Nein. Das gibt es nicht und gab es nie.1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Als Illusion gab es das natürlich und hatte - wie so viele andere Illusionen auch - Wirkungen; meistens unheilvolle. Als Illusion erscheint es auch jetzt immer mal wieder, aber wenn ich mir des illusionären Charakters dieser Erfahrung bewusst werde, verliert sich diese Wirkung sofort.
Die ICH-Illusion erscheint, wenn ich mich als getrennt von der Welt und vom Anderen erlebe. Diese Trennung wiederum ist eine Folge dessen, dass sich Vorstellungen, wie etwas zu laufen habe, einstellen und ich mich mit diesen Vorstellungen identifiziere. Je mehr Wille sich auf den Versuch, die Vorstellungen durchzusetzen, entfaltet, desto stärker wird die Identifikation mit der Illusion, die dann schon lange ihren illusionären Charakter verloren hat und als Realität erlebt wird.2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Das hört sich vielleicht ein bisschen abstrakt an, aber genauso erlebe ich es in vielen Beispielen meines Alltages.
Das ganze Leben, das sich in mir manifestiert, fühlt sich wesentlich entspannter und friedlicher an. Es ist keine überschwängliche Glückseligkeit und Jubel da, sondern eher eine gewisse Ernsthaftigkeit , die sich aber wunderbar anfühlt.3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Im Umgang mit anderen Menschen (meiner Frau, meinen Kindern, meinen Patienten) zeigt sich eine große Gelassenheit und Mitgefühl, da ich sie nicht für das "persönlich zur Verantwortung ziehe", was sie sagen oder machen. Da ist niemand, dem Vorwürfe gemacht werden könnten ! Aber es gibt Verirrungen und Leiden, das Mitgefühl hervorruft.
Das waren eigentlich zwei "Schubse".4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Der erste war Jorams Hinweis, dass die ICH-Illusion bestehen bleibt, aber als Illusion erkannt wird und durch diese Erkenntnis seine Wirkung verliert. Das hat mich aus einer Sackgasse befreit, weil ich immer erwartet hatte, das ICH müsste gänzlich, also auch als Illusion verschwinden.
Der zweite Schubs bestand darin, dass ich durch die letzten Fragen plötzlich ganz klar "sehen" konnte, wie diese Illusion entsteht; ich konnte sehen, - und vor allem : sehe das weiterhin in meinem Alltag - wie die Vorstellungen und Wünsche und vor allem die Identifizierung damit zur Illusion des Getrennt-Seins führen und damit zur ICH-Illusion.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Entscheidungen passieren, sie ergeben sich. Da ist niemand, der sie trifft, aber es gibt ein nachträgliches Beziehen dieser Entscheidung auf ein (illusionäres) ICH, das sie angeblich getroffen hat.
Das fängt für mich bereits beim morgendlichen Aufstehen an : wenn ich aufmerksam bin, dann erlebe ich ganz klar, dass "es mich aufsteht", d.h. der Impuls kommt vor "meinem Entschluss".
Meine Verantwortung besteht - wie der Name schon sagt - darin, auf die Erfahrungen, die sich in mir zeigen, zu antworten. Es gibt dabei keinen freien Willen, aber ich bin auch nicht total determiniert. Es ist die Bewusstheit, die die totale Determiniertheit beendet und in der sich ein Gestaltungsraum eröffnet. Aber nicht ich gestalte dann, sondern es gestaltet sich; die Bewusstheit ermöglicht Veränderung, Entkonditionierung, Verlöschen der karmischen Impulse.
Verantwortung entsteht auch dadurch, dass alle Handlungen zu Folgen führen, die als Erfahrungen in "mein" Bewusstsein treten. Anders ausgedrückt : es gibt Verantwortung, aber keinen Verantwortlichen.
Ich war überrascht, wie emotional der Prozess bei mir verlief. Ich war anfangs eher hochgestimmt und ein hintergründiger Jubel war da vielleicht eine Erwartungsfreude).6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Je mehr es "zur Sache" ging, desto trauriger, gereizter und übellauniger wurde ich.
Das wurde mir auch mit besorgter Miene rückgemeldet.
Nach dem Erkennen breitet sich ein sehr friedliches und entspanntes Gefühl aus.
Ich hatte während des ganzes Prozesses die Tendenz, die Fragen nicht mehr zu erinnern, obwohl sie klar und prägnant waren und ich ein gutes Gedächtnis habe. Es gab also einen inneren Widerstand, genau hinzuschauen.
Ich möchte mich natürlich auch sehr herzlich bei Joram für seine schnörkellose, direkte Art, mich zu guiden, bedanken; das hat mir sehr geholfen, nicht abzulenken, sondern dran zu bleiben.

