Wer hilft Anna zu sterben ?

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Anna B.
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Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Anna B. » Sun Jan 13, 2013 10:12 pm

Vorab: ich habe den Einführungstext gelesen und alles verstanden. Bin über Toms Interview mit Teresa Arrieta auf Euch aufmerksam geworden.

Warum ist Anna hier im Forum und warum will sie sterben ?

Anna war ihr Leben lang auf der Suche. Sie wusste zwar nicht wonach, aber das normale Leben machte sie nicht satt, irgendwas fehlte. Anna beschäftigte sich mit Astrologie, Tarot, Magie, Homöopathie, Schamanismus, Runen, Engeln, Edelsteinen, Zen Buddhismus, gechannelten Botschaften und Aufgestiegenen Meistern, Reiki….. Dann lernte sie die Work von Byron Katie und las mit Begeisterung die Bücher von Eckhart Tolle, den Anna bis heute sehr verehrt.
Über ein erwachtes Channel Medium lernte sie die Advaita Szene kennen, Pyar und Samarpan und all die anderen Lehrer und Erwachten, die man auf Jetzt TV findet. Nächtelang war Anna auf dieser Seite, besuchte auch den einen oder anderen persönlich im Satsang.
Und natürlich hat sie suchtartig nur noch Bücher über Advaita gelesen, Ramana, Nisargadatta, Douglas Harding mit seinen tollen Experimenten zum „kopflosen Weg“, immer mit der Hoffnung, dass es beim nächsten Buch, beim nächsten Experiment endlich „passiert“.

2007 dann hat Anna zum ersten Mal in der Meditation bemerkt, dass es in ihrem Herzen am stillsten ist und plötzlich war diese Stille überall und nicht bloß die Abwesenheit von Geräuschen sondern etwas „Bewusstes“ Anwesendes, Gütiges. Auf einmal sah Anna, dass Alles dieses Nichts ist. Ihr war klar, dass wenn jemand z.B. was „Böses“ macht, dann ist es DAS was diese Erfahrung machen will. Anna war auf einmal etwas entspannter und viel toleranter. Anna sah auch, dass DAS der Stoff ist, aus dem Annas Körper besteht, aber es gibt immer noch Anna und DAS. Irgendwo im Kopf hinter Annas Augen sitzt eine abgetrennte, verhärtete, zusammengezogenen Energie, die ich ist, die handelt und weiß was sie will. Und anders ist als die anderen Menschen. Anna will was besonderes sein und das ist sehr sehr anstrengend.

Wieder ging das leidvolle Bemühen los, dieses abgetrennte Ich loszuwerden. Innere Ruhe trat dann vor ca. 1,5 Jahren ein, als Anna merkte, dass Gott ( DAS) wohl offenbar noch ein wenig Spaß hat, Anna zu spielen. Jetzt -TV hat Anna plötzlich angwidert: die Liste der Lehrer links wird immer länger, die Anna „konsumieren“ kann, aber es hilft ihr nicht, sich unter das Licht eines anderen zu stellen, Anna muss selber schauen.
Anna hat sich vor 1 Jahr hingesetzt uns sich öfter gefragt: „was ist jetzt? „ Es stellte sich beim Schauen raus, dass das nur das ist was gerade ist, Geräusche, Herzklopfen, Kaugummi knatschen, und ein paar Gedanken. Wie entspannend ! Aber sobald Anna aufsteht, ist diese Ich Blase wieder da. Es fühlt sich dicht und eng an. Anna fragt sich auch bei körperlichen Tätigkeiten „was ist jetzt“ und sie sieht, dass niemand da ist der z.B. putzt, ein Geiserputzen sozusagen. Klasse ! Manchmal wenn Anna in den großen Badezimmer Spiegel schaut, sieht sie sich als nichts. Vorne das Spiegelbild und HIER niemand. Wie Spannend !
Schade, dass es sofort wieder weg ist und nur eine Erinnerung von dieser Ein-Sicht da ist.
Es hält nicht an. Und darum ist sie hier. Anna will sterben, wer hilft ihr dabei ?

