Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

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fievkant
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Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Sun Nov 09, 2025 6:18 pm

LU is focused guiding for seeing there is no real, inherent 'self' - what do you understand by this?
Wenn ich hinschaue, wo in meiner direkten Erfahrung ein Selbst zu finden ist, dann "weiss" ich, dass ich keines finden kann: nicht im Sehen, nicht im Hören etc. Ich "weiss", dass die Ich-Struktur nur auf der Ebene von Gedanken besteht. Gleichzeitig ist das für mich noch nicht die gefühlte Realität, sondern die "nondual-korrekte" Antwort.

What are you looking for at LU?
Ich habe angefangen, Ilonas Buch "Liberation Unleashed" zu lesen und die schriftlichen Übungen dort zu machen. Nicht nur weil sie selbst im Buch dazu anregt, sich im Forum anzumelden, sondern auch, weil ich beim Schreiben merke, dass ich nach den "korrekten" Antworten suche, habe ich mich nun hier angemeldet.

Zum ersten Mal aufmerksam geworden auf LU bin ich über Reddit. Ich habe dann einige Monate später vor ca. 2 Wochen den Impuls erhalten, Gateless Gatecrashers zu lesen und mich praktisch in jedem Dialog wiedergefunden. Die Fragen haben in den letzten Wochen einiges bei mir in Bewegung gesetzt. Daher bitte ich um Hilfe dabei, diesen Prozess "selbst" zu gehen.

What do you expect from a guided conversation?
Ich habe "im echten Leben" keine Ansprechperson, mit der ich mich über diese Erfahrungen und Einsichten austauschen kann. Ich lese viel und lade mich voll mit Konzepten. Ich merke zunehmend, wie sehr ich in dieser Hinsicht "im eigenen Saft schmore" - nicht, weil ich meine eigenen Erfahrungen mache, was ja grundsätzlich wünschenswert ist, sondern weil ich merke, wie ich diese Erfahrungen in Einklang mit dem Gelesenen zu bringen versuche. Mit anderen Worten suche ich sozusagen nach der Erlaubnis, meine Erfahrungen zu haben. Paradoxerweise erhoffe ich mir nun also von einem Guide Unterstützung (Erlaubnis? - Ha.) in dieser Hinsicht.

What is your experience in terms of spiritual practices, seeking and inquiry?
Ich habe mich in vielen Dialogen aus "Gateless Gatecrashers" wiedergefunden: Ich meditiere seit ca. 5 Jahren, bin Teil einer Zen-Sangha und habe neben den Zen-Patriarchen im letzten Jahr querbeet alle möglichen "Hits" aus dem Nondualitäts-Spektrum aufgesogen: Robert Wolfe, Nisargadatta, Ramana Maharshi, Adyashanti, Angelo Dilullo, Jed McKenna, .... Konzeptuell leuchtet mir die Idee von Selbstlosigkeit, Nondualität völlig ein. Es gibt Momente, in denen ich denke: Ja, das ist es. Dann merke ich: das sind nur Gedanken.

Aktuell bin ich am Punkt: was, wenn "Ich" wirklich keine Kontrolle über "mein" Leben habe und alles einfach ist. Dieser Gedanke ist für mich zugleich unheimlich faszinierend und etwas, das ich unterbewusst mit Vorsicht geniesse.

On a scale from 1 to 10, how willing are you to question any currently held beliefs about 'self? 10

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Mon May 18, 2026 12:59 am

Hallo fievkant,

mein Name ist Elea und ich bin eine Guide hier in LU. Leider sind die Wartezeiten im deutschen Forum zurzeit sehr lang und es ist schon eine ganze Weile her seit deiner Registrierung. Hast du noch Interesse? Dann begleite ich dich gerne!

Mit den Büchern „Liberation Unleashed“ und „Gateless Gatecrashers“ bist du ja schon in die Untersuchung eingestiegen. Ich bin gespannt: Was hat sich getan, seit du die Eingangsfragen hier beantwortet hast?

Liebe Grüße,
Elea


P.S.: Mit welchem Namen soll ich dich hier im Forum ansprechen? Es kann dein Nutzername, dein echter Name oder irgendein anderer Name sein, mit dem du dich wohl fühlst.

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Mon May 18, 2026 8:57 pm

Hallo Elea,

vielen Dank für deine Antwort. Ich habe nach wie vor Interesse daran, dass du mich begleitest. Danke dafür.

