Vom Verstand zum Fühlen

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Ichbin01
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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Ichbin01 » Mon Jan 23, 2017 12:05 pm

Hallo Britta,

es war sehr schönen, Deinen Thread mit prembodha zu lesen. Ja, und da lässt sich leicht anknüpfen.

Lass uns Deine letzte Aussage noch einmal genauer anschauen:
das ICH-Bild ist sehr stark. So als ob sich ganz viele Gedanken, die man so lange festgehalten hat, bis sie geglaubt werden, zu einer Geschichte oder sehr dichten Illusion übereinander gehäuft haben. Da ist dann kein Raum mehr, etwas anderes zu hören oder wahrzunehmen.
Ja, so entsteht die ICH-Illusion. Sie ist wie ein Schleier, der sich über die Realität legt, richtig?

Bitte überprüfe diese Aussage noch einmal in der direkten Erfahrung.
Und dann ist das ICH auch mit viel Angst verbunden -- die Angst zu verschwinden.
Stimmt das? Was verschwindet tatsächlich? Und was bleibt?
Es ist ja ein sehr farbiges Bild -- das die Illusion vermittelt, dass die Alternative ohne ICH sehr grau ist.
Ist das wirklich wahr, dass die Welt grau ist - ohne die Illusion, dass es ein ICH gibt?
Hat/wird sich die "Welt" tatsächlich verändert/n? Was hat/wird sich eigentlich verändert/n?
Es ist dann auch ziemlich frustrierend: Da ist ein Bild eines ICHs über all die Jahre aufgebaut worden mit all den Kämpfen, Leid etc. -- und das war eigentlich alles überflüssig? Energieverschwendung -- für nichts?
Stimmt das? War alles umsonst, eine Energieverschwendung? In der direkten Erfahrung: warst "Du" das tatsächlich immer, die alles gemacht hat? Oder war vielleicht auch dass nur eine Illusion?
Das wird nicht so schnell aufgegeben.
Ist das tatsächlich möglich? Hast "Du" die Wahl, die Kontrolle darüber, was Du aufgeben und nicht aufgeben kannst? Hast "Du" jemals etwas von der "Geschichte" "besessen"?

Bin gespannt auf Deinen Bericht.
Herzliche Grüße - Ichbin

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Britta11
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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Tue Jan 24, 2017 8:35 pm

Hallo Ichbin,

genau -- die Beschreibung mit dem Schleier trifft es sehr gut!

Zu den Fragen:
Was verschwindet tatsächlich? Und was bleibt?
"Nur" die ICH-Illusion bzw. die Verknüpfung mit der Vorstellung, dass es einem "Ich" passiert, verschwindet. Denn es ist ja passiert bzw. geschieht -- nur ohne das ICH. Also das Geschehen bleibt.

I
st das wirklich wahr, dass die Welt grau ist - ohne die Illusion, dass es ein ICH gibt?
Hat/wird sich die "Welt" tatsächlich verändert/n? Was hat/wird sich eigentlich verändert/n?
Im Grunde ist dies eine ähnliche Antwort wie zuvor -- die "Welt" verändert sich nicht (sie ist auch nicht grauer -- sondern durch die -- so wie ich es fühle -- breitere Wahrnehmung sogar eher farbiger, plastischer. Es läuft weiterhin alles ab, es ist nur nicht mit dem ICH -- oder auch einer ICH-Geschichte -- verknüpft oder auch dem Gefühl von Trennung (das Wort ist jetzt eben noch dazu gekommen).
Stimmt das? War alles umsonst, eine Energieverschwendung?
Gute Frage... vielleicht eher Energieverschwendung in dem Sinne, dass "ICH" viel Energie verwendet habe, gewisse Ereignisse steuern oder lenken zu wollen, ein fixes ICH-Bild aufrecht erhalten zu wollen...
In der direkten Erfahrung: warst "Du" das tatsächlich immer, die alles gemacht hat? Oder war vielleicht auch dass nur eine Illusion?
Also da es das ICH ja auch zuvor nicht gegeben hat, kann ICH das ja gar nicht gewesen sein. Es ist also auch alles so abgelaufen? Offenbar ja...

I
Hast "Du" die Wahl, die Kontrolle darüber, was Du aufgeben und nicht aufgeben kannst? Hast "Du" jemals etwas von der "Geschichte" "besessen"?
Offenbar nicht... Um noch einmal auf die Frage zur Energieverschwendung zurückzukommen: Es wirkt ja auf den ersten Blick (und auch für die ICH-Illusion) so, dass, wenn die ICH-Illusion früher durchschaut worden wäre, hier eine andere Entwicklungslinie abgelaufen wäre und ICH bis jetzt auf der "falschen" Linie gelaufen bin. Aber das kann ICH ja eigentlich auch nicht steuern, richtig? -- Da alles ohne "mein" Zutun abläuft. Also habe ICH auch niemals etwas diese "eigene Geschichte" besessen -- und es ist so gelaufen, wie es laufen sollte...

Herzliche Grüsse

Britta

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Ichbin01
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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Ichbin01 » Wed Jan 25, 2017 5:45 pm

Hallo Britta,

sehr schön.
"Nur" die ICH-Illusion bzw. die Verknüpfung mit der Vorstellung, dass es einem "Ich" passiert, verschwindet. Denn es ist ja passiert bzw. geschieht -- nur ohne das ICH. Also das Geschehen bleibt...
Es läuft weiterhin alles ab, es ist nur nicht mit dem ICH -- oder auch einer ICH-Geschichte -- verknüpft oder auch dem Gefühl von Trennung...
Also da es das ICH ja auch zuvor nicht gegeben hat, kann ICH das ja gar nicht gewesen sein. Es ist also auch alles so abgelaufen.
Also habe ICH auch niemals etwas diese "eigene Geschichte" besessen -- und es ist so gelaufen, wie es laufen sollte
Ganz genau.
Energieverschwendung in dem Sinne, dass "ICH" viel Energie verwendet habe, gewisse Ereignisse steuern oder lenken zu wollen, ein fixes ICH-Bild aufrecht erhalten zu wollen...
Ja, die Illusion aufrecht zu erhalten kostet Kraft.
Britta schrieb:
-> Vom Verstand zum Fühlen
-> Hilfe, dies nicht nur vom Verstand her zu erfassen, sondern wirklich durchfühlen zu können.
Wie ist es jetzt? Wie werden "Verstand" und "Fühlen" jetzt wahrgenommen? Und wie wird direkte Erfahrung erfahren? Könntest Du mir dies bitte an Hand Deiner aktuellen Wahrnehmung/Erfahrung schildern.

Bin gespannt :-)
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Fri Jan 27, 2017 7:43 pm

Hallo Ichbin,
Wie ist es jetzt?
Also... es hat sich definitiv verändert, so als ob es eine langsame Verschiebung gibt -- wobei ich immer wieder auch in den alten Modus zurückspringe (gerade bei Müdigkeit). Aber es geht auch immer wieder zurück.
Wie werden "Verstand" und "Fühlen" jetzt wahrgenommen?
Zum "Verstand": Es sind Gedanken, die kommen und gehen -- die im entspannten Moment durchziehen (oder auch unterstützend sind -- aber sich dann wieder lösen), aber in nicht so entspannten oder schwierigeren Momenten haften bleiben (und dann ist das "Ich" wieder da, will steuern, ist ärgerlich, etc.). "Fühlen": Auch das ist nichts, was ein "Ich" steuert oder "mir" passiert. Fühlen passiert. Deshalb hat sich auch das Thema "Vom Verstand zum Fühlen" etwas verschoben -- ich wollte gerade schreiben "...zum Erfahren" -- aber auch Erfahren passiert.
Und wie wird direkte Erfahrung erfahren?
Wenn ich in diesem Modus bin: Intensiver, weiter -- aber alles -- Handlungen, Aktivitäten -- auch mit wesentlich mehr Gelassenheit.

