Bereit zu schauen

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MartaFeb
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Bereit zu schauen

Postby MartaFeb » Mon Mar 15, 2021 10:08 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Ich ahne, dass die Dinge nicht so sind, wie sie scheinen, allerdings fehlt mir die eigene klare Sicht darauf bislang noch. Alles geschieht eigentlich aus sich heraus und ich sehe, dass sich die Gedanken erst im Nachgang draufsatteln. Das sind aber nur einzelne Wahrnehmungen, alles im allem ist der Ich-Gedanke in meinem Leben noch sehr präsent.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Eine fast drei Jahrzehnte lange Suche mit vielen Auf und Abs. Eine kritische Suche, bei der ich prüfe, was sich mir als wahr erweist. Dabei verwerfe ich zum Teil auch vieles wieder. Im letzten Jahr kam das Thema Non-Duality durch die Algorithmen der Kindle-App in mein Leben. Ich habe jetzt ein Jahr alles quer gelesen, viele Youtube-Videos angeschaut und auch viel in mir nachgeschaut. Ich habe den Eindruck, das ist es.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche? Viele Jahre das 12-Schritte-Programm von AA (aber anderes Thema), Selbsterforschung, viele Jahre "The Work" von Byron Katie praktiziert, auch an ihrer "School for the Work" teilgenommen. Der Kurs in Wundern war auch eine Weile mein Begleiter.
Bei zu großer Beschäftigung bekomme ich allerdings Ängste, die ich sonst in meinem Leben nicht in diesem Ausmaß kenne.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum? Ich erhoffe mir Anleitung, konkrete Hinweise, ein Feedback auf auftauchende Fragen, Klärung, Ermunterung.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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Mauritius
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Re: Bereit zu schauen

Postby Mauritius » Tue Mar 16, 2021 7:24 pm

Hallo MartaFeb,

ich werde Dich hier begleiten, wenn Du möchtest....

Es geht bei unserer Untersuchung nur darum, zu erkennen, ob es ein getrenntes ICH, eine Entität gibt, die kontrolliert, steuert, etc....oder eben nicht.
Da diese Erkenntnis nicht in den Gedanken, nicht im Verstand zu finden ist, bedienen wir uns sozusagen der direkten Erfahrung (es geht also nur um Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Empfindungen...und die Erfahrung des Denkens, mehr dazu später :-)).

Dazu gebe ich Dir Übungen auf (diese sind sehr einfach gehalten, aber es ist wichtig, sie genau durchzuführen).
Und über deine Beobachtungen dazu sehen wir uns dann gemeinsam an, was tatsächlich erfahren wird....und was nur eine Geschichte aus Gedachtem, eine Konditionierung, ist. So nähern wir uns der "angestrebten Erkenntnis" an.

Dazu ist es wichtig, dass Du für die Zeit der Untersuchung alle spirituellen Schriften, Videos, Satsangs, etc. weg lässt, um Dich ganz auf die Übungen konzentrieren zu können. Lies währenddessen auch nicht in anderen Threads, es geht nur um DEINE Erfahrung.

Wichtig ist auch regelmäßiges Schreiben, damit die Untersuchung im Fluss bleibt. Tägliches Antworten, wenn möglich, ist ideal.
Ist das mal nicht möglich, so bitte um eine kurze Mitteilung.

Für die Übersichtlichkeit unserer Kommunikation empfiehlt sich die Verwendung der Zitierfunktion, welche hier beschrieben ist:
viewtopic.php?f=18&t=6275

Ist das soweit OK für Dich? :-)

Wenn ja, können wir gleich mal einen Blick auf deine Erwartungen werfen:

Was erwartest Du dir wirklich hier, wie müsste Dein Leben verlaufen, wenn Du hier "durch" bist?
Wie würde es sich anfühlen?
Was würde für "Dich" gleich bleiben?


Bin gespannt auf Deine Antworten,

Liebe Grüsse,
Mauritius
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Re: Bereit zu schauen

Postby MartaFeb » Tue Mar 16, 2021 9:43 pm

Hallo Mauritius,

vielen Dank für Deine Bereitschaft, mich zu begleiten. Sehr gerne nehme ich Dein Angebot an.

Für die Übersichtlichkeit unserer Kommunikation empfiehlt sich die Verwendung der Zitierfunktion, welche hier beschrieben ist:
viewtopic.php?f=18&t=6275

Gur, ich glaube, das Zitieren habe ich verstanden.

Dazu ist es wichtig, dass Du für die Zeit der Untersuchung alle spirituellen Schriften, Videos, Satsangs, etc. weg lässt, um Dich ganz auf die Übungen konzentrieren zu können. Lies währenddessen auch nicht in anderen Threads, es geht nur um DEINE Erfahrung.

Das mache ich so, das ist einfach. Die anderen Threads sind natürlich reizvoll, aber ich lasse es sein.

Wichtig ist auch regelmäßiges Schreiben, damit die Untersuchung im Fluss bleibt. Tägliches Antworten, wenn möglich, ist ideal.
Ist das mal nicht möglich, so bitte um eine kurze Mitteilung.

Ich schreibe eigentlich total gerne und antworte immer am liebsten sofort. Ich denke nicht, dass das ein Problem ist und trotzdem setze ich mich sofort damit unter Druck.

Was erwartest Du dir wirklich hier, wie müsste Dein Leben verlaufen, wenn Du hier "durch" bist?
Wie würde es sich anfühlen?
Was würde für "Dich" gleich bleiben?

Ich bin das ständige Auf und Ab satt und auch das Leiden an den Dingen im Allgemeinen. Ohne zu wissen, was mich tatsächlich erwartet, ist da schon eine Hoffnung auf mehr Stille und Frieden.
Ich hoffe, dass das Leben an sich gleich bleiben wird, da ich Mann und minderjährige Kinder habe und ich weiter für sie da sein möchte.

Ich glaube, ich habe alles beantwortet.

Grüße

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Re: Bereit zu schauen

Postby Mauritius » Wed Mar 17, 2021 8:45 pm

vielen Dank für Deine Bereitschaft, mich zu begleiten. Sehr gerne nehme ich Dein Angebot an.
Freut mich :-)

Das mache ich so, das ist einfach. Die anderen Threads sind natürlich reizvoll, aber ich lasse es sein.
Nun, zum Einen lenkt es Dich von deiner Untersuchung ab, zum Anderen neigt unser Verstand soo sehr zum Vergleichen...und es geht eben nur darum, was DU erfährst :-)

Ich schreibe eigentlich total gerne und antworte immer am liebsten sofort. Ich denke nicht, dass das ein Problem ist und trotzdem setze ich mich sofort damit unter Druck.
Sehr schön, wenn Du gerne schreibst :-).
Oh, Druck ist hier gar unnötig, wenn Du mal zwei oder mehr Tage für eine Übung brauchst, kein Problem …wenn wir hier eines reichlich haben, dann Zeit ;-).

