Liebe Monika,
Das mit der spirituellen Literatur und Praktiken weglassen fällt mir schwer um ehrlich zu sein. Geht der Prozess an dieser Stelle also schon für mich los? Ich lese derzeit "suche nichts und finde alles" von Frank Kinslow. Ich meditiere jeden Tag formal auf dem Kissen (platt gesagt Achtsamkeitsmeditation) und mache die Gewahrseins- Übungen aus dem Buch. Soll ich damit auch aufhören? Es tut mir gut und führt mich immer wieder in die Gegenwart.
Gegen Achtsamkeitsmeditationen und Gewahrseinsübungen habe ich prinzipiell nichts, wenn dich das neben den Explorationen, die du von mir bekommst, nicht zu sehr stresst. Das Buch würde ich dich bitten, für die Zeit dieses Prozesses komplett wegzupacken, es wartet ganz sicher auf dich :))
Es macht einfach keinen Sinn, in zwei Prozessen gleichzeitig involviert zu sein oder dein Hirn mit neuen Konzepten zu füttern, während wir hier versuchen, Konzepte zu zerlegen, um zu schauen, was dahinter steckt. Auf das, was wir hier machen, solltest du dich voll und ganz einlassen können ...
1. Frei sein bedeutet für mich, mit allem was ist einverstanden zu sein. Auch mit meinem Widerstand gegen das, was ist. Ich möchte inneren Frieden erleben, unabhängig von dem, was um mich und in mir los ist. Ich will nicht mehr der Sklave meiner wechselnden Wünsche sein. Ich will im Jetzt leben, ganz wach sein. Freiheit fühlt sich körperlich weit, offen und freudig, leicht an.
Ich tue mich immer etwas schwer damit, hier mit den Erwartungen anderer umzugehen, da die Erfahrung letztlich bei jedem etwas ausfällt. Was ich dir allerdings ziemlich sicher sagen kann, ist, dass es auch nach dem Tor noch viele Situationen geben wird, in denen du möglicherweise nicht 100% achtsam und wach sein wirst. Es ist eben kein immerwährender neuer glücklicher Zustand, der erreicht wird, sondern ein Perspektivenwechsel, der vollzogen wird.
Das Leben behält sein volles Spektrum mit seinen Höhen und Tiefen, ... es ist die Sicht darauf, die sich verändert.
Wenn der Glaube an ein "Ich" verschwunden ist, können wir all das wahrnehmen und müssen es nicht mehr persönlich nehmen, ... und wir haben die Freiheit, darüber zu lachen :))
Jetzt, wo du sie niedergeschrieben hast, pack am besten deine Erwartungen beiseite. Je unvoreingenommener du an diesen Prozess rangehst, desto leichter wird es dir fallen.
Lass uns nun die Wahrnehmungskanäle schärfen:
Wo auch immer du jetzt gerade bist, schau dich einmal in Ruhe um. Kannst du sehen, wie Gedanken ganz automatisch alles zu benennen scheinen, was in unser Blickfeld gerät? Gegenstände, Farben, Formen, Materialien ... Ähnlich ist das mit Empfindungen und Geräuschen. Versuch mal, diese automatische Etikettier-Funktion zu verhindern. Geht das?
Die automatische Benennung ist eine sehr nützliche Funktion des Verstandes, die allerdings auch manchmal hinderlich sein kann.
Schau mal, ob zum Beispiel die Benennung eines Objektes, also, sagen wir z. B., der Begriff "Lampe" irgendwas mit dem Objekt an sich zu tun hat, auf das es verweist? Oder ist das Wort nur ein leeres Symbol? Mach das gleiche mal mit Farben, Formen. "Weiß" das Wort irgendetwas vom bezeichneten Objekt?
Stell dir vor, du wärst ein neugeborenes Baby, dass noch keine Sprache spricht, ... was würdest du dann im Raum wahrnehmen?
Ich bin gespannt :)