Auf dem Weg mit Vergnügen ein Niemand zu sein

User avatar
pregunta
Posts: 452
Joined: Thu Aug 30, 2012 12:06 pm

Re: Auf dem Weg mit Vergnügen ein Niemand zu sein

Postby pregunta » Thu Apr 20, 2017 8:39 pm

Lieber Phänotyp,
Deine Frage impliziert, dass ich das nur glaube - das ist wahrscheinlich so, allerdings sieht es für mich auch noch so aus, als gäbe es die Trennlinie... ;-) Hast du dazu noch eine Seh-Übung für mich?
Leg deine Hand auf den Tisch und nimm das Bild, was du nun siehst, so war, als wenn du ein Maler währst, der das Stilleben auf seiner Leinwand festhalten möchte. Schaue solange drauf, bis es so erscheint, als wenn die Hand ein Teil des Hintergrundes wäre.

Konzentrier dich nun auf die Farben, die Schattierungen, die du siehst. kannst du wirklich mehr als verschiedene Farben sehen? Ist es wirklich plastisch, was du siehst, ist die Farbe des Tisches tatsächlich UNTERHALB der Farbe der Platte oder trägt der Verstand beim 3D-Sehen wieder seinen Teil bei?

Zwischen Hand und Tischplatte wirst du einen Farbwechsel warnehmen. Das ist wahrscheinlich die Linie, die du als Trennung wahrnimmst. Aber deutet der Wechsel der Farbe wirklich auf eine Trennung hin? Auch innerhalb der Wahrnehmung von Hand gibt es doch auch Farbwechsel, wenn auch subtiler.

Nimmst du eine Hand als selbständiges Objekt wahr, jenseits der Farben? Eine physische Hand in oder hinter den Farben?

Kannst du eine objektiv vorhandene Hand wahrnehmen? Kannst du sogar wirklich wissen, dass da eine tatsächliche Hand ist, außerhalb der visuellen Erfahrung? Also, .... wenn du die Augen schließt, kannst du aus der direkten Erfahrung heraus wissen, dass Hand da ist? Oder ist das nur ein Gedanke? Eine Vermutung? Eine erlernte Überzeugung?
An Ostern mit der family konnte ich wunderbar beobachten, wie wir alle in unseren Mustern festhängen, und wie ich selbst, obwohl ich echt aufgepasst habe, völlig impulsgesteuert reagiere. Es fällt mir allerdings immer noch schwer zu sagen "da ist niemand"-- für mich sind da schon individuelle Persönlichkeiten, die eben aufgrund ihrer Konditionierungen reagieren.
Das Schauspiel Leben ist halt sehr überzeugend, wie ein guter Film, der einen immer wieder in seinen Bann zieht. Allerdings kannst du dir in deinem Kinosessel immer mal wieder darüber bewusst werden, dass da eigentlich nur bunte Lichter auf der Leinwand sind.
Was mir in den letzten Tagen aufgefallen ist, ist das plötzliche Auftauchen von Gefühlen, ich dachte immer, die Gefühle sind stark an die Gedanken gekoppelt, bzw. die Folge von Gedanken, in den letzten Tagen war es aber umgekehrt, ich spürte ganz häufig z.B. eine Traurigkeit, ohne dass es einen äußeren Anlass oder negative Gedanken zuvor gegeben hätte. Ich konnte diese Traurigkeit einfach bemerken und da sein lassen - das fand ich interessant.
Gefühle, die wir heute wahrnehmen, stammen häufig aus unserer Vergangenheit und kommen hoch, weil sie damals verdrängt wurden. Toll, dass du die Traurigkeit einfach da sein lassen konntest ...

Liebe Grüße!

User avatar
Phänotyp
Posts: 34
Joined: Sun Mar 12, 2017 12:48 pm

Re: Auf dem Weg mit Vergnügen ein Niemand zu sein

Postby Phänotyp » Fri Apr 21, 2017 12:11 pm

Liebe Karin
Leg deine Hand auf den Tisch und nimm das Bild, was du nun siehst, so war, als wenn du ein Maler währst, der das Stilleben auf seiner Leinwand festhalten möchte. Schaue solange drauf, bis es so erscheint, als wenn die Hand ein Teil des Hintergrundes wäre.

Konzentrier dich nun auf die Farben, die Schattierungen, die du siehst. kannst du wirklich mehr als verschiedene Farben sehen? Ist es wirklich plastisch, was du siehst, ist die Farbe des Tisches tatsächlich UNTERHALB der Farbe der Platte oder trägt der Verstand beim 3D-Sehen wieder seinen Teil bei?
Ja, die Dreidimensionalität verschwindet beim Sehen, außerdem wird die Hand wird fremd, sie gehört nicht mehr zu "mir" . Es erinnert mich an ein Spiel, das wir als Kinder immer gespielt haben, wir sagten ein Wort so lange - meinetwegen "Blutwurst" , bis wir den Lauten keine Bedeutung mehr zuordnen konnten.
Nimmst du eine Hand als selbständiges Objekt wahr, jenseits der Farben? Eine physische Hand in oder hinter den Farben?
"Hand" ist ein Gedanke, eine Etikettierung, ohne Gedanke ist da nur Farbe, bzw. Unterschiede in der Helligkeit.
Also, .... wenn du die Augen schließt, kannst du aus der direkten Erfahrung heraus wissen, dass Hand da ist? Oder ist das nur ein Gedanke? Eine Vermutung? Eine erlernte Überzeugung?
Nein, aus der direkten Erfahrung kann ich nicht wissen, dass da eine Hand ist. Ich spüre Temperaturunterschiede.

