1. Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges „Ich“, „mich“ oder „Selbst“? Gab es das jemals?
2. Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
1. Nein das gibt es nicht. Das eigenständige Ich ist eine Illusion, die vor allem durch die selbstzentrierten Gedanken aufrechterhalten wird. Der "Ich"-Gedanke bezieht sich auf bestimmte Elemente der direkten Erfahrung wie z.B Wahrnehmungen, Emotionen oder Gedanken und etikettiert sie mit der Bezeichnung "Ich". Dadurch wird eine Dualität mit Subjekt und Objekt hergestellt, die allerdings keiner Prüfung stand hält. Das Etikett "Ich" ist eben nur ein Etikett. Es bezieht sich auf das Bewusstsein, das alle Elemente der direkten Erfahrung registriert und wahrnimmt. Indem wir dieses Bewusstsein "Ich" nennen, beschränken wir es auf einen bestimmten Bereich. Dazu gehören dann die körperlichen Empfindungen, Emotionen und Gedanken. Alle weiteren Wahrnehmungen werden der "Außenwelt" zugeschrieben. Also nein, es gibt und gab nie ein eigenständiges "Ich", nur den Ich-Gedanken, der einen Ausschnitt des Bewusstseins mit "Ich" etikettiert und den Rest als "Nicht-Ich" oder als Außenwelt.
2. Die Ich-Illusion ist im Grunde nicht mehr als eine Einschränkung unseres Bewusstseins. Das Bewusstsein, was alle Elemente der direkten Erfahrung (Sinneswahrnehmungen, Gedanken, Emotionen) registriert, wird auf eine Auswahl dieser Elemente beschränkt. Das heißt, bestimmte Elemente der direkten Erfahrung werden mit der Bezeichnung "Ich" etikettiert. Der Ich-Gedanke referiert hierbei auf Gedanken, Emotionen und einen Ausschnitt von Sinneswahrnehmungen (z.B das Körpergefühl, das Erscheinungsbild im Spiegel, der Klang der eigenen Stimme etc.) und kennzeichnet diese als "Ich" oder "zu mir gehörend". Es findet also eine Identifikation mit diesen Elementen statt. Wenn das Bewusstsein, das alle Dinge (auch im scheinbaren Außen) registriert beschränkt wird auf einen kleineren Teil aller Wahrnehmungen, dann entsteht Dualität.
(Ich habe gerade etwas vergessen aus meiner direkten Erfahrung zu beschreiben, deswegen hänge ich das nochmal an)
Wenn ich hier am Laptop sitze und schreibe dann merke ich, dass die Wörter von ganz alleine kommen, ohne irgendein Zutun von "mir". Erst wenn ein Hindernis auftritt und ich nicht mehr weiß, wie ich z.B den nächsten Satz anfangen soll, kommt das scheinbare "Ich" ins Spiel. Dann sitze ich hier und grübele, wie ich den Satz nun formulieren könnte. Was dann aber eigentlich passiert ist folgendes: Wenn der Schreibfluss unterbrochen ist, kommen viele Gedanken. In Gedanken werden die verschiedensten Optionen abgewägt. Ich frage mich z.B, ob ich den Satz so formulieren kann oder ob es dann komisch klingt. Was in dem Moment des Grübelns aber eigentlich nur da ist, sind Gedanken, aber kein Ich! Indem eine Identifizierung von Bewusstsein mit den grübelnden Gedanken stattfindet, gewinnt die Ich-Illusion an Kraft. Auf einmal habe ich nicht mehr das Gefühl, dass alles von alleine passiert. Es fühlt sich an, als ob ich hier als eigenständige Person sitze und Schwierigkeiten beim Formulieren hab. Indem ich das, was sich wie "Ich" anfühlt (Bewusstsein) als "Ich" kennzeichne, ist da auf einmal ein Container. In diesem Container ("Ich") sind Gefühle, Gedanken, Erinnerungen und verschiedene Sinneswahrnehmungen, die sozusagen "nah" an meinem "Ich-Gefühl" sind. Der Container entsteht hierbei durch die Kennzeichnung "Ich". Alles was nicht im Container ist, gehört nicht zum "Ich". Nur sehe ich jetzt, dass es diesen Container nie gab. Ich muss ihn nicht ausleeren und wegwerfen, sondern nur sehen, dass es den Container nie gab! Die Illusion des Containers wird aufrecht erhalten, da immer wieder Zeug reingeworfen wird. Wie gesagt, z.B Emotionen, Geschichten und Gedanken über meine Person etc.
Klarer bekomme ich es gerade nicht hin!
Grüße!
Max