Lang gesucht - noch nicht gefunden

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Lucas369
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Mon Mar 07, 2016 4:03 pm

Danke, werde es nachher ausprobieren... :-)
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Lucas369
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Tue Mar 08, 2016 10:32 am

Hallo Ghata,

das ist eine sehr schöne Übung - und auch spannend.
Wieviel Zehen hast du?
Kannst du erkennen, wie groß der Körper ist?
Hat der Körper ein Gewicht oder Umfang?
Wenn ich die Anweisung streng befolge, darf ich ja eigentlich nicht zählen, denn Zahlen sind Gedanken. Das heißt, es wird etwas gefühlt, welches die Kommentarspur "meine Zehen" nennen könnte, aber im Grunde ist es nur eine Empfindung. Die kleineren Zehen einzeln zu spüren, fällt zudem schwer. Ich kann also nicht sagen, wie viele Zehen da sind.

Auch die Größe des Körpers lässt sich nicht herausfinden. Ja, es gibt gar keinen Körper. Wenn man auf die Vorstellungen und Gedanken achten würde (was ich ja tunlichst unterlassen soll...), dann wäre da so eine Art dreidimensionale "Körperlandkarte", die ein Koordinatensystem enthält. Der Nullpunkt (x=0/y=0/z=0) wird dort verortet, wo geglaubt wird, dass dort "meine Augen" sind. Und ALLES, also die Orte der Empfindungen, die Größe des Körpers, ein Umfang oder eine Form entsteht nur in der Vorstellung, und relativ zum Nullpunkt gesehen. Wenn ich all das weg lasse, dann gibt es nur Empfindungen, ohne Ort und ohne Bezeichnungen.
Hat dein Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Kleidung?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und dem Bett?
Nein, diese Fragen laufen dann auf dieselbe Antwort hinaus. Es gibt nur Wahrnehmungen. Kein Körper, keine Kleidung, kein Bett, keine Grenzen, kein innen und außen.
Bist du männlich oder weiblich?
Hast du einen Namen?
Dazu kann in den Empfindungen keine Antwort gefunden werden. Die Gedanken halten Antworten bereit, aber das sind auch nur gedankliche Laute.
Gibt es ein innen oder außen? Falls es ein innen gibt - innen wovon genau?
Falls es ein außen gibt, das Außen wovon genau?
Nein, weder innen noch außen. Ich muss allerdings dazu sagen, dass es nicht gelingt, die Vorstellung der "Körperlandkarte" auszuschalten, oder präziser gesagt (da sie sich ja nicht ausschalten lässt), die Empfindungen ganz ohne die Vorstellung wahrzunehmen. Irgendwie scheint diese auch notwendig zu sein, wenn es darum geht, einen bestimmten Körperteil aufzurufen. Ohne diese Zuordnung würde dieser nicht gefunden, da man ihn nicht aufrufen kann. Der Name ist nur ein Wort und bewirkt ja nicht automatisch, dass, wenn ich "rechte Hand" denke, die rechte Hand auch gefühlt wird. Das kann zwar passieren, aber eben oft auch nicht.

Es scheint so zu sein, dass es ganz ohne Vorstellung nur möglich ist, einfach das wahrzunehmen, was von sich aus in den Fokus des Bewusstseins kommen will. Es scheint dann keine Wahlmöglichkeit mehr zu geben. Aber da finde ich keine abschließende Antwort, da wie gesagt die Vorstellung des Körpers immer relativ präsent bleibt.
Worauf bezieht sich das Wort/die Bezeichnung 'Körper' eigentlich?
Fehlt dir irgendetwas, wenn du dich so erfährst?
Auf gar nichts, es ist nur ein Wort ohne Bedeutung. Nein, es fehlt auch nichts.

Was bei dieser Übung auffällt, ist, dass die Augen wieder relativ angestrengt sind. Ich glaube, das liegt daran, dass das Aufrechterhalten dieser Körperlandkarte anstrengend ist. Dies ist ja gar nicht notwendig, aber da scheint irgendeine Blockade zu sein. Das hatte ich ja auch erwähnt, als es um dieses Selbstbild des eigenen Gesichtes ging.