Am Besten, gehst Du mit spielerischer Neugier an die Übungen heran...kein Druck, es gibt nichts zu erreichen ;-)

Ich schreibe eigentlich total gerne und antworte immer am liebsten sofort. Ich denke nicht, dass das ein Problem ist und trotzdem setze ich mich sofort damit unter Druck.

Ohne zu wissen, was mich tatsächlich erwartet, ist da schon eine Hoffnung auf mehr Stille und Frieden.
Ich hoffe, dass das Leben an sich gleich bleiben wird, da ich Mann und minderjährige Kinder habe und ich weiter für sie da sein möchte.
Das alles kann durchaus eintreten, wichtig ist, alle Erwartungen, die Dir so auffallen, so gut wie möglich loszulassen, da sie deiner Erkenntnis eher im Wege stehen.

Ich glaube, ich habe alles beantwortet.
Perfekt :-),

dann wollen wir gleich fortfahren, lass uns mit direkter Erfahrung anfangen:

Wichtig ist, dass du nicht "mit Gedanken über die Übungen" gehst, der Kopf ist schnell und mag sagen "das weiss ich e", "das ist ja banal", etc..

Sondern dich ganz auf deine Wahrnehmung konzentrierst.

Gerade die Einfachheit ist ein wichtiger Aspekt :-).

Alles, was gesehen, gehört, berührt, gerochen und geschmeckt werden kann, ist das Tatsächliche, das was ist.

Gedankeninhalte können nicht wirklich erlebt werden, nur in der Fantasie. Und in diesem Bereich befinden "wir" uns die meiste Zeit.

Probiere es mal aus wie es ist, in der Realität zu sein.

Reduziere sie auf die Namen, die der Wahrnehmung am nächsten sind.

Benenne jede Erfahrung einfach als sehen-hören-spüren-riechen-schmecken-denken.

Mache das, während du dir verschiedener Dinge bewusst wirst:

Einen Baum sehen = sehen.
Der Geruch von Kaffee = riechen.
Den Po auf dem Stuhl = spüren.
Der Geschmack von Kaffee = schmecken.
Einen Vogel zwitschern hören = hören.
Gedanke an LU= denken . (Gedanken können Wörter und geistige Bilder sein).
Gedanke an die Ichlosigkeit = denken
Die Hand auf dem Tisch = spüren
usw...

Gedanken werden auch erfahren, doch ihre Inhalte sind Geschichten. Es gibt zwei "Arten" von Gedanken:

1- Der Gedanke weist auf etwas was in diesem Moment via Sinne wahrnehmbar ist – der Gedanke ‚labelt‘, er "klebt" quasi
ein Etikett auf die direkte Erfahrung.
2- Der Gedanke weist auf einen anderen Gedanken, das ist Gedankeninhalt und die Geschichte, die erzählt wird.

Untergliedere einfach alle Erfahrungen in diese Kategorien, die alle direktes Erleben darstellen und erzähle, wie es dir ergangen ist und was dir aufgefallen ist.

Findet sich unter all diesen Erfahrungen ein “Ich”, ein “Selbst”, also ist da wirklich z.B. Ich sehe? Oder geschieht sehen einfach?


Mach das immer wieder, auch zwischendurch, beim Spazierengehen, bei der Hausarbeit, im Bus, etc.,


Bin gespannt von Dir zu hören :-)

LG
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Re: Bereit zu schauen

Postby MartaFeb » Thu Mar 18, 2021 10:50 am

Guten Morgen
Oh, Druck ist hier gar unnötig, wenn Du mal zwei oder mehr Tage für eine Übung brauchst, kein Problem …wenn wir hier eines reichlich haben, dann Zeit ;-).

Das erleichtert mich wirklich sehr. Fakt ist nämlich, dass von ganz alleine ein großes Interesse besteht und gar kein Pushen oder kein Druck nötig ist. Ich habe immer so eine tief sitzende Geschichte davon, den Anforderungen und Erwartungen nicht zu genügen und mich anstrengen zu müssen. Eine von vielen Geschichten in meinem Leben, die Leiden erzeugen.

Das hier heute ist auch nur ein erster Empfangsbericht. Bin mit den Übungen noch am Anfang und würde diesen gerne noch 1-2 Tage nachgehen.

Wichtig ist, dass du nicht "mit Gedanken über die Übungen" gehst, der Kopf ist schnell und mag sagen "das weiss ich e", "das ist ja banal", etc..

Sondern dich ganz auf deine Wahrnehmung konzentrierst.

Gerade die Einfachheit ist ein wichtiger Aspekt :-).

Wollte gerade schreiben "das kenne ich bereits", lol....
Mir hilft es allerdings tatsächlich, die Sache mit einer offenen Haltung anzugehen und den Gedankenapparat ruhig mal ziehen zu lassen, bis die klarere Sicht plötzlich erscheint.

Gedankeninhalte können nicht wirklich erlebt werden, nur in der Fantasie. Und in diesem Bereich befinden "wir" uns die meiste Zeit.

Absolut. So viele Anhaftungen an Geschichten und Leiden daran. Wird es dagegen mal still und liegt die Konzentration auf dem Jetzt, ist die jeweilige Geschichte ohne Belang. Tauche alllerdings gleich wieder in die nächste Geschichte ab, wiederkäuende Gedankeninhalte und neu auftauchende. Ich habe den Eindruck, das sind einfach jahrelang unbewusst praktizierte Gewohnheiten, die sich verselbständigt haben.

Mache das, während du dir verschiedener Dinge bewusst wirst:

Einen Baum sehen = sehen.
Der Geruch von Kaffee = riechen.
Den Po auf dem Stuhl = spüren.
Der Geschmack von Kaffee = schmecken.
Einen Vogel zwitschern hören = hören.
Gedanke an LU= denken . (Gedanken können Wörter und geistige Bilder sein).
Gedanke an die Ichlosigkeit = denken
Die Hand auf dem Tisch = spüren
usw...
Findet sich unter all diesen Erfahrungen ein “Ich”, ein “Selbst”, also ist da wirklich z.B. Ich sehe? Oder geschieht sehen einfach?


Interessante Erfahrung gestern Abend:
Ich spüre das kalte Gefühl des Schlafanzugs auf der Haut, den ich mir gerade anziehe. Es war Abend, der Tag rum und das ist das, was ich normalerweise irgendwann mache. Aber "ich" hatte gar nicht aktiv beschlossen, den Schlafanzug anzuziehen. Das geschah einfach, aus einem Impuls heraus vermutlich, den "ich" aber nicht selbst gesetzt hatte.

Eben dann:
Krümel auf dem Tisch = sehen
Frage entsteht "wegwischen?" = denken
Hand greift zum Lappen = sehen
nasser Lappen in der Hand = fühlen

Ich wische gar nicht immer jeden Krümel weg, den ich sehe. Warum ich sie diesmal wegwischte? Keine Ahnung. Passierte einfach.

