Stille

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maureena
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Re: Stille

Postby maureena » Tue Jan 16, 2018 10:23 pm

Gestern und auch heute war ich in sehr gereizter Stimmung. Es war eine Mischung aus schlechter Laune, depressiven Gedanken, Frustration und Trotz. Summa summarum eine Art Bauchlandung.
Ja, die Wellen haben etwas abgenommen. Doch es bleibt der Eindruck, dass sich das „Ich“ (wieder) fest verankert hat. Nachdem es kurz vor dem Verschwinden war…..ist es zack! nun wieder da. In welcher Form denn? Schwer zu beschreiben; es gibt den Eindruck einer abgetrennten Einheit / Person, die selbstbestimmt entscheiden und handeln kann. Ich schaue genau hin, sehe niemanden, die etwas steuert - und werde den Eindruck dennoch nicht los. Kenn` ich alles ja schon. Als ob da eine Gewohnheit die Fäden zieht.
Führe gerade viel Zwiegespräche. Der Kopf ist voll von Ego-Weisheiten und von „Ich-rede-mir-die-Welt-zurecht-Gedanken“. Empfinde die Gedanken derzeit als sehr penetrant. Spüre eine große innere Unruhe, manchmal fast eine Art Getriebensein. Dann ist da auch Frustration, Ärger, Wut, Resignation. Und nix mit Geduld.

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Joram
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Re: Stille

Postby Joram » Wed Jan 17, 2018 7:34 am

Was würde dich zurück zu deiner „Mitte“ führen?
Meditieren?
Spazieren gehen?
Etwas Inspirierendes lesen?

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Re: Stille

Postby maureena » Thu Mar 01, 2018 10:30 pm

Lieber Joram,

es gibt immer wieder den Wunsch, hier zu schreiben, und immer wieder weiß ich nicht, was es zu schreiben gibt. Habe in den letzten Wochen gemerkt, dass da viel Ablenkung ist und auch zugelassen wird. Ich bleibe irgendwie in der „Komfortzone“. Dabei ist da soviel Gewissheit. Aber die Gewissheit wird immer wieder aufs Neue überdeckt durch Gewohnheiten und dem Gefühl, „es ist doch alles ganz schön so!“
Nein! Im Grunde ist da soviel Suchen nach der unumstößlichen Gewissheit, dass….. dass alles ausschließlich Lebendigkeit ist. Dass es nichts gibt außer der Lebendigkeit! Und dass ICH ja gar nichts machen muss….
Es gibt wunderbare Momente, wo Sinneswahrnehmungen ganz intensiv werden. Dann ist ganz deutlich, dass alles einfach so wahrgenommen wird. Dass es „mich“ nicht braucht, um all das wahrzunehmen. Das fühlt sich so echt und rein und ehrlich an.
Und dann gibt es eine tiefe Zufriedenheit – an die sich dann wieder eine Ich-Instanz klammert und eine bedeutende spirituelle Erfahrung daraus macht…..Ich kann das alles mit Geduld und manchmal auch mit einem Lächeln beobachten. Dennoch fühlt es sich manchmal so an, als ob da ein Spielchen mit mir gespielt wird. Und irgendwie macht das müde... Ich verliere mich dann so in diesem Spielchen und nehme scheinbar eine Ablenkung nach der anderen an.

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Re: Stille

Postby Joram » Fri Mar 02, 2018 4:08 am

Hi :-)

Wer spielt ein Spielchen mit Dir?
Gott? Das Schicksal?
Wie weit entfernt bist du von Gott/Schicksal?
Oder bist „du“ vielleicht Gott/Schicksal?