Das scheinbare "ich" hängt irgenwie stark mit dem Ort, von dem aus angeblich wahrgenommen wird, also angenommenerweise die Augen, zusammen...

Also bis dahin erstmal, jetzt hab ich viel geschrieben...
Liebe Grüße
Lucas
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Ghata » Tue Mar 08, 2016 11:33 am

Lieber Lucas,

sehr schön :-).
Was bei dieser Übung auffällt, ist, dass die Augen wieder relativ angestrengt sind. Ich glaube, das liegt daran, dass das Aufrechterhalten dieser Körperlandkarte anstrengend ist. Dies ist ja gar nicht notwendig, aber da scheint irgendeine Blockade zu sein. Das hatte ich ja auch erwähnt, als es um dieses Selbstbild des eigenen Gesichtes ging.

Das scheinbare "ich" hängt irgenwie stark mit dem Ort, von dem aus angeblich wahrgenommen wird, also angenommenerweise die Augen, zusammen...
Lege dich noch einmal hin und schließe die Augen. Beachte die Körperlandkarte nicht. Sie ist nicht wichtig. Sie existiert nur in Gedanken. Gedanken sind nicht das wirkliche Erleben.

Spüre das wirkliche Erleben, den Körper, so wie er gerade empfunden wird. Stelle dir einige der Fragen von gestern und erlaube, dass kein Körper zu spüren ist bis auf die Empfindungen, die durch die Unterlage und vielleicht Kleidungsstücke oder Zudecke ausgelöst werden.

Fühle noch einmal, ob Grenzen zu spüren sind.

Gibt es in diesem Augenblick ein Ich, das die Weite fühlt, oder ist da einfach nur fühlen?


Liebe Grüße,
Ghata
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Wed Mar 09, 2016 10:31 am

Liebe Ghata,

ich habe gestern abend und heute vormittag noch einmal die Übung gemacht, so wie du vorgeschlagen hast. Ich war nicht so ganz zufrieden mit den "Ergebnissen", aber man soll ja nicht bewerten, daher lasse ich es gleich wieder los.

Es fiel mir beide Male nicht ganz leicht, mich zu konzentrieren. Immer wieder kamen Gedanken dazwischen und brachten mich raus. Auch stört die Vorstellung des Körpers dabei, ich schaffe es nicht, sie einfach links liegen zu lassen. Es scheint eine starke Gewohnheit zu sein, auf diese Weise - durch die Brille der Vorstellung - wahrzunehmen.

Beim Schauen nach dem ich war es dennoch so, als ob man in eine Halle hinein ruft, aber es kommt keine Antwort. Es ist klar, dass im Körper kein ich bzw. keine Identifikation mit dem Körper vorhanden ist. Wenn ich frage "Wer beobachtet dies?", dann ist es nicht so klar. Allerdings kann der scheinbare Beobachter auch nur dann auftauchen, wenn ich wieder weg von der Empfindung gehe...

Wenn du es für richtig hältst, werde ich mit dieser Übung noch ein wenig weiter machen...
Liebe Grüße
Lucas
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Ghata » Wed Mar 09, 2016 1:39 pm

Lieber Lucas,
Es scheint eine starke Gewohnheit zu sein, auf diese Weise - durch die Brille der Vorstellung - wahrzunehmen.


Sehr gut, dass du das gesehen hast! In der Tat nehmen wir gewissermaßen 2. Hand wahr, vieles ist bereits durch Gedankenkonzepte gefiltert und verzerrt.
Beim Schauen nach dem ich war es dennoch so, als ob man in eine Halle hinein ruft, aber es kommt keine Antwort. Es ist klar, dass im Körper kein ich bzw. keine Identifikation mit dem Körper vorhanden ist. Wenn ich frage "Wer beobachtet dies?", dann ist es nicht so klar. Allerdings kann der scheinbare Beobachter auch nur dann auftauchen, wenn ich wieder weg von der Empfindung gehe...
Gut gesehen. In der reinen Empfindung ist der Beobachter nicht vorhanden.