Liebe Grüße

User avatar
pregunta
Posts: 452
Joined: Thu Aug 30, 2012 12:06 pm

Re: Auf dem Weg mit Vergnügen ein Niemand zu sein

Postby pregunta » Fri Apr 21, 2017 6:32 pm

Schön geschaut, Phänotyp :))

Und, ... kannst du dabei einen Seher finden, der all das wahrnimmt?
Es scheint so, aber auch das ist ja wieder nur ein Gedanke, eine Bewertung der Wahrnehmung, dennoch fühlt es sich zunehmend so an, es ist, als sei ich in einem Theaterstück Schauspieler und Zuschauer zugleich -nur dummerweise nicht auch Regisseur hehe ;-)
Lass nochmal genauer auf das Thema Kontrolle eingehen. Hast du in irgendeiner Weise das Gefühl, dass da möglicherweise eine Angst da ist, durch das vollständige Durchschauen der Ich-Illusion die Kontrolle zu verlieren.
Dass die Angst vor der Freiheit möglicherweise größer ist als die Sehnsucht nach der Freiheit?

Wenn dem so ist, sollten wir darauf nochmal genauer eingehen.

Liebe Grüße!

User avatar
Phänotyp
Posts: 34
Joined: Sun Mar 12, 2017 12:48 pm

Re: Auf dem Weg mit Vergnügen ein Niemand zu sein

Postby Phänotyp » Sat Apr 22, 2017 9:36 pm

Liebe Karin,
Hast du in irgendeiner Weise das Gefühl, dass da möglicherweise eine Angst da ist, durch das vollständige Durchschauen der Ich-Illusion die Kontrolle zu verlieren.
Ja, das könnte sein - immerhin ist der Verlust des Ichs in der Psychiatrie eine ernst zu nehmende Störung ;-))

Was sicherlich auch hinderlich ist, sind die ganzen Geschichten, die ich gelesen habe - z.B. dass man bereit sein muss, Alles zu verlieren, um zu erwachen. Mich beschäftigt das Thema nun seit fast 2 Jahren, seit ich "jetzt" gelesen hatte und das erste mal ein spirituelles Buch in den Händen hielt, immer wieder, und selbst wenn ich beschlossen hatte, ich kümmere mich nicht mehr darum, war ich plötzlich doch wieder dabei - es lässt mich nicht los.

Momentan ist es für mich so, dass da zwei Phänotypen sind, der eine funktioniert, geht einkaufen, spricht mit den Freunden, kocht Spargel, diskutiert über Politik etcpp. Der andere Phänotyp ist da und weiß, dass es völlig sinnlos ist, über Politik zu reden, weil geschehen wird, was geschehen soll,weiß, dass alles völlig unabhängig vom "Wollen" geschieht. Da sind Impulse, denen gefolgt wird, oder eben nicht, was geschieht, darauf hat der erste Phonotyp keinen Einfluss. Der andere Phänotyp schaut einfach gelassen zu.

Ich habe in der nächsten Zeit viel zu tun, und ich weiß nicht, ob ich egelmäßig antworten kann - dies nur zur Info.

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir,
liebe Grüße

User avatar
pregunta
Posts: 452
Joined: Thu Aug 30, 2012 12:06 pm

Re: Auf dem Weg mit Vergnügen ein Niemand zu sein

Postby pregunta » Sun Apr 23, 2017 9:03 am

Lieber Phänotyp,
Was sicherlich auch hinderlich ist, sind die ganzen Geschichten, die ich gelesen habe - z.B. dass man bereit sein muss, Alles zu verlieren, um zu erwachen.
Gibt es denn tatsächlich irgendwas zu verlieren, außer einer Illusion?
Und ist da wirklich ein Jemand vorhanden, der etwas verlieren könnte?
Momentan ist es für mich so, dass da zwei Phänotypen sind, der eine funktioniert, geht einkaufen, spricht mit den Freunden, kocht Spargel, diskutiert über Politik etcpp. Der andere Phänotyp ist da und weiß, dass es völlig sinnlos ist, über Politik zu reden, weil geschehen wird, was geschehen soll,weiß, dass alles völlig unabhängig vom "Wollen" geschieht. Da sind Impulse, denen gefolgt wird, oder eben nicht, was geschieht, darauf hat der erste Phonotyp keinen Einfluss. Der andere Phänotyp schaut einfach gelassen zu.
Kannst du in irgendeinem Moment zwei Phänotypen finden, oder ist da einfach nur Wahrnehmung von Handlungen, die geschieht, so wie Einkaufen, Spargel kochen oder über Politik diskutieren ....? Schau genau hin, während das Tun passiert.

