Wie ist das, wenn hingeschaut wird existiert kein Ich, wenn nicht hingeschaut wird schon?
Ist das Ich real, nur weil es im Moment nicht als Gedanke erkannt wird?
Nein, es spielt keine Rolle, ob hingeschaut wird oder nicht. Das Ich ist in beiden Fällen nicht real. Ich versuche das mal (für mich) etwas genauer zu fassen:
Irgendein Impuls (in diesem Fall dein Post) löst eine Empfingung aus -> Empfindung wird als Enttäuschung interpretiert -> der Betriff Enttäuschung triggert Geschichten/Gedanken -> Gedanken implizieren ein Zentrum/Ich -> Wenn nach diesem Ich/Zentrum gesucht wird, wird nichts gefunden.
Der interessante Teil liegt hier: Gedanken implizieren ein Zentrum/Ich
Hier hakt es bei mir.
So verstehe ich auch deine Frage:
Auf eine Empfindung folgt der Ich-Gedanke - ist das immer so?
Schau dir das bitte ganz genau an.
O.k. - wenn ich heute/jetzt ganz genau hingucke:
Das ist nicht immer so. Es gibt alle möglichen Empfindungen, die unkommentiert bleiben und den oben beschriebenen Prozess eben nicht auslösen.
Es gibt daneben eine Art Feld von Gedanken und Empfindungen, die sich gegenseitig triggern und ziemlich Ich-lastig sind. Das ist so ähnlich wie eine stehende Welle.
Und es gibt Empfindungen und Gedanken, die ganz für sich bleiben und einfach kommen und gehen.
Wenn dieses Ich-lastige Feld angeschaut wird, wird aber kein eigenständiges Ich gefunden.
Wir hatten ja vorher schon mal herausgearbeitet, dass besonders starke Emotionen den Ich-Gedanken (bei mir) tendenziell stärker hervorbringen. Der Prozess, der dahintersteckt, der diese stehende Welle erzeugt: Was ist das? Konditionierung?
Ein Zwischenfazit: Es ist mir klar, dass es kein Ich gibt, nur Ich-Gedanken. Ein Problem enstünde ja nur, wenn ich mit absoluter Sicherheit und zu 100% von der Existenz der Ich-Gedanken auf ein Ich schließen würde. Das ist mir aber absolut klar, dass dem nicht so ist, weil da nichts gefunden wird, was auf ein Ich schließen lässt. Trotzdem befürchte ich, dass das eher eine intellektuell/logische Erkenntnis ist, so interpretiere ich jedenfalls die Zweifel deines Kollegen (ohne es zu wissen).
Wenn ich dich frage, ob du ein Elefant bist, musst du dann nachschauen um meine Frage zu beantworten?
Ehrlicherweise bin ich gerade so verwirrt, dass ich lieber nachschauen würde, bevor ich dir darauf antworte. Aber ich weiß, was du meinst.
Wenn das Ich als das was es wirklich ist erkannt wurde benötigt es kein Hinschauen mehr um mit Sicherheit zu sagen, dass es nicht existiert. Es ist einfach klar.
Dieses „Es ist einfach klar“ fühle ich in diesem Moment nicht. Es gab diese Momente von vorsichtiger Klarheit, die ich weiter oben auch beschrieben habe. Aber jetzt: Irgendwo da verhakt es sich. Das spüre ich selbst. Das setzt mich auch unter (moderaten) Druck:
Ich will das so klar sehen, wie du es forderst, tue es aber nicht. Als ob dahinter noch irgendetwas bei mir steckt, was nicht angeschaut wurde. Irgendeine diffuse Sehnsucht, dass das klare Sehen irgendetwas ändern würde. Wobei mir (verstandesmässig) sofort klar ist, dass das Unsinn ist. Nichts ändert sich. Es fällt ja nur etwas weg. Das ist ja gerade der Witz … aber ich fürchte, den verstehe ich noch richtig, um mitlachen zu können ;) Ich vermute: Irgendwo steckt da noch das Ich und spielt mit dir und mir das Spiel: Ich bin gar nicht da.