Ich schlage vor, dass wir uns einem anderen Sinn zuwenden, dem Hören.

Setze oder lege dich entspannt hin und nimm die Geräusche wahr. Du kannst dir auch Musik auflegen. Beobachte, wie die Gedanken jedes Geräusch benennen: Bellen-Hund, Motorrad, Auto, Vogelgesang....

Jetzt richte die Aufmerksamkeit auf die reine Empfindung des Hören.

Was wird wahrgenommen, was genau ist Geräusch und Klang? Versuche das Hörempfinden zu beschreiben.

Wo ist der Klang genau, drinnen in dir oder draußen? Wo ist die Grenze zwischen innen und außen für den Klang?

Auf der Ebene des reinen Empfindens, gibt es jemanden, der hört und das Gehörte oder einfach hören?


Viel Freude beim Experimentieren!

Liebe Grüße,
Christiane
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Ghata » Wed Mar 09, 2016 1:40 pm

Lieber Lucas,
Es scheint eine starke Gewohnheit zu sein, auf diese Weise - durch die Brille der Vorstellung - wahrzunehmen.


Sehr gut, dass du das gesehen hast! In der Tat nehmen wir gewissermaßen 2. Hand wahr, vieles ist bereits durch Gedankenkonzepte gefiltert und verzerrt.
Beim Schauen nach dem ich war es dennoch so, als ob man in eine Halle hinein ruft, aber es kommt keine Antwort. Es ist klar, dass im Körper kein ich bzw. keine Identifikation mit dem Körper vorhanden ist. Wenn ich frage "Wer beobachtet dies?", dann ist es nicht so klar. Allerdings kann der scheinbare Beobachter auch nur dann auftauchen, wenn ich wieder weg von der Empfindung gehe...
Gut gesehen. In der reinen Empfindung ist der Beobachter nicht vorhanden. Und im Körper ist kein Ich vorhanden. Woanders?

Ich schlage vor, dass wir uns einem anderen Sinn zuwenden, dem Hören.

Setze oder lege dich entspannt hin und nimm die Geräusche wahr. Du kannst dir auch Musik auflegen. Beobachte, wie die Gedanken jedes Geräusch benennen: Bellen-Hund, Motorrad, Auto, Vogelgesang....

Jetzt richte die Aufmerksamkeit auf die reine Empfindung des Hören.

Was wird wahrgenommen, was genau ist Geräusch und Klang? Versuche das Hörempfinden zu beschreiben. Hat es die Bezeichnung "Hören" bereits? Wo kommt sie her und wann?

Wo ist der Klang genau, innen oder außen? Wo ist die Grenze zwischen innen und außen für den Klang?

Auf der Ebene des reinen Empfindens, gibt es jemanden, der hört und das Gehörte oder einfach hören?

Ist ein Beobachter zu finden? Versuche den Augenblick zu erwischen, wenn er ins Spiel kommt. Was ist der Beobachter, wo kommt er her?


Viel Freude beim Experimentieren!

Liebe Grüße,
Ghata
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Wed Mar 09, 2016 8:37 pm

Liebe Ghata,

Mozarts 4. Violinenkonzert hat mich durch diese Übung begleitet. Genauer gesagt war es nur am Anfang ein Violinenkonzert... Unbegreiflich finde ich beim Hören, dass, obwohl man ja wirklich nur einen Klang - jetzt - hören kann, es trotzdem einen Gesamteindruck einer Phrase ergibt. Und wo entsteht dieses "harmonisch" oder "weniger harmonisch"? Es ist ja kein Gefühl, sondern irgendwie in den Klängen enthalten...
Was wird wahrgenommen, was genau ist Geräusch und Klang? Versuche das Hörempfinden zu beschreiben. Hat es die Bezeichnung "Hören" bereits? Wo kommt sie her und wann?
Diese Bezeichnungen, wie "Klang", die Namen der Instrumente wie auch das Wort "Hören" gibt es nur ganz am Anfang, wenn man die Musik schon angestellt hat, sich noch zurecht rückt und vielleicht die ersten zehn Sekunden, so lange die Gedanken noch dazwischen funken und ihren Senf dazu geben können. Doch dann verschwindet all das - wie auch ein eventuell gedachter Hörer oder eine Richtung, aus der die Musik zu kommen scheint - und es bleibt nur das was IST. Auf wundersame Weise behält aber z.B. die Violine ihre Charakteristik, sie wird nicht zu einem abstrakten Klang, sondern bleibt ganz Violine - aber eben ohne Worte. Alles, was die Gedanken später (oder zwischendrin) mühsam zu formulieren versuchen - und unendlich mehr - schon darin enthalten...
Wo ist der Klang genau, innen oder außen? Wo ist die Grenze zwischen innen und außen für den Klang?
Das sind sehr geschickte Fragen. Oder auch: Ist der Klang hier, wo er gehört wird oder dort, wo die Lautsprecher stehen? Auch diese Fragen kann man sich nur stellen, so lange man nicht hört. Doch die Unmöglichkeit, Antworten darauf zu finden, offenbart, dass es sich nur um Konzepte handelt. Spätestens, wenn man wirklich ins Hören eingetaucht ist, stellen sich die Fragen nicht mehr, nicht weil eine Antwort darauf gefunden worden wäre, sondern, weil es niemanden gibt, der sie stellen oder beantworten könnte...
Ist ein Beobachter zu finden? Versuche den Augenblick zu erwischen, wenn er ins Spiel kommt. Was ist der Beobachter, wo kommt er her?
Nachdem die Platte zuende war, hat es länger als sonst gedauert, bis wieder ein scheinbarer Beobachter da war. Mit geschlossenen Augen wurde mehrmals die Frage gestellt, wer dies hört. Als Antwort kam ein "ich"-Gedanke, der aber als Gedanke erkannt wurde. Und so hallte die Frage weiter, ohne dass eine weitere Antwort kam. (Naja, der Gedanke hat's noch ein, zwei Mal versucht, aber ohne Erfolg :-) Erst als die Augen geöffnet wurden, war wieder der Eindruck eines ich da, das versucht hat, "business as usual" zu etablieren: "Was mache ich jetzt?" u.s.w.

In alltäglichen Tätigkeiten kann die Illusion sich besser verstecken, da es aufgrund der vielen Sinneseindrücke unübersichtlich ist. Aber ich kann erkennen, dass das Durchschauen der Illusion in solchen Übungen vielleicht langsam durchfärbt auf den Alltag...

Also, danke für die Übung, das war (bzw. IST) spannend...
Liebe Grüße
Lucas
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Ghata » Thu Mar 10, 2016 1:01 pm

Lieber Lucas,

deine Antwort war Musik in meinen Ohren :-).
Das sind sehr geschickte Fragen. Oder auch: Ist der Klang hier, wo er gehört wird oder dort, wo die Lautsprecher stehen? Auch diese Fragen kann man sich nur stellen, so lange man nicht hört. Doch die Unmöglichkeit, Antworten darauf zu finden, offenbart, dass es sich nur um Konzepte handelt. Spätestens, wenn man wirklich ins Hören eingetaucht ist, stellen sich die Fragen nicht mehr, nicht weil eine Antwort darauf gefunden worden wäre, sondern, weil es niemanden gibt, der sie stellen oder beantworten könnte...
:-)). Wunderbar.
Nachdem die Platte zuende war, hat es länger als sonst gedauert, bis wieder ein scheinbarer Beobachter da war. Mit geschlossenen Augen wurde mehrmals die Frage gestellt, wer dies hört. Als Antwort kam ein "ich"-Gedanke, der aber als Gedanke erkannt wurde. Und so hallte die Frage weiter, ohne dass eine weitere Antwort kam. (Naja, der Gedanke hat's noch ein, zwei Mal versucht, aber ohne Erfolg :-) Erst als die Augen geöffnet wurden, war wieder der Eindruck eines ich da, das versucht hat, "business as usual" zu etablieren: "Was mache ich jetzt?" u.s.w.
So ist es. Das Ich ist ein reiner Gedanke.