Bist du ein eigenständiges Selbst, dass von der Realität getrennt ist?
Wär das überhaupt möglich? Wird nicht alles gleichermaßen wahrgenommen? Schau hin. Wo ist diese Trennung?

Wenn du etwas ungestörte Zeit hast, versuche, Verbindung mit der Angst aufzunehmnen, vielleicht, indem du den Gedanken erlaubst, ein Worst Case Szenario zu spinnen. Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte?

Dann lass die Gedanken los. Erlaub dem Gefühl, vollständig da zu sein, solange es "will". Gib dich ihm hin.

Frag es, wen, oder was es beschützen will. Was kannst du finden?

Dir auch einen schönen Sonntag!

User avatar
Phänotyp
Posts: 34
Joined: Sun Mar 12, 2017 12:48 pm

Re: Auf dem Weg mit Vergnügen ein Niemand zu sein

Postby Phänotyp » Tue Apr 25, 2017 8:58 pm

Liebe Karin,
Gibt es denn tatsächlich irgendwas zu verlieren, außer einer Illusion?
Nein , denn eine Illusion besteht ja aus "nichts" aus einer Vorspiegelung nicht vorhandener Tatsachen
Kannst du in irgendeinem Moment zwei Phänotypen finden, oder ist da einfach nur Wahrnehmung von Handlungen, die geschieht, so wie Einkaufen, Spargel kochen oder über Politik diskutieren ....? Schau genau hin, während das Tun passiert.
Das habe ich bei Gesprächen heute ausführlich getan, und da war dann wieder dieses Schauspielergefühl, dieses fremde Gefühl, dass nicht wirklich "ich" da rede, sondern dass ich gleichzeitig dem ganzen Geschehen zuschaue.
ABER
Bist du ein eigenständiges Selbst, dass von der Realität getrennt ist?


Nein, es ist nicht so, dass ich von der Realität getrennt wäre, das geht ja gar nicht, denn was sollte außerhalb der Realität, also außerhalb der Wahrnehmung sein?

Ich denke, ich beende hiermit diesen Prozess vorerst. Ich habe erkannt, dass alles, was ich denke, nur so scheint. Es gibt nicht dieses ICH von dem ich gedacht habe, es ist da, es ist nur Gedanke. Ich kann das zwar nicht immer so fühlen, und dadurch dass ja alle Menschen um mich herum, mit denen ich agiere und die ich sehe, glauben, eigenständig zu handeln, und ihre Handlungen ja durchaus reale Konsequenzen auf die verschiedenen Lebewesen haben, verstärkt sich dieses ICH und DU Gefühl dann oft wieder. Aber letztendlich entstehen Handlungen immer aufgrund von Impulsen, Reiz und Reaktion, die wiederum von Mustern und Konditionierungen abhängen. Ich kann es gerade nicht besser erklären, bin aber auch sehr müde.

liebe Karin, ganz herzlichen Dank für deine Begleitung und deine Geduld,
liebe Grüße
Phänotyp

User avatar
pregunta
Posts: 452
Joined: Thu Aug 30, 2012 12:06 pm

Re: Auf dem Weg mit Vergnügen ein Niemand zu sein

Postby pregunta » Wed Apr 26, 2017 11:26 am

Lieber Phänotyp,
Ich denke, ich beende hiermit diesen Prozess vorerst. Ich habe erkannt, dass alles, was ich denke, nur so scheint. Es gibt nicht dieses ICH von dem ich gedacht habe, es ist da, es ist nur Gedanke. Ich kann das zwar nicht immer so fühlen, und dadurch dass ja alle Menschen um mich herum, mit denen ich agiere und die ich sehe, glauben, eigenständig zu handeln, und ihre Handlungen ja durchaus reale Konsequenzen auf die verschiedenen Lebewesen haben, verstärkt sich dieses ICH und DU Gefühl dann oft wieder. Aber letztendlich entstehen Handlungen immer aufgrund von Impulsen, Reiz und Reaktion, die wiederum von Mustern und Konditionierungen abhängen. Ich kann es gerade nicht besser erklären, bin aber auch sehr müde.
Gut, wenn sich das für dich gerade so richtig ist ... Es gibt viele Pfade und der Prozess hier ist nicht für jeden richtig, ... und manchmal ist es auch einfach nicht der passende Zeitpunkt.
Wenn du dich irgendwann dazu entschließt, es nochmal anzugehen, bist du hier sehr willkommen. Du wärst nicht der erste, der einen zweiten Anlauf braucht, um es ganz klar zu sehen.
liebe Karin, ganz herzlichen Dank für deine Begleitung und deine Geduld
Sehr gern. Es hat Spaß gemacht, dich zu begleiten :))

Liebe Grüße. Karin


Return to “Deutsch”

Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 32 guests