1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Es gibt kein eigenständiges Ich. Es gab auch nie eins.
2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Die Ich-Illusion war die Fehlannahme, dass hinter allen Erfahrungen eine eigenständige Instanz steht, die das Denken und damit das eigene Leben steuern kann. Sie entstand durch die antrainierte Trennung von Subjekt und Objekt (hier Ich, da die Welt). Diese Ich-Illusion lebt von Erinnerungen aus der Vergangenheit und Erwartungen für die Zukunft, die in Gedanken real erfahrbar scheinen. So entstet eine zeitlich lineare Gedankengeschichte, die für das Selbst gehalten wird.
3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.
Intensiv! Die ersten Tage fühlten sich sogar ein wenig an wie ein Traum. Alle Sinnesempfindungen waren deutlich intensiver, mein Leben schien nahezu ohne Gedanken und ohne jegliche Anstrengung auszukommen. Ich war eins mit jeder Situation.
Dieses Traumgefühl hat mittlerweile nachgelassen, doch mein Leben fühlt sich insgesamt sehr viel leichter und unmittelbarer an als vorher. Das sinnliche Erleben geht irgendwie tiefer. Und es gibt nichts zu steuern, nichts zu kontrollieren. Alles ist im Fluss ohne irgendjemandes Zutun. Auftauchende Gedanken werden als Gedanken wahrgenommen. Und selbst wenn dies mal etwas länger dauern sollte, ist da niemand der sich daran stören könnte. :-)
4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Es war eindeutig die Frage "Wo genau ist "Ich" im Sehen?" Ich hatte mir diese Frage immer wieder gestellt und dabei in den Garten geschauft. Und irgendwann veränderte sich plötzlich die Wahrnehmung von "Ich sehe" in "Sehen geschieht einfach".
Später gab es dann noch eine Situation, in der vermeintliche Zweifel bzw. Ängste auftauchten. Aber durch die gezielten Fragen von dir, Matthias, kam schnell die Erkenntnis zurück: es sind lediglich GEDANKEN die etwas über Zweifel und Angst erzählen! Und sie gehören niemandem.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden und geschehen sein können?
Es gibt keine Absicht, keinen freien Willen und keine Kontrolle! Alles geschieht einfach. Da ist kein Ich, dass die Verantwortung für irgendetwas tragen könnte. Wie kann es hier Beispiele geben? Es hätte NIE je etwas anders laufen können!
6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?
Danke für die Zeit, die du dir genommen hast, Matthias, du warst ein toller Begleiter!