Ana wrote: Wenn da nur ein körperlichen Gefühl von einer Magenkontraktion wäre, dann würdest du das nicht 'Angst' nennen, oder?
NeverEndingStory wrote:Stimmt, ja. Nur das Körpergefühl selbst würde noch nicht für meine Definiton "Angst" genügen.
Genau, da ist also noch etwas mit dem Körpergefühl verwoben, und macht es so zu einem Gefühl, das uns bewegt (Emotion). Häufig übersehen wir das, weil wir schon mitten drin sind. Was das Gefühl (Emotion) ausmacht, ist die Geschichte, die mit ihr einhergeht. Z.B. „'Ich' habe Angst, dass …, „'Ich' bin traurig, weil ….“
Schau hin, kannst du das in deinem Erfahren bestätigen?
Ja, stimmt! „E-motion“, ein Gefühl, das uns bewegt - anschaulich…
Aber ist das die gleiche Art von verweben, wie als ich das mit den Geräuschen wahrgenommen habe? Wo ich geschireben hab, „da is was in mir gekoppelt“? War das auch nur eine Geschichte?
Ich habe irgendwie nicht das Gefühl, dass das das gleiche war, diese Koppelung (Metapher Wasser-Stein). Die Koppelung mit einer Geschichte, kam glaub ich erst ins Spiel, als mich laute Geräusche eingeschüchtert haben. Da hat die Geschichte begonnen.
Aber wenn da in einem Raum z.B. zwei lauthals streiten und die Stimmung sehr angespannt ist, kann man dieses Angespanntsein ja auch spüren. Das heisst ja dann noch nicht, dass es gekoppelt ist mit einer Geschichte, oder? Sondern es gehört dann einfach zur Sinneserfahrung, nicht?
Wo fängt die Geschichte an?
Hier ein Beispiel, das mich kürzlich sehr begleitet hat und ich ne kleine Erkenntnis hatte:
Über einige Jahre hinweg spürte ich verschiedene Emotionen im Familienleben (wie wut, angespanntsein, traurigsein, überfordetsein etc.). Jahrelang habe ich geglaubt das wäre „nur“ eine Geschichte, die ich spinne. Ich habe diese Gefühle allesamt übernommen.
Kürzlich hab ich erfahren/erkennt, dass das nicht eingebildet war (keine Geschichte), sondern dass das tatsächlich einfach so war. Plötzlich habe ich gemerkt, dass ich ja frei bin davon. Die Emotionen gehör(t)en ja gar nicht zu mir. Das hat sich so angefühlt, als wär etwas geplatzt - in Luft aufgelöst.
Die tatsächliche Geschichte war also, dass ich die Gefühle allesamt übernommen habe, aber nicht, dass diese Stimmung nicht herrschte. Oder?
Ana wrote: Innerhalb der Geschichte gibt es immer ein 'Ich', und die Geschichte wird durch das 'Ich' aufrecht erhalten. Der Inhalt der Geschichte spielt letztendlich keine Rolle. Fällt der Glaube an ein 'Ich' weg, ist der Geschichte jegliche Grundlage genommen.
Kannst du in deiner direkten Erfahrung dieses 'Ich' finden, das traurig ist?
Oder passiert einfach traurig sein? Braucht's zum traurig sein ein 'Ich' (und 'Andere')?
Das sind schwierige Fragen für mich. Ich versuche sie zu beantworten.
Ja, im Fall traurig sein, hab ich starke Identitätsgefühle. Ich spüre oftmals nicht einfach Trauer, sondern auch noch Geschichten. Ich rutsch da irgendwie immer ab. Kann gar nicht richtig in der Direkten Erfahrung bleiben.
Braucht’s zum traurig sein ein ‚Ich‘ (und ‚Andere‘)?
Nicht immer. Manchmal, wenn jemand anderes traurig ist, dann fühl ich die Trauer zwar. Aber ich bin nicht traurig. Dann ist einfach Trauer da, ich kann es dann auch spüren in der Sinneserfahrung. Aber es hat dann irgendwie nichts mit mir zu tun.
Manchmal spüre ich auch Trauer, wenn ich alleine bin (also keine ‚Andere‘). Oftmals ist es dann so, dass es mich aber überhaupt nicht stört. Sondern das ist dann auch Ausdruck von sehr viel „Lebendigem“, also wo ich kein ‚Ich‘ wahrnehme, sondern einfach nur Trauer.
Aber das ist eher so, wenn ich viel Zeit und Raum habe. Oftmals ist es sehr schnell mit einer Geschichte verwoben. Ein Sog, wie ich das mal beschrieb.
