Wohin?

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Milkyway
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Re: Wohin?

Postby Milkyway » Wed Apr 19, 2017 9:05 pm

Irgendwie nicht. Da ist noch die Erwartung, dass irgendwas Großes passieren müsste, aber auch kein Glaube daran, dass diese Erwartung wahr ist.
Es hat sich auch etwas geändert. Bisher waren die Gedanken und damit die Erklärung der Welt in meinem Körper und die Welt da draußen. Jetzt ist da die Welt und die Gedanken. Die Gedanken beziehen sich nicht mehr auf mein früheres Ich. Es tauchen kaum Erinnerungen auf. Mein Inneres, was früher alles war, ist nicht mehr da und alles ist in der Welt aufgegangen. Kein Ich mehr, das von der Welt getrennt wäre. Einfach manchmal Gedanken, die sich auf mein altes/gewohntes Ich beziehen. Es tauchen noch Ich-Gedanken auf, deren Entlarvung durchaus länger dauern kann. Aber auch hier kein Glaube mehr daran, dass da irgendwas zu finden wäre. Auf mich macht es den Eindruck, als ob sie einfach immer leiser werden würden, weil die Entlarvung der Gedanken immer mehr passiert, sowie die Erinnerung an das Nicht-Ich oder wie auch immer man das bezeichnen könnte.

Immer, wenn die Aufmerksamkeit auf die Weite geht, taucht Entspannung auf. Es fällt mir auch schwer, in die Erinnerung an den heutigen Tag zu gehen, weil ich lieber hier sein möchte. Ich wollte das irgendwie mit dem vergleichen, wie es gestern war, aber das geht gerade nicht.

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Re: Wohin?

Postby Truthcounts » Fri Apr 21, 2017 7:49 pm

Da ist noch die Erwartung, dass irgendwas Großes passieren müsste, aber auch kein Glaube daran, dass diese Erwartung wahr ist. ... Es tauchen noch Ich-Gedanken auf, deren Entlarvung durchaus länger dauern kann. Aber auch hier kein Glaube mehr daran, dass da irgendwas zu finden wäre.
Es geht hier ja nicht darum einen Glauben durch einen anderen zu ersetzen, also den Glauben an ein Ich durch den Glauben, dass es kein Ich gibt. Es geht um die Realität der direkten Erfahrung - ist darin eine Spur von einem Jemand zu finden? Und was die Erwartung auf irgendetwas Großes angeht - ist das wirklich nur ein Gedanke oder eher ein Gefühl wie Sehnsucht? Und gibt es einen Erleider der Erwartung?
Auf mich macht es den Eindruck, als ob sie einfach immer leiser werden würden, weil die Entlarvung der Gedanken immer mehr passiert, sowie die Erinnerung an das Nicht-Ich oder wie auch immer man das bezeichnen könnte.
Wenn das Ich als Illusion erinnert wird, wird dann nicht nur ein Konzept von Ich durch eines von Nicht-Ich ersetzt? Wird nicht vielmehr immer wieder das Ich erinnert und dem auch immer wieder mal geglaubt? Gibt es Jemanden, der erinnert oder glaubt oder ist da nur Erinnern und Glauben ohne einen Erfahrenden?

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Re: Wohin?

