Verbesserung präsentieren.
In unserem Fokus ist nicht eine Verbesserung, sondern schlicht und einfach das Durchschauen der Ich-Illusion.
Alle anderen Themen müssen in der Zeit des Direct Pointing hintanstehen,
sonst zieht es sich unnötig lange hin...

3. Wie würdest du das jemandem erklären, der noch nie die Existenz eines eigenständigen "Ichs" bezweifelt hat und nichts von alldem gehört hat?

Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Mon Jun 04, 2012 8:48 pm
by Mia
Ich würde erklären, dass ich alles, was ich so erfahre, beobachtet habe, und dabei Gedanken, Gefühle und so weiter alles mögliche als meine Erleben beobachtet habe. Auch habe ich eine Erfahrung vom Beobachten. Ebenso vor Körper. Aber von dem Ich, das da angeblich drinsteckt, habe ich keine unmittelbar Erfahrung. Daraus ergibt sich, dass das Ich ein Konstrukt ist. Keine erlebbare Wirklichkeit. Etwas, was wir uns ausgedacht, zusammengereimt haben und im Laufe unserer Konditionierung antrainiert.

Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Tue Jun 05, 2012 9:19 am
by Bernhard
Erlebst Du das Sehen (bzw. Durchschauen der Ich-Illusion) als stabile Grundlage?

Gibt es noch Zweifel?

Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Tue Jun 05, 2012 8:22 pm
by Mia
Da gibt es keine Zweifel.

Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Tue Jun 05, 2012 9:02 pm
by Bernhard
Für mich hat der Prozess auch viele Hoffnungen, und Glaubensstrukturen weggenommen. Das finde ich gut. Aber es verstärkt eben auch die Haltlosigkeit, die ich vorher schon hatte. Nun verankere ich mich über den Atmen im Jetzt.
Falsche Hoffnungen und Glaubensstrukturen zu verlieren, ist Teil des Durchschauens der Ich-Illusion.
Es fällt Ballast ab.

In der direkten Wahrnehmung kannst Du jederzeit überprüfen was wirklich ist:
Fliesst der Atem von selbst?
Was sollte verankert werden?

Mir scheint die Haltlosigkeit eine Geschichte zu sein.
Warum solltest Du Dich festhalten?

Wie ist Dein jetziges Erleben?

Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Tue Jun 05, 2012 9:30 pm
by Mia
Ich bemühe ich immer aus den Gedanken rauszugehen und mich auf den Atem und den inneren Körper zu konzentrieren, wenn die Gedanken nicht wirklich nützlich sind. Das hilft. Wenn ich müde oder erschöpft bin, dann kommt ganz schnell Angst auf und manchmal finde ich den Zusammenhang zum Gedanken gar nicht.

Und auch während ich das schreibe, ist Angst da. Sie hängt im Körper drin. Es ist so, wie wenn das Atmen schwer geht deswegen. Und tut weh in der Brust.

Re: Offene Einladung zum Direct Pointing

Posted: Wed Jun 06, 2012 7:49 am
by Mia
Ich glaube ich verstehe das jetzt mit der Geschichte. Es ist die Geschichte, dass ich alles perfekter, eben anders machen müßte und dass ich es nicht richtig mache und ... nicht schaffe. Es ist ein Anspruch an mich, und das erzeugt die Angst. Da es immer unerfüllbar ist.