Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

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Hermann
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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Fri Dec 23, 2016 10:42 pm

Gerade habe ich in der Meditation dieses Hiersein als Meditationsobjekt genommen. Dabei ist aufgefallen, dass es zwar nicht direkt wahrnehmbar, aber irgendwie doch erlebbar ist.

Mit den 5 Sinnen ist es nicht wahrnehmbar. Ich kann es ja nicht riechen, schmecken, sehen, hören oder ertasten, aber dadurch dass die 5 Sinne aktiv sind, ist es erlebbar.

Was ist da eigentlich los? Warum ist das so? Es ist auf jeden Fall kein Gedanke.

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Joram
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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Sat Dec 24, 2016 8:51 am

Da war aber auch die Wahrnehmung des Ärgers.
Dieses magische Wahrnehmen ist hier, ganz klar. Keine Ahnung, was das genau ist, aber es ist da.
„Keine Ahnung, was das genau ist, aber es ist da“. – Lenke die Achtsamkeit auf diese Instanz. – entsteht dann irgendeine Identifikation mit irgendetwas?
Die Instanz, die die Gefühle durch Wertung erzeugt hat und heute sagt, dass sich gestern geärgert wurde, ist der Gedankenstrom.
Gefühle werden durch Wertung erzeugt. Ja. „Instanz“ gibt es dabei aber nicht. Es sind „Flüsse“, „Gedankenstrom“. „Strom“. Keine Instanz und keine „Dinge“. Nur Strom. Die Instanz die den Strom sieht, ist die obere, die du „Dieses magische Wahrnehmen ist hier, ganz klar. Keine Ahnung, was das genau ist, aber es ist da.“ Nennst. Mehr bedarf es nicht _()_
Kann diese Instanz ärgerlich werden?
Die zweite Instanz kann Ärgerlichkeitsgedanken erzeugen und im Körper als Emotionen manifestieren lassen.
Die erste Instanz ist dieses magische Hiersein. Das Hiersein kann eigentlich nur hier sein. Es ist aber schön, wenn diese Präsens in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt.
Nein. Das was „zweite Instanz“ genannt wird, gibt es in Wirklichkeit nicht. Es ist nur eine falsche Interpretation von geistige Abläufe die zusammen „zweite Instanz“ genannt werden aber nicht sind.
Die einzige Instanz die zählt ist der Wahrnehmungsprozess, oder, wenn es für dich leichter zu fassen ist, die Wahrnehmung an sich.
Ärger entsteht INNERHALB der Wahrnehmung.
Verbinde dich mit der Wahrnehmung, die „Du“ bist. („Du bist“ ist nur ein Hilfsmittel bis man auch das fallen lassen kann…)

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Joram
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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Sat Dec 24, 2016 8:54 am

Gerade habe ich in der Meditation dieses Hiersein als Meditationsobjekt genommen. Dabei ist aufgefallen, dass es zwar nicht direkt wahrnehmbar, aber irgendwie doch erlebbar ist.

Mit den 5 Sinnen ist es nicht wahrnehmbar. Ich kann es ja nicht riechen, schmecken, sehen, hören oder ertasten, aber dadurch dass die 5 Sinne aktiv sind, ist es erlebbar.

Was ist da eigentlich los? Warum ist das so? Es ist auf jeden Fall kein Gedanke.
Verweile darin. Immer wieder :-) Die Antworten werden noch kommen. Es nennt sich „klares Sehen“ :-)
Was kannst du dazu sagen, was wird erlebt?