Es gibt Gedanken, die auf konkrete Dinge hinweisen: Tisch - Gitarre - Fenster

Es gibt Gedanken, die auf Konzepte hinweisen: z.B. Musikschule. Darin sind Lehrer, Schüler, Instrumente, Noten, das Gebäude usw. enthalten.

Und dann gibt es Gedanken, die auf Phantasien hinweisen: Weihnachtsmann, Einhorn, Batman.

Beantworte die nächste Frage aus dem direkten Erleben, ohne auf Gedanken und geistige Bilder zurückzugreifen:

Worauf weist der Gedanke "Ich" hin? Gibt es das Ich in irgendeiner physischen Form oder Gestalt?

Liebe Grüße,
Ghata
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Thu Mar 10, 2016 8:39 pm

Liebe Ghata,

heute war ein ziemlich unruhiger Tag, so dass es mir schwer fiel, mich ganz auf die Übung einzulassen. Ich habe es aber so gut wie möglich versucht.
Worauf weist der Gedanke "Ich" hin? Gibt es das Ich in irgendeiner physischen Form oder Gestalt?
Zunächst ist mir aufgefallen, dass die Verbindung von dem Gedanken "ich" hin zu auf-was-auch-immer-er-hinweist nicht mehr ganz so automatisch und selbstverständlich ist. Der Gedanke steht mehr erst einmal nur für sich - und hat so als Gedanke keine weitere Bedeutung. Wenn man dann fragt, worauf er hinweist, dann gibt es schon Empfindungen oder Gefühle, auf die er hinzuweisen scheint. Aber das ist eher eine lose Verknüpfung, nicht so dass man sagen könnte, das ich gäbe es in einer physischen Form oder Gestalt. Denn jede Wahrnehmung für sich ist nur eine Wahrnehmung und ganz eindeutig kein ich. Das sind die Beobachtungen mit geschlossenen Augen.

Mit offenen Augen, wenn hier so getippt wird, ist es nicht so einfach. Vor allem fällt es schwer, sich auf die Fragestellung zu konzentrieren. Worauf weist der Gedanke ich hin? Gewohnheitsmäßig auf eine ich-Vorstellung. Wenn man aber nur die direkten Wahrnehmungen heran zieht, dann deutet er auf nichts. Das Problem ist hierbei, dass im täglichen Leben oft nicht die Bewusstheit da ist, sich daran zu erinnern. Die Vorstellung schleicht sich immer wieder ein. Aber auch hier gilt wohl: Steter Tropfen höhlt den Stein ;-)

Liebe Grüße
Lucas
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Ghata » Fri Mar 11, 2016 8:20 am

Lieber Lucas,
Steter Tropfen höhlt den Stein ;-)
Zum Glück liegt hier kein Stein vor, sondern einfach eine Illusion. Wenn sie einen Augenblick lang klar durchschaut wird, funktioniert der Zaubertrick des Geistes nicht mehr.
Zunächst ist mir aufgefallen, dass die Verbindung von dem Gedanken "ich" hin zu auf-was-auch-immer-er-hinweist nicht mehr ganz so automatisch und selbstverständlich ist. Der Gedanke steht mehr erst einmal nur für sich - und hat so als Gedanke keine weitere Bedeutung. Wenn man dann fragt, worauf er hinweist, dann gibt es schon Empfindungen oder Gefühle, auf die er hinzuweisen scheint. Aber das ist eher eine lose Verknüpfung, nicht so dass man sagen könnte, das ich gäbe es in einer physischen Form oder Gestalt. Denn jede Wahrnehmung für sich ist nur eine Wahrnehmung und ganz eindeutig kein ich. Das sind die Beobachtungen mit geschlossenen Augen.
Sehr gut!
Mit offenen Augen, wenn hier so getippt wird, ist es nicht so einfach.
In der Tat trägt das Sehen am meisten zu der Illusion bei.


Übung:
Wähle etwas, was du ansehen kannst. Es sollte nah genug sein, dass auch Details erkennbar sind.

Schaue ganz normal hin. Natürlich weißt du den Namen für dein Objekt. Dann gehe tiefer.

Betrachte die Farben, welche Farben sind zu sehen? Schaue auch die Umrisse der Farben, welche Gestalt haben die verschiedenen Farbflecken? Wo berühren sich Farben, wo entfernen sie sich voneinander?

Achte auf die Linien. In welcher Richtung laufen die Linien. Gerade, geschwungen, unregelmäßig?
Wie ist die Oberfläche gestaltet? Ist Staub darauf?

Wo ist das wahrgenommene Objekt, innen oder außen? Wo ist die Grenze zwischen innen und außen?
Gibt es jemanden, der es sieht? Oder ist da einfach sehen?

Viel Spaß bei der Übung!

Liebe Grüße,
Ghata
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Fri Mar 11, 2016 9:43 pm

Liebe Ghata,
Wähle etwas, was du ansehen kannst. Es sollte nah genug sein, dass auch Details erkennbar sind.
Am Anfang war der gewählte Gegenstand eine Flasche. Zuerst wurden die Formen, Farben und Linien betrachtet, so wie du es vorgegeben hattest. Je weniger das Denken sich einmischen konnte, desto mehr verwandelte sich die Flasche in ein komplett unbekanntes Objekt, oder besser gesagt, das ganze Gesehene wurde etwas Unbekanntes.

Weil ich so etwas früher schon ziemlich häufig gemacht habe (um zu trainieren, Auren zu sehen...), fokussierte ich die Flasche nicht mehr, sondern versuchte, das Ganze auf einmal zu sehen, ohne irgendetwas zu fixieren. Das führt dann immer dazu, dass alles noch gegenwärtiger wird und das ganze Bild wird heller, so als ob es ein Dia wäre, durch das plötzlich von hinten ein helles Licht durchscheint. Auch gerade die Ränder der Objekte erhalten hell scheinende Umrisse und alle Farben sowie die Dreidimensionalität verschwinden. Alles verwandelt sich in ein sehr präsentes, total unbekanntes, hellgelb eingefärbtes, Schwarzweißbild.
Wo ist das wahrgenommene Objekt, innen oder außen? Wo ist die Grenze zwischen innen und außen?
Als diese Fragen gestellt wurden, konnte keine Antwort gefunden werden, da es keinen Bezug gab. Innen oder außerhalb wovon? Diese Begriffen ergeben keinen Sinn mehr und haben mit dem Gesehenen irgendwie nichts zu tun...
Gibt es jemanden, der es sieht? Oder ist da einfach sehen?
Jetzt wurde erkannt, dass es sich mit dem Sehen in der gleichen Weise verhält, wie mit dem Hören. Wenn wirklich gesehen wird, dann hat der Verstand keine Zeit, einen ich-Gedanken zu produzieren. Dieser taucht zwar auf, nicht als Gedanke, sondern als Vorstellungs-Selbstbild, aber eben nur dann, wenn der Fokus nicht mehr auf dem Sehen liegt. So kann quasi hin- und hergeschaltet werden zwischen Wahrnehmung des Gesehenen und Wahrnehmung (ich nenne es mal so, auch wenn es ja keine wirkliche Wahrnehmung ist) der ich-Vorstellung.

Nun kam gerade beim Nochmal-Hinschauen der interessante Gedanke auf, dass es ja ein komisches ich ist, dass wahlweise an- und wieder abgeschaltet werden kann. Ein nicht dauerhaftes ich kann ja gar nicht real sein. Aber das wusste ich ja schon auf dieser intellektuellen Ebenen und es sind schon wieder Gedanken, ich schau also nochmal hin... Moment... Während des Schauens ist tatsächlich nichts da, außer Schauen. Das kann aber währenddessen nicht festgestellt werden, da da eben nur Schauen ist. Erst hinterher kommt ein Gedanke und sagt, dass da ja niemand war. Da ist die Frage, woher er das wissen kann, er war ja gar nicht dabei...?

