Postby tine » Mon Aug 12, 2013 3:22 pm
Liebe Ingen!
Total schön ist das, obwohl sich ja nichts getan hat :-) Ein ganz ganz herzliches Dankeschön an Dich, daß Du die Geduld aufgebracht hast, mich an die Hand zu nehmen und wir auch weiterhin in Kontakt bleiben. Zwischenzeitlich war es ja wirklich mal so, daß ich fast das Handtuch geschmissen hätte, weil ich irgendwas Magisches oder Extraordinäres erwartet hatte, was sich nicht eingestellt hat.
(ich hör jetzt mal auf, dieses Ich oder Mich immer in Anführungszeichen zu setzen, Du weißt ja, wie "ich" es meine :-))
Am Anfang dachte ich - sollte ich jemals diese sagenumwobenen Abschlussfragen gestellt bekommen, ui, das wäre eine Freude, da hätte Ich was Tolles verstanden... Doch jetzt ist es so, daß Du mir halt einfach ein paar Fragen stellst. Nur das.
1)
Es gibt hier kein Ich, Selbst, Ego, mich, eigentlich auch nicht ein Du, Dich, Euch, Dir, Wir - nur als Gedanken.
Es gab auch niemals sowas. Und auch zu sagen, es gab mal eine Zeit, da hab ich an ein Ich geglaubt, ist auch Quatsch, weil "es gab mal ne Zeit" ist einerseits nur eine Geschichte, andererseits gibt und gab es eh gar kein Ich hier, nirgends. Es kann also keins gegeben haben!! wow, so einfach ist das.
2)
Das Ich gibt es nur als Gedanke(n) und die konstruieren ein ganzes Selbst-Bild, eine ganze Geschichte von "mir", die auch in Erinnerungen abrufbar ist oder, in die Zukunft gerichtet, Pläne sind, Befürchtungen oder Wünsche. Auch mit Bewertungen kennt sich dieses Ich super aus. Ich ist als Gedanke in der Zeit, vorwärts, rückwärts - Jetzt ist aber immer nur je Das Hier.
3)
Es fühlt sich ganz normal an, unspektakulär, so daß oft der Gedanke kommt "ist es das echt?", was ich aber lediglich als Gedanken identifizieren kann, um zu sehen - ja, es ist Das. Ein Das, was aber nicht darin besteht, daß ein Ich nun erlaubt oder bewerkstelligt, daß das Leben schön durch Mich durchfliessen kann oder so ein Blödsinn (muß immer noch drüber lachen...)
Was zum Beispiel ein bisschen anders ist, ist der Blick auf Menschen. Vor ein paar Tagen sagte eine Freundin "mensch, die Zeitungsfrau zieht sich aber auch immer an...", da kam dann gar nicht mehr der Impuls negativ irgendwas zu bewerten, obwohl die Frau vielleicht wirklich unvorteilhaft gekleidet war, sondern es gab an der Frau für mich nichts, was zu bewerten wäre, es fühlte sich wie so ein liebevoller Blick an. Weil die Zeitungsfrau völlig ok so ist, wie sie ist. Das deute ich mal so, als war da nicht "mein" Ich mit der Freundin unterwegs, was sicher ganz schnell mit Bewertungen dabei gewesen wäre, sondern ich war ohne Ich, und entsprechend unvoreingenommen. Noch darüber hinaus, es fühlte sich so liebevoll an.
Oder das mit meinem Bekannten letztens, der mir erzählte, daß er heute schon viel viel weiter wäre, wenn nicht... Das ist für mich nur eine Erzählung, die nichts mit Dem Hier zu tun hat. Daß andere manchmal so fest an solche Geschichten glauben, befremdet mich, um so mehr, wenn es nur um Konjunktive geht... Mein Impuls ist dann ein größer werdendes Bedürfnis nach Stille. Einfach mal die Klappe zu halten, es ändert schließlich eh nichts an Dem Hier. Und ist perse weder gut noch schlecht hier.
Da ist nicht nur ein sanfterer Umgang mit den Menschen, sondern auch mit mir selbst. Diese Zahnarzt Angst zum Beispiel hätte ich vor einiger Zeit noch breit getreten oder wegschieben wollen. Heute ist es einfach nur ok. Ist halt was Angst da.
4)
Einen richtigen Schubs gab es eigentlich nicht, im Sinne von "Vorhang auf". Während unserem Gespräch hast Du mir aber einmal eine Frage gestellt, die gesessen hat. Ob ich bestimmen könnte, was mein nächster Gedanke sein wird. Die aus der unmittelbaren Erfahrung zu beantworten, war ein großer Aha-Moment. Zu sehen, daß Ich das echt nicht kann und es in der (auch erfahrenen) Folge somit nirgends nie ein Ich gibt, was irgendwas macht oder selber denkt oder lächelt, war eine unglaubliche Erkenntnis.
Was vielleicht jetzt kein Schubs war aber damit einherging und geht ist, daß ich dem vergangenen Monat über bis heute sechs Kilos abgenommen habe. Die Illusion zu durchschauen wurde begleitet davon, auch körperlich Ballast abzuwerfen. (Obwohl ich das Ich jetzt nicht los bin im Sinne von Ballast, muss ja auch nicht sein, schließlich ist es putzig, wenn man es einmal hell angeleuchtet hat; und klar, "süß" oder putzig ist auch nur ein Gedanke!) Und wenn ich mich jetzt frage, wer hat denn hier abgenommen, ist es keine Person oder Ich, nur als Narrativ, der Körper hier ist eben einfach ein paar Kilo leichter, jetzt. Und zu erzählen, er war vor einem Monat mal schwerer, ist nur eine Geschichte.
5)
klares nein :-)