Da "Ich" nichts steuern kann, setzt sich die Erkenntnis langsam durch, dass "ich" die Dinge auch geschehen lassen kann (wobei: es ist ein langsamer Lernprozess). Wenn ich etwa in einem verspäteten Zug sitze -- "normalerweise" wäre da Nervosität und Anspannung (so als ob ein "Ich" damit das Geschehen vorantreiben kann). Jetzt ist da mehr Ruhe -- eher eine Einstellung, dass es so passiert wie es passieren soll (und meistens bin ich dann doch pünktlich... oder sehe plötzlich Möglichkeiten oder Alternativen, die vorher nicht sichtbar waren). Ich habe das auch schon über Weihnachten ausprobiert. Da ich hier immer alte Freunde treffe, müssen einige Termine koordiniert werden (also auch hier wieder die Versuchung, als "Ich" alles so kontrollieren und perfekt zu planen, auf den richtigen Tag zu setzen, etc.). "Ich" habe dieses Mal alles passieren lassen, so wenig wie möglich zu fixieren und zu schauen, was vorbei kommt -- und alles ist genau an die richtige Stelle gefallen, keine Verabredung hat sich mit einer anderen überlagert.

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Ichbin01 » Sat Jan 28, 2017 8:21 am

Hallo Britta,

vielen Dank für Deine Offenheit.
wobei ich immer wieder auch in den alten Modus zurückspringe
Schau mal genau hin. Gibt es tatsächlich eine Instanz, die hin und her springen kann?
und dann ist das "Ich" wieder da
Kann der Weihnachstmann auch manchmal wieder da sein und dann nicht?
Wie ist es mit Badman? Schau Dich im Raum um, kannst Du irgendwo Badman sehen?
Schau hin, was ist tatsächlich da?
dass "ich" die Dinge auch geschehen lassen kann
Kannst "Du" tatsächlich Dinge geschehen lassen? Das ist doch ziemlich anstrengend, wenn die Dinge nur dann gut sind, wenn "Du" sie geschehnen lassen kannst. Was ist tatächlich wahr?
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Sat Jan 28, 2017 8:35 pm

Hallo Ichbin,

danke für diese Fragen! Also...
Schau mal genau hin. Gibt es tatsächlich eine Instanz, die hin und her springen kann?
Nein, "ich" kann dies nicht machen -- es passiert (also auch das ist nicht gesteuert, egal ob der Körper müde ist oder nicht; aber "Ich" kann gar nicht müde sein, richtig?). Also ist das "Springen" auch ein Teil des Geschehens -- aber ohne ein steuerndes "ich".
Schau hin, was ist tatsächlich da?
Nicht das "Ich" -- vielmehr ein "Ich"-Gedanke... bzw. ein stärkerer "Ich"-Gedanke.
Kannst "Du" tatsächlich Dinge geschehen lassen? Das ist doch ziemlich anstrengend, wenn die Dinge nur dann gut sind, wenn "Du" sie geschehnen lassen kannst. Was ist tatächlich wahr?
Stimmt... "Ich" kann dies nicht geschehen lassen -- es passiert. Und die Dinge geschehen, egal ob sie von einem Gedanken nachträglich als "gut" oder "schlecht" bewertet werden.

Um das nochmals durchzugehen -- "Ich" habe also geglaubt, dass ich diese Dinge geschehen lassen kann -- was ja auch wieder bedeuten würde, dass es ein handelndes "Ich" gibt (auch wenn die Handlung Nichtstun wäre). Aber tatsächlich gibt es kein "Ich" -- also auch kein "Ich", das nichts tut und quasi neben dem Geschehen steht. Das ist jetzt klar. Also ist "nur" das Geschehen ohne ein "Ich" da, richtig? Und -- hier "hakt" es -- der "Ich"-Gedanke ist ein Teil davon.

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Ichbin01 » Sun Jan 29, 2017 9:51 pm

Liebe Britta,
Also ist das "Springen" auch ein Teil des Geschehens -- aber ohne ein steuerndes "ich".
Richtig, alles - auch "Springen" - ist Prozess, Erfahrung.. einfach nur Erscheinung ohne Bewertung, ohne ICH.
"Ich"-Gedanke
Genau: ICH ist "nur" ein Gedanke, an den geglaubt wird. Sonst nichts. Und Gedanken kommen und gehen. Sind einfach nur Erscheinungen, wie Farbe, Geräusch, Geruch.
Und die Dinge geschehen, egal ob sie von einem Gedanken nachträglich als "gut" oder "schlecht" bewertet werden.
Genau. Alles geschieht einfach aus sich selbst heraus. Und dann kommt ein Gedanke, der bewertet und dem "geglaubt" wird.
Aber tatsächlich gibt es kein "Ich" -- also auch kein "Ich", das nichts tut und quasi neben dem Geschehen steht. Das ist jetzt klar. Also ist "nur" das Geschehen ohne ein "Ich" da, richtig?
Ja ganz genau. Es gibt nur Geschehen... nur Fluß.. nur Prozess.. ohne irgend eine Instanz (weder, die tut - noch nicht tut).

Kannst Du das so vollständig durch Deine Direkte Erfarhung bestätigen?
Und -- hier "hakt" es -- der "Ich"-Gedanke ist ein Teil davon.
Ich verstehe diesen Satz nicht. Was meinst Du genau? Was hakt? Ich-Gedanke ist Teil wovon?

Bin sehr gespannt.
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Wed Feb 01, 2017 9:07 am

Hallo Ichbin,
Ich verstehe diesen Satz nicht. Was meinst Du genau? Was hakt? Ich-Gedanke ist Teil wovon?
mit den Kommentaren zuvor ist die Nachfrage beantwortet worden: Was ich meinte war: Wo gehören die Gedanken hin? Aber es wird jetzt deutlich, dass auch sie Teil des Geschehens sind,
Sind einfach nur Erscheinungen, wie Farbe, Geräusch, Geruch.
Das hat mir zur Einordnung nochmals weitergeholfen. Was ich mir gerade nochmals ansehe, ist, dass ALLE Gedanken und Gefühle dazugehören, selbst wenn sie vielleicht nicht "einfach" oder "positiv" sind und länger hängenbleiben -- es ist alles Teil des Geschehens, richtig?
Es gibt nur Geschehen... nur Fluß.. nur Prozess.. ohne irgend eine Instanz (weder, die tut - noch nicht tut). Kannst Du das so vollständig durch Deine Direkte Erfarhung bestätigen?
Dann kann ich es nämlich bestätigen.

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Ichbin01 » Wed Feb 01, 2017 4:08 pm

Hallo Britta,
Wo gehören die Gedanken hin? Aber es wird jetzt deutlich, dass auch sie Teil des Geschehens sind,
Prima.
ALLE Gedanken und Gefühle dazugehören, selbst wenn sie vielleicht nicht "einfach" oder "positiv" sind und länger hängenbleiben -- es ist alles Teil des Geschehens, richtig?
Genau. Und dann lass es uns dann final noch einmal ganz konkret ansehen?
Was ist, wenn die Dinge mal nicht so "gut" laufen? Was ist, wenn sich mal eine ICH-Identifizierung/Verschiebung "einschleicht"?
Was passiert? Schau hin und beantworte Dir die Frage: gibt es eine "Instanz", die beurteilt? Was ist wahr in diesen Situationen?

Ich freue mich auf Deine Antwort.
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Fri Feb 03, 2017 7:25 pm

Hallo Ichbin,

ich versuche, dies nochmals aus der "negativen" Perspektive zu betrachten:
Was ist, wenn die Dinge mal nicht so "gut" laufen?
Auch das passiert und kann von niemandem gesteuert werden. Das schliesst nicht aus, dass es traurige, ängstliche, etc. Gefühle bzw. ICH-Gedanken gibt bzw. aufkommen, welche das Ereignis als "nicht so gut" bezeichnen oder der Körper Schmerz signalisiert. Aber das passiert niemandem/ keiner ICH-Instanz, auch wenn es so scheint, dass gerade bei solchen Ereignissen die ICH-Verschiebung stärker wird und damit auch das scheinbare Gefühl vom Getrennt-Sein.
Was ist, wenn sich mal eine ICH-Identifizierung/Verschiebung "einschleicht"?
Das ist Teil des Geschehens. Die Identifizierung oder auch die Gedanken können nicht gesteuert werden, sie sind da -- und gehen auch wieder.
Gibt es eine "Instanz", die beurteilt? Was ist wahr in diesen Situationen?
Keine Instanz, höchstens ICH-Gedanken. Das heisst aber auch, wenn es keine Instanz gibt, die beurteilt, dass die Wertung gut/schlecht auch nicht "vorgegeben" ist.

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Ichbin01 » Sat Feb 04, 2017 9:56 am

Liebe Britta,
Das heisst aber auch, wenn es keine Instanz gibt, die beurteilt, dass die Wertung gut/schlecht auch nicht "vorgegeben" ist.
Ja genau, gut/schlecht gibt es es nicht, wenn es niemanden gibt, der eine "Meinung" zu irgendetwas hat.
Alles ist so wie es ist. Einfach so :-)

Britta schrieb:
Hilfe, dies nicht nur vom Verstand her zu erfassen, sondern wirklich durchfühlen zu können. Und die Klärung von offenen Fragen -- ich habe mir Gateless Gatecrashers durchgelesen, aber einige Dinge bleiben hier nur angedeutet.
Haben sich für Dich die offenen Fragen geklärt, und zwar nicht nur mit dem Verstand, sondern dass Du es auch "durchfühlst".

Oder anders gefragt: Wurde die ICH-Illusion zu 100% durchschaut/durchfühlt mit dem "gesamten Wesen"?

Mags Du noch ein bisschen berichten, wie es sich jetzt für Dich "anfühlt"?
Wie erlebst Du den Alltag im Vergeleich zu vor dem Dialog?
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Sun Feb 05, 2017 2:55 pm

Hallo Ichbin,
Haben sich für Dich die offenen Fragen geklärt, und zwar nicht nur mit dem Verstand, sondern dass Du es auch "durchfühlst".
Ich würde sagen, ja -- auch mit der Ergänzung, dass es tatsächlich um das "eigene" Durcherfahren ging, das nochmals ganz andere Dimensionen eröffnet als das reine Durchlesen des Erfahrungsberichte oder des Textes.
Oder anders gefragt: Wurde die ICH-Illusion zu 100% durchschaut/durchfühlt mit dem "gesamten Wesen"?
Ja.
Mags Du noch ein bisschen berichten, wie es sich jetzt für Dich "anfühlt"? Wie erlebst Du den Alltag im Vergeleich zu vor dem Dialog?
Da ist eine ganz andere Weite und auch Ruhe, gerade auch, weil dieses "alles lenken wollen oder zu müssen" zunehmend wegfällt. Auch eine andere, offenere Toleranz. Wie sich das alles gerade verschiebt, lässt sich vielleicht am besten damit erläutern, was parallel zu diesem Prozess passiert ist.

Kurz nachdem ich mit dem Prozess begonnen hatte, wurde mein Vater immer schwächer und es wurde schließlich eine Krebserkrankung diagnostiziert. Das ICH-Gefühl (meinerseits) war in dieser Anfangsphase sehr stark; verbunden mit allen möglichen Ängsten (es war manchmal auch recht schwierig, sich auf die Fragen hier zu konzentrieren, weil das ICH hier immer sehr stark blockierte). Aus der damals dominanten ICH-Illusion heraus war gerade diese anfängliche Phase fürchterlich -- egal, was meine Mutter und ich versuchten, alles schien sabotiert zu werden; Verspätungen in den Untersuchungen/ Therapien, etc. auf allen Ebenen; alternative Versuche, die aber nicht zustande kamen. Und die Erfahrung -- egal, was wir machen, das Fortschreiten des Krankheitsprozesses ist immer schneller als wir; was eine Illusion (oder Vorstellung von dem Verlauf der Krankheit) nach der nächsten zerschlug. Es änderte sich vor einigen Tagen schlagartig, als eine Freundin sagte, dass wir da auch etwas ganz Großes gerade erleben. Hier löste sich das ICH (in diesem Prozess zumindest) auf -- mit der Erkenntnis: Hier passiert Sterben; und ich/wir können nichts tun, nichts lenken/ kontrollieren/ eingreifen, etc. Es gibt nur ein Einlassen auf den Prozess, der ohne die Ängste und das Festhalten der ICH-Perspektive (was auch solche Dinge beinhaltet wie Hilfe annehmen zu lernen) auf einmal ganz andere Dimensionen eröffnet -- im Umfeld meiner Mutter unerwartete nachbarschaftliche Netzwerke/Hilfe/ Mitgefühl; das Erkennen, dass es "leichter" wird, wenn man dem Prozess in seiner Dynamik folgt (es geht nicht mehr um das Festhalten, sondern etwa um den Übergang) -- und das schrittweise Erleben dieses Übergangs (und es wird plötzlich auch deutlich, wie lange dieses Sterben eigentlich auf einer anderen Ebene schon abgelaufen ist, bevor es "richtig" sichtbar wurde). Natürlich sind da auch schmerzhafte Emotionen, aber das Leid löst sich gleichzeitig auch auf.

Vielleicht erst einmal soviel!

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Ichbin01 » Sun Feb 05, 2017 6:27 pm

Liebe Britta,

dein Bericht berüht mich sehr. Und gleichzeitig ist auch Freude drüber, wie hilfreich es sein kann, wenn die Ich-Illusion durchschaut wurde. So dass man gerade in solch "herausfordernden" Lebensphasen sich dem "Fluss des Lebens" hingegeben kann.

Es ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich Dir gerne ein paar abschließende Fragen stellen möchte.
Die eine odere andere Frage hast zu im Verlauf dieses Dialoges bereits beantwortet, dennoch sind sie gut, um noch einmal zu schauen, ob auch wirklich alles erkannt wurde.

Hier die Fragen:

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.

6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?

Ich freue mich auf Deine Antworten.
Herzliche Grüße - Ichbin

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Britta11 » Thu Feb 09, 2017 4:49 pm

Hallo Ichbin,

mal schauen, ob "ich" das alles zusammenbekomme, aber ich habe das Gefühl, dass seit dem letzten Post auch noch die letzten Puzzle-Teilchen dazugekommen sind...
1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Ganz eindeutig nein, das kann ich jetzt auf allen Ebenen bestätigen.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Die ICH-Illusion beruht auf Gedanken, die an ein Ereignis, etc. anhaften -- so dicht, dass der Eindruck passiert, dass es ein aktiv handelndes ICH gibt, welches das Geschehen steuert -- und daraus auch eine Geschichte konstruiert. Es gibt jedoch nur Geschehen.

Ich habe beispielsweise gerade das "Problem", dass ich auf ein Päckchen aus dem Ausland warte, das aber einfach nicht ankommt. "Ich" möchte aber den Inhalt dieses Päckchen haben; d.h. die Gedanken (verdichtet zu der Vorstellung, dass es ein handelndes Selbst gibt) haften so dicht mit dem Päckchen-Inhalt oder den Besitz an, dass eine Identifikation mit den aufkommenden Gefühlen wie Wut passiert (da ist ein "ICH", das wütend ist) -- und eine Geschichte konstruiert wird (ein schlecht organisierter Versandservice). Und die Vorstellung, dass dieses ICH das Geschehen durch Druck, Drohungen etc. beeinflussen kan.

Eigentlich gibt es nur Geschehen (also etwa der Versand und das Steckenbleiben des Päckchens) und dazu kommen auch Gedanken auf, die durchziehen. Aber da ist kein ICH, dass den Versand steuern kann (oder den Inhalt des Päckchens besitzt). Und auch kein "böser" Versandhandel.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Da ist eine größere Weite in der Wahrnehmung der Dinge (gerade etwa bei Sinneswahrnehmungen), Gelassenheit, aber auch Offenheit. Das Wissen darum, dass das ICH nichts lenken kann, gibt sehr viel Ruhe (aber zugleich ist es auch keine Passivität), da sich gerade dann zuvor übersehene Dinge zeigen.

Beispielsweise war ich gerade am Wochenende auf den Weg zu meinen Eltern; eigentlich in Verbindung mit einem öffentlichen Vortrag, vor allem aber auch, weil dies eine Gelegenheit war, meinen Vater nochmals zu sehen. An diesem Abend wurde der Flug wegen technischer Probleme gestrichen -- die nächste Möglichkeit ergab sich erst am nächsten Morgen. Es war deutlich fühlbar, dass die ICH-Gedanken begannen, zunächst Angst-Szenarien zu entwickeln (was, wenn ich zu spät komme, etc.) und dann alle möglichen Alternativ-Szenarien durchzuspielen, wenn der nächste Flug nicht gegangen wäre. Bis die Feststellung kam -- egal, was hier überlegt wird; ICH habe hier keinen Einfluss (es gab auch noch Schneetreiben; also wirklich keine Alternativen wegzukommen) und kann alles nur geschehen lassen. Hier kapitulierte das ICH -- und "ich" konnte mich auf das Geschehen einlassen: Eine Übernachtung in einem kleinen Dorfhotel mit einem netten Abendessen mit anderen Mitreisenden; und der verspätete Zeitpunkt der Ankunft bei meinen Eltern war perfekt (ich hätte am Vorabend eher gestört).
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Rückblickend war es tatsächlich die erwähnte Bemerkung einer Freundin, dass mit dem Sterben meines Vaters gerade etwas sehr Großes passiert. Hier lösten sich die Enge der ICH-Bilder auf und gaben den Weg frei für eine völlig andere Perspektive.

Und diese neue Perspektive hat sich dann auch im Sterbeprozess gezeigt (mein Vater ist dann tatsächlich gestern abend zu Hause gestorben). Hier wurde dann -- neben vielen anderen Dingen -- ganz deutlich, dass alles, woran ein ICH vielleicht einmal angehaftet hatte (Besitz, Hobbies, aber auch familiäre Rollenmuster etc.) überhaupt nichts mehr gezählt haben und sich auch aufgelöst haben. Es gab nur noch den Sterbeprozess -- der auch meinerseits ohne die Anhaftung an die Wünsche eines ICHs (aber mit sehr intensiven Gefühlen) eine unbeschreibliche Erfahrung war.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Einiges davon ist schon in de vorherigen Antworten mit drin. Es gibt Geschehen, aber kein ICH, das entscheidet. D.h. der freie Wille ist nicht der Wille des (illusorischen ICHs), sondern (das ist jetzt schwer in Worte zu fassen) es gibt nur das Geschehen, das hier wirkt und umso stärker erfahren kann, wenn die ICH-Illusion hier nicht blockiert. Das ICH hat keine Wahl oder Kontrolle (weil auch nicht vorhanden) -- über gar nichts. Also ich hatte in dem Beispiel von Antwort 4 keine Kontrolle darüber oder Einfluss darauf, wann (und wie) ich bei meinen Eltern ankommen werde. Auch die Absicht des Handelns ist nicht die eines (illusorischen) ICHs -- es ist Teil der Handlung. Und vielleicht noch ergänzend dazu: Der Zeitpunkt für genau diese Reise wurde vor über einem Jahr festgelegt; "ICH" hatte eine Auswahl an Terminen für den Vortrag erhalten und ein Datum/Reisezeitraum ausgewählt -- der aber eigentlich der Zeitpunkt des Sterbeprozesses war. Und offenbar schon feststand -- unbeeinflussbar von der Entscheidung/Willen/Kontrolle eines ICHs.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Eigentlich nur, dass die Anleitung von Euch beiden, Prembodha und Ichbin, wirklich wunderbar war/ist!

Herzliche Grüsse

Britta

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Re: Vom Verstand zum Fühlen

Postby Ichbin01 » Thu Feb 09, 2017 7:40 pm

Liebe Britta,
es berührt mich sehr das zu lesen.

Andere Guides haben Deine Antworten gelesen und bestätigt, dass Du Dir darüber klar bist, dass Du die ICH-Illusion durchschaut hast.

Ich schreibe Dir jetzt eine PM und erzähle Dir wie es weiter geht.

Bis gleich,

Ichbin
Herzliche Grüße - Ichbin


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