Liebe Ghata,
... und los gehts ...
1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Es gibt keine eigenständiges "Ich", "mich", "selbst".
"Ich", "mich", "selbst" sind Gedanken und nicht existent(die Gedanke natürlich schon, aber nicht der Inhalt dieser Gedanken) oder auffindbar.
Es gab das auch noch nie. Es gab und gibt immer nur Gedanken, die ein "ich" beinhalten bzw. suggerieren.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Was die Ich-Illusion ist und wie sie funktioniert:
der Gedanke, daß es ein "Ich" gäbe, eine unabhängige Kontrollinstanz, die alle Abläufe des ihr eigenen Lebens steuert und alle Entscheidungen trifft. Diesem Ich wird durch Gedanken sehr viel Wichtigkeit zugemessen (insbesondere deswegen, weil es ja eine Illusion ist und viel dafür getan werden muss, damit diese Illusion aufrecht erhalten bleibt). Alles, was erfahren wird, wird gedanklich in Bezug zu dieser Ich-Illusion gesetzt, was sie weiter in den Mittelpunkt rückt (und ihre Existenz bestätigt und aufrechterhält).
Dieses Ich wird weiterhin gedanklich mit Attributen in Verbindung gebracht und es entstehen gedankliche Mechanismen, die diese Illusion und die mit ihr verbundenen Attribute verteidigen und möglichst positiv darzustellen versuchen. Ein Riesen-Kuddelmuddel, was das Denken über das Leben bestimmt.
Konkret : Im "Wahrnehmungsraum" taucht die Wahrnehmung "Sehen" auf. Es folgen verschiedene Gedanken, zunächst eine Zuordnung/Gedanke "Baum", die den Inhalt der Wahrnehmung Sehen beschreibt, dann eine Zuordnung/Gedanke des Objekts (Baum) zu einem Subjekt "Ich". Dann ensteht daraus nachgeordnet gedanklich eine Handlung "Ich sehe den Baum". Tatsächlich ist da nur eine Wahrnehmung "Sehen", alles andere sind "Geschichten" darum herum.
anderes Beispiel: "Meine Teetasse war leer, deswegen habe ich mir neuen Tee gemacht". Tatsächlich steht da eine neue Tasse Tee, aber es gab und gibt keine Instanz, die den Entschluß gefaßt hat, Tee zu machen, es gab auch niemanden, der Tee gemacht hat, es wurde Tee gemacht. Alles andere sind Gedankengeschichten darum herum.
Wie entsteht sie :
Irgendwann und irgendwie, vermutlich im Laufe der Erziehung oder Sozialisation wird dieser Gedanke anerzogen/andressiert und mit Belohnungen und Bestätigungen immer fester in den "Denk-Mustern" verankert.
("Denk-Muster" sind nur ein Begriff/gedanklicher Erklärungsversuch von gleichartigen Gedanken oder Gedankenabläufen, die wahrgenommen werden)
Dieses Entstehen der Illusion kann nicht wahrgenommen werden, dies ist nur eine (gedankliche) Vorstellung, wie das geschehen ist.
3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Alles fühlt sich leichter und entspannter, ruhiger und friedlicher, echter und natürlicher an.
Als wenn Gewichte abgefallen wären.
Der "Wahrnehmungsraum" ist viel weiter und offener geworden, eine "Verengung" in Richtung auf Gedanken ist seltener und löst sich immer wieder auf.
Es gibt viel Staunen und Freude.
Und immer wieder taucht Verwunderung auf, wie gut alles ohne "Ich" funktioniert.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Einmal das genaue Untersuchen von "Gedanken". Dabei wurde klar, daß alles was belastet, einfach nur Gedanken sind, die kommen und gehen. Das geschah während des Formulierens der Antworten.
Und eine Körperspürübung, wo "ich" gesehen habe, daß zwischen der Wahrnehmung von "Bein" und "Luft" außenrum überhaupt kein Unterschied besteht. Da fiel nochmal ein Ballast ab. Das geschah direkt nachdem diese Wahrnehmugn gemacht und der Vergleichsgedanke auftauchte.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Wofür bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.
Eigentlich alles nur verschiedene Facetten der Ich-Illusion. Wenn die ICh-Illusion als solche erkannt ist, werden die Begriffe ziemlich unsinnig.
Entscheidung : Aus einer früheren Antwort :
"Heute morgen saß ich mit meinem Morgenobst in der Sonne. Ich hatte auch das Ebook dabei.
Irgendwann habe ich angefangen ein paar Seiten zu lesen.
Irgendwann habe ich wieder aufgehört zu lesen.
Beide Entscheidungen fielen wie vom Himmel. Irgendwann wurde das Ebook geöffnet, irgendwann wurde es geschlossen. Es gab keine Reihenfolge von Dingen oder Gedanken, die dazu geführt hätten, es ist einfach passiert.
Es geschieht wohl etwas und hinterher bastelt sich der Verstand zusammen, das er da irgendwie "der Entscheider" war. War er aber nicht und ist er auch nie. Die Dinge geschehen einfach, ohne daß es einen Entscheider braucht. Das scheinbare "Ich" braucht wohl das Modell einer Entscheidung (und "sich selbst" als Entscheider), um die Illusion von Kontrolle aufrecht zu erhalten ... "
Absicht :
vorwärts gewandt : Ein Gedanke, der auftaucht und auf eine zukünftige "beabsichtigte" Handlung ausgerichtet ist. Heute kurz vor mittag hatte ich die Absicht, vor dem Essen ein Medikament zu nehmen. Hat dann aber doch nicht funktioniert (wurde vergessen)
rückwärts gewandt, erklärend : ein Gedanke, der auftaucht und ein Geschehen nachträglich erklärt bzw. einen Täter und einen Grund für ein Geschehen erfindet.
Dazu müßte es aber ein "Ich"/eine kontrollierende Instanz geben und die Möglichkeit, Entscheidungen zu fällen.
was beides nur Gedanken sind.
"Ich habe mir einen Tee gemacht, mit der Absicht, meinen Durst zu stillen" - tatsächlich wurde ein Tee gemacht, vielleicht wurde sogar Durst verspürt (im konkreten Fall gerade nicht), aber es gab keine Entscheidung, keine Absicht, es geschah einfach.
freier Wille:
ein freier Wille benötigt ebenfalls eine Instanz, die einen freien Willen haben könnte und die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen.
Der freie Wille kann in der direkten Erfahrung nicht beobachtet werden, die Dinge geschehen und oder geschehen eben nicht, ohne jemanden, der mit einem vermeintlichen frien Willen darüber entscheidet.
Wahl:
eine weitere Illusion. "Wahl" benötigt eine (illusorische) Instanz, die sich zwischen mehreren Möglichkeiten (illusorisch) entscheiden kann.
Kontrolle:
das große Zauberwort.
Das illusorische "Ich" scheint alles zu kontrollieren (Wunschgedanke).
Dabei geschehen die Dinge einfach nur, es gibt keine Kontrolle und niemanden, der kontrolliert.
Es gibt einen Reiz, darauf erfolgt eine Reaktion oder eben nicht.
Keine Kontrolle möglich.
Entstehen/Funktionieren:
Alle diese Begriffe sind Versuche, die Welt/das Leben in eine mechanistisches Konzept zu pressen, welches die Illusion des "Ich"-Gedankens stärkt und in Übereinstimmung mit allgemein als gültigen anerkannten Konzepten steht.
Wofür bin ich verantwortlich ?
Für nichts, für gar nichts.
Es gibt ein "ich", was verantwortlich sein könnte.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Einfach nur Danke !