Was sich getan hat - eine gewisse Sättigung hat sich in den letzten Monaten eingestellt und ich bin des ganzen Lesens überdrüssig geworden. Zwischenzeitlich - und immer wieder - fühle ich mich praktisch gelähmt von Konzepten und Gedankenkonstrukten.

Als ich deine Nachricht zum ersten Mal gelesen habe, war mein erster Impuls tatsächlich "Oh nein, nicht schon wieder das nächste Gedankenspiel", aber wenn ich schaue, wer diesen Gedanken hat, finde ich niemanden. Das mache ich natürlich, weil ich es so gelesen habe, aber die Erfahrung ist deswegen ja nicht weniger echt.

Was mich dann aber vor allem nicht mehr losgelassen hat, ist die Überlegung: Da passieren diese Gedanken und irgendwie kommt dann ein Ich ins Spiel, das dann rückwirkend anmeldet "Ich habe das gedacht" - wenn dieses Muster mal durchschaut ist, dann findet sich natürlich niemand, soweit so gut. Aber: wer will das wissen? Wer stellt die Fragen, wer stellt die Fragen infrage? Es ist wie dieser Spruch: wer überwacht die Wächter? Aber ewig rekursiv. Da entstehen Gedanken, Identifikation geschieht. Dann entstehen Gedanken, die darauf aufmerksam werden, die Identifikation hinterfragen, aber letztendlich eine andere Form von Identifikation sind. Dann die Gedanken, die das hinterfragen etc. Wie gesagt - unendlich rekursiv. Aus diesem Loop komme ich nicht raus. Aber woher kommt überhaupt das Gefühl, das sollte so sein? Daher wäre ich über dein Guiding froh.

Liebe Grüsse,
Fievkant (Lass uns dabei bleiben).

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Mon May 18, 2026 11:57 pm

Hallo Fievkant,

es freut mich, dass meine Nachricht dich erreicht hat. Dann können wir ja loslegen :)

Vielen Dank für deine klare “Standortbestimmung”. Die Fragen, die du dir stellst, sind alle sehr gut. Doch wie du selbst schon siehst: Wenn wir versuchen, durch weiteres Nachdenken eine Antwort zu finden, kommen wir nur in einen Loop. Dass du keine Lust auf das nächste Gedankenspiel hast, ist perfekt!!! Denn die Untersuchung hier soll den Blick gerade von den Gedankeninhalten weg und auf die direkte Erfahrung lenken.

Ein paar einführende Hinweise vorweg:

Hier bei LU unterstützen wir die Erforschung der Vorstellung eines getrennten Selbst. Die Untersuchung basiert auf Erfahrung und führt zu einem Wandel in der Wahrnehmung; sie ist keine Diskussion oder Debatte. Sie verweist durch Übungen, Fragen und Dialog unmittelbar auf das, was IST. Von dir wird erwartet, dass du GENAU hinschaust, worauf gezeigt wird. Dieses einfache SCHAUEN (nicht Denken) bewirkt den Wandel in der Wahrnehmung.
Hier schauen wir direkt in die Erfahrung der Sinne – das, was tatsächlich hier und jetzt ist, ohne das Denken. Dies wird auch “direkte Erfahrung” (DE) genannt. Auf diese Weise wollen wir entdecken, was wirklich geschieht, ohne die Geschichte, die wir uns selbst darüber erzählen. Damit dieser Prozess funktioniert, musst du mit 100% Ehrlichkeit antworten und dich nicht auf Gedanken, Vorstellungen oder Erinnerungen verlassen – sondern nur berichten, was du direkt erfährst. Das bedeutet auch, spirituelle Lehren, Philosophien, Bücher, Videos etc. während der Untersuchung beiseitezulassen. Wenn du eine Meditationspraxis hast, kannst du sie wie gewohnt weiterführen – sie kann hilfreich sein.

Bitte lies auf der LU-Seite noch einmal den Abschnitt „Liberation Unleashed ist nicht …“:
https://www.liberationunleashed.com/de/uber/faq/
und den Haftungsausschluss: https://www.liberationunleashed.com/de/ ... auschluss/

Wenn du auf eine Frage antwortest, benutze bitte die Zitierfunktion, um die Frage hervorzuheben, auf die du eingehst. Bitte beantworte die Fragen immer einzeln und nicht gebündelt. Schau dir auch das folgende Video an, um zu lernen, wie man die Zitierfunktion benutzt. Das hilft uns dabei, einen klaren Dialog über Fragen und Antworten zu führen.
https://www.youtube.com/watch?v=-fAToDNh9hQ
Hier gibt es auch noch eine schriftliche Erklärung auf Deutsch: https://www.liberationunleashed.com/nat ... =18&t=6275