Ich mache diese Übung noch ein Weilchen weiter und werde berichten.

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Re: Bereit zu schauen

Postby Mauritius » Thu Mar 18, 2021 6:24 pm

HI :-)
Mir hilft es allerdings tatsächlich, die Sache mit einer offenen Haltung anzugehen und den Gedankenapparat ruhig mal ziehen zu lassen, bis die klarere Sicht plötzlich erscheint.
Klingt gut, klare Sicht erscheint, sie kann nicht erzwungen werden...

Ich habe den Eindruck, das sind einfach jahrelang unbewusst praktizierte Gewohnheiten, die sich verselbständigt haben.
Ja, jahrzehntelang verselbstständigt....verdichtet, bis sich daraus eine ganze Person geformt hat.....doch gibt es diese Person wirklich?
Oder ist auch sie nichts weiteres als ein Gedankeninhalt?

Wird es dagegen mal still und liegt die Konzentration auf dem Jetzt, ist die jeweilige Geschichte ohne Belang.
Kannst "Du" in solchen Momenten ein "ich" wahrnehmen? Ist dann da noch jemand?

Das geschah einfach, aus einem Impuls heraus vermutlich, den "ich" aber nicht selbst gesetzt hatte.
Ja, sehr schön gesehen, super. Wir werden das Thema Entscheidungen und Kontrolle später noch genauer unter die Lupe nehmen. Toll, dass dir das schon aufgefallen ist :-)

Das geschah einfach, aus einem Impuls heraus vermutlich, den "ich" aber nicht selbst gesetzt hatte.
Ja, das und noch viel mehr passiert einfach...

Ich mache diese Übung noch ein Weilchen weiter und werde berichten.
Gut, dann gebe ich einstweilen keine neue Übung auf...du kannst die Übung ja erweitern...auf Hören, auf Riechen, Schmecken...und auf Empfindungen wie z.B.:
ch spüre das kalte Gefühl des Schlafanzugs auf der Haut,
Was daran ist reine direkte Erfahrung/Empfindung und was wird schon durch die Gedanken erzählt?

Bin gespannt, was Dir noch auffällt....

Schönen Abend :-)
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Re: Bereit zu schauen

Postby MartaFeb » Fri Mar 19, 2021 10:38 am

Guten Morgen, Mauritius,

ich bin echt sehr angerührt von dieser Unterstützung. Ich habe wirklich niemanden, mit dem ich über dies sprechen kann.

Ich habe die Beobachtungen fortgeführt, allerdings wurden sie sehr häufig sehr mechanisch: hintereinander weg benennen von Wahrnehmungen, denken, sehen, spüren, schmecken, riechen, etc.
Dabei kamen keine neuen Sichtweisen auf.

Allerdings beobachte ich durch den Tag hinweg, wie häufig der Körper, für den ich mich halte, ständig Dinge tut, die ich nicht entschieden und gesteuert habe. Angefangen von simplem Kopfkratzen bis hin zu komplexen Vorgängen, was ich tue. Wenn ich mal das Wort "ich" weglasse, wechselt es plötzlich die Straßenseite, weil eine Lücke gesehen wurde und auf den Weg weiterbringt, der in Richtung des gesetzten Ziels führt. Ich habe dabei nicht gedacht "oh, ich überquere jetzt gleich die Straße, mal schauen, wo es günstig geht", nein, es machte das einfach von selbst.
Wer das Ziel gesetzt hat? Hier denke ich allerdings immer noch, dass ich es war, der auf dem Weg zur Corona-Teststation war, um damit in das Krankenhaus als Besucherin gelassen zu werden. Also klar gesetztes und geplantes Ziel von mir selbst.

Damit kommen wir zum nächsten Punkt:
Ja, jahrzehntelang verselbstständigt....verdichtet, bis sich daraus eine ganze Person geformt hat.....doch gibt es diese Person wirklich?
Oder ist auch sie nichts weiteres als ein Gedankeninhalt?

Hier habe ich tatsächlich sehr überrascht reagiert. Die gesamte Person nichts weiter als ein Gedankeninhalt???
Wow. Das erschüttert natürlich tief die komplette Grundfeste.
Hier bleibt es allerdings bislang bei einem ungläubigen Staunen, aber immerhin ein Zweifel daran ist nun gesetzt. Ich bin gespannt und versuche mich nicht unter Druck zu setzen, dass das schneller erkannt werden sollte.


ich spüre das kalte Gefühl des Schlafanzugs auf der Haut,

Was daran ist reine direkte Erfahrung/Empfindung und was wird schon durch die Gedanken erzählt?
Zum einen, jetzt erzähle ich aus der Erinnerung und es nicht mehr die unmittelbare Erfahrung. Da war spüren (frisch, kühl) und sehen (Farbe grün) und dann spüren (Freude, angenehm).
Zum anderen, die weiteren Worte musste ich benutzen, um die Situation hier zu schildern.

Wird es dagegen mal still und liegt die Konzentration auf dem Jetzt, ist die jeweilige Geschichte ohne Belang.

Kannst "Du" in solchen Momenten ein "ich" wahrnehmen? Ist dann da noch jemand?

Mein Herz war buchstäblich schwer vor Sorge auf dem Weg zum Krankenhaus, aber als ich dann dort saß am Krankenbett und es still wurde, kam einfach ein Gefühl von Frieden und Verbundenheit auf. Total egal war die Geschichte von Sorge, Angst vor Sterben, geglaubtem Mitgefühl (eine ganze Geschichte von vorgestelltem Leiden des anderen). Hier gab es gar nix zu tun.

Ob "ich" ein "ich" dabei wahrgenommen habe. Hmm... ich hatte schon das Gefühl, dass "ich" dort saß und gegenüber im Bett "die andere Person".

Was ich mit dem Forschergeist eines Dreikäsehochs wissen möchte: wenn gesehen wird und gehört wird und gespürt wird, dann ist das doch alles sehr körperbezogen. Das Sehen geschieht aus der Höhe der Augen "meines" Körpers. Der Schmerz am Fuß spürt dieser Körper hier. Klagt mein Kind über Schmerz am Fuß, kann ich mir diesen natürlich gedanklich zusammenbasteln durch Erinnerung an eigene Erfahrungen, aber ich spüre ihn nicht.
Wenn es kein "Ich" gibt, so scheint es doch dennoch eine Verbindung zu einem bestimmten Körper zu geben?

Soweit für heute. Freue mich auf neuen Input.