Postby Milkyway » Fri Apr 21, 2017 9:39 pm

Es geht hier ja nicht darum einen Glauben durch einen anderen zu ersetzen, also den Glauben an ein Ich durch den Glauben, dass es kein Ich gibt. Es geht um die Realität der direkten Erfahrung - ist darin eine Spur von einem Jemand zu finden? Und was die Erwartung auf irgendetwas Großes angeht - ist das wirklich nur ein Gedanke oder eher ein Gefühl wie Sehnsucht? Und gibt es einen Erleider der Erwartung?
Ja stimmt das habe ich gar nicht gemerkt, dass ich den Glauben durch einen anderen ersetze.
Das, was direkt erfahren wird, beinhaltet kein Ich. Dennoch wird diese Erfahrung noch immer stark vom Gedankenfilter überstrahlt und in diesen Gedanken ist noch ein Ich. Es verliert immer mehr an Macht, die Realität kann direkter erfahren werden, in dem Sinne, dass der Gedankenfilter schwächer wird. Die Gedanken bewerten aber immer noch ständig.
Die Erwartung auf irgendwas Großes ist eine Mischung aus Gefühl und Gedanken. Da erscheinen Bilder und Vorstellungen, wie es aussehen müsste oder sich anfühlen. Und eine Sehnsucht, das zu erreichen. Ein Ich, das diesen Moment erleben soll. In sofern ist jemand dabei in dieser Erwartung, so etwas, wie ein Erfahrer. Jemand der, wenn er das Erwachen erfährt, denkt, achso, so ist das also, wenn es so weit ist.
Wenn das Ich als Illusion erinnert wird, wird dann nicht nur ein Konzept von Ich durch eines von Nicht-Ich ersetzt? Wird nicht vielmehr immer wieder das Ich erinnert und dem auch immer wieder mal geglaubt? Gibt es Jemanden, der erinnert oder glaubt oder ist da nur Erinnern und Glauben ohne einen Erfahrenden?
Ja, das Ich wird immer wieder geglaubt. Dann erscheint eine Erinnerung, dass es das Ich nicht gibt. Diese Erinnerung kommt meistens nicht von einem Ich oder Jemand, sondern erscheint einfach. Es passiert auch, dass sich das Ich selbst erinnert, dass es es eigentlich nicht gibt. Aber das viel weniger als am Anfang unseres Konversation der Fall. Jetzt passiert es öfter einfach.
Es wird schon das Konzept eines Ichs durch ein Nicht-Ich ersetzt. Dadurch erscheint aber auch alles direkter wahrnehmbar als zuvor.
Der Glaube an Jemanden ist noch da, aber wesentlich subtiler und nicht mehr so leicht zu erkennen. Er scheint ein Versteckspiel mit mir zu spielen. Ich fühle mich etwas ertappt bei dem Versuch, mich selbst an der Nase herumzuführen, ohne es zu merken.

Ich fahre morgen bis zum 29.4. in den Urlaub und weiß noch nicht, wie ich dazu komme, zu antworten. Ich will es trotzdem versuchen, aber bitte wundere Dich nicht, falls ich nicht dazu komme oder es etwas länger dauert.

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Re: Wohin?

Postby Truthcounts » Sat Apr 22, 2017 12:30 pm

Statt nach dem Objekt der Sehnsucht Ausschau zu halten, lass Dich in die Quelle der Sehnsucht fallen, oder anders ausgedrückt: übergib Dein Ich hingebungsvoll dem Gefühl, lass Dich widerstandlos von dem Gefühl erfassen und durchströmen. Was passiert dabei? Bleibt das Gefühl schwierig oder transformiert es sich. Lebt das Ich vielleicht sogar vom Widerstand gegen Gefühle?

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Re: Wohin?

Postby Milkyway » Sun Apr 23, 2017 8:20 pm

Das Gefühl wird sehr intensiv. Wenn kein Widerstand kommt, geht das Gefühl in Freude über, in der gebadet werden kann. Das klappt auch mit anderen Gefühlen, gelingt aber nicht immer. Der spezielle Teil des Ichs wird weniger. Der Erwartende wird schwieriger zu finden, bzw. ist eine zeitlang nicht mehr zu finden.

Je größer der Widerstand ist, desto deutlicher ist das Ich. Da ist ein sehr starker Zusammenhang erkennbar.

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Re: Wohin?

Postby Truthcounts » Mon Apr 24, 2017 12:52 pm

Gut, dann sammel noch weiter Erfahrung, den Gefühlen generell auf diese hingebungsvolle Weise zu begegnen, und berichte mir dann ...

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Re: Wohin?

Postby Milkyway » Sat Apr 29, 2017 11:12 pm

Es ist nicht immer einfach, wurde aber immer einfacher. Gerade in Situationen mit mehreren Menschen um mich herum, fiel es mir schwer, je ruhiger es war, desto besser ging es. Manchmal brauchte ich ein paar Minuten, um mich drauf einzulassen, gerade, wenn es ein unangenehmes intensives Gefühl war. Dabei musste erst eine längere Kette an Geschichten abgearbeitet werden, bis es ruhiger wurde, also Geschichten, die irgendwie mit meinem Leben und der Situation zu tun hatten. Dabei wurde die aktuelle Situation mit meiner Lebensgeschichte verbunden. Erst, wenn das Gefühl zugelassen werden konnte, wurden die Geschichten ruhiger.

Zwischendurch war es auch ein sehr angenehmer Fluss. Gefühle kamen und gingen. Dabei hatten die Gefühle keinen Namen mehr und schienen unpersönlich, es waren nicht mehr meine Gefühle, sondern nur noch Gefühle, die recht unaufgeregt kamen und gingen.

Insgesamt wurden die Geschichten viel weniger. Situationen, in denen bisher sehr lange Geschichten aufkamen, gingen recht still vorüber, ohne großes Aufsehen.

