Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein, es gibt keine "Selbst" und es gab auch nie eines.
Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Unser Geist produziert ständig und ohne Kontrolle Gedanken, deren Inhalt sich aus dem Erlebten oder dem Inhalt anderer Gedanken speist. Gedanken sind wirklich, aber deren Inhalt ist es nicht. Einer dieser Gedanken ist der "Ich"-Gedanke, der uns glauben machen möchte, dass er derjenige sei, der dies alles Erleben würde und dass er die Kontrolle darüber habe, was passiert. Der Ich-Gedanke "bestätigt sich selbst" durch weitere Ich-Gedanken: Ich als Tautologie. Doch in Wirklichkeit (also im direkten Erleben) gibt es nur das, was unmittelbar wahrgenommen werden kann, daher kann auch der Inhalt des Ich-Gedankens nicht wirklich sein. Das unmittelbare, direkte Erleben ist ohne ein "Ich". Der Ich-Gedanke verschwindet nicht, wenn man die Illusion durchschaut hat, jedoch ist sein Inhalt nicht mehr relevant.
Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Es ist eigentlich nichts groß anders. Das Leben lebt genau so wie vorher. Es gibt aber einen größeren Abstand zum Selbst und daher eine größere Freiheit. Es ist verblüffend, welche Dinge man plötzlich tut, obwohl man sie früher nie gemacht hat - oder welche Dinge man plötzlich einfach lässt. Jegge ist nicht mehr der Maßstab der Dinge.
Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte, war zu erkennen, dass alles seine Richtigkeit hat, unabhängig ob Jegge das gut findet oder nicht.
Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Wofür bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Bedingungen bedingen einander und alles fließt durcheinander wie Ameisen in einem Ameisenhaufen - aus Sicht der Ameise getrennt, doch eigentlich als Einheit. Entscheidungen kommen ohne Vorwarnung aus dem Nichts und passieren - niemand kontrolliert diese Entscheidungen. Das Leben lebt ohne "mich".
Die Entscheidung, heut mal vegetarisch zu essen passiert einfach. Erst danach kommt der Gedanke "Ich esse vegetarisch". Wenn die Gedanken da sind, ist die Entscheidung schon gelaufen. Eine Entscheidung ohne Entscheider. Lebendes Leben.
Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Lieber Daniel, vielen lieben Dank für Deine Hilfe und deine Zeit!