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Re: Bereit zu schauen

Postby Mauritius » Fri Mar 19, 2021 11:43 am

Hallo MartaFeb,
ich bin echt sehr angerührt von dieser Unterstützung. Ich habe wirklich niemanden, mit dem ich über dies sprechen kann.
Sehr gerne, ja, nicht viele Menschen schreiten in diese Bereiche vor....doch es werden mehr, es gibt "nach dem Tor" auch noch Gruppen, in denen sich Gleichgesinnte austauschen können :-)

Hier bleibt es allerdings bislang bei einem ungläubigen Staunen, aber immerhin ein Zweifel daran ist nun gesetzt. Ich bin gespannt und versuche mich nicht unter Druck zu setzen, dass das schneller erkannt werden sollte.
Sehr schön, ein Zweifel genügt, er ist quasi der Moto für unsere Untersuchung, für unser Hinterfragen. Du beobachtest schon sehr gut, da brauchts null Druck :-).

Klagt mein Kind über Schmerz am Fuß, kann ich mir diesen natürlich gedanklich zusammenbasteln durch Erinnerung an eigene Erfahrungen, aber ich spüre ihn nicht.
Wenn es kein "Ich" gibt, so scheint es doch dennoch eine Verbindung zu einem bestimmten Körper zu geben?
Nun, es ist eine oft geglaubte Vorstellung, wenn man etwas erkannt hat (ich vermeide bewusst Worte wie Erwachen, etc. sind sie doch mit so vielen Konzepten aufgeladen), dass man dann alles fühlen oder wahrnehmen sollte...doch warum?
Es wird das wahrgenommen was gerade da ist....dein Körper, mein Körper, der Körper des Kindes...da sind wir schon auf der Ebene der Gedanken, der Beschreibungen. Doch wollen wir nicht vorgreifen, später mehr dazu :-)

Es sei auch angefügt, dass die Erkenntnis, es gibt da kein persönliches Ich, auch nicht bedeutet, man läuft als" leeres Gefäß" durch die Gegend. Mitnichten.

Es ist eher wie beim Weihnachtsmann: Du hast mal an ihn geglaubt, er hat dich beeindruckt (oder das Christkind, wie auch immer). Doch irgendwann hast du durch irgendetwas oder irgendjemand erkannt, dass es ihn gar nicht gibt.
Doch deswegen kannst du heute immer noch Weihnachten feiern. Es hat nur eine andere Qualität.
Und wenn du heut einen Weihnachtsmann in der Fußgängerzone sitzen siehst, ja, dann weißt du einfach, dass er nicht real ist.

Du kannst vielleicht darüber lächeln und einfach weitergehen.

Ob "ich" ein "ich" dabei wahrgenommen habe. Hmm... ich hatte schon das Gefühl, dass "ich" dort saß und gegenüber im Bett "die andere Person".
Dieses Gefühl kann auch bleiben (war es überhaupt ein Gefühl, oder eher ein Gedanke der aufgetaucht ist und sehr glaubwürdig getan hat?) ....doch ob die Geschichte dahinter stimmt....tja, da ist wie mit dem Weihnachtsmann in der Fußgängerzone. Wir werden das noch sehen :-).

Da war spüren (frisch, kühl) und sehen (Farbe grün) und dann spüren (Freude, angenehm).
Schön, was ist die Wahrnehmung und was schon eine Bewertung?
Dazu eine kleine Übung:

Schauen wir uns das Etikettieren der direkten Wahrnehmung durch Gedanken doch mal näher an:

Betrachte den Verstand als automatische Etikettiermaschine, einen Sprecher ohne An/Aus Knopf.
Gedanken sind einfach das – Etiketten. Ihr Zweck ist zu benennen, was die Sinne wahrnehmen, Gefühle zu bezeichnen und die Geschichten zu erzählen.

Setze dich ein paar Minuten mit geschlossen Augen hin, entspanne wieder und dann öffne die Augen:

Sieh dich langsam im Zimmer um.
Nimm wahr, wie der Verstand sofort damit anfängt, Geschichten zu erzählen und Dinge zu benennen, die gesehen werden.
Bemerke, wie Gedanken aufkommen und Objekte benennen, eine Geschichte über sie erzählen, und darüber, wie sie
dorthin gekommen sind, ohne dass du irgendeine Kontrolle darüber hättest. (Siehe zuerst auch wie grundlegende "Eigenschaften" benannt werden. z.B. Form: rund eckig...oder Farbe: grün, blau...)

Achte nicht so sehr auf den Inhalt der Gedanken, sondern beobachte, wie dieser "Etikettiermechanismus" funktioniert.

Dann schließe die Augen wieder.
Ein Klang wird gehört, und Gedanken beschreiben, was passiert ist.
Ein kribbelndes Gefühl taucht auf, und Gedanken etikettieren es.
Achte genau darauf, wie etwas erlebt/erfahren und dann unmittelbar danach bezeichnet wird.

Erkenne, wie alles automatisch abläuft. Der Verstand etikettiert alles, worauf er sich konzentriert. (Ganz spannend ist das bei Schriften, Werbeplakaten, Ortsschildern... schau dir an, wie da das Lesen automatisch geschieht :))

Bist du die Denkerin? Ist da ein Denker?

Oder geschieht Denken und Etikettieren einfach, ohne dass es ein Ich dazu braucht?


Erzähl mal....(war jetzt etwas viel, ich schreib manchmal gern oder es schreibt sich gerne ;-))

Schönen Tag wünsche ich Dir :-)
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Re: Bereit zu schauen

Postby MartaFeb » Sat Mar 20, 2021 9:12 pm

Guten Abend, Mauritius,

ich habe mich den ganzen Tag darauf gefreut, hier in Ruhe vorbeizuschauen. Schreibe aber lieber am Desktop-Rechner statt auf dem Smartphone, daher geht das nur zu bestimmten Zeiten.

Sehr gerne, ja, nicht viele Menschen schreiten in diese Bereiche vor....doch es werden mehr, es gibt "nach dem Tor" auch noch Gruppen, in denen sich Gleichgesinnte austauschen können :-)

Ich habe immer geglaubt, dies geschieht nur alle paar Hundert Jahre mal einem einzigen ausgewählten Menschen und habe eher nebenbei irgendwo einen Hinweis aufgeschnappt, dass das gar nicht sooo selten geschieht. Da hatte jemand dann 2-3 Namen genannt und ich habe völlig überrascht die Personen gegoogelt.

Es sei auch angefügt, dass die Erkenntnis, es gibt da kein persönliches Ich, auch nicht bedeutet, man läuft als" leeres Gefäß" durch die Gegend. Mitnichten.

Lol. Witziges Bild. Tatsächlich liest man ja viel und versucht sich mit der eingeschränkten Sicht, über die man nur verfügt, irgendwie sich etwas vorzustellen. Dass das nicht möglich ist, ist klar, aber trotzdem grübelt man sich darüber einen zusammen.

"Ich" bin also sozusagen so etwas wie ein Weihnachtsmann, eine nette Geschichte, über die ich schmunzeln werde, wenn ich es anders weiß.