Mir fiel auch noch auf, dass es auch schwer sein kann, angenehmen Gefühlen vollkommen zu begegnen, gerade in Gesellschaft anderer Personen.

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Re: Wohin?

Postby Truthcounts » Sun Apr 30, 2017 10:07 am

Schön, Du siehst, wie stark die Ich-Illusion mit dem Versuch eines Gefühlsmanagements verbunden ist.
Dabei musste erst eine längere Kette an Geschichten abgearbeitet werden, bis es ruhiger wurde, also Geschichten, die irgendwie mit meinem Leben und der Situation zu tun hatten. Dabei wurde die aktuelle Situation mit meiner Lebensgeschichte verbunden. Erst, wenn das Gefühl zugelassen werden konnte, wurden die Geschichten ruhiger.
Was meinst Du genauer mit Abarbeiten von Geschichten, wenn die Geschichten schon durch Erlauben des Gefühls ruhiger werden? Sind die Geschichten Auslöser des Widerstands gegen die Gefühle oder Ausdruck dieses Widerstands oder Folge dieses Widerstands? Welche Bedeutung hat der Inhalt der Geschichten - sind sie noch interessant, wenn das Gefühl dazu vollständig da sein darf? Kann das Gefühl über eine Wendung der Geschichte nachhaltig gemanaged werden? Macht es Sinn, das Leben an der Vermeidung von Situationen auszurichten, die mit schwierigen Gefühlen einhergehen?
Es ist nicht immer einfach, wurde aber immer einfacher. Gerade in Situationen mit mehreren Menschen um mich herum, fiel es mir schwer, je ruhiger es war, desto besser ging es. Manchmal brauchte ich ein paar Minuten, um mich drauf einzulassen, gerade, wenn es ein unangenehmes intensives Gefühl war.
Ja, das Ausfühlen ist Trainingssache, genau wie die direkte Erfahrung, es ist eigentlich ein Teilaspekt der direkten Erfahrung und einfacher zu praktizieren. Gib Dich aufsteigenden Gefühlen hin und lass Dich in sie hineinfallen, selbst in den Widerstand, und lass Dich ganz vom Gefühl erfassen, so dass nur noch Gefühl und kein Ich mehr da ist: das ist weniger anfällig, mental zu werden, als die Frage, ob sich in direkter Erfahrung ein Ich findet. Liegt eine geringe Toleranzschwelle für Gefühlsintensität vor (z. B. durch Traumatisierung schon überreiztes Nervensystem), dann kann das Entlarven des Ich als illusorisch mittels direct pointing diese Toleranzschwelle anheben (da es niemand Wirklichen mehr zu verteidigen gibt) und das Ausfühlen überhaupt erst möglich machen. Hat man dagegen schon eine gesunde Toleranzschwelle für Gefühlsintensität, dann kann umgekehrt das Ausfühlen den Weg zum Durchschauen der Ich-Illusion öffnen. Mir scheint, dass Du jetzt in der Lage bist, intensive Gefühle auszufühlen, auch wenn das erst noch günstige Umstände braucht. Bleib also einfach am Ausfühlen dran und lass Dir dabei ganz von selbst den illusionären Charakter des Ich bestätigen.
Mir fiel auch noch auf, dass es auch schwer sein kann, angenehmen Gefühlen vollkommen zu begegnen, gerade in Gesellschaft anderer Personen.
Genau, wer unangenehme Gefühle nicht ganz da sein lassen kann, kann Gefühle insgesamt nicht ganz da sein lassen. Die Vermeidung der Tiefs hat den Preis, dass auch die Hochs ausgebremst werden. Und anfangs brauchts noch mehr günstige Umstände, was mit zunehmender Gewohnheit auch immer leichter in Gegenwart anderer wird.

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Re: Wohin?

Postby Milkyway » Mon May 01, 2017 10:56 pm

Schön, Du siehst, wie stark die Ich-Illusion mit dem Versuch eines Gefühlsmanagements verbunden ist.
Ich versuche gerade, aus den Gefühlen heraus zu schreiben, aber es gelingt mir nicht, weil ich dann einfach die Gefühle passieren lasse, aber überhaupt kein Impuls zu schreiben kommt. Um eine Antwort zu schreiben, muss ich in den Verstand gehen, dann kann ich aber nicht mehr die Gefühle so zulassen und befinde mich schnell wieder in den Geschichten.
Es ist eher so, dass ich fühle und dann hinterher versuche, zu beschreiben, wie es war, bzw. was ich damit anfangen kann.

Ich denke, ich verbringe wirklich zu viel Zeit mit dem Verstand und damit, mich immer mit allen Gedanken auseinanderzusetzen. Die Gefühle bringen mich sofort in die Gegenwart, in die Realität. Aber sobald ich darüber nachdenke, wie ich das am Besten beschreibe, bin ich wieder voll im Verstand gefangen und vollkommen abhängig von all den Geschichten.
Was meinst Du genauer mit Abarbeiten von Geschichten, wenn die Geschichten schon durch Erlauben des Gefühls ruhiger werden?
Bevor es ruhiger wird, wird es erst intensiver. Das passiert so: Ich entscheide, ein Gefühl zuzulassen. Es wird sehr intensiv an der Körperstelle, an der es sich befindet. Gleichtzeitig tauchen Geschichten auf. Bei normalen Gefühlen wird es dann gleich ruhiger und das Gefühl verblasst. Bei sehr intensiven Gefühlen, kann ich es dann erstmal nicht weiter zulassen. Dabei werde ich mir den zahlreichen Geschichten, die der Verstand mit dem Gefühl verbindet bewusst. Wenn ich dies ein paar Mal mache, werden die Geschichten auch ruhiger und das Gefühl verblasst. Aber bei sehr intensiven Gefühlen brauche ich absolute Ruhe und einige Minuten dafür.
Sind die Geschichten Auslöser des Widerstands gegen die Gefühle oder Ausdruck dieses Widerstands oder Folge dieses Widerstands? Welche Bedeutung hat der Inhalt der Geschichten - sind sie noch interessant, wenn das Gefühl dazu vollständig da sein darf?
Die Geschichten sind der Versuch, eine Lösung zu finden. Der Widerstand ist dabei eine Reaktion auf die Geschichten. Die Angst, dass die Geschichten nicht aufhören, verursacht den Widerstand. Der Widerstand ruft aber auch Geschichten hervor, denn es wird versucht, eine Geschichte zu finden, die alle Geschichten beendet. Ein Teufelskreis. Ich glaube, die einzige Möglichkeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist das Ausfühlen, sich auf das Gefühl total einzulassen, dann sind die Geschichten nicht mehr nötig. Es gibt zwar durchaus noch einige Situationen, in denen mir das Fühlen schwer fällt, aber es ist noch nicht passiert, dass irgendeine Geschichte mich gerettet hätte. Eher andersrum: das Ausfühlen hat unangenehme Situation sehr harmlos werden lassen. Insofern sind die Geschichten nicht wichtig und dann auch nicht mehr interessant.
Interessant sind sie für mich noch dann, wenn ich aus Gewohnheit den Geschichten verfalle und nicht daran denke, mich dem Gefühl hinzugeben.
Kann das Gefühl über eine Wendung der Geschichte nachhaltig gemanaged werden?
Geschichten verändern das Gefühl, aber meist nicht im positiven Sinn. Und wenn es klappt, dann nur kurzfristig. Denn schnell wird ein Haken an der Geschichte entdeckt und dann wird eine neue Geschichte notwendig. Ist ja aber auch nicht notwendig, ein Gefühl zu managen. Die einzige wirkliche "Managemöglichkeit" ist das Ausfühlen.
Auch für Alltagsentscheidungen sind die Geschichten nicht wirklich wichtig, denn die Entscheidungen werden auch so getroffen und eher besser als mit den Geschichten.
Macht es Sinn, das Leben an der Vermeidung von Situationen auszurichten, die mit schwierigen Gefühlen einhergehen?
Teilweise ja. Das Leben sollte so ausgerichtet sein, dass es genug Situationen gibt, die Ruhe zum Ausfühlen zu finden, die nötig ist. Wenn man die Möglichkeit hat, sollten auch zu schwierige Gefühle verhindert werden, die dann nicht mehr ausgefühlt werden können. Man braucht sich nicht allem auszusetzen, dann ist man sehr viel mit Aufräumen beschäftigt. Wenn man beispielsweise eine Arbeit mit blöden Kollegen hat und dann noch etwas tut, das man moralisch nicht vertreten kann, baut man mehr auf, als man bewältigen oder abbauen kann. Eine Anpassung ist dann sicher sinnvoll.
Oft reicht es aber, das Gefühl zuzulassen, anstatt sich in Ablenkungen zu flüchten. Damit ist schon sehr viel gewonnen.
Grundsätzlich ist es aber gar nicht möglich, schwierige Gefühle total zu verhindern, deshalb sollte man eine Möglichkeit finden, mit ihnen umzugehen. Wenn man die hat, gibt es in dem Maße ja gar keine Situationen mehr, die Gefühlsmäßig unbewältigbar sind.
lass Dich ganz vom Gefühl erfassen, so dass nur noch Gefühl und kein Ich mehr da ist: das ist weniger anfällig, mental zu werden, als die Frage, ob sich in direkter Erfahrung ein Ich findet.
Ja, definitiv. Das hilft mir sehr weiter. Das ist auch ein bisschen das Problem, dass ich als Erstes in diesem Beitrag angesprochen habe.
Liegt eine geringe Toleranzschwelle für Gefühlsintensität vor (z. B. durch Traumatisierung schon überreiztes Nervensystem), dann kann das Entlarven des Ich als illusorisch mittels direct pointing diese Toleranzschwelle anheben (da es niemand Wirklichen mehr zu verteidigen gibt)
Daran haben wir schon sehr viel erfolgreich gearbeitet. Ich erlebe immer wieder Situation, wo ich verwundert bemerke, dass es in Situationen, in denen ich früher sehr viele Kämpfe ausgetragen habe, gar nichts zu verteidigen gibt. Das ist sehr erleichternd.
Bleib also einfach am Ausfühlen dran und lass Dir dabei ganz von selbst den illusionären Charakter des Ich bestätigen.
Klingt für mich so, als ob es klappen könnte :).
Dieser Ansatz mit dem Ausfühlen entspannt mich und gibt mir das Gefühl, wirklich viel von dem zu erleichtern, an dem wir uns in den letzten Wochen ein bisschen die Zähne ausgebissen haben.

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Re: Wohin?

Postby Truthcounts » Wed May 03, 2017 7:06 am

Ich versuche gerade, aus den Gefühlen heraus zu schreiben, aber es gelingt mir nicht, weil ich dann einfach die Gefühle passieren lasse, aber überhaupt kein Impuls zu schreiben kommt. Um eine Antwort zu schreiben, muss ich in den Verstand gehen, dann kann ich aber nicht mehr die Gefühle so zulassen und befinde mich schnell wieder in den Geschichten.
Damit beschreibst Du ja, wie Ich-Geschichten Gefühle beeinträchtigen, also die Idee eines Ich mit Gefühlsmanagement einhergeht.
Es ist eher so, dass ich fühle und dann hinterher versuche, zu beschreiben, wie es war, bzw. was ich damit anfangen kann.
Das beschreibt einen Wechsel zwischen direkter Erfahrung und anschließender Auswertung innerhalb gedanklicher Modelle, also den Versuch, die direkte Erfahrung für Deine Fantasie nützlich zu machen. Wäre es nicht passender, dass der Verstand die direkte Erfahrung unterstützt und nicht umgekehrt? Willst Du in der Fantasie oder der Realität leben? Wo bist Du sicherer? Kann in der Realität überhaupt ein Jemand dingfest gemacht werden, der Sicherheit bräuchte?
Bei sehr intensiven Gefühlen, kann ich es dann erstmal nicht weiter zulassen. Dabei werde ich mir den zahlreichen Geschichten, die der Verstand mit dem Gefühl verbindet bewusst.


Du siehst, wie Geschichten benutzt werden, um das Gefühl zu vermeiden.
Wenn ich dies ein paar Mal mache, werden die Geschichten auch ruhiger und das Gefühl verblasst.
Das kann man auch somatisches Ausfühlen nennen - immer wieder das Gefühl erlauben und so häppchenweise ausfühlen, wenn es einen ansonsten überwältigen würde. Gut!
Die Geschichten sind der Versuch, eine Lösung zu finden. Der Widerstand ist dabei eine Reaktion auf die Geschichten. Die Angst, dass die Geschichten nicht aufhören, verursacht den Widerstand. Der Widerstand ruft aber auch Geschichten hervor, denn es wird versucht, eine Geschichte zu finden, die alle Geschichten beendet. Ein Teufelskreis.
Ist der Versuch, eine Lösung zu finden, nicht schon Ausdruck des Widerstands gegen das Gefühl - was sollte ansonsten gelöst werden? Und zielt der Widerstand auf die Geschichten oder soll eigentlich das Gefühl aufhören?
Die einzige wirkliche "Managemöglichkeit" ist das Ausfühlen.
Du hast es ja schon in Anführungsstriche gestellt. Die Gefühle kommen und gehen dabei ja wie sie wollen.
Das Leben sollte so ausgerichtet sein, dass es genug Situationen gibt, die Ruhe zum Ausfühlen zu finden, die nötig ist.


Können Geschichten das Ausfühlen noch behindern, wenn ihnen nicht geglaubt wird? Kann der Hauptdarsteller der Geschichten in der Realität dingfest gemacht werden? Gibt es im Ausfühlen noch ein Ich? Setzt hinterher eins ein, das sich die Erfahrung zu eigen macht? Existiert das wirklich?

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Re: Wohin?

Postby Milkyway » Thu May 04, 2017 12:38 am

Damit beschreibst Du ja, wie Ich-Geschichten Gefühle beeinträchtigen, also die Idee eines Ich mit Gefühlsmanagement einhergeht.
Hmmm, so ganz klar ist es mir noch nicht. Deine nächsten Fragen haben aber viel Klarheit gebracht. Also mache ich so weiter: Gefühle passieren lassen und abwarten, ob das Schreiben dann kommt. So dauert es zwar echt lange, die Antwort zu schreiben, aber es ist die wahrste Version, die gerade zur Verfügung steht.
Das beschreibt einen Wechsel zwischen direkter Erfahrung und anschließender Auswertung innerhalb gedanklicher Modelle, also den Versuch, die direkte Erfahrung für Deine Fantasie nützlich zu machen. Wäre es nicht passender, dass der Verstand die direkte Erfahrung unterstützt und nicht umgekehrt? Willst Du in der Fantasie oder der Realität leben? Wo bist Du sicherer? Kann in der Realität überhaupt ein Jemand dingfest gemacht werden, der Sicherheit bräuchte?
Ja, natürlich. Sonst verdeckt der Verstand die direkte Erfahrung total, Realität und Ideen werden miteinander verwechselt und die Wirklichkeit nicht mehr erlebt. Klingt nicht so toll und es ist sehr schade, wenn das passiert. Ein Leben in der Fantasie kann gar nicht schön sein, weil es nicht wirklich ist. Realität klingt sehr hart, macht auch ein bisschen Angst, aber es gibt eh keinen Weg, in der man ihr wirklich entfliehen kann.
Sicherer bin ich aber in der Fantasie, in der gibt es mich wenigstens... Fühlt sich so an, als wäre da nur Realität und keine Sicherheit und damit auch niemand, der sicher sein könnte... Da kann auch gar nichts dingfest gemacht werden, also auch kein Jemand, kein Gabriel oder Ich. Es ist das, was es ist, ohne Geschichten, ohne Benennungen. Da sind Gefühle auch keine Gefühle mehr, sondern einfach Schwingungen oder so. Kleine Energien, die sich bewegen, auftauchen, wegschwimmen... Oh, auch "meine" Aufmerksamkeit ist einfach etwas, das sich bewegt, mal auf den Geräuschen, mal auf den Gefühlen oder den Gedanken liegt fällt mir gerade auf.

Ich kann auch gar nicht in die Gefühle gehen. Entweder ich oder Gefühle. Entweder Geschichten oder Gefühle.
Du siehst, wie Geschichten benutzt werden, um das Gefühl zu vermeiden.
Ich wollte es Dir erst nicht so richtig glauben, und auf die Gewohnheit schieben. Aber dann kam ein unangenehmes Gefühl und ich habe mir minutenlang irgendwelche Geschichten und Ablenkungen ausgedacht. Erst als die Frage auftauchte: 'Warum sollte ich das denn fühlen?' merkte ich, wie recht Du hast.
Ist der Versuch, eine Lösung zu finden, nicht schon Ausdruck des Widerstands gegen das Gefühl - was sollte ansonsten gelöst werden? Und zielt der Widerstand auf die Geschichten oder soll eigentlich das Gefühl aufhören?
Ja, es zielt nur auf die Gefühle ab. Die Geschichten versuchen Gefühle zu verhindern. Der Widerstand gegen die Gefühle ist der Auslöser für die Geschichten. Der Widerstand ist die Ursache des Ichs. Da herum wird das gesamte Ich gebildet.
Du hast es ja schon in Anführungsstriche gestellt. Die Gefühle kommen und gehen dabei ja wie sie wollen.
Ja, das kann unangenehm werden. Ist aber im Endeffekt entspannend. Endlich nichts mehr managen müssen.
Das Leben sollte so ausgerichtet sein, dass es genug Situationen gibt, die Ruhe zum Ausfühlen zu finden, die nötig ist.
Können Geschichten das Ausfühlen noch behindern, wenn ihnen nicht geglaubt wird? Kann der Hauptdarsteller der Geschichten in der Realität dingfest gemacht werden? Gibt es im Ausfühlen noch ein Ich? Setzt hinterher eins ein, das sich die Erfahrung zu eigen macht? Existiert das wirklich?
Ich denke immer noch, dass die Geschichten und die Gefühle in Wirklichkeit etwas miteinander zu tun hätten. Dadurch verfalle ich auch beim Ausfühlen doch immer wieder in die Geschichten. Und in den vielen Situationen, in denen ich auch gar nicht an das Ausfühlen denke, beschäftigen mich die Geschichten sehr viel. Wenn ich ihnen nicht mehr glaube, dann passieren einfach die Gefühle, unabhängig von den Geschichten. So ist es ja auch schon immer öfter beim Ausfühlen.
An dieser Stelle, bei diesen Fragen taucht auch viel Angst auf. Komisch, die Geschichten haben mir immer Sicherheit gegeben. Und in dieser Angst ist auf einmal wieder klar ein Hauptdarsteller zu finden. Da taucht Erleichterung auf, weil das ja auch wieder nur eine Geschichte ist, die für nichts auf der Welt, und am wenigstens für die Realität gebraucht wird, noch in ihr existiert. Aber das ist ja auch wieder nur eine Geschichte. Alles nur Gedankenspiele, an die ich mal weniger, mal mehr glaube - und jetzt in der Angst, mal wieder mehr. Wow, diese Angst ist wirklich schwer auszufühlen, ich schaffe es gerade leider nicht.
So, jetzt ein paar Minuten später kommt schon Vorfreude auf die Ich-freie Zeit :). Es kamen auch wenige Geschichten, als das Gefühl am Stärksten wurde, die Angst war halt echt intensiv. Bin ich froh, dass ich da durch bin...

Es gibt noch etwas, was mich immer an "mich" glauben zu lassen: Die direkte Erfahrung ist doch abhängig von dem Körper hier. Wenn er stirbt und nicht mehr da ist, hört diese direkte Erfahrung ja auch auf. Das löst schon sehr konkrete Ängste bei mir aus und mir fällt es schwer, diesen Zusammenhang nicht als "ich" zu bezeichnen. Ich sterbe eines Tages - da ist schon die konkrete Vorstellung dabei, dass irgendwann die Erfahrung der Wirklichkeit aufhört. Und ist schon schade.

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Re: Wohin?

Postby Truthcounts » Thu May 04, 2017 8:19 pm

Wow, diese Angst ist wirklich schwer auszufühlen, ich schaffe es gerade leider nicht.
In einer solchen Situation gibt es auch praktische Hilfen. Setz Dich bequem hin, wo Du Dich ungestört und sicher fühlst. Lass den Mund geöffnet und atme durch den Mund, lass den Kiefer locker hängen, erlaub Dir seufzende Geräusche während der Atem von selbst nach draussen fällt (nicht künstlich in die Länge ziehen). Möglicherweise fällst Du so in die Tiefe, dass richtige Todesangst aufkommt und der Atem flach wird, aber wenn der Körper entspannt bleibt, brauchst Du auch kaum zu atmen. Gib Dich einfach hin und überlass die Dinge ihrem Lauf.
Die direkte Erfahrung ist doch abhängig von dem Körper hier. Wenn er stirbt und nicht mehr da ist, hört diese direkte Erfahrung ja auch auf. Das löst schon sehr konkrete Ängste bei mir aus und mir fällt es schwer, diesen Zusammenhang nicht als "ich" zu bezeichnen.


Jede Nacht im Tiefschlaf hört die direkte Erfahrung auf - macht Dir das etwa auch Angst. Ist da Jemand im Tiefschlaf, den es kümmert, oder nur vorher oder hinterher Gedanken über einen Zustand, in dem es ein Ich nicht einmal in eingebildeter Form gibt?
Ich sterbe eines Tages - da ist schon die konkrete Vorstellung dabei, dass irgendwann die Erfahrung der Wirklichkeit aufhört. Und ist schon schade.
Ja, das Ich hoffentlich schon vor dem Körper.

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Re: Wohin?

Postby Milkyway » Fri May 05, 2017 10:03 am

In einer solchen Situation gibt es auch praktische Hilfen. Setz Dich bequem hin, wo Du Dich ungestört und sicher fühlst. Lass den Mund geöffnet und atme durch den Mund, lass den Kiefer locker hängen, erlaub Dir seufzende Geräusche während der Atem von selbst nach draussen fällt (nicht künstlich in die Länge ziehen). Möglicherweise fällst Du so in die Tiefe, dass richtige Todesangst aufkommt und der Atem flach wird, aber wenn der Körper entspannt bleibt, brauchst Du auch kaum zu atmen. Gib Dich einfach hin und überlass die Dinge ihrem Lauf.
Habe es jetzt ein paar Mal gemacht. Zuerst hat sich mein Bauch immer stark zusammengezogen und ich habe ein paar Sekunden gar nicht geatmet, weil der Bauch verkrampft war. Jetzt habe ich gemerkt, wir wichtig es ist, weiterzuatmen. Der Bauch zieht sich zwar zusammen, aber die Atmung geht weiter. Erst dadurch kann ich richtig durch das Gefühl durchgehen. Sehr gut.