Bitte beantworte immer alle Fragen. Die Fragen, die ich stelle, haben zweierlei Funktion: Meistens dienen sie dazu, deinen Blick auf bestimmte zu untersuchende Bereiche zu lenken, und manchmal frage ich auch einfach, um zu erfahren, wie dein momentanes Erleben ist. Deine Antworten geben mir dann wichtige Hinweise darauf, wo du gerade stehst, und worauf wir am besten als nächstes schauen.
Lass mich auch immer gerne wissen, wenn du unabhängig von den Übungen und Fragen eine Entdeckung machst, sich dein Erleben im Alltag verändert, etc.

Es ist empfehlenswert, die gestellten Fragen in ein Word- oder Google-Dokument zu kopieren, dort zu beantworten und anschließend in deinen Thread zu übertragen. Das spart auf Dauer Zeit, falls es ein technisches Problem gibt und der Entwurf deiner Antwort verloren geht.

Um die Intensität der Untersuchung aufrechtzuerhalten, werden wir möglichst täglich in Kontakt stehen. Für dich bedeutet das konkret: Wenn du eine Nachricht erhalten hast, antwortest du entweder am selben oder am nächsten Tag. Natürlich ist es kein Problem, wenn mal etwas dazwischen kommt oder du für eine Übung etwas mehr Zeit brauchst. Dann lass es mich einfach kurz wissen.
___________________

So, dann wären wir jetzt startbereit.
Beginnen wir mit ein paar Fragen zu deinen Erwartungen an diesen Prozess:

1. Wie wird es sein, die Ich-Illusion zu durchschauen?
2. Wie wird sich das Leben verändern infolge dieser Erkenntnis?
3. Wie wirst du dich verändern?
4. Was erhoffst du dir, und was soll dagegen nicht passieren?
5. Was fehlt jetzt?


Liebe Grüße!

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Tue May 19, 2026 11:09 am

Hallo Elea,

alles klar, auf geht's.
1. Wie wird es sein, die Ich-Illusion zu durchschauen?
Ich vermute, dass es ein Moment der Erkenntnis sein wird. Irgendwie male ich mir schon aus, dass es ein punktuelles Ereignis sein wird; ein Lüften des Schleiers sozusagen.
2. Wie wird sich das Leben verändern infolge dieser Erkenntnis?
Ich nehme an, dass das Leben sich nicht grundsätzlich verändern wird – es passiert ja schliesslich eh, was passiert. Ich stelle es mir irgendwie traumartiger vor, ein Fluss der Ereignisse ohne zusammenhängendes Narrativ. Immer wieder hatte ich in der Vergangenheit das Gefühl oder eine Art Ahnung: Was, wenn einfach alles genau so abläuft, wie es eben abläuft, ohne feste Perspektive, ohne Ordnung? Es fühlt sich dann kurz so simpel an, das einfach zuzulassen, aber dann greift sozusagen eine Art Selbstzensur.
3. Wie wirst du dich verändern?
Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Persönlichkeit, die ich nach aussen hin trage, wie eine Art Kleidungsstück ist, das mal besser, mal schlechter sitzt. Ich glaube, dass ein Ausziehen des Kleidungsstücks, um im Bild zu bleiben, aber nie ganz möglich ist, immerhin entsteht diese Persönlichkeit ja irgendwie durch die Umwelt, mit der man interagiert. Ich habe aber das Gefühl, dass das Kleidungsstück sozusagen lockerer sitzt und ich auch in Momenten, in denen ich eher reflexhaft oder unterbewusst agiere, weiss: das bin nicht ich, aber gleichzeitig bin ich auch niemand anders. Keine Ahnung, ob das Sinn ergibt.
4. Was erhoffst du dir, und was soll dagegen nicht passieren?
Ich erhoffe mir davon in erster Linie eine Art Sicherheit. Kurz erschien mir diese Erkenntnis ein wenig unangenehm, aber die Hoffnung auf eine Befreiung von Sorgen, Ängsten und Ärger spielt sicher eine grosse Rolle. In erster Linie ist es aber wohl die Erwartung, irgendwie Klarheit zu haben: so ist es, so bin ich, so ist die Welt. Was dementsprechend nicht passieren sollte: dass das Gefühl von Unwissenheit oder Unsicherheit anhält.
5. Was fehlt jetzt?
Was jetzt fehlt, zumindest meine ich das, ist das unumstössliche Wissen: das ist es. Ich weiss eigentlich gar nicht, was konkret fehlen könnte, es ist mehr eine Logik von: Wenn es schon da wäre, dann wüsste ich das ja wohl.

Ich fand das im übrigen eine erstaunlich unbequeme Auseinandersetzung mit meinen Erwartungen, denn bei gewissen "weiss" ich, dass sie Quatsch bzw. aussichtslos sind, aber ich habe sie trotzdem.

Liebe Grüsse,
Fievkant

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Wed May 20, 2026 12:43 am

Hallo Fievkant,

deine Erwartungen sind größtenteils recht realistisch, im Endeffekt sind alle Erwartungen jedoch hinderlich: Wenn wir versuchen, uns eine Vorstellung von etwas zu machen, was wir noch nicht kennen, wird diese Vorstellung nur aus Fragmenten von dem zusammengesetzt sein können, was wir schon kennen. Und dann halten wir unbewusst nur nach dem Bekannten Ausschau statt offen für das zu sein, was tatsächlich ganz neu entdeckt werden kann.

Bist du bereit, von jetzt an alle Erwartungen beiseite zu lassen?


Wie ich ja schon gestern erwähnte, geht es nun darum, die Vorstellung eines „getrennten, eigenständigen Selbst“ zu untersuchen. Dieser Begriff ist allerdings bereits ein Konzept, und zudem auch nur eine Annäherung an den englischen Ausdruck „separate self“. Wahrscheinlich hattest du dieses Konzept gar nicht, bevor du in Büchern, Videos oder spirituellen Lehren darauf gestoßen bist. Dann ist es natürlich leicht, schnell zu dem Schluss zu kommen: „Nö, so etwas ist nirgends zu finden“.

Das Gefühl jedoch, eine dem Rest der Welt gegenüberstehende und von ihr getrennte Entität zu sein, war vermutlich schon lange vor dem Begriff „separate self“ da.

Und genau dieses Gefühl - nicht ein abstraktes Konzept - wollen wir hier direkt untersuchen: Entspricht es tatsächlich der Wirklichkeit? Oder handelt es sich um eine Verzerrung der Wahrnehmung - eine Illusion?

Machen wir es also konkret. Beschreibe nun bitte detailliert aus deiner Erfahrung:

Was genau ist es, das du im Gegensatz zum „Rest der Welt“ als dich empfindest?
Beziehungsweise: Welche Aktionen oder Vorgänge scheinen von dir auszugehen?



LG, Elea

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Wed May 20, 2026 2:46 am

PS: Das ist übrigens eine interessante Beobachtung:
Ich fand das im übrigen eine erstaunlich unbequeme Auseinandersetzung mit meinen Erwartungen, denn bei gewissen "weiss" ich, dass sie Quatsch bzw. aussichtslos sind, aber ich habe sie trotzdem.

Betrachte nun auch Folgendes:
Hast du eigentlich ausgewählt, welche Erwartungen du haben würdest - und welche nicht?