Ana wrote: In deinem direkten Wahrnehmen, kannst du da wirklich ein 'Körperich' finden, das 'die Präsenz' anstreben will? Oder ist es letztendlich eine Geschichte, in der 'Ich' mit 'der Präsenz' eins werden will? Und mit dieser Trennung wird die Ich-Illusion weiter aufrechterhalten, hat 'Ich' eine Nische gefunden?
NeverEndingStory wrote: Kann sein, dass hier die Nische ist. Habe hier ein Brett vor dem Kopf.
Wie ist es momentan mit dem 'Körperich'? Wo genau, in direkter Wahrnehmung, ist es zu finden?
Körperich? Nirgends.
NeverEndingStory wrote:Ich fokussiere mich auf dieses andere halt. Die Präsenz. Gebe dem mehr Raum (weg is es ja nie) und dann vermehrt sich das. Finde hierzu grad keine gute Metapher.
Kann nachempfinden, was du beschreibst.
Aber ist das wirklich, was abläuft? Ist da ein 'Ich', das sich auf 'die Präsenz' fokussiert, 'ihr' Raum gibt?
Wie kann 'Ich' etwas, was zeitlos und grenzenlos ist, 'Raum' geben?
Achso. Nein, besser ausgedrückt wäre es natürlich eher so: „Ich“ geht weg. Überlässt die Bühne der Präsenz. Es ist mehr so, dass das „ich“ verschwindet und dann ist einfach nur noch Präsenz da. (ah jetzt hab ich auch den Artikel weggelassen, aus dieser Perspektive).
Aber wenn das „Ich“ grad am Schauspielern ist, dann ist es inmitten seiner Aktion, aus dieser Perspektive, schon so, dass es Raum geben „muss“. Schliesslich hat Präsenz keinen Touch von Aufdringlichkeit. Es ist ganz sanft. Es wartet bis das Ich geht. Bis das Ich der Präsenz Raum lässt. Das ist aber auch ziemlich abstrakt geschrieben und letztendlich nur Wortklaubereien.
Es gibt für mich eben diese beiden Perspektiven noch ziemlich dominant:
Aus der Ich-Perspektive: Präsenz bekommt Raum.
Aus der Präsenz-Perspektive: Ich geht. Existiert einfach nicht.
Glaubst du diese Wortnuance, ist genau der springende Punkt bei mir? Könnte schon sein, da mich ja diese Zweischneidigkeit oft begleitet. Aus der Präsenz-Perspekitve, wäre das viel ein-schneidiger...
Ich stelle dein Erleben nicht in Frage.
Aber kannst du sehen, dass dies ein weiteres Beispiel für eine Geschichte ist?
In den Hauptrollen: 'die Präsenz', 'Ich' und 'Körperich' – aneinander gelehnt, sich wechselseitig stützend, keine kann ohne die andere existieren. Sie brauchen sich gegenseitig, um zu 'überleben'.
Hm… Da liegt, glaub wirklich der springende Punkt...
Wenn diese Geschichte komplett wegfällt, wäre das dann das Ende deiner Welt?
Er-lebt das Leben nicht einfach weiter, auch ohne 'Ich'?
Ja, also theoretisch habe ich das oben auch gerade gefolgert..
Da fehlt aber der Funke noch…
Ah, das habe ich noch vergessen:
Berichte au deiner direkten Wahrnehmung heraus:
Wie entstehen Gedanken? Wo kommen sie her? Wo gehen sie hin?
Hast du einen Einfluss auf die Gedanken, die du wahrnimmst?
Glaubst du immer deinen Gedanken?
Gedanken poppen einfach auf.
Wo kommen sie her?
Keine Anhnung, sind plötzlich da.
Wo gehen sie hin?
Keine Ahnung, sie gehen einfach wieder. Vor allem, wenn ich mich nicht von ihnen absorbieren lasse. Dann entsteht eben dieser Sog.
Glaubst du immer deinen Gedanken?
Nein, nicht immer. Aber schon manchmal. Eben dann, wenn ich Geschichten spinne.
Nochmals zu oben:
keine kann ohne die andere existieren. Sie brauchen sich gegenseitig, um zu 'überleben'
Wenn das tatsächlich so ist, diese Wechselbeziehung, also ein Abhängigkeitsverhältnis...
Dann ist diese Präsenz, die ich scheinbar kenne. Nur Schein? Alles nicht wahr?
Da gibts noch eine andere Art von Präsenz?
woher kenn ich dann diese Präsenz?
(das ist keine Spur von Anklage, sondern eine wahrhaftige Frage)
war die niemals echt?
die "wahre" präsenz, wäre gar nie abhängig. oder?
ich weiss schon, dass zwei nicht existieren können.
Aber müssen gleich beide "sterben"?
reicht es nicht, wenn eines geht und das Beständige bleibt?