Auch, wenn sich mein Bauch jetzt etwas angestrengt anfühlt, bin ich etwas erleichtert. Das werde ich einfach versuchen, regelmäßig zu machen.

Dann versuche ich nochmal Deine Fragen zu beantworten, die ich mir vor Angst gar nicht richtig anschauen konnte.
Können Geschichten das Ausfühlen noch behindern, wenn ihnen nicht geglaubt wird? Kann der Hauptdarsteller der Geschichten in der Realität dingfest gemacht werden? Gibt es im Ausfühlen noch ein Ich? Setzt hinterher eins ein, das sich die Erfahrung zu eigen macht? Existiert das wirklich?
Wenn den Geschichten nicht mehr geglaubt wird, tauchen sie ja auch nicht mehr so auf. Beim Angst-Ausfühlen gerade, waren teilweise gar keine Geschichten mehr da, die da irgendwas hätten behindern können. Da war nur noch eine körperliche Reaktion darauf. Wenn es möglich ist, sich der körperlichen Reaktion vollkommen hinzugeben, dann ist da auch kein Ich mehr. Das gelingt mir mittlerweile teilweise. Hinterher setzt dann ein Ich ein, das versucht, die Erfahrung einzuordnen und Dir davon zu berichten.
Ich schaue mal nach, ob das Ich wirklich existiert: Es ist natürlich nur in den Geschichten. Es scheint momentan einfach noch so zu sein, dass das Ich nötig ist, um mich vor zu krassen körperlichen Reaktion zu bewahren (Zwischendurch waren da auch noch weitere starke Reaktionen, die ich lieber nicht berichten möchte). Einfach ein Schutzmechanismus. An die Geschichten wird noch geglaubt, weil sie mich (also meinen Körper) davor bewahren in bestimmten Situationen äußerst unangenehme körperliche Reaktionen zu haben. Die wären dann in der Situation auch unangemessen und ich könnte gar nicht mehr reagieren.
Interessant, wie wichtig dieser Schutzmechanismus noch für mich ist. Wenn ausgefühlt werden kann, ohne diese krasse körperliche Reaktionen, dann kann jede Situation auch voll erlebt werden und ein Ich ist nicht mehr nötig.

Schön, jetzt, da ich etwas intensive Angst ausgefühlt habe, kann ich das mit dem Schutzmechanismus viel klarer erkennen.
Jede Nacht im Tiefschlaf hört die direkte Erfahrung auf - macht Dir das etwa auch Angst. Ist da Jemand im Tiefschlaf, den es kümmert, oder nur vorher oder hinterher Gedanken über einen Zustand, in dem es ein Ich nicht einmal in eingebildeter Form gibt?
Bisher hat es mir keine Angst gemacht. Nun, da da auch die Verbindung zum Tod klar wird, macht es mir schon Angst. Aber heute Nacht beispielsweise war der Schlaf sehr erholsam. Da ist ja niemand da. Beim Aufwachen kommen dann schnell Gedanken darüber, was so zu tun ist, ob ich gut geschlafen habe. Aber ja, im Moment des Schlafens ist da überhaupt nichts.

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Re: Wohin?

Postby Truthcounts » Fri May 05, 2017 11:51 am

Es scheint momentan einfach noch so zu sein, dass das Ich nötig ist, um mich vor zu krassen körperlichen Reaktion zu bewahren (Zwischendurch waren da auch noch weitere starke Reaktionen, die ich lieber nicht berichten möchte). Einfach ein Schutzmechanismus. An die Geschichten wird noch geglaubt, weil sie mich (also meinen Körper) davor bewahren in bestimmten Situationen äußerst unangenehme körperliche Reaktionen zu haben. Die wären dann in der Situation auch unangemessen und ich könnte gar nicht mehr reagieren.
Gut, dass Du die Mechanismen durchschaust. Arbeite Dich da einfach schrittweise vor, Dich immer intensiver Gefühlen hingeben zu können.

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Re: Wohin?

Postby Milkyway » Fri May 05, 2017 9:08 pm

OK, gerne. Ich berichte dann einfach in ein paar Tagen oder melde mich zwischendurch, wenn es was gibt. Ist das in Deinem Sinne?


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