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Wed May 20, 2026 3:47 pm

Hallo Elea,
Bist du bereit, von jetzt an alle Erwartungen beiseite zu lassen?
Ich würde sagen „Ja, natürlich, deswegen bin ich ja hier!“, aber ich habe nicht das Gefühl, die hundertprozentige Kontrolle über diese Intention zu haben. Es scheint mir akkurater zu sagen: Ich kann beobachten, dass diese Erwartungen automatisch da sind und den Nachfragen nicht standhalten, deshalb aber auch nicht unbedingt sofort verschwinden. Das „Beiseitelassen“ geschieht quasi durch den natürlichen Fluss der Aufmerksamkeit.
Was genau ist es, das du im Gegensatz zum „Rest der Welt“ als dich empfindest?
Ich würde sagen, was ich im Gegensatz zum Rest der Welt als mich empfinde ist eine Kombination aus der Vorstellung, dass ich der Inhaber meiner Gedanken bin und dieses Ich sitzt irgendwo „hier drinnen“, während der Rest der Welt „da draussen“ stattfindet und der damit verbundenen Vorstellung, dass dieser Körper die offensichtliche physische Grenze dieses „Ichs“ darstellt. Das „ich“ sitzt dem Gefühl nach also irgendwo hinter meinen Augen. Wenn ich gezielt danach schaue, finde ich dort natürlich nichts.
Beziehungsweise: Welche Aktionen oder Vorgänge scheinen von dir auszugehen?
Ich habe mir schon öfter diese Fragen bezüglich Intentionalität gestellt. Gefühlt ist es so, dass Gedanken einfach so erscheinen und verschwinden und bei ausgewählten Gedanken kommt dann noch die Ebene der Identifikation hinzu: „Das war jetzt mein Gedanke, ich habe diesen Gedanken gehabt“. Es scheint so, als würde meine Aufmerksamkeit auf einmal „einschalten“ und dann durch Identifikation zupacken. Dadurch entsteht ein komischer Zwiespalt zwischen „zwei Ichs“, dem einen, das Opfer seiner Illusionen ist und quasi ein getrenntes Selbst annimmt und das andere Ich, das schlauere Ich, das hinter die Fassade schaut und z.B. der Beobachter während der Meditation ist, hinterfragt und „direkt schaut“ und jetzt diese Fragen beantwortet. Wenn ich länger drüber nachdenke, beginnt das ja schon bei „Ich und meine Aufmerksamkeit“, die irgendwie zwei Dinge zu sein scheinen. Dein Kommentar bezüglich Konzepten, die man in spirituellen Lehren aufgabelt, ist etwas, über das ich auch immer wieder nachdenke: Gäbe es nicht meine Vorstellung eines getrennten Selbst, hätte ich dann dieses Problem einfach nicht? Auf eine Art weiss ich, dass der logische Zirkelschluss ist: wenn die Trennung eine Illusion ist, dann ist da niemand, der schaut, aber auch niemand, der schauen und erkennen muss oder kann. Es scheint in erster Linie ein sprachliches Problem zu sein.
Hast du eigentlich ausgewählt, welche Erwartungen du haben würdest - und welche nicht?
Diese Frage bringt es auf den Punkt – ich würde nicht sagen, dass es einen Entscheider oder Auswähler gibt, der diese Erwartungen schürt (oder hat!). Sie sind da, wenn ich nach ihnen schaue und verschwinden, wenn die Aufmerksamkeit(?) weiterzieht.

Liebe Grüsse,
Thorben

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Wed May 20, 2026 5:45 pm

Hallo Thorben,

vielen Dank für deine präzise Beschreibung, wie sich das Gefühl eines „separate self“ konkret für dich darstellt. Sie gibt mir einen Eindruck davon, wo schon Klarheit besteht, und wo wir bei der Untersuchung gut ansetzen können.

Hast du eigentlich ausgewählt, welche Erwartungen du haben würdest - und welche nicht?
Diese Frage bringt es auf den Punkt – ich würde nicht sagen, dass es einen Entscheider oder Auswähler gibt, der diese Erwartungen schürt (oder hat!). Sie sind da, wenn ich nach ihnen schaue und verschwinden, wenn die Aufmerksamkeit(?) weiterzieht.
Bist du bereit, von jetzt an alle Erwartungen beiseite zu lassen?
Ich würde sagen „Ja, natürlich, deswegen bin ich ja hier!“, aber ich habe nicht das Gefühl, die hundertprozentige Kontrolle über diese Intention zu haben. Es scheint mir akkurater zu sagen: Ich kann beobachten, dass diese Erwartungen automatisch da sind und den Nachfragen nicht standhalten, deshalb aber auch nicht unbedingt sofort verschwinden. Das „Beiseitelassen“ geschieht quasi durch den natürlichen Fluss der Aufmerksamkeit.
Ja genau, gute Beobachtung: Erwartungen und die Bereitschaft, sie beiseitezulassen, tauchen einfach auf. Und weder über das eine noch das andere besteht Kontrolle.


Nun lies und sage mehrmals:
Es gibt kein getrenntes Selbst, es gab nie eines und es wird nie eines geben.
Da ist kein „Ich“
kein Besitzer oder Bewohner des Körpers
kein Inhaber von Gedanken
und niemand, der beobachtet und nachdenkt.


Nach jedem Lesen oder Sagen nimm wahr, was auftaucht: Gefühle, Empfindungen, Gedanken, Bewegungen… Schreibe hier auf, was du bemerkst. Versuch nicht, etwas Bestimmtes zu erreichen oder richtig zu machen. Teile einfach frei und ungefiltert mit, was auftaucht.



Liebe Grüße!

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby fievkant » Wed May 20, 2026 7:46 pm

Es gibt kein getrenntes Selbst, es gab nie eines und es wird nie eines geben.
Da ist kein „Ich“
kein Besitzer oder Bewohner des Körpers
kein Inhaber von Gedanken
und niemand, der beobachtet und nachdenkt.