Schauen wir uns das Etikettieren der direkten Wahrnehmung durch Gedanken doch mal näher an:

Betrachte den Verstand als automatische Etikettiermaschine, einen Sprecher ohne An/Aus Knopf.
Gedanken sind einfach das – Etiketten. Ihr Zweck ist zu benennen, was die Sinne wahrnehmen, Gefühle zu bezeichnen und die Geschichten zu erzählen.

Setze dich ein paar Minuten mit geschlossen Augen hin, entspanne wieder und dann öffne die Augen:

Sieh dich langsam im Zimmer um.
Nimm wahr, wie der Verstand sofort damit anfängt, Geschichten zu erzählen und Dinge zu benennen, die gesehen werden.
Bemerke, wie Gedanken aufkommen und Objekte benennen, eine Geschichte über sie erzählen, und darüber, wie sie
dorthin gekommen sind, ohne dass du irgendeine Kontrolle darüber hättest. (Siehe zuerst auch wie grundlegende "Eigenschaften" benannt werden. z.B. Form: rund eckig...oder Farbe: grün, blau...)

Achte nicht so sehr auf den Inhalt der Gedanken, sondern beobachte, wie dieser "Etikettiermechanismus" funktioniert.

Ja, das ist mir bei der ersten Übung schon aufgefallen, bei spüren, hören, sehen, etc. Erst geschieht das jeweilige und dann wird zwanghaft das Ding oder Geschehen im Anschluss benannt.
Bei meiner Übung mit dem Augenöffnen sah ich den Fernseher, war aber nicht mit dem Wort Fernseher beschäftigt, sondern mit der eckigen Form und im Anschluss kategorisierte sich alles in eckige Formen, was ich sah (Regal, Bild, Wand, Tür).

Es ist fast unmöglich, die gesehenen Dinge nicht zu benennen, sobald etwas in den Fokus gerät. Wenn etwas in den Fokus gerät, was ich nicht benennen kann (weil ich es nicht erkenne oder kein Wort dafür habe), gibt es manchmal eine kleine Lücke. Da war komische Sojasauce plötzlich auf dem Löffel und ich hatte kein Wort, weil ich überrascht war von der Farbe und der Konsistenz und nicht auf den Löffel fokussiert war. Statt dessen hat sich dann fotoartig das Bild eingebrannt.

Mir ist auch aufgefallen, dass ich - wenn ich in gedankliche Geschichten abtauche - mit diesem Denken so beschäftigt bin, dass ich nebenbei nichts weiter etikettiere. Ich fahre zurzeit täglich längere Strecken mit dem Auto und eine Geschichte nach der anderen reiht sich in meinen Gedanken aneinander. Währenddessen fährt die Autofahrerin von selbst, nimmt von selbst das Geschehen um sie herum wahr, reagiert darauf, trommelt mit den Fingern den Rhythmus aus dem Song im Radio mit. "Mich" braucht es dafür gar nicht.

Dann schließe die Augen wieder.
Ein Klang wird gehört, und Gedanken beschreiben, was passiert ist.
Ein kribbelndes Gefühl taucht auf, und Gedanken etikettieren es.
Achte genau darauf, wie etwas erlebt/erfahren und dann unmittelbar danach bezeichnet wird.

Meine Kinder quatschen im Nebenraum miteinander. Sie tun es die ganze Zeit, aber es ist eine Hintergrundmusik, genau wie das Rauschen im Heizkörper, einzelne Autos auf der Straße, das Klappern der Tastatur. Das wird gehört, aber irgendwann gerät es in den Fokus und anschließend in Gedanken kommentiert. Oder ich höre das Auto und mache mir gedanklich ein Bild davon, obwohl ich es nicht sehe.

Erkenne, wie alles automatisch abläuft. Der Verstand etikettiert alles, worauf er sich konzentriert. (Ganz spannend ist das bei Schriften, Werbeplakaten, Ortsschildern... schau dir an, wie da das Lesen automatisch geschieht :))

Das ist mir einmal in Bratislava aufgefallen, als ich die Werbeschilder nicht entziffern konnte, da ich kein Slowakisch spreche und die ganzen Konsonantenfolgen auch nicht spontan zu Kauderwelsch in Gedanken lautieren konnte. Dieses automatische Lesen klappte nicht und bei jedem Schild oder Plakat geriet der Denkapparat frustriert ins Stolpern.


Bist du die Denkerin? Ist da ein Denker?

Oder geschieht Denken und Etikettieren einfach, ohne dass es ein Ich dazu braucht?


Definitv geschieht dies automatisch, von ganz alleine, fast schon zwanghaft, nicht zu stoppen.


Es geschieht auch immer im Anschluss. Der Kommentator sattelt oben drauf. "Ich" schließe von selbst die Haustür auf, dann kommt der Gedanke "ich schließe jetzt die Haustür auf" und es sieht nur so aus, als wäre der Gedanke der Ursprung, also der Auslöser für die Tat. Aber die Tür wurde schon aufgeschlossen, als der Gedanke hinzu kam.

Nun denn, dies für dieses Mal.

Bin gespannt auf das Weitere.

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Re: Bereit zu schauen

Postby Mauritius » Sun Mar 21, 2021 9:23 pm

Hallo MartaFeb,
ich habe mich den ganzen Tag darauf gefreut, hier in Ruhe vorbeizuschauen. Schreibe aber lieber am Desktop-Rechner statt auf dem Smartphone, daher geht das nur zu bestimmten Zeiten.
Schön, freut mich :-).
Ich schreib auch nicht auf dem Smartphone, meine Smartphone-texte sind rechtschreibtechnisch grauenvoll ;-)

Ich habe immer geglaubt, dies geschieht nur alle paar Hundert Jahre mal einem einzigen ausgewählten Menschen und habe eher nebenbei irgendwo einen Hinweis aufgeschnappt, dass das gar nicht sooo selten geschieht. Da hatte jemand dann 2-3 Namen genannt und ich habe völlig überrascht die Personen gegoogelt.
Oh, falls du von Erleuchtung und dergleichen sprichst….zu erkennen, dass es kein persönliches, steuerndes Ich gibt, ist "nur" ein erster Schritt (sozusagen zum Erwachen ;-))....doch m.E.n ein sehr wichtiger und nicht zu unterschätzender.
Vielleicht der Wichtigste, Hihi ;-)

"Ich" bin also sozusagen so etwas wie ein Weihnachtsmann, eine nette Geschichte, über die ich schmunzeln werde, wenn ich es anders weiß.
Könnte so passieren :-)

Mir ist auch aufgefallen, dass ich - wenn ich in gedankliche Geschichten abtauche - mit diesem Denken so beschäftigt bin, dass ich nebenbei nichts weiter etikettiere.
Ja, die direkte Erfahrung ist immer da, auch wenn die Gedankengeschichten so laut werden, dass die DE "übertönt" wird.