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Sat Dec 24, 2016 12:05 pm

Hallo Joram, ich wünsche dir schöne Feiertage :)
Verweile darin. Immer wieder :-) Die Antworten werden noch kommen. Es nennt sich „klares Sehen“ :-)
Was kannst du dazu sagen, was wird erlebt?
Gerade eben in der Badewanne habe ich es wieder probiert. Erlebt wird ein wiederholtes Abziehen der Aufmerksamkeit von Wahrnehmungen und ein Hinwenden zu... Ich kann gar nicht sagen wo die Aufmerksamkeit genau hingeht. Das Wort Präsens beschreibt das nicht, da tatsächlich kein Ding da ist, dass konktet gesehen werden kann.
Die normalen Wahrnehmungen sind dabei weiter da, aber die Geschichten im Kopf gehen für diesen Moment nicht weiter.
„Keine Ahnung, was das genau ist, aber es ist da“. – Lenke die Achtsamkeit auf diese Instanz. – entsteht dann irgendeine Identifikation mit irgendetwas?
Die Identifikation mit den Gedanken umd dem Ichgefühl geht weg und eune neue Identifikation entsteht nicht, weil nichts zu finden ist.
Allerdings benötigt dieses Hinwenden Energie. Als ich gerade in der Wanne lag, bin ich irgendwann etwad dösig geworden und sofort ging die Aufmerksamkeit wieder in Geschichten.

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Sat Dec 24, 2016 1:22 pm

„Keine Ahnung, was das genau ist, aber es ist da“. – Lenke die Achtsamkeit auf diese Instanz. – entsteht dann irgendeine Identifikation mit irgendetwas?
Die Identifikation mit den Gedanken umd dem Ichgefühl geht weg und eune neue Identifikation entsteht nicht, weil nichts zu finden ist.
Allerdings benötigt dieses Hinwenden Energie. Als ich gerade in der Wanne lag, bin ich irgendwann etwad dösig geworden und sofort ging die Aufmerksamkeit wieder in Geschichten.
Dass die Aufmerksamkeit flöten geht, ist völlig normal und nichts besonders. Man kann sie ja wieder herstellen :-)

Irgend ein „Ich“ zu finden?

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Sat Dec 24, 2016 9:25 pm

Irgend ein „Ich“ zu finden?
Nein, es ist kein Ich da. Es sind Gefühle da, die nachträglich von Gedanken als Ich interpretiert werden. Es sind auch Ichgedanken da, die nur Gedanken sind. Und es gibt vor allem dieses Hiersein, welches als Ich interpretiert wird. Da aber insbesondere das Hiersein kein Objekt ist, lässt sich ausschließen, dass ein Ich als getrenntes Objekt irgendwo existiert und Einfluss nimmt.

Dazu muss aber gesagt werden, dass hier noch keine richtige Klarheit herrscht, was die Präsens bzw. den Wahrnehmungsprozess angeht. Der ist absolut magisch und unfassbar. Keine Ahnung was das ist und wie das überhaupt kommen kann. Klar ist nur, dass die Dinge einfach passieren, zB. die Ablehnung auf islamistische Anschläge, die Türkei und dessen Einflussnahme in Deutschland, menschenverachtende Taten und Denkweisen etc. Es gibt aber kein Ich, dass dieses verursacht. Es gibt nur die nachträgliche Zuordnung zu einem Ich. Dinge tauchen auf, entwickeln Energie oder auch nicht und es gibt infolgedessen Reaktionen oder auch nicht.

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Sat Dec 24, 2016 11:56 pm

Dazu muss aber gesagt werden, dass hier noch keine richtige Klarheit herrscht, was die Präsens bzw. den Wahrnehmungsprozess angeht. Der ist absolut magisch und unfassbar. Keine Ahnung was das ist und wie das überhaupt kommen kann. Klar ist nur, dass die Dinge einfach passieren, zB. die Ablehnung auf islamistische Anschläge, die Türkei und dessen Einflussnahme in Deutschland, menschenverachtende Taten und Denkweisen etc. Es gibt aber kein Ich, dass dieses verursacht. Es gibt nur die nachträgliche Zuordnung zu einem Ich. Dinge tauchen auf, entwickeln Energie oder auch nicht und es gibt infolgedessen Reaktionen oder auch nicht.
Ursache und Wirkung. Information kommt am, Bewertung (angenehm/unangenehm) dadurch entsteht "haben wollen" oder "nicht haben wollen".
Wem gehört das haben wollen oder nicht haben wollen?
Und wenn die Antwort „niemand“ ist, wie wichtig ist das was gewollt oder nicht gewollt wird?

