Ja dieses ich/ mich ist sehr hartnäckig und präsent. Aber tatsächlich taucht es nur auf, wenn ich mich in Gedanken verirre. Wenn mir alles leicht fällt, im Fluss ist, ist da niemand zu finden.
Dieses Gefühl, ein Ich, ein vom Rest des Erlebten getrenntes Selbst zu sein, ist ein ganz normales Phänomen, das sich von Mensch zu Mensch unterschiedlich zeigt. Beobachte während des Tages und vergleiche:
Was genau passiert, wenn du dich in Gedanken verirrst und dieses “ich/mich”-Gefühl auftaucht? Was genau ist dann da, was in den Situationen, in denen alles im Fluss ist, nicht da ist? Wo ist es? Wie fühlt es sich an? Was in der direkten Erfahrung ist das, wovon du sagst: „Ja, das ist es! Das ist das „ich/mich“-Gefühl!“?
In dieser Untersuchung geht es nicht darum, dieses „ich/mich“-Gefühl loszuwerden, sondern herauszufinden, was es
eigentlich ist, und ob es wirklich auf ein real existierendes Ich oder Selbst in irgendeiner Form hindeutet. Dazu schauen wir in der direkten Erfahrung. Damit ist folgendes gemeint:
Es gibt einen großen Unterschied dazwischen, etwas aufgrund von Gedankeninhalt
zu wissen, und etwas
zu sehen.
Ein Beispiel, um diesen Unterschied zu verdeutlichen:
Wenn ich dich frage, welche Farbe deine Socken gerade haben, hast du zwei Möglichkeiten, eine Antwort zu finden:
- Du kannst darüber
nachdenken, überlegen, dich an den Morgen erinnern und versuchen, dir ins Gedächtnis zu rufen, welche Socken du angezogen hast. Dann kannst du mir wahrscheinlich sagen, welche Farbe du
denkst, dass sie haben. Das könnte dann stimmen oder auch nicht.
- Oder du
schaust einfach kurz nach, siehst dir deine Socken an und sagst, welche Farbe sie
tatsächlich haben.
Höchstwahrscheinlich wirst du zustimmen: Gewissheit gibt es nur durchs Schauen. Richtig?
Für unseren Dialog ist es sehr wichtig, dass dieser Unterschied vollkommen klar ist.
Wissen besteht aus Vorstellungen und Gedanken, und die interessieren uns hier nicht. Uns interessiert ausschließlich zu
sehen, also was
jetzt,
unmittelbar, direkt erfahren wird. Wir richten die Aufmerksamkeit nur auf deine
direkte Erfahrung im Moment.
Direktes Erfahren ist sehen, hören, spüren, schmecken, riechen, Wahrnehmen von Gedanken.
Direkt, unmittelbar erfahren werden somit:
Farben
Geräusche
Empfindungen (nicht Emotionen; Emotion = Empfindung + Gedanke)
Geschmäcker
Gerüche
Gedanken (deren Anwesenheit, nicht deren Inhalt)
Alles klar soweit? Oder hast du noch eine Frage dazu?
Hier eine Übung, die du möglichst oft am Tag durchführen kannst. Benenne alltägliche Aktivitäten und Wahrnehmungen einfach nur als direkte Erfahrung (DE) :
Farbe, Geräusch, Empfindung, Geschmack, Geruch, Gedanke
Beispiel: beim Frühstück
Tasse sehen, DE = Farbe
Kaffee riechen, DE = Geruch
Wärme der Tasse spüren, DE = Empfindung
Kaffee schmecken, DE = Geschmack
Löffel beim Rühren hören, DE = Geräusch
„Ich muss Milch kaufen“ denken, DE = Gedanke
Zerlege mehrere alltägliche Handlungen in diese Kategorien der tatsächlichen/ direkten Erfahrung und schreibe Listen genauso wie im Beispiel.
Poste ein paar deiner Listen hier und berichte auch, wie es für dich war.