Das ist mir einmal in Bratislava aufgefallen, als ich die Werbeschilder nicht entziffern konnte, da ich kein Slowakisch spreche und die ganzen Konsonantenfolgen auch nicht spontan zu Kauderwelsch in Gedanken lautieren konnte. Dieses automatische Lesen klappte nicht und bei jedem Schild oder Plakat geriet der Denkapparat frustriert ins Stolpern.
Ja, sehr gut. Es ist auch ne gute Übung mal auf Youtube z.B. Nachrichten in einer dir unbekannten Sprache zu schauen...Es sind einfach nur Töne...keine verständlichen Worte. Stell Dir mal vor, du würdest Deine Gedanken auf dieselbe Weise in unbekannter Sprache wahrnehmen....Die Gedanken an sich würdest du wahrnehmen...doch ihren Inhalt...???
Einfach nur unzusammenhängendes Gebrabbel...ohne große Wirkung :-)

Definitv geschieht dies automatisch, von ganz alleine, fast schon zwanghaft, nicht zu stoppen.
Ja, sehr gut beobachtet!
Aber die Tür wurde schon aufgeschlossen, als der Gedanke hinzu kam.
Ah, gut!!

Lass uns zum Thema Kontrolle dennoch noch eine Übung dranhängen, zum genau drauf schauen:
___________________________________________________________

Heb bitte Deine rechte (oder die Linke, wenn's leichter ist) Hand hoch.

Kannst Du jemanden "in Dir" finden, der den Befehl gab die Hand zu heben?

Konntest du etwas oder jemanden beobachten, das das Heben der Hand steuerte? (Beobachten, nicht glauben ;-))

Konntest du konkret einen Gedanken finden, der das Heben der Hand auslöste (nicht denken, erzähle, wie du es tatsächlich erfahren hast)?

Gibt es eine erkennbare Verbindung, zwischen dem Gedanken (gab es diesen Gedanken überhaupt?) die Hand zu heben und dem Heben an sich überhaupt?

Oder wird das Heben der Hand einfach wahrgenommen? Geschieht es einfach? Und wird lediglich gesehen?

Wo ist dabei ein ICH zu finden?

Hat ein Ich, oder ein Gedanke ganz konkret deine Hand gesteuert?

Oder lief es wie ein Automatismus ab, wurde gesehen...und erst im Nachhinein kam die Geschichte ("Ich habe entschieden", "die Hand zu heben", "ich habe die Hand gesteuert", etc., etc,)?


Braucht es überhaupt so etwas wie ein "Ich" dazu?

______________________________________________________________


Und wie immer...erzähle über Deine Beobachtungen, bin gespannt darauf, von Dir zu lesen :-)
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Re: Bereit zu schauen

Postby MartaFeb » Sun Mar 21, 2021 9:55 pm

Hi!

Ich starte direkt mit dem Experiment:


Heb bitte Deine rechte (oder die Linke, wenn's leichter ist) Hand hoch.

Kannst Du jemanden "in Dir" finden, der den Befehl gab die Hand zu heben?

Konntest du etwas oder jemanden beobachten, das das Heben der Hand steuerte? (Beobachten, nicht glauben ;-))

Konntest du konkret einen Gedanken finden, der das Heben der Hand auslöste (nicht denken, erzähle, wie du es tatsächlich erfahren hast)?

Gibt es eine erkennbare Verbindung, zwischen dem Gedanken (gab es diesen Gedanken überhaupt?) die Hand zu heben und dem Heben an sich überhaupt?

Oder wird das Heben der Hand einfach wahrgenommen? Geschieht es einfach? Und wird lediglich gesehen?

Wo ist dabei ein ICH zu finden?

Hat ein Ich, oder ein Gedanke ganz konkret deine Hand gesteuert?

Oder lief es wie ein Automatismus ab, wurde gesehen...und erst im Nachhinein kam die Geschichte ("Ich habe entschieden", "die Hand zu heben", "ich habe die Hand gesteuert", etc., etc,)?

Braucht es überhaupt so etwas wie ein "Ich" dazu?

Also das war wirklich spooky:
Ich habe Deine Mail zufällig gesehen, als ich den Rechner hochgefahren hatte, um eine berufliche Mail noch abzusetzen. Natürlich war ich super neugierig und habe direkt gelesen.

Dann kam der Teil mit der Übung. Da war einerseits der Gedanke "okay, ich probiere das einfach mal aus", aber andererseits geschah es total unmittelbar, so dass ich nicht sicher bin, was zuerst geschah. Halt, es wurde noch kurz überlegt, welche Hand zu heben ist, aber auch dies eigentlich in unmittelbarer Reaktion auf den Text, der von rechter oder linker Hand sprach.

Ob ich jemanden in mir finden kann, der den Befehl gab? Konnte ich den beobachten? Ich bin hier gerade nicht sicher. Zuerst wollte ich klar sagen, "nein, niemand gab den Befehl, sie schnellte einfach nach oben". Aber jetzt denke ich darüber nach und ziehe es in Zweifel.
Während ich darüber nachdenke, zappelt der Körper hier vor dem Rechner herum, macht dieses und jenes und definitiv nichts davon geschieht mit einer Absicht.

Was das Gezappel tut, wird wahrgenommen. Gespürt, gehört, gesehen.
Die Identifikation als "ich" ist jedoch sehr fest. Ich meine, dass ich es bin, die es wahrnimmt. Dass da nur Wahrnehmen ist ohne Ich ist sehr abstrakt.

Ich habe immer geglaubt, dies geschieht nur alle paar Hundert Jahre mal einem einzigen ausgewählten Menschen und habe eher nebenbei irgendwo einen Hinweis aufgeschnappt, dass das gar nicht sooo selten geschieht. Da hatte jemand dann 2-3 Namen genannt und ich habe völlig überrascht die Personen gegoogelt.

Oh, falls du von Erleuchtung und dergleichen sprichst….zu erkennen, dass es kein persönliches, steuerndes Ich gibt, ist "nur" ein erster Schritt (sozusagen zum Erwachen ;-))....doch m.E.n ein sehr wichtiger und nicht zu unterschätzender.
Vielleicht der Wichtigste, Hihi ;-)
Ich habe keine Ahnung, wovon ich spreche. Welche Schritte, was ein erster, was Erwachen, Erleuchtung o.ä. anbelangt.
Ich bekomme bloß mit, dass viele verschiedene Personen auf unterschiedliche Weise von ähnlichen Dingen sprechen. Was hier aber tatsächlich gemeint ist... ich weiß es nicht.

Gerade gähnt es hier, zappelt herum, noch ein Gähnen.

Für heute lasse ich es so.

Bis dann.

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Mauritius
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Re: Bereit zu schauen

Postby Mauritius » Mon Mar 22, 2021 5:48 pm

Ich habe keine Ahnung, wovon ich spreche. Welche Schritte, was ein erster, was Erwachen, Erleuchtung o.ä. anbelangt.
Ich bekomme bloß mit, dass viele verschiedene Personen auf unterschiedliche Weise von ähnlichen Dingen sprechen. Was hier aber tatsächlich gemeint ist... ich weiß es nicht.
Oh, das ist sehr schön! Keine Ahnung, nicht-wissen das ist toll, lass Dich mal so richtig drauf ein...Nicht-Wissen!
Keine Konzepte, keine Vorstellungen!

