Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Tue Jun 02, 2026 2:13 pm

… und noch etwas, was mich neugierig macht:

In deiner Antwort an den anderen Guide schriebst du:
Relating with others has not changed much either.
Du sagst „nicht viel“, nicht „gar nichts“... Könntest du etwas mehr darüber erzählen was sich denn im Umgang mit anderen geändert hat – vielleicht subtil und unspektakulär? Fallen dir Situationen ein, in denen Interaktionen oder emotionale Reaktionen anders abliefen, als du es von dir gewohnt warst?

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Tue Jun 02, 2026 4:52 pm

... uuuuuuuuund da bin ich schon wieder :D

Bin weiterhin sehr gespannt, was du auf meine Fragen antwortest, wollte dir aber auf jeden Fall schon einmal mitteilen:
Die Guides, die sich deine Antworten angeschaut haben, haben keine weiteren Rückfragen mehr.

Es scheint, dass das “torlose Tor” durchschritten wurde… aber wie du weißt, gibt es kein Tor, niemanden, der es durchschreiten könnte, und kein Ende der Reise.

Bald wirst du eine E-Mail erhalten, die dich darüber informiert, dass du eine PN aus dem Forum bekommen hast. Darin wirst du eingeladen, den Facebook-Gruppen von LU beizutreten. Außerdem enthält sie weitere Informationen, die für dich interessant sein könnten. Dein Benutzername wird sich von grün zu blau ändern, und dieser Thread wird irgendwann in den Archivbereich des Forums verschoben. Er bleibt jedoch aktiv und du kannst jederzeit darauf zugreifen oder ihn weiter nutzen.

Wie du schon gesehen hast, ist das Durchschauen der Ich-Illusion erst der Anfang des Erforschens. Es kann auch der Beginn eines Aufräumens alter Glaubenssätze und gewohnheitsmäßiger Denkmuster sein. Das ist oft kein geradliniger Prozess und kann zeitweise auch emotional herausfordernd sein. Da kann es hilfreich sein, gute Orientierungshilfen zur Hand zu haben.

Zusätzlich zu den Ressourcen in der PN hier noch meine persönlichen Empfehlungen:

Eine „Landkarte“ für das weitere Erforschen: das Modell der „Ten Fetters“:

Kevin Schanilecs Website: https://simplytheseen.com/

Pernille und Todds YouTube-Kanal: https://youtube.com/@theawakeningcurric ... G_umWnTL3Q
(Die Videos zu den 10 Fesseln sind in entsprechenden Playlists zusammengestellt)

Sowohl im Format als auch in der Herangehensweise unterscheiden sich diese beiden Ansätze.
Kevin: geschriebener Text, sehr fokussiert und minimalistisch.
Pernille und Todd: Videos, stärker psychologisch ausgerichtet und mit vielen verschiedenen Blickwinkeln und Aspekten.

Während manche Menschen eher den einen oder den anderen Ansatz bevorzugen, finde ich, dass sich beide sehr gut ergänzen. Einer der größten Unterschiede ist, dass Kevin die ersten drei Fetters kaum behandelt, während Pernille besonders in Fetter 2 einen großen Anteil der emotionalen Arbeit (die manche auch shadow work nennen) einbezieht.


Die Zoom-Meetings mit Vince Schubert, einem langjährigen LU-Guide:
https://1ness.info/


Natürlich muss auch unser Austausch hier nicht zu Ende sein. Wann immer etwas aufkommt, wovon du berichten möchtest oder wobei du dir Unterstützung wünschst, kannst du mir hier im Thread schreiben.

Und sollte zu gegebenem Zeitpunkt der Impuls auftauchen, hier in LU zu guiden, melde dich gerne! Wir können immer neue Guides gebrauchen, besonders deutschsprachige!

Es war mir eine Freude, dich dieses Stück des Weges zu begleiten.

In Dankbarkeit,
Elea

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fievkant
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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Tue Jun 02, 2026 7:14 pm

Liebe Elena,

es fühlt sich fast etwas lapidar an, das so zu schreiben, aber zunächst einmal danke ich dir von Herzen für diesen Austausch, für all die Anregungen und Rückführungen zum Schauen und auch für die Ressourcen, die du aufgelistet hast. Gerne teile ich meine Erfahrungen hier weiter mit und freue mich auf weiteren Austausch.
das Durchschauen der Ich-Illusion [ist] erst der Anfang des Erforschens. Es kann auch der Beginn eines Aufräumens alter Glaubenssätze und gewohnheitsmäßiger Denkmuster sein.
Diese Beobachtung stelle ich gerade alltäglich am laufenden Band fest. Wie auf Englisch beschrieben ist es momentan vor allem ein immer wiederkehrendes Hinterfragen und "Enttarnen" von allerhand Gedankenkonstrukten.