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Tompi
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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Tompi » Mon Jan 14, 2013 11:33 am

Hallo Anna,

willkommen bei LU. Dein Beitrag spricht mich so an, dass ich gerne direkt einsteigen würde. Leider wird das nicht sofort klappen. Kannst Du auf eine Antwort noch ein wenig warten?

Herzliche Grüße

Tom

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Anna B.
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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Anna B. » Mon Jan 14, 2013 1:29 pm

Hallo Tom, na klar kann ich warten. Kommt nach so vielen Jahren auf ein paar Stunden oder Tage (;-) auch nicht mehr an. Bin ja schon froh, dass Du nicht schreibst " ich kann Dir nicht helfen, weil es mich gar nicht gibt..."
Ich habe mir heute morgen auf dem Weg zur Arbeit selber eine Frage gestellt: kann Anna überhaupt sterben ?
Oder anders: lebt Anna denn wirklich ?
Bis bald, herzliche Grüße Anna

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Tompi » Mon Jan 14, 2013 10:00 pm

2007 dann hat Anna zum ersten Mal in der Meditation bemerkt, dass es in ihrem Herzen am stillsten ist und plötzlich war diese Stille überall und nicht bloß die Abwesenheit von Geräuschen sondern etwas „Bewusstes“ Anwesendes, Gütiges. Auf einmal sah Anna, dass Alles dieses Nichts ist. Ihr war klar, dass wenn jemand z.B. was „Böses“ macht, dann ist es DAS was diese Erfahrung machen will. Anna war auf einmal etwas entspannter und viel toleranter. Anna sah auch, dass DAS der Stoff ist, aus dem Annas Körper besteht, aber es gibt immer noch Anna und DAS. Irgendwo im Kopf hinter Annas Augen sitzt eine abgetrennte, verhärtete, zusammengezogenen Energie, die ich ist, die handelt und weiß was sie will. Und anders ist als die anderen Menschen. Anna will was besonderes sein und das ist sehr sehr anstrengend.
Du sprichst von Anna in der dritten Person. Ich bin mir nicht ganz sicher, welchen Part Du in dieser Geschichte einzunehmen meinst. Kannst Du mir erklären, in welcher Beziehung "Du" zu Anna und diesem "Bewussten" stehst? Wie hängt das alles zusammen? Du schreibst so, als wärst Du nicht Anna. Warum interessiert Dich dann, was sie macht und was sie ist?
Anna hat sich vor 1 Jahr hingesetzt uns sich öfter gefragt: „was ist jetzt? „ Es stellte sich beim Schauen raus, dass das nur das ist was gerade ist, Geräusche, Herzklopfen, Kaugummi knatschen, und ein paar Gedanken. Wie entspannend ! Aber sobald Anna aufsteht, ist diese Ich Blase wieder da. Es fühlt sich dicht und eng an. Anna fragt sich auch bei körperlichen Tätigkeiten „was ist jetzt“ und sie sieht, dass niemand da ist der z.B. putzt, ein Geiserputzen sozusagen. Klasse !
Warum ist Kaugummi knatschen und Gedanken schauen entspannend, die Anna-Rolle nach dem Aufstehen aber nicht? Wo ist da der Unterschied?
Es hält nicht an. Und darum ist sie hier. Anna will sterben, wer hilft ihr dabei ?
Ob Anna stirbt oder nicht kann hier nicht das Thema sein. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es um sie geht. Aber was ist mir Dir? Versteckst Du Dich hinter "Anna"? Oder ist es nur eine Methode das Wort "ich" zu vermeiden?

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Anna B. » Mon Jan 14, 2013 11:44 pm

Hallo Tom,
Du sprichst von Anna in der dritten Person. Ich bin mir nicht ganz sicher, welchen Part Du in dieser Geschichte einzunehmen meinst. Kannst Du mir erklären, in welcher Beziehung "Du" zu Anna und diesem "Bewussten" stehst? Wie hängt das alles zusammen? Du schreibst so, als wärst Du nicht Anna. Warