Liebe Chaitanya,
ich bin Truthcounts (m) und begleite Dich gerne weiter.
Wo Du bereits so viel mitgebracht hast und der bisherige Dialog mit Prembodha schon sehr fruchtbar war, wird das Durchschauen der Ich-Illusion nicht aufzuhalten sein.
Zu dem bisherigen Dialog habe ich vorab ein paar Kommentare als Zwischenfazit, was in einer neuen Übung mündet (Ich schlage vor, die zuletzt von Prembodha vorgeschlagene Übung dann noch anzuschließen).
Keiner der versucht Kontrolle zu haben. Aber JEMAND der in den Gedanken förmlich absorbiert ist.
Ja, Gedanken können mehr Aufmerksamkeit bekommen als die direkte Erfahrung über die fünf Sinne, wie beim Schauen eines Films, bei dem man voll mit dem Hauptdarsteller mitgeht und vergisst, dass man nur auf eine Leinwand schaut.
Dieses gedankenverlorene fahren fühlt sich sehr sicher und entspannt an aber ich kann es willentlich nicht herbeiführen.
Hier hast Du schon erfahren, dass Tätigkeit auch ohne befehlende Gedanken geschehen kann, der Körper also ohne ein steuerndes Ich überleben kann und zu viele Gedanken sogar hinderlich wirken können. Dies deutet bereits schon einmal darauf hin, dass Handlung auch gut direkt aus der unmittelbaren Erfahrung über die fünf Sinne im hier und jetzt funktionieren kann und zusätzliche Gedanken das von selbst ablaufende System verwirren können, was Realität und Einbildung ist, und entsprechend Anstrengung und unpassende Reaktionen auslösen können.
Eine Suppe steht auf dem Tisch, ein Gedanke war da: ich sollte essen, bevor sie kalt wird.
Diesen Gedanken sehe ich als Ursache dafür, jetz die Suppe zu essen...
Selbst wenn der Gedanke die Ursache für die Handlung wäre, so hast Du an anderer Stelle aber schon gesehen, dass Gedanken von selbst kommen und damit also selbst dann kein Handelnder vorhanden wäre. Dein Erlebnis mit dem gedankenverlorenen Autofahren hat Dir zudem schon gezeigt, dass es nicht einmal befehlender Gedanken bedarf, was dafür spricht, dass auch Handlung von selbst abläuft.
Ein Gefühl von ausgeliefert sein tauchte zwischendurch auf, in Anbetracht dieser vielen, vielen Eindrücke. Viele Gedanken, vor allem bezogen auf den Körper. Wann hört der Schmerz auf, wieso ist das jetzt so etc. etc. und eine gedrückte Stimmung. … Kommt aber der Impuls aufzustehen und zu gehen, löst der aktuelle Köperschmerz bei Bewegung, Bilder aus der Vergangenheit aus. Erinnerungen mit Befürchtungen für die Zukunft. Das Körperproblem scheint alles zu vereinnahmen. Ich versuche auch das anzunehmen, wenngleich es mir heute wieder nicht gelingt. Alle Sinnesreize strömen ohne Kontrollen einfach zu mir, ich kann sie nicht machen, genauso Gedanken oder Gefühle. Wahrnehmung geschieht einfach - aber sie geschieht MIR. Sinnesreize strömen ZU MIR, Gedanken und Gefühle sind IN MIR. Der Körper BIN ICH: Meine Hand, mein Fuß. meine Haare etc.
Hier erlebst Du Dich noch als Erleidende mit einem Körper. Körperempfindungen sind ein starker Anker für das Hier und Jetzt. Körperschmerzen schreien förmlich danach, die Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt zu lenken, damit das System die realen Informationen bekommt, um sich adäquat in ein harmonisches Gleichgewicht ausregeln zu können. Du hast schon gesehen, dass das wesentliche Leid nicht durch die Körperschmerzen entsteht, sondern durch das Hadern mit der Geschichte, die damit verbunden ist und der noch geglaubt wird.
Das einzige was mich wirklich interessiert ist das Schauen hier und der Wunsch die Wahrheit zu kennen. Betäube ich mich damit? Weiche ich dem Leben aus?
Vertraue Deiner Sehnsucht nach Wahrheit. Das Abdriften in die Gedankenwelt ist die tatsächliche Betäubung und Flucht vor der unmittelbaren Erfahrung des Lebens.
Ok, das heisst jetzt einfach mal all die Zustände, wie sie sind akzeptieren. Ich hatte das Gefühl, dass ich selbst für diese Zustände verantwortlich bin, als ob ich sie verursache und mir im Weg stehe. Gas raus nehmen, entspannen - mich verwirrt das gerade, denn auch das ist dann doch was gerade ist...kann ICH es machen Gas rausnehmen? Hab ich Kontrolle über Entspannung oder Anspannung?
Deine Verwirrung ist nachvollziehbar. Natürlich kannst Du Entspannung genau so wenig machen wie alles andere. Wenn Du aber scheinbar einem Vorschlag folgst, so bedeutet das noch nicht, dass Du ein Handelnder bist. Es macht keinen qualitativen Unterschied, ob Dir selber der Gedanke kommt, entspannter zu werden, oder jemand anderes es Dir vorschlägt, beides Mal wird damit die Möglichkeit der Entspannung in Deine Aufmerksamkeit gerückt.
Es scheint alles von Gedanken abzuhängen, über deren Inhalt und Auftauchen ich keine Kontrolle habe. Auch über die Gefühle die sie erzeugen, habe ich keine Kontrolle. Im Körper kann ich diese Instanz im Kopf, in Form der Gedanken finden. Keine wirkliche Instanz, sie taucht nur als solche auf. Obwohl ich das beobachten kann, switcht es immer wieder zurück zu dem Eindruck, da wäre diese Instanz mit Verantwortung.
Da ist noch die Vorstellung eines Ichs im Kopf mit Verantwortung, was ja auch wieder einen Handelnden unterstellt.
Ich schaue, sehe gleichzeitig mehrere Gegenstände, über manche geht der Blick hinweg, bei manchen verharrt er länger, da wird etikettiert und eine Erinnerungs - Geschichte entsteht zusätzlich. … Während des direkten Sehens war auch das Sehen innerer Bilder aus der Vergangenheit. In dem Moment schien das direkte Sehen zurück zu treten oder wurde überlagert durch die inneren Bilder.
Das hast Du schön gesehen. Die direkte Erfahrung ist durch gedankliche Vorstellung überlagert ähnlich einer Gardine, die den Blick durchs Fenster verschleiert. Vielleicht hast Du ein Fenster mit durchsichtiger Gardine. Stell Dich davor und sieh hindurch. Dann fokussier Dich auf die Gardine. Wieviel bekommst Du jetzt noch von draussen mit. Wenn draussen etwas zu sehen ist, was Störgefühle oder Überreizung hervorruft, wäre es dann nicht eine Ausweichmöglichkeit oder Erleichterung, sich auf die Gardine zu fokussieren. Oder wenn Dir langweilig mit dem Blick nach draussen wäre, wäre es dann nicht spannender, einen Film auf die Gardine zu projizieren und diesen zu schauen. Was würde das bezüglich adäquater Reaktion auf das Geschehen hinter der Gardine bedeuten? Und muss es dafür ein Ich geben, dass entscheidet, ob es durch die Gardine oder auf die Gardine schaut, oder könnte dies genau so autonom laufen, wie das Zurückzucken einer Hand, die eine heisse Herdplatte berührt hat und damit auch eine autonome Ausweichbewegung zu einer unangenehmen Erfahrung darstellt. Geht Dir auf, wie wichtig die Unterscheidung zwischen direkter Erfahrung und Vorstellung und das Erkennen von Einbildung für den Lebensfluss ist?