... und kann es sein, dass das ausgedachte Leben noch immer viel faszinierender ist als die direkte Erfahrung? Was macht die Gedankenwelt so viel attraktiver?
Gut, dass Du da nochmal nachhakst. Das will ich mir nochmal genauer anschauen.
Es ist ja wirklich so: Wenn es mir einfach gerade mehr Spaß macht, in der Gedankenwelt zu leben, wäre es dumm, das nicht auch zu akzeptieren. Dann könnte meine Suche vorbei sein. Und ich muss zugeben, zurzeit ist mein Leben sehr angenehm. Das Meiste fließt, es gibt wenig Aufregung, alles sehr friedvoll, liebevoll und meistens macht es Spaß. Als ich damals anfing mit meiner Suche, hätte ich nie gedacht, überhaupt so weit zu kommen und so zufrieden zu sein, wie es gerade der Fall ist. Die Auseinandersetzung mit vielem Themen bei der Begleitung durch Dich hat da sicher einen großen Anteil daran. Nichtsdestotrotz ist meine Not bei Weitem nicht mehr so groß wir vor 1 1/2 Monaten. Es ist schon sehr lange her, dass es mir so gut ging wie jetzt, ich kann sehr befreit aufleben. Und in den letzten Tagen war es auch so, wenn etwas Blödes passierte, hielt ich mich damit nur ein paar Minuten mit auf und danach konnte ich weiter 'befreit aufleben'.
Dabei kann es auch viel Freude machen, in den Gedanken versunken zu sein. Sie machen mir nicht mehr so viel Angst, auch wenn ich es noch nicht schaffe, sie vollkommen fließen zu lassen und ab und an noch einiges unterdrücke. Es ist schon viel besser und einfacher geworden. Und manchmal erscheinen da ganz lustige Sachen und es macht mir Spaß in Gesprächen, andere Leute daran teilhaben zu lassen. Dies ist völlig neu für mich.
Warum fällt es mir dann so schwer, es einfach sein zu lassen, und einfach mein Leben weiter zu leben?
Vorhin fiel mir noch etwas weiteres auf. Wenn ich Deine Fragen beantworte, denke ich immer noch, dass ich irgendein Geheimnis herausfinden müsste. Dass ich ganz genau an eine bestimmte Stelle schauen muss, damit mir endlich alles klar werden würde. Kurz nachdem mir das aufgefallen war, merkte ich, dass Deine Hinweise und Fragen etwas ganz anderes sind: Sie sind ganz normale Anmerkungen und zeigen auf nichts Besonderes, sondern einfach auf das, was da ist. Und ganz kurz erschien es mir alles total einfach zu sein. Keine komplizierten Gedankenspielereien oder irgendwelche Suchen oder ähnliches. Und schwupps, ganz schnell, war mein Verstand wieder da und hat angefangen es zu suchen.
Und jetzt, nachdem ich das beschrieben habe, kommt mir die Freude und der Spaß, die ich scheinbar an Gedanken habe, ziemlich dumm und sinnlos vor.
Warum höre ich dann nicht einfach auf damit? Ich weiß nicht, wie es geht. Die einzige Möglichkeit, die ich gefunden habe, davon Einblicke zu bekommen ist, mich mit Deinen Anmerkungen und Fragen auseinanderzusetzen. Davor hat die spirituelle Autolyse mich schon viel weniger abhängig von den Gedanken gemacht, als ich es davor war. Und nun bin ich hier und weiß einfach nicht, wie ich es machen kann, nicht mehr alles so kompliziert über die Gedankenwelt zu betrachten. Und nun ja, es einfach nicht zu machen, das kann ich nicht. Ich bekomme es einfach hin. So sehr ich es auch probiere und vielleicht ist genau das das Problem. Ich denke, da müsste irgendwo ein Schalter sein, und wenn ich den umlege, dann könnte ich damit aufhören, aber ich finde ihn nicht. Vielleicht ist es eine krass eingebrannte Gewohnheit.
Vielleicht habe ich auch noch zu sehr Jed McKenna ihm Ohr, der ja sagt, dass man sich alles ganz genau anschauen muss und alles loswerden muss und denke, ich muss mir noch ganz viel anschauen und ganz viel falschen Glauben abbauen, bis ich durch bin.
Was ist dann mit Deinen Fragen, ob das ausgedachte Leben noch immer viel faszinierender ist als die direkte Erfahrung und was die Gedankenwelt so viel attraktiver macht?
Faszinierend ist ein gutes Wort, denn darin steckt auch, dass man geblendet werden kann vor Faszination. Ich will wahrscheinlich immer noch wissen, wie all die Geschichten in meinem Kopf ausgehen. Auch, wenn da ein sehr großes Unbehagen ist, dass die Geschichten nur falsche Ideen sind. Es ist ein bisschen wie in einem Kino zu sitzen, einen schlechten Film zu sehen und ihn dann aber doch zu Ende sehen, da man wissen will, wie er ausgeht. Hinterher denkt man, man hätte einfach früher aus dem Kino rausgehen sollen, aber wenn man drinsitzt, hat man einfach mehr den Drang, den Film zu Ende zu sehen, als einfach aufzustehen und zu gehen. Und anstatt dann einfach konsequent gar nicht mehr ins Kino zu gehen, denke ich, ich muss mir all die Filme noch zu Ende anschauen, bevor ich endlich aus dem Kino rausgehen kann.
Und dann ist da auch wieder Angst. Angst, dass jemand mich komisch anschaut, wenn ich aus dem Kino rausgehe, Angst, dass ich etwas verpasse, wenn ich den Film nicht zu Ende sehe.
Das ausgedachte Leben ist für mich faszinierender als die direkte Erfahrung. Ich sehne mich nach der direkten Erfahrung nicht, weil sie so faszinierend ist, sondern, weil mich die Täuschung nervt. Aber wegzukommen von der Täuschung ist nicht attraktiv. Da erwarten mich nicht die Belohnungen der Illusionen. Lieber ein schlechter Film, als gelangweilt auf einer Parkbank sitzen. Ich will von der Täuschung weg, weil sie mir so anstrengend erscheint und weil es mir einfach sehr richtig erscheint, die aufzudecken. Was nicht wahr ist, ist auch nicht richtig. Außerdem will ich wissen, wie die Welt ohne Täuschung ist. Ich will wissen, was da außerhalb der Gedankenwelt existiert, was das ist, das man sich nicht vorstellen kann. Ich will wissen, wie die Welt wirklich funktioniert, außerhalb der falschen Vorstellungen, die ich gelernt habe. Ich werde von diesen Dingen angezogen, aber faszinierend und attraktiv ist das nicht. Es ist eher etwas, was ich einfach machen will. Und dieser Sog ist stärker als die Faszination und Attraktivität der Gedankenwelt, aber nicht so viel stärker, als dass ich mich nicht gerne mal ablenken lassen würde.
Braucht Suchen einen Sucher, braucht Entdecken einen Entdecker. Oder sind Sehen und Gesehenes nicht zwei leere Enden der Erfahrung Sehen? Woran kannst Du den Sucher dingfest machen?
Suchen braucht keinen Sucher, es sind Gedanken, die um ein Thema kreisen. Auch Entdecken braucht keinen Entdecker, denn es ist einfach ein Gedanke, dass etwas entdeckt wurde. Die Unterscheidung zwischen Sehen und Gesehenem entsteht durch die Vorstellung eines Ichs, dass sich von den Gegenständen unterscheidet.In der Erfahrung Sehen ist nur Sehen, keine Gegenstände. Der Sucher kann nicht dingfest gemacht werden, es sind Gedanken, die sich immer wieder darum kreisen, dass etwas fehlt. Emotionen gehören auch dazu.