Nach jedem Lesen oder Sagen nimm wahr, was auftaucht: Gefühle, Empfindungen, Gedanken, Bewegungen… Schreibe hier auf, was du bemerkst. Versuch nicht, etwas Bestimmtes zu erreichen oder richtig zu machen. Teile einfach frei und ungefiltert mit, was auftaucht.
Erstes Mal Sagen: Eine gewisse Erwartungshaltung, ein Anflug eines komischen Gefühls wegen des etwas kuriosen Selbstgesprächs, dann ein körperliches Gefühl der Entspannung beim Sagen

Zweites Mal: Wieder ein Gefühl der Entspannung vor allem in der Bauchgegend, dann ein leichter Anflug von Zusammenziehen am Ende - Gedanke: "Was, wenn es stimmt?"

Drittes Mal: Jetzt eher Leere, zu starker Fokus auf das Antizipieren einer Reaktion (oder: das war der Gedanke nach dem Lesen)

Viertes Mal: Wenn ich in einer Körperpartie eine Reaktion spüre, dann definitiv in der Bauchgegend. Ein diffuses Gefühl von "Schmetterlingen im Bauch", aber eher wie bei Nervosität/Panik, aber sehr leicht.

Fünftes Mal: Gedanke - jetzt wird es eher repetitiv - Hoffen auf eine andere Reaktion?

Sechstes Mal: wie zuvor - Ende.

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Re: Alle Lampen an, aber keiner zuhause.

Postby You » Thu May 21, 2026 12:43 am

Gut. Mit diesem Satz checken wir, ob eine starke Angstreaktion aufkommt. Abgesehen von den “Schmetterlingen im Bauch” war die Reaktion jedoch insgesamt ja eher ruhig und sogar entspannt.

Weiter geht´s hiermit:
Wie mit den Übungen in die direkte Erfahrung geschaut wird

Es gibt einen großen Unterschied dazwischen, etwas aufgrund von Gedankeninhalt zu wissen, und etwas zu sehen.

Ein Beispiel, um diesen Unterschied zu verdeutlichen:

Wenn ich dich frage, welche Farbe deine Socken gerade haben, hast du zwei Möglichkeiten, eine Antwort zu finden:

- Du kannst darüber nachdenken, überlegen, dich an den Morgen erinnern und versuchen, dir ins Gedächtnis zu rufen, welche Socken du angezogen hast. Dann kannst du mir wahrscheinlich sagen, welche Farbe du denkst, dass sie haben. Das könnte dann stimmen oder auch nicht.

- Oder du schaust einfach kurz nach, siehst dir deine Socken an und sagst, welche Farbe sie tatsächlich haben.

Höchstwahrscheinlich wirst du zustimmen: Gewissheit gibt es nur durchs Schauen. Richtig?

Für unseren Dialog ist es sehr wichtig, dass dieser Unterschied vollkommen klar ist. Wissen besteht aus Vorstellungen und Gedanken, und die interessieren uns hier nicht. Uns interessiert ausschließlich zu sehen, also was jetzt, unmittelbar, direkt erfahren wird. Wir richten die Aufmerksamkeit nur auf deine direkte Erfahrung im Moment.

Direktes Erfahren ist sehen, hören, spüren, schmecken, riechen und Gedanken wahrnehmen.

Direkt, unmittelbar erfahren werden somit:
Farben
Geräusche
Empfindungen (nicht Emotionen; Emotion = Empfindung + Gedanke)
Geschmäcker
Gerüche
Gedanken (deren Anwesenheit, nicht deren Inhalt!)

Alles klar soweit? Oder hast du noch eine Frage dazu?


Hier eine Übung, die du möglichst oft am Tag durchführen kannst. Benenne alltägliche Aktivitäten und Wahrnehmungen einfach nur als direkte Erfahrung (DE) :
Farbe, Geräusch, Empfindung, Geschmack, Geruch, Gedanke

Beispiel: beim Frühstück

Tasse sehen, DE = Farbe
Kaffee riechen, DE = Geruch
Wärme der Tasse spüren, DE = Empfindung
Kaffee schmecken, DE = Geschmack
Löffel beim Rühren hören, DE = Geräusch
„Ich muss Milch kaufen“ denken, DE = Gedanke

Zerlege mehrere alltägliche Handlungen in diese Kategorien der tatsächlichen/ direkten Erfahrung und schreibe Listen genauso wie im Beispiel. Poste ein paar deiner Listen hier und berichte auch, wie es für dich war.


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