Ja, diese Fragen habe ich schon in anderen Threads gesehen, sehen wir mal ob mir noch was neues dazu einfällt was ich noch nicht geschrieben habe.
1. Gibt es ein Ich in irgendeiner Form oder Zustand?
Was es ganz klar gibt ist die Illusion eines Ichs, die verschwindet auch nicht (zumindest nicht bei mir). Nur wenn man schaut was sich dahinter befindet ist da eben nichts was einen komplett freien Willen hat oder mit den 5 Sinnen und den Gedanken erfasst werden könnte. Dinge entwickeln sich einfach und auch das von dem wir meinen dass es von uns kommt ist immer von anderen Vorbedingungen abhängig.
2. Erkläre, wie das normalerweise als real angesehene Selbst funktioniert, und wie es kam, dass du es durchschaut hast. Was hat dich überzeugt?
Das falsche Selbst entsteht dadurch, dass bestimmte Dinge und Wahrnehmungen immer gleichzeitig auftreten (Sinneseindrücke, Gedanken) und somit als zusammengehörig gesehen werden. In Wirklichkeit kann man diese Sachen aber auch getrennt betrachten. Außerdem sind wir konditioniert in einer Weise zu denken die dieses Bild noch verstärkt, was auch an unserer Sprache liegt (immer wieder "ich").
Am Ende hatte ich versucht den Ich-Gedanken wirklich auf die Schliche zu kommen. Anstatt aber einen Prozess anzustoßen und auf den folgenden Gedanken zu warten (das hatte bei mir nicht so richtig funktioniert und fühlte sich auch irgendwie unecht an), habe ich einfach versucht mich bei einem von selbst auftretenden Gedanken zu erwischen und dann sofort nachzuschauen woher dieser jetzt kam. Und es gab immer irgendwelche Vorbedingungen - vorher war immer "irgendwas", das diesen Gedanken ausgelöst hatte. Da wurde mir dann klar dass es wirklich schon immer so gewesen ist und Gedanken nicht einfach aus dem Nichts entstehen. Ein "freies" Ich, das tun kann was es will, gibt es hinter dem allen also nicht.
3. Wie fühlt es sich an, erwacht, d.h. von dieser Vorstellung befreit zu sein?
Es hat auf jeden Fall etwas von Kontrollverlust. Aber eigentlich habe ich gar nicht wirklich das Gefühl dass mir die Kontrolle über alles was geschieht entzogen wurde, sondern dass ich sie einfach abgeben kann. Man macht sich irgendwie weniger Stress wenn man weiß dass alles einfach so passiert wie es soll, und man einfach auch mal loslassen kann und nicht die ganze Zeit alles unter Kontrolle(oder die Illusion davon) halten muss.
4. Wie würdest du das jemandem erklären, der noch nie die Existenz eines eigenständigen "Ichs" bezweifelt hat und nichts von alldem gehört hat?
Ich glaube dass man von vornherein schon einigermaßen offen für die Idee sein muss um überhaupt richtig schauen zu wollen. Jemanden davon zu überzeugen dass das "ICH" nicht wirklich der Körper sein kann, ist vermutlich bei den meisten noch relativ einfach zu bewerkstelligen. Der Knackpunkt (zumindest war es so bei mir) ist eher die Gedankenwelt. Hier fand ich die oben beschriebene Methode recht hilfreich für mich, also zu versuchen, wenn Gedanken von selbst auftauchen, gleich nachzuschauen wo die Ursache für diese gewesen sein könnte, oder ob sie wirklich einfach "von selbst" (also dem freien Willen des Ichs) im Kopf aufgetaucht sind.
Wenn du mir noch etwas auf den Weg geben willst, bin ich natürlich weiterhin für alle Hinweise und möglichen Stolpersteine offen. Ein wenig frisch fühlt sich diese Perspektive schon irgendwie noch an. Vielen Dank nochmal für deine Zeit und Geduld! :)