Und ja, auf unterschiedliche Art vom Selben sprechen...sehr schön ausgedrückt :-)

Ob ich jemanden in mir finden kann, der den Befehl gab? Konnte ich den beobachten? Ich bin hier gerade nicht sicher. Zuerst wollte ich klar sagen, "nein, niemand gab den Befehl, sie schnellte einfach nach oben". Aber jetzt denke ich darüber nach und ziehe es in Zweifel.
Schau nochmal genau hin...ist in dem Moment des Handhebens ein auslösender Gedanke erkennbar?
Kannst Du auf irgendeine Weise wahrnehmen, dass das Heben der Hand mit einem Gedanken in direktem Zusammenhang steht?
Selbst, wenn Du denkst "Ich hebe jetzt die rechte Hand"....hat dieser Gedanke in irgendeiner Weise etwas mit dem Heben an sich zu tun?

Was, wenn Du nicht darüber nachdenkst? Was ist dann deine Wahrheit?
Was ist deine direkte Erfahrung, und was ist das Denken im Nachhinein?


Diesmal kürzer :-)
*Don't think about it...just look...and you'll see*

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MartaFeb
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Re: Bereit zu schauen

Postby MartaFeb » Mon Mar 22, 2021 6:28 pm

Hi Mauritius,

vielen Dank, dass Du Dir täglich die Zeit dazu nimmst, hier auf meine Beiträge zu antworten und mich mit neuen Hinweisen zu versorgen.

Ich gehe davon aus, dass Du auch Deinen Lebensunterhalt mit Arbeit verdienen musst und dies hier on top kommt.
In Zeiten, wo Coaching blüht und Coachs zu allen möglichen Themen aus dem Boden schießen und gutes Geld verdienen wollen, ist es keine Selbstverständlichkeit, dies hier für umsonst zu bekommen.

Oh, das ist sehr schön! Keine Ahnung, nicht-wissen das ist toll, lass Dich mal so richtig drauf ein...Nicht-Wissen!
Keine Konzepte, keine Vorstellungen!

Und ja, auf unterschiedliche Art vom Selben sprechen...sehr schön ausgedrückt :-)

Ich stelle immer mehr fest, dass ich im Grunde nicht viel weiß. Klar, da ist angelesenes oder erlerntes Wissen, das im Alltag oder auf der Arbeit nützlich ist, aber vor einiger Zeit habe ich das "ich weiß nicht" entdeckt und lieben gelernt. Ich weiß tatsächlich die allermeiste Zeit nicht, was Sache ist. Ich habe keine Ahnung. Ich kann mir etwas ausdenken, was vielleicht zutreffen könnte, aber ob es dann stimmt, steht auf einem anderen Blatt. Ich sage in letzter Zeit oft "ich weiß nicht" und das fühlt sich stimmig und richtig an. Wenn ich tatsächlich etwas weiß, sprudelt es von alleine heraus. Und wenn es akut etwas braucht und ich es trotzdem nicht weiß, findet sich auch das.

Schau nochmal genau hin...ist in dem Moment des Handhebens ein auslösender Gedanke erkennbar?
Kannst Du auf irgendeine Weise wahrnehmen, dass das Heben der Hand mit einem Gedanken in direktem Zusammenhang steht?
Selbst, wenn Du denkst "Ich hebe jetzt die rechte Hand"....hat dieser Gedanke in irgendeiner Weise etwas mit dem Heben an sich zu tun?

Was, wenn Du nicht darüber nachdenkst? Was ist dann deine Wahrheit?
Was ist deine direkte Erfahrung, und was ist das Denken im Nachhinein?

Wenn ich nicht nachdenke, dann schien der Arm sich unmittelbar von selbst zu heben. Das war mein erster Eindruck. Deswegen hatte ich auch den Eindruck, dass es spooky ist.

Dann fing das Denken und Zweifeln an.

Ich muss aber dabei sagen, dass ich bei allen "spirituellen" Themen sehr, sehr, sehr kritisch bin. Ich prüfe sehr genau selbst, um mir nicht ein X für ein U vormachen zu lassen. Genauso prüfe ich mich selbst. Will mir auch selbst kein X für ein U vormachen.

Daher zog ich die erste Erfahrung kritisch in Zweifel und danach war ich mir nicht mehr sicher.


Aber wenn Du jetzt nachfragst, dann lautet die Antwort: Nein, die ummittelbare Erfahrung war ein Hochschnellen des Armes.

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Mauritius
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Re: Bereit zu schauen

Postby Mauritius » Mon Mar 22, 2021 7:33 pm

Hi MartaFeb,

vielen Dank, dass Du Dir täglich die Zeit dazu nimmst, hier auf meine Beiträge zu antworten und mich mit neuen Hinweisen zu versorgen.

Ich gehe davon aus, dass Du auch Deinen Lebensunterhalt mit Arbeit verdienen musst und dies hier on top kommt.
In Zeiten, wo Coaching blüht und Coachs zu allen möglichen Themen aus dem Boden schießen und gutes Geld verdienen wollen, ist es keine Selbstverständlichkeit, dies hier für umsonst zu bekommen.
Ich mach das gerne, und wenn ich sehe, dass, wie bei Dir, ernsthaftes Interesse an der Untersuchung besteht und damit auch der "Fortschritt" im Erkennen da ist...nun, dann kommt der Lohn auf einer anderen Ebene :-)
Danke Dir für Dein Vertrauen.

Ich habe keine Ahnung. Ich kann mir etwas ausdenken, was vielleicht zutreffen könnte, aber ob es dann stimmt, steht auf einem anderen Blatt. Ich sage in letzter Zeit oft "ich weiß nicht" und das fühlt sich stimmig und richtig an. Wenn ich tatsächlich etwas weiß, sprudelt es von alleine heraus. Und wenn es akut etwas braucht und ich es trotzdem nicht weiß, findet sich auch das.
Oh ja, schön...es kommt wie von selbst, etwas wissen zu müssen ist manchmal direkt anstrengend, nicht wahr?

Ich muss aber dabei sagen, dass ich bei allen "spirituellen" Themen sehr, sehr, sehr kritisch bin. Ich prüfe sehr genau selbst, um mir nicht ein X für ein U vormachen zu lassen. Genauso prüfe ich mich selbst. Will mir auch selbst kein X für ein U vormachen.
Cool, kritisches Hinterfragen, ist genau das, was uns hier am Hilfreichsten ist.