Wenn ich in dem Zusammenhang nochmal auf die Eingangsfragen schaue, dann lese ich vor allem Gedanken über Gedanken - Der Eindruck "Nur wissen, nicht fühlen" ist definitiv verschwunden - durch den simplen Akt des tatsächlich einfach mal Nachschauens. Eines der konkretesten Erkenntnisse, die ich in diesem Zusammenhang in den letzten Wochen gemacht habe, ist genau das: Was ist ein Gedanke, wann denke ich, wann schaue ich - und die damit verbundene Feststellung: ziemlich vieles, was bisher als gegeben angenommen wurde, sind einfach nur Gedanken - ein Prozess, der sich gerade laufend weiter entfaltet.

In dem Zusammenhang würde ich auf die Frage
3. Wie wirst du dich verändern?
heute auch anders antworten. Die Metapher des Kleidungsstücks, so erfolgreich oder erfolglos sie auch sein mag, ist nichts weiter als ein Gedanke. Wenn ich in meine direkte Erfahrung schaue, finde ich allerhand "Verhalten" und "Gewohnheiten", aber niemanden, der eine Persönlichkeit haben könnte - nur Entscheidungen, die einfach passieren, Gedanken, die häufiger auftauchen als andere etc. Da dort kein "Ich" ist, das sich verändern kann, habe "ich" "mich" nicht verändert und auch in Zukunft gibt es kein "anderes Ich", das "sich verändert hat" - und doch lässt sich Veränderung natürlich laufend direkt erfahren. Diese Tendenz, ein "Ding" aus so etwas wie "Persönlichkeit" zu machen und solche Dinge dort stillschweigend anzunehmen, wo keine sind, ist etwas, das sich seit dem Beginn des Dialogs an immer neuen und unvorhergesehenen Stellen entfaltet.
Du sagst „nicht viel“, nicht „gar nichts“... Könntest du etwas mehr darüber erzählen was sich denn im Umgang mit anderen geändert hat – vielleicht subtil und unspektakulär? Fallen dir Situationen ein, in denen Interaktionen oder emotionale Reaktionen anders abliefen, als du es von dir gewohnt warst?
Ein spannendes "Forschungsfeld" in diesem Zusammenhang ist sicherlich die Erkenntnis gewesen: "Da ist kein 'Ich' in der direkten Erfahrung auffindbar und auch keine 'anderen'". Diese Feststellung, da sind auch keine anderen, nur weitere Ereignisse und Erfahrungen, die passieren, ist besonders gestern und heute etwas gewesen, das neue Erkenntnisse und auch neue Fragen aufgeworfen hat. "In der direkten Erfahrung sind keine anderen" und trotzdem gebe ich dieser Person die Schuld für "ihr Verhalten". "Ich gebe einer anderen Person die Schuld" - Moment mal, kann ich das in meiner direkten Erfahrung bestätigen? etc. Die Baseline an Situationen und Begegnungen, in denen es sich so anfühlt, als passierte dieses Ereignis einfach so, ist sicherlich gestiegen. Und gleichzeitig kann ich in gewissen Situationen praktisch dabei zuschauen, wie sich eine emotionale Reaktion entfaltet, die auf Illusionen beruht - und damit neue unhinterfragte Annahmen zutage fördert: "Du solltest es ja jetzt eigentlich besser wissen..." und dann wird wiederum diese Idee geprüft - sicher hast du ähnliches erlebt? Das Thema emotionale Arbeit, das du ja erwähntest, scheint jedenfalls etwas zu sein, das sich gerade auch in meiner Erkundung ergibt. Gerne schaue ich mir mal deine Empfehlungen dazu an.

Dir also erneut von Herzen Danke dafür, mich auf diese Erkundung mitgenommen zu haben,
bis bald,
Thorben

p.s.: Die Nutzung von Anführungszeichen ist sicher neuerdings auf einem all-time high. :D

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Tue Jun 02, 2026 8:25 pm

... und sorry für den Typo, liebe Elea.

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Wed Jun 03, 2026 4:03 pm

Lieber Thorben,

vielen Dank für deine Nachricht. Es ist schön, zu lesen, dass sich so viel Klarheit eingestellt hat und ein lebendiger Prozess des Schauens und Hinterfragens im Gange ist.

Mit dem Thema des Schuldgebens sprichst du ein besonders „fruchtbares“* Forschungsfeld an. Eine echte Schnittstelle zwischen dem, was wir hier im Dialog untersucht haben, und dem, was als Nächstes kommen kann.
"In der direkten Erfahrung sind keine anderen" und trotzdem gebe ich dieser Person die Schuld für "ihr Verhalten". "Ich gebe einer anderen Person die Schuld" - Moment mal, kann ich das in meiner direkten Erfahrung bestätigen?
Und gleichzeitig kann ich in gewissen Situationen praktisch dabei zuschauen, wie sich eine emotionale Reaktion entfaltet, die auf Illusionen beruht
Der Blick in die direkte Erfahrung bringt uns immer wieder zurück zu dem, was tatsächlich da ist (kein Ich, keiner, der beschuldigt, keine Inhalte von Gedanken) und ist das wichtigste Werkzeug beim Untersuchen der Ich-Illusion. Sobald jedoch klar gesehen wurde, dass kein Ich existiert - bzw. jedes Mal, wenn es nach Momenten der Identifikation erneut gesehen wurde - kann das Erforschen weitergehen: Der Blick wird klarer dafür, was denn eigentlich in diesem ichlosen BodyMind-System vor sich geht. Auch das, wovon früher immer wieder weggeschaut wurde oder was sogar unterdrückt wurde, weil es unter der falschen Annahme eines Selbst zu bedrohlich erschien, kann nun leichter angeschaut und gefühlt werden. Hier beginnt die emotionale Arbeit oder shadow work.

Es ist also klar: Kein Ich, kein Beschuldiger, keine Beschuldigten. Und Beschuldigen ist ein Konzept, das in der direkten Erfahrung nicht gefunden werden kann.

Doch etwas geschieht hier - und genau das kann nun näher untersucht werden:

Pernille nennt „blaming“ einen „verbal indicator“ - einen Indikator dafür, dass auf emotionaler Ebene gerade etwas passiert. Genauer genommen der Versuch, etwas nicht zu fühlen…

Ich denke, das folgende Video über die verbal indicators (blaming, shaming, complaining, explaining) setzt genau dort an, wo du gerade am Schauen bist: https://youtu.be/U9LVKGeMLzU?si=Ary78vGV8uja81cq
Es baut zwar auf die Inhalte anderer Videos auf, besonders über den „toxic starting point“ und die „emotional indicators“ in der Playlist zu Fetter 2, aber da du gerade genau beim Thema bist, kannst du ebenso gut mit dem verlinkten Video beginnen und die anderen später einmal anschauen :)

Bin gespannt, zu hören, wie es bei dir landet.

Alles Liebe,
Elea


*Anführungszeichen auch hier ;) Worte sind eben oft nur unzureichende Annäherungen…

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Thu Jun 04, 2026 7:24 am

Liebe Elea,

vielen Dank für das Video, es hat an vielen Punkten angedockt, die gerade aufkommen. Ich habe vorgestern anhand deiner allgemeinen Empfehlung das erste Video zum Fetter 1 geschaut, aber dieser "Wurf ins kalte Wasser" hat die Sache viel greifbarer für mich gemacht.

Die Vorstellung "eigentlich geht es immer um 'mich'" und die schnörkellose Frage "How is this about 'me'?" setzen wirklich genau bei dem an, was gerade immer wieder in meiner "Realitätsblase" erscheint. Ich fand vor allem die Warnungen Pernilles dazu sehr hilfreich, keine neuen Geschichten aus "Pseudo-Einsichten" zu machen, vor allem dadurch, mit vermeintlichem "neuen Wissen" das ebenfalls vermeintliche Verhalten anderer zu analysieren und zu erklären - eben: "How is this about 'me'?"

Ich werde in den nächsten Tagen die Videos zum "toxic starting point" und zu den "emotional indicators" anschauen, das scheint auch nach dem Schauen dieses Videos der logische nächste Schritt zu sein.

Ich bin dennoch ein bisschen überwältigt, was die Arbeit mit den Fetters angeht. Im Unleashed-Forum habe ich gelesen, dass es vielen ähnlich geht. Es macht wahrscheinlich am meisten Sinn, "nach Gefühl" vorzugehen, oder ist es deiner Meinung nach ebenfalls sinnvoll, das Material chronologisch durchzuarbeiten?

Liebe Grüße!

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Thu Jun 04, 2026 10:47 pm

Lieber Thorben,

schön, dass das Video tatsächlich gerade passend war :)

Ja, die Idee von 10 Fesseln kann überwältigend wirken… So hilfreich das Modell auch ist, kann es auch die Vorstellung eines langen Weges fördern, den es nun zurückzulegen gälte. Aber wer, welches Ich oder Selbst, das davon profitieren würde, sollte das denn tun? ;)

Mein inneres Bild dessen, was hinter dem „torlosen Tor“ kommt, ist nicht die Fortsetzung des Weges, der zum Tor führte, sondern eine weite Landschaft ohne ausgetretene Pfade, die erkundet werden kann. Ein Schritt führt zum anderen, eine Entdeckung zur nächsten, und das Material zu den Fetters kann Orientierung und Hilfe in den verschiedenen Bereichen der Landschaft bieten, in die einen die Schritte geführt haben.

Deine Idee, eher intuitiv vorzugehen, klingt also gut.

(Übrigens: Die „Landkarte“ zum ersten Fetter brauchst du da eigentlich gar nicht mehr; das Durchschauen der Ich-Illusion ist schon das Lösen der ersten Fessel).

Herzlichst,
Elea


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