Also ich vermute, die Moral von der Geschicht' lautet: Immer mehr und immer öfter auf diese Art zu sehen, oder? Oder noch eher: Wenn ich das versuche, dann ist das schon besser als durch die Ego-Brille zu schauen, aber es erfordert Anstrengung und zudem kommt hinterher immer jemand an und sagt, er hätte diese Anstrengung unternommen. Ich nehme weiter an, dass nach dem Erwachen das Sehen immer auf diese Art und Weise geschieht, also so, dass die Kommentarspur da ist und dass es klar ist, dass ein Tisch ein Tisch ist, dass aber gleichzeitig in jedem Moment gewusst wird, dass ein Tisch eben kein Tisch ist.... Dieses Gleichnis gibt es ja oft mit dem Berg.

Ich danke dir für die Übung. Solche Untersuchungen beginnen wieder, mir Spaß zu machen und das ist wohl eine gute Voraussetzung - wofür auch immer :-)

Liebe Grüße und Gute Nacht!
Lucas
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Ghata » Sat Mar 12, 2016 10:13 am

Lieber Lucas,

das war sehr schönes Schauen, direktes Erleben :-). Direkt wahrzunehmen macht einfach Freude.
Das führt dann immer dazu, dass alles noch gegenwärtiger wird und das ganze Bild wird heller, so als ob es ein Dia wäre, durch das plötzlich von hinten ein helles Licht durchscheint. Auch gerade die Ränder der Objekte erhalten hell scheinende Umrisse und alle Farben sowie die Dreidimensionalität verschwinden. Alles verwandelt sich in ein sehr präsentes, total unbekanntes, hellgelb eingefärbtes, Schwarzweißbild.
Ja! Wie du siehst, ist auch das, was als "Sehen" wahrgenommen wird, eine Konstruktion.

Wo ist das wahrgenommene Objekt, innen oder außen? Wo ist die Grenze zwischen innen und außen?

Als diese Fragen gestellt wurden, konnte keine Antwort gefunden werden, da es keinen Bezug gab. Innen oder außerhalb wovon? Diese Begriffen ergeben keinen Sinn mehr und haben mit dem Gesehenen irgendwie nichts zu tun...
Genau! :-)

Ich nehme weiter an, dass nach dem Erwachen das Sehen immer auf diese Art und Weise geschieht, also so, dass die Kommentarspur da ist und dass es klar ist, dass ein Tisch ein Tisch ist, dass aber gleichzeitig in jedem Moment gewusst wird, dass ein Tisch eben kein Tisch ist.... Dieses Gleichnis gibt es ja oft mit dem Berg.
Das stimmt für das vollständige Erwachen, wozu das Durchschauen der Ich-Illusion der erste Schritt ist. Allerdings wird das noch einmal einen ganz anderen Sinn bekommen. Wenn du weitermachst, wirst du es entdecken.

Aber jetzt erstmal der erste Schritt.
Nun kam gerade beim Nochmal-Hinschauen der interessante Gedanke auf, dass es ja ein komisches ich ist, dass wahlweise an- und wieder abgeschaltet werden kann. Ein nicht dauerhaftes ich kann ja gar nicht real sein. Aber das wusste ich ja schon auf dieser intellektuellen Ebenen und es sind schon wieder Gedanken, ich schau also nochmal hin... Moment... Während des Schauens ist tatsächlich nichts da, außer Schauen. Das kann aber währenddessen nicht festgestellt werden, da da eben nur Schauen ist. Erst hinterher kommt ein Gedanke und sagt, dass da ja niemand war. Da ist die Frage, woher er das wissen kann, er war ja gar nicht dabei...?
Auch wenn nur Schauen da ist, wird es wahrgenommen. Solange wir bei Bewusstsein sind, ist Wahrnehmung da. Dass es dazu kein Ich braucht, hast du ja schon gemerkt.

Ja, ein Ich, dass an- und abgeschaltet werden kann....Oder ist es so, dass mal der Gedanke "Ich" da ist und mal nicht?