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Re: Stille

Postby maureena » Fri Mar 02, 2018 10:47 pm

Unser Dialog hier und der ausgelöste Prozess hat mein „Gottesbild“ sehr ins Wanken, eigentlich zum Absturz gebracht. Ich bin sehr christlich aufgewachsen, mit viel Beten und Kirche und so. Mein Glaube ist über die Jahrzehnte stark modifiziert worden, doch ich habe stets an eine „höhere Macht“ / an eine „göttliche Kraft“ außerhalb von mir selbst geglaubt. Es gab stets etwas, das größer, mächtiger, göttlicher als alles andere war. So gab es auch eine Art „Plan“ für meinen Weg hier auf Erden; viele Begegnungen und Situationen wurden mit „Schicksal“ in Verbindung gebracht, vieles war kein Zufall. Und ja, es hat Spaß gemacht, zu deuten, zu verstehen – und darüber hinaus dankbar zu sein, für das, was passiert war. Denn es machte alles Sinn.
All das stimmt so nun langsam nicht mehr für mich. Vor etlichen Wochen wurde mir klar, dass es Gott nicht geben kann. Dass es keine höhere Kraft / Macht – was auch immer – existiert. Es existiert nichts außerhalb von mir, was nicht auch in mir ist. Gott ist ein Konzept, ein Gedanke. Ich bin hier, Gott ist da. Wenn es mich nicht gibt, gibt es auch keinen Gott. Oder anders: Wenn alles Lebendigkeit ist, dann ist eben alles das. Was anderes existiert dann nicht.
Und es ist nicht lustig, das wirklich langsam zu sehen, zu verstehen. Das „Konzept Gott mit dem ganzen Drumherum“ (von Kirche spreche ich hier gar nicht!) erlebte ich irgendwie als nährend und tröstend, auch als sinnstiftend.
All das zerplatzt gerade wie eine Seifenblase. Es erleichtert und lässt mich zugleich frösteln. Ich will das glauben, ich will das nicht glauben,…..
Habe neulich eindrücklich davon geträumt. Habe in einer Gruppe von Menschen allein durch gezieltes Nachfragen die Existenz Gottes langsam in Frage gestellt….
Wenn Gott fällt, fällt auch das Ich.
Wenn das Ich fällt, fällt auch Gott.
Das ist so wunderbar einfach. Und dennoch macht es mir Angst. Ja, es macht MIR Angst. Das ICH hat Angst. Zu Recht.
----Ich musste das alles jetzt mal so schreiben.

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Re: Stille

Postby Joram » Sat Mar 03, 2018 9:14 am

Angst ohne "Ich"?

Existier "Angst" nur so für sich" "Objektlos"?

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Re: Stille

Postby maureena » Sun Mar 04, 2018 4:31 pm

Bin heute der Angst begegnet. Sie hat sich aufgeplustert, hat sich groß und stark gemacht, wollte als Angst Angst auslösen. Und während ich so da war mit ihr, mit ihr sprach, sie anschaute, wurde klar, dass sie aus nichts als Gedanken besteht. Schon sehr gehalt- und machtvolle Gedanken, aber eben nur Gedanken. Ohne „mich“ würde sie gar nicht existieren. Ihre Präsenz hat zwar zu Körperreaktionen im Bauchbereich geführt – Grummeln und Ziehen und so -, doch es waren halt Körperreaktionen, die wahrgenommen werden konnten. Ich hätte diese Körperreaktionen in einem anderen Kontext auch mit Aufregung oder Freude oder was auch immer „etikettieren“ können, aber in diesem Zusammenhang passte die Angst. Alles, was mit der Angst zusammen auftauchte (Kontrolle, usw.) konnte ich als ein gedankliches Konstrukt erkennen. ICH habe die Angst genährt. ICH durch die Verknüpfungen, Verbindungen, Assoziationen, Vorstellungen, usw.. Alles MEINE Geschichten. Die Angst existiert nicht ohne mich.
Mir geht permanent der Satz durch den Kopf „Eigentlich kann mir gar nichts passieren!“ Dennoch weiß ich nicht, was ich damit machen soll. Die Angst löst sich ja nicht einfach so auf, nur weil ich jetzt etwas mehr über die Angst weiß als vorher, oder?….
Ich musste vor langer Zeit mal ein Rind zum Schlachthof fahren. Ich führte es in den kleinen Schlachtbetrieb hinein. Die Augen waren weit aufgerissen und es sträubte sich. Ich interpretierte es als pure „Lebensangst“. Heute frage ich mich, ob es nicht einfach natürliche Körperreaktionen waren, die von mir eine Etikettierung bekamen. Wahrscheinlich verhält es sich so.

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Re: Stille

Postby Joram » Sun Mar 04, 2018 6:11 pm

Und während ich so da war mit ihr, mit ihr sprach, sie anschaute, wurde klar, dass sie aus nichts als Gedanken besteht. Schon sehr gehalt- und machtvolle Gedanken, aber eben nur Gedanken. Ohne „mich“ würde sie gar nicht existieren.
Was kann über "die, die die Angst anschaut" sagen?
Spüre hinein :-)

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Re: Stille

Postby maureena » Tue Mar 06, 2018 9:32 pm

Was kann über "die, die die Angst anschaut" sagen?
Nix. Zu der kann man nix sagen.
Es taucht nach wie vor immer wieder ein „Ich“ auf. Aber es taucht auf, indem es sich an Gedanken, Aussagen, Verhalten, Gefühle heftet. Dann ist es da. Es ist wie ein Mantel, der alles einhüllt, umgarnt. Und es zu „seinem“ macht, es festhält und fixiert. Es stört nicht mal mehr. Es ist da, es zeigt sich, es entsteht immer wieder der Eindruck, dass „Ich“ etwas mache. „Ich“ spreche, „Ich“ entscheide, usw….. Letztendlich ist da aber keine Instanz, die irgendetwas in der Hand hat. Niemand, die etwas steuert oder lenkt oder denkt.
Und auch wenn ich den ganzen Tag mit dem Eindruck, dass da ein „Ich“ am Tun ist, herumlaufe, ist es egal…. Soll es nur machen. Denn auf einer anderen Ebene breitet sich immer mehr Ruhe und Gelassenheit aus. Dinge, die passieren und erlebt werden, sind gar nicht mehr so wichtig. Da ist mittlerweile ein viel größeres Mitschwingen und Mitfließen mit den Dingen. Das ist wunderbar und sehr befreiend. Es entsteht viel mehr Leichtigkeit – und die Dinge verlieren ihre Schwere.
Zu Spüren ist vor allem ein Wunsch: Immer mehr mitfließen zu können! Nichts aufhalten, nichts ändern zu wollen.
Klar, da taucht dann sofort die Frage auf, wer das denn will…. Und dann muss ich lachen und denke, dass sich das „Ich“ wirklich alles krallen will…. Kann es ja. Macht ja nix. Es kann machen was es will. Es muss dem ganzen Spuk nur nicht mehr geglaubt werden.

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Re: Stille

Postby Joram » Tue Mar 06, 2018 9:39 pm


Es taucht nach wie vor immer wieder ein „Ich“ auf. Aber es taucht auf, indem es sich an Gedanken, Aussagen, Verhalten, Gefühle heftet.

Das was „Ich“ genannt wird, ist nur „Identifikation“. Identifikation mit Gedanken, Aussagen, usw.

Mehr ist da nicht.

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Re: Stille

Postby maureena » Tue Mar 06, 2018 10:10 pm

Ja, so wie die Angst klar als Gedankenkonstrukt gesehen wurde, so wird auch das „Ich“ als etwas wahrgenommen, das an sich nicht „frei und selbstständig“ existiert. Irgendwie baut sich alles aufeinander auf, ist ineinander verschränkt und verzahnt, wodurch es sich scheinbar stabilisiert und hält.
Bei der Angst war es sehr eindrücklich, zu sehen, wie sie als individuelles Konzept ihren Raum bekam. Es waren Gedanken um Gedanken, die sie genährt haben.
Vielleicht wird Angst auch weiterhin immer wieder auftauchen. Aber das „Schöne“ ist ja, dass da niemand ist, die wirklich Angst haben kann. Angst festhalten zu wollen, würde ja bedeuten, dass da jemand ist, die Angst hat.
Aber: Was sagt denn die Maren dazu? Sie stellt sich gerade Situationen vor, die ihr Angst machen. Da ist dann plötzlich nichts mehr mit Fließen und Gelassenheit und Mitschwingen…..Da taucht dann doch wieder ein starkes „Ich“ auf, das verletzbar und angreifbar zu sein scheint….

Vielleicht ein Schritt nach dem anderen.
Es sickert so viel langsam. Da ist so viel Freude und Leichtigkeit wahrzunehmen.
Und da ist ein „Ich“, das gar nicht wirklich existiert. Das bringt so viel Ruhe in einfach alles hinein.

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Re: Stille

Postby Joram » Wed Mar 07, 2018 5:13 am

:-)

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Re: Stille

Postby Glueckseligkeit » Mon Mar 12, 2018 8:41 pm

wunschgemäß "tauche ich hier auf" für weitere Begleitung...
Obwohl es nach dem Guiding von Joram, soweit ich lesen kann, doch eigentlich gar keinen Bedarf mehr an meinem Guiding gibt, oderß ;)
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Stille

Postby maureena » Mon Mar 12, 2018 9:17 pm

Tja…. Ich habe halt den Eindruck, dass ich da immer wieder raus falle….. Es fühlt sich so unbefriedigend an…. Ich erlebe „mich“ ständig und scheine zu vergessen, dass es da doch gar nichts Persönliches gibt. Dann gibt es wieder Momente, wo alles nur miteinander am Fließen ist. Das ist dann wie eine Art Rauschen, das für Sekunden wahrnehmbar ist.
Und dann kommen Fragen wie: „Spielt mir das Ego etwas vor, um die Zügel weiterhin in der Hand zu halten?“ „Was ist real – und was wird glaubhaft vorgetäuscht?“
Ich weiß nicht, wo ich stehe. Es ist in den letzten Monaten durch diesen LU-Prozess sehr viel passiert. Bei aller Veränderung habe ich aber auch gesehen, wie hartnäckig das „Ich“ ist und wie machtvoll.
Ich arbeite als Therapeutin, und das Individuelle, das Persönliche, die vielen „Ichs“ der Menschen, die ich begleite, spielen die Hauptrolle in den jeweiligen Prozessen. Ich unterstütze sie quasi in der „Selbstwerdung“. Und irgendwie scheint das mein eigenes „Ich“ immer wieder zu nähren….
Manchmal fühlt es sich wie ein Spagat an – mein ganz eigener Prozess der Ich-Auflösung auf der einen Seite, und die Entwicklung von Individualität und eigener Persönlichkeit auf der anderen Seite. Dadurch scheine ich immer wieder aus der „Ich-Losigkeit“ herauszufallen… wodurch ich – wie gesagt – nicht weiß, wo ich wirklich stehe.
Deswegen ist immer noch der Wunsch nach weiterer Begleitung vorhanden….

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Re: Stille

Postby Glueckseligkeit » Mon Mar 12, 2018 9:52 pm

Es ist in den letzten Monaten durch diesen LU-Prozess sehr viel passiert.

Tatsächlich? Bewegt sich tatsächlich etwas ohne Gedankenreflektion? Gibt es irgendeinen einzigen Beleg dafür dass "sehr viel passiert ist"? Oder ist vielleicht gar nichts passiert und trotzdem ist da ein Treiber aus der Schulzeit, aus der Kindheit und Jugend, der sagt: "Es muss vorwärts gehen!" "Mach weiter"! Aber wohin?

Was ist das Ziel?
Was ist das tatsächliche Ziel?
Glaubst Du, dass es noch ein weiter Weg ist?
Bist Du mit den "Erfolgen" zufrieden?

Glaubst Du, dass Du erst etwas "werden" musst, was Du tatsächlich bist?
Liebe Grüße
Andreas


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