Aber wenn Du jetzt nachfragst, dann lautet die Antwort: Nein, die ummittelbare Erfahrung war ein Hochschnellen des Armes.
Nun, das Verrückte ist, dass wir unseren Gedanken oft mehr Vertrauen, als unserer Wahrnehmung. Doch wenn wir betrachten, woraus sich unsre Gedanken so zusammensetzen und wie direkt (nomen est Omen;-)) die direkte Erfahrung ist, so ist das Erste, was wir ernsthaft hinterfragen sollten: unsere Gedankenwelt.

Zum Auffinden des "Ich" hab ich da mal folgende Übung für Dich:

Such Dir dazu einen bequemen Platz zum Sitzen oder Liegen.

Nimm ein paar tiefe Atemzüge, lass sich alles beruhigen und entspann dich.
Verbring nur 30 bis 60 Sekunden mit jedem Teil dieser Übung.

- Richte deine Aufmerksamkeit auf den gesamten Körper - spüre ihn vollständig, von Kopf bis Fuß.
- Führe deine Hände über deinen Rumpf. Spür seine Festigkeit.
- Richte jetzt dein Bewusstsein auf die Beine. Nochmals, fühl sie. Beweg sie ein wenig.
- Dann richte deine Aufmerksamkeit auf deine Hände. Öffnen und schließe sie.
- Richte nun deine Aufmerksamkeit auf dein Gesicht - jeden Teil davon. Berühr es mit der Hand.
- Zeige nun mit dem Zeigefinger auf die Stelle, an der sich "MartaFeb" befindet.
- Berühr die genaue Position von "MartaFeb". Dort wo Du sie spürts oder vermutest.

Beantworte nun folgende Fragen:
Konntest du "MartaFeb" auf direkte Weise, so wie all die anderen Teile deines Körpers, finden und fühlen?
Wo ist Sie?
Was hast du gefunden? Etwas? Irgendwas? Irgendjemand? Oder einfach Nichts?
Welche Empfindungen hast du in deinem Körper empfunden, die "MartaFeb" (falls vorhanden!) für Dich identifizierten?


Was hast Du dabei herausgefunden?
*Don't think about it...just look...and you'll see*

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MartaFeb
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Re: Bereit zu schauen

Postby MartaFeb » Mon Mar 22, 2021 9:16 pm

Lieber Mauritius,

ich glaube, ich sagte bereits einmal, dass ich eine Vielschreiberin bin. Ich schaffe es eigentlich regelmäßig, meine jeweiligen Schreibpartner*innen irgendwann zum Kapitulieren zu bringen. Nicht dass das meine Absicht ist, aber wer nicht gerne "Schreibschulden" hat, gerät mit mir in Stress.

Ich mach das gerne, und wenn ich sehe, dass, wie bei Dir, ernsthaftes Interesse an der Untersuchung besteht und damit auch der "Fortschritt" im Erkennen da ist...nun, dann kommt der Lohn auf einer anderen Ebene :-)
Danke Dir für Dein Vertrauen.

Ich hoffe, ich enttäusche nicht.

Oh ja, schön...es kommt wie von selbst, etwas wissen zu müssen ist manchmal direkt anstrengend, nicht wahr?

Absolut, total anstrengend. Alles ist anstrengend. Mein ganzes Leben ist irgendwie anstrengend. Das ist mit ein Grund, mich hierauf einzulassen. Ich habe es satt mich anzustrengen. Die Aussicht, dass ich vielleicht nicht diese sich ständig abrackernde Person bin, ist da sehr verlockend.

Nun, das Verrückte ist, dass wir unseren Gedanken oft mehr Vertrauen, als unserer Wahrnehmung. Doch wenn wir betrachten, woraus sich unsre Gedanken so zusammensetzen und wie direkt (nomen est Omen;-)) die direkte Erfahrung ist, so ist das Erste, was wir ernsthaft hinterfragen sollten: unsere Gedankenwelt.

Dass die Gedankenwelt ein irrer Haufen ist, kann ich schon lange sehen, die direkte Erfahrung ist mir jedoch neu. Ich höre das hier zum ersten Mal, habe da nicht hingeschaut.


Zum Auffinden des "Ich" hab ich da mal folgende Übung für Dich:

Such Dir dazu einen bequemen Platz zum Sitzen oder Liegen.

Nimm ein paar tiefe Atemzüge, lass sich alles beruhigen und entspann dich.
Verbring nur 30 bis 60 Sekunden mit jedem Teil dieser Übung.

- Richte deine Aufmerksamkeit auf den gesamten Körper - spüre ihn vollständig, von Kopf bis Fuß.
- Führe deine Hände über deinen Rumpf. Spür seine Festigkeit.
- Richte jetzt dein Bewusstsein auf die Beine. Nochmals, fühl sie. Beweg sie ein wenig.
- Dann richte deine Aufmerksamkeit auf deine Hände. Öffnen und schließe sie.
- Richte nun deine Aufmerksamkeit auf dein Gesicht - jeden Teil davon. Berühr es mit der Hand.
- Zeige nun mit dem Zeigefinger auf die Stelle, an der sich "MartaFeb" befindet.
- Berühr die genaue Position von "MartaFeb". Dort wo Du sie spürts oder vermutest.

Beantworte nun folgende Fragen:
Konntest du "MartaFeb" auf direkte Weise, so wie all die anderen Teile deines Körpers, finden und fühlen?
Wo ist Sie?
Was hast du gefunden? Etwas? Irgendwas? Irgendjemand? Oder einfach Nichts?
Welche Empfindungen hast du in deinem Körper empfunden, die "MartaFeb" (falls vorhanden!) für Dich identifizierten?

Was hast Du dabei herausgefunden?

Also, ich spoiler mir die Übungen nicht selbst. Ich lese nicht bis zum Ende, sondern lasse mich sofort Schritt für Schritt darauf ein. Ich will nicht, dass mein Denken mir das kaputt macht, wenn ich vorher alles gelesen habe. So habe ich dann die direkte Erfahrung.

Den Körper kann ich spüren, ohne Frage.

Und MartaFeb? Ich muss lachen, als ich es lese. Wo soll sie sein? So ein Unsinn. Ich überlege kurz und zeige dann mit dem Zeigefinger auf mein Brustbein, obwohl das Quatsch ist Vielleicht trifft es das Brustbein noch am ehesten. Im Schädel hockt sie jedenfalls auch nicht, obwohl das Denken da zu sitzen scheint.

Wo ist MartaFeb?

Nirgendswo. Ich habe keine Ahnung, wo sie ist. Wer auch immer sie ist.

Welche Empfindungen hast du in deinem Körper empfunden, die "MartaFeb" (falls vorhanden!) für Dich identifizierten?

Körper ist eindeutig zu spüren. Solide, von innen wie von außen. Das zwanghafte Benennen und das Bilder vorstellen sind auch sofort zur Stelle. Identifizieren? Ich muss den Satz fünfmal lesen, verstehe ihn nicht sofort. Bzw. es gibt einfach keinerlei Antwort darauf.


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