Übung:
Zur Vorbereitung schaue zum Fenster. Nimm den Fensterrahmen war, die Farbe, den Verlauf der Linien. Dann sieh, wie sich das Bild außerhalb des Fensters im Rahmen zeigt, die Farbverläufe, Linien...

In diesem "Wahrnehmungsmodus" schaue nun nach, ob du eine Entität, ein getrenntes Wesen, einen kleinen Lucas außerhalb oder innerhalb finden kannst, der die Sinneswahrnehmungen hat oder Dinge kontrolliert.

Traue deiner Wahrnehmung. Es werden Gedanken und Körperempfindungen da sein. Glaube nichts, was Gedanken sagen. Schau hin. Stellen sie ein getrenntes Ich dar, das wahrnehmen und handeln kann? Gibt es irgendwo im direkten Erleben eine getrennte Einheit "Ich"?


Ich bin gespannt auf deine Entdeckungen.

Liebe Grüße,
Ghata
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Sat Mar 12, 2016 11:01 pm

Liebe Ghata,

heute ist leider nicht so große Begeisterung da, weil gerade andere Dinge im Fokus sind. Ich schreibe dir eine PM dazu.

Liebe Grüße
Lucas
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Ghata » Sun Mar 13, 2016 8:32 am

Liebeer Lucas,

oh je ((Lucas)). Harte Zeiten.

Lass die Übung, die ich dir zuletzt gegeben habe, mal weg, wir kommen später darauf zurück.

Fühle, was du fühlst. Welche Körperempfindungen sind da, welche Gedanken? Erlaube dir, die reinen Körperempfindungen zu fühlen, die damit verbunden sind, z. B. Anspannung, Kribbeln, Druck, Enge....
Was spürst du und wo?

Haben die reinen Körperempfindungen die Qualität angenehm oder unangenehm?

Beschreibe alles.

Liebe Grüße,
Ghata
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Re: Lang gesucht - noch nicht gefunden

Postby Lucas369 » Sun Mar 13, 2016 7:55 pm

Liebe Ghata,

heute ist wieder alles ein wenig besser. Es ist ja immer so, dass man vor wichtigen Entscheidungen immer so geführt wird, dass man sich mindestens einmal dafür und einmal dagegen entscheidet. Erst dann scheint man frei zu sein, die richtige Entscheidung, die ja kein ich trifft, anzunehmen. Aber ich will gern beschreiben, was wo gefühlt wird:
Welche Körperempfindungen sind da, welche Gedanken? Erlaube dir, die reinen Körperempfindungen zu fühlen, die damit verbunden sind, z. B. Anspannung, Kribbeln, Druck, Enge....
Was spürst du und wo?
Im Bauch wird Druck gespürt. Die Augen fühlen sich müde an, auch die Emotion Müdigkeit wird gefühlt. Man könnte es auch Sehnsucht nennen, die Sehnsucht, einfach zu SEIN. Gedanken dazu: "Das Leben ist so kompliziert und unglaublich anstrengend gerade, ich hätte es gern einfacher und fröhlicher. Ich kann nicht mehr." Ein neuer Job erfordert wieder eine Umstellung des Lebens. Es ist der Gedanke da, dass dafür keine Kraft vorhanden ist. Insgesamt ist das Gefühl da, wenig Energie zu haben.
Haben die reinen Körperempfindungen die Qualität angenehm oder unangenehm?
Die Körperempfindungen lassen sich schwer trennen von den Emotionen. Aber wenn die gerade vorherrschende Müdigkeit einfach zugelassen wird, dann ist auch diese weder angenehm noch unangenehm. Dadurch, dass es da sein darf, was vielleicht davor nicht der Fall war, fühlt es sich sogar eher angenehm an. Aber das ist nur ein Gedanke, der das jetzige Gefühl mit der Erinnerung abgleicht. Ohne diese Interpretation ist es ok.

Beim Durchlesen ist mir aufgefallen, dass es sich doch nicht ok anfühlt und ich bin noch mal tiefer reingegangen in das Gefühl. Damit bin ich aber noch nicht fertig, so dass ich da jetzt noch weitermachen möcht. Bis morgen.

Liebe Grüße
Lucas
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