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Sun Dec 25, 2016 9:54 pm

Wem gehört das haben wollen oder nicht haben wollen?
Und wenn die Antwort „niemand“ ist, wie wichtig ist das was gewollt oder nicht gewollt wird?
Ja, die Antwort ist natürlich niemand. Es kann nur so scheinen als gehöre das Wollen jemandem.

Bei dem Wollen ist nur entscheidend, auf welche Art gewollt wird. Damit meine ich, ob Wollen einem illusorischen Ich zugeordnet wird oder nicht.

Zum Beispiel habe ich einige "schlechte Angewohnheiten", bei denen etwas gewollt wird, es auch gemacht wird und dann ein schlechtes Gewissen entsteht: "Ich sollte das nicht tun". Im Allgemeinen würde man dafür nicht unbedingt als "guter Mensch" bezeichnet werden.

Gerade eben wurde wieder so einem Wollen nachgegangen, allerdings ohne eine Ichzuordnung. 2 Sachen sind da aufgefallen
1. Der Unterschied bestand darin, dass es einfach getan wurde. Während der Ausführung machte es allerdings weniger Spaß, da der Reiz unter anderem darin besteht, dass da ein Ich etwas macht.
2. Es gab danach kein anhaltendes schlechtes Gewissen wie sonst manchmal, sondern es gab einen verurteilenden Gedanken, der huschte durch den Kopf und dann kamen andere Gedanken. Fertig. Damit verbunden auch nur minimale Auswirkungen auf die Gefühlslage.

Es ist also egal, was da genau gewollt wird.

Übrigens konnte ich mich heute sogar mit einer anderen Person unterhalten und gleichzeitig die Präsens wahrnehmen. Damit verlieren aufkommende Ichgedanken schnell an Einfluss.

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Sun Dec 25, 2016 11:38 pm

Liest sich wie ein Freischein: Der Zwang zur Moral ist aufgehoben.
Glückwünsche.
Du gehst völlig in der falsche Richtung ;-)

Ist das Erkennen der Ichillusion ein Freischein zum Töten? ;-)

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Mon Dec 26, 2016 8:17 am

Liest sich wie ein Freischein: Der Zwang zur Moral ist aufgehoben.
Glückwünsche.
Du gehst völlig in der falsche Richtung ;-)
Oha, mit der Rückmeldung habe ich nicht gerechnet. Allerdings hast du den Kern getroffen: Es wirkt hier gerade wie ein Freischein. Solche Gedanken, wie: "Das sollte man nicht tun." oder "Das ist nicht gut" verlieren hier an Einfluss. Es fühlt sich irgendwie entfesselt an...und tatsächlich, der Zwang zur Moral ist hier deutlich weniger geworden. Moralgedanken sind doch auch nur Gedanken, oder?
Ist das Erkennen der Ichillusion ein Freischein zum Töten? ;-)
Hmm, die Antwort, die jetzt dazu da ist, geht so (Ich traue mich ja kaum das zu schreiben, da es ebenfalls gegen gängige Moral verstößt):

Wenn niemand da ist, der etwas macht, dann kann ja alles passieren. Wie beispielsweise der Anschlag in Berlin. Diese Täter haben keine Schuld, da dort niemand ist, der Schuld haben kann. Allerdings ist völlig ok, dass der oder die Täter im Anschluss getötet werden, da sie sozusagen "dysfunktionale Prozesse" sind und durch ihren Fanatismus starkes Leid auslösen. Es ist für den Gesamtprozess besser weil harmonischer, wenn diese Täter und die Hintermänner "abgestellt" werden und versucht wird, jeglichen ideologischen Nährboden für dieses Phänomen zu beseitigen.

Darüber hinaus fühlt sich das Erkennen der Ichillusion so an, als sei die Bindung an die Welt eben stärker und das Gefühl, eine getrennte Identität zu sein schwächer.

