1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein. Es gibt und gab nie einen eigenständigen kontrollierenden Kern einer Person in der Realität.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst
.
Die Ich-Illusion ist die nicht überprüfte Annahme, dass alle Erfahrungen und alles Handeln durch mich aktiv herbeigeführt, kontrolliert und erlebt werden. Das irgendwo jemand oder etwas im eigenen Körper bzw. Geist ist von dem aus alles passiert, ein Zentrum. Aber wie gesagt ist das nur eine Annahme, ein Gedanke, der durch Erziehung und die allgemeine Weltanschauung entsteht.
Jetzt gerade zum Beispiel schreibe ICH auf MEINEM Laptop an dich. ICH sitze dabei in MEINEM Zimmer auf MEINEM Sofa und ICH habe dabei bestimmte Gedanken und Gefühle. MEIN Körper fühlt sich ein bisschen schlapp an und ICH habe Hunger, weil ICH noch nicht gefrühstückt habe.
Diese Wörter implizieren, dass etwas materielles reales hinter ihnen steht. Das ist aber bei genauerer Betrachtung nicht so. Die Sätze wären näher an der Realität, wenn man alle ich, mein und mir Wörter löschen würde.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Das ist eine schwere Frage. Es ist nichts anders würde ich sagen, die Ich-Illusion bleibt ja da und auch alle negativen Gedanken und Gefühle verändern sich nicht und kommen von Zeit zu Zeit. "Ich habe das und das falsch gemacht" "Ich hätte doch" etc. Das sind halt die Gedanken die in diesem Moment da sind. Aber weil vorher so viele Gedanken da waren, dass am Ende eine so positive Wandlung des eigenen Lebens und Erlebens steht, kommen jetzt natürlich auch viele Gedanken wie: "das kann es doch noch nicht gewesen sein" "aber dieses und jenes in meinem leben stört mich immer noch" usw. zusätzlich kommen dann immer noch die Gedanken wie: "ja aber du muss doch nicht traurig sein, dich gibt es gar nicht, du existierst gar nicht" weil der verstand irgendwie aus allem erlebten eine Geschichte strickt.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Die Realisierung, dass es nie eine Antwort geben kann die jetzt in diesem Moment noch nicht da ist.
Volle Akzeptanz, dass das Verlagern auf die Zukunft und auf bestimmte Erfahrungen um erkennen
zu können Quatsch ist. Und dann die Entscheidung sich jetzt so lange hinzusetzen bis Klarheit kommt
und es nicht nach 30 Minuten mit dem Gedanken, "ah es ändert doch eh nichts" wieder abzubrechen.
Geht halt nicht um den Verstand. Und die Feststellung die du auch in deinem Videointerview gemacht hast, dass in der Realität gar kein Platz für ein Ich ist. Weil halt alles so da ist wie es ist, inklusive der Gedanken, aber wo soll da dann zusätzlich noch ein Ich existieren können? In welcher Form?
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung
Das ist wieder schwieriger, weil das alles wie gesagt ja genauso erlebt wird wie vorher. Auch die Gedanken die auf bestimme Situationen mit Entscheidungen und kontrolliertem Handeln folgen. Das Leben passiert letztendlich so wie es passiert, im großen und ganzen und auch beim Einzelnen. Entscheidungen, freier Wille, Wahl und Kontrolle sind eben nur Wörter die auf bestimmte Situationen gelegt werden. Darauf folgt dann der Gedanke ich. Und plötzlich ist das was passiert ist zu: "Ich habe die Entscheidung getroffen jetzt so zu handeln und nicht anders, ob wohl ich es gekonnt hätte" geworden.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Wenn ich ehrlich bin fällt es mir schwer mit der Erfahrung umzugehen. Weil jetzt nach jeder Situation wo z.B. Trauer, Angst und negative Gedanken da sind der Gedanke folgt "du kannst gar nicht trauern Jakob, dich gibt es gar nicht." Gedanken drehen sich im Kreis. Man versucht verzweifelt wieder zu der Erfahrung zu kommen, dass es gar kein Ich gibt. Schafft es nicht weil so viele Gedanken da sind. Und irgendwann später merkt man, dass das alles nur Gedanken waren.
Und dann kommen natürlich wieder Zweifel, dass irgendwas nicht richtig gelaufen ist.
Konkret es ist irgendwie schwer die Erfahrung mit dem konditionierten, gewohnten Denken zu vereinen. Das clasht auch jetzt im Nachhinen. Daneben bin ich natürlich dankbar, dass ich auch mit so großen Pausen immer wieder hier her zurück kommen konnte.