Die Angst und ich sind insofern verschieden, dass die Angst nur ein Teil vom ganzen Ich ist.
Also, die Angst ist ein Teil vom ganzen Ich? Was ist, wenn da mal gerade keine Angst ist, ist dann ein Teil von Dir verloren?
Der Denkende ist ein Akteur: er ist der Gedanken-Produzent, der den ganzen Tag einen unaufhörlichen Strom von Gedanken produziert. Immer wieder, in Meditation oder ruhigen Momenten beobachte ich diesen Gedanken-Strom und den Gedanken-Produzent von aussen, wieder wie oben als Teil von mir.
Also auch der Denkende ist ein Teil von Dir? Wo ist er, wenn keine Gedanken sind?
Aber diese Sicht ist nicht beständig. Immer wieder falle ich in das Gefühl, ich sei mein momentaner Gedanke. Dann vergesse ich die Aussensicht und bin den jeweiligen Gedanken.
Wie ist das so, ein Gedanke zu sein? Oder soll das einfach nur heissen, dass dem Gedanken geglaubt wird?
Ich, Sarah…? Es ist schwer zu fassen, worauf ich diese Identität gründe. Vielleicht zuerst, was ich nicht bin: ich bin nicht meinen Körper und ich bin nicht meine Gedanken (da ich die ja manchmal beobachte. Auch wenn ich das immer wieder vergesse).
Oben sagst Du, dass Du immer wieder den Gedankenproduzenten beobachtest, inwiefern kann er dann ein Teil von Dir sein, wenn Körper und Gedanken das nicht sein können, weil Du sie beobachten kannst?
Die Summe meiner Erfahrungen…? Tönt gut, macht aber nicht Sinn, denn das Ich-Gefühl ist eher statisch, während die Summe meiner Erfahrungen sich ja ständig verändert. Alle Teile zusammen, Körper, Gedanken-Produzent, Erfahrungen & Erinnerungen…? Macht auch nicht Sinn, denn wenn ich z.B. meinen Körper beobachte, fühlt es sich an, als würde ich etwas im aussen betrachten und nicht einen Teil von mir. Also versuche ich einen anderen Ansatz, um das ich zu finden
Bemerkst Du, wie schwer es Dir fällt, ein "Ich" zu erfassen? Welche Berechtigung hat es dann, Mittelpunkt Deines Erlebens zu sein?
Vielleicht heisst „gut gehen“ bei Gedankenleere (nicht bei Langeweile, sondern sonst wenn wenig Gedanken kommen) eher „nicht schlecht gehen“, also die Abwesenheit von Wünschen, Angst, Zukunft, Vergangenheit = Stress. Dies hab ich sonst immer, daher fühlt sich die Abwesenheit dieses Stresses gut an.
Können Gedanken auch stressen, wenn ihnen nicht geglaubt wird, dass sie Deine momentane Realität sind?
Es gibt ein Ich-Gefühl, ich dachte „ich“ sei klar. Aber ich kann’s nicht definieren. Immer wenn ich hinschaue entzieht es sich. Als versuchte ich, die Rückseite meines Kopfes zu sehen - auch mit einem Spiegel gelingt mir das nicht.
Du bist auf einer heissen Spur. Wir haben bereits erarbeitet, dass der Verstand, Gedanken, Vorstellungen das Reich beliebiger Fantasie sind, wo Du alles finden kannst, aber bereits in der nächsten Sekunde total anders sein kann. Findest Du aber ein Ich in der Realität, d. h. im Reality Check, im direkten sehen, hören, spüren/fühlen, riechen, schmecken im Hier und Jetzt. Such das heute immer wieder.
Bin gespannt auf Deinen Bericht,
Truthcounts