...Wenn hier jetzt etwas völlig quer läuft, dann freue ich mich über hilfreiche Tipps.
Ich wünsche dir einen schönen zweiten Weihnachtstag, Joram :)

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Mon Dec 26, 2016 8:39 am

Ursache und Wirkung heben sich nicht auf, weil die Ichillusion durchschaut worden ist.
Es gibt kein Täter, es gibt aber die Tat und es gibt die Wirkung der Tat. Schau das Ganze wie ein Fluss.

Attentat in Berlin: Die Medien berichten nicht wieso jemand Deutschland angreifen will… Was haben die Deutschen in Syrien gemacht? „Aufklärungsflugzeuge“, Unterstützung von ISIS vielleicht? Familien sind umgebracht, Hass ist entstanden. Hass führt unter anderem zu Rachegefühlen…

Was ist die UR-Sache? Wo ist der Anfang? Und wo wird es enden? Das weiß keiner… Der Fluss wird in der Zukunft „unscharf“… Und doch sind weder Täter noch Opfer zu finden. Nur Flüsse von „Geschehen“ was „Stille“ als Urgrund hat… „Stille“ bevor es den Urknall gegeben hat…

Du sprichst von „Moral“: Moral ist das was kommt, wenn die Liebe gestorben ist, wenn die Gefühle, die Empfindungen, abgestumpft sind. Erleuchtung ohne Empfindungen, ohne Sympathie, ohne Zuneigung, ohne Liebe die aus Freiheit entsteht, gibt es nicht.
Moral ist eine armselige Krücke die nichts bringt außer Leid.

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Mon Dec 26, 2016 10:08 am

Danke für die ausführliche Antwort.
Du sprichst von „Moral“: Moral ist das was kommt, wenn die Liebe gestorben ist, wenn die Gefühle, die Empfindungen, abgestumpft sind. Erleuchtung ohne Empfindungen, ohne Sympathie, ohne Zuneigung, ohne Liebe die aus Freiheit entsteht, gibt es nicht.
Moral ist eine armselige Krücke die nichts bringt außer Leid.
Ja, ich spreche davon, dass moralische Vorstellungen hier wegbrechen.
Parallel dazu zeigen sich stärker als vorher Handlungen, die sonst von den hier vorherrschenden Moralvorstellungen im Zaum gehalten wurden.

Zum Beispiel gucke ich mit in den letzten Tagen Tanzvideos an und dance hier durch meine Hütte. Vorher waren da so bremsende Gedanken aktiv, wie: "Du gehst auf die 40 zu und verhälst dich wie ein Teeny. Das ist doch kindisch...
Oder ich bringe mir jetzt etwas Gitarre bei. Vorher der Gedanke:" Dafür ist es jetzt zu spät, ich bin dafür viel zu alt. "

Es ist jetzt mehr Lebendigkeit da. In den letzten Wochen habe ich ja eher über die" schlechten" Gefühle berichtet. Es ist oft aber auch sehr schön, wie jetzt in diesem Moment.

Mit dem vermehrten Verbleiben in der Präsens "sprudelt" es hier alles stärker heraus.

Liebe Grüße

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Mon Dec 26, 2016 11:10 am

Wenn „Gefühle zulassen“ kindlich sind, dann sind wir alle im Inneren Kinder ;-)

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Hermann » Mon Dec 26, 2016 9:59 pm

Ja, warum auch nicht? :-)

Jetzt verlangt die Präsens nach einem Date :-) Das Halten und erneute Zuwenden wird schon besser - auch in hektischeren Situationen. Allerdings ist es hier noch einfacher, wenn es beim ritualisierten Sitzen geschieht.

Gerade eben wurde übrigens schnell gemerkt, dass hier eine negative Geschichte losgehen wollte. Daher gehe ich nun mal in die direkte Erfahrung von dem, was wirklich hier ist :-)

... Traurigkeitsgefühl... Ok... aber ohne Story, die das künstlich am Leben hält... :-)

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Re: Der Vogel kämpft sich aus dem Ei

Postby Joram » Mon Dec 26, 2016 10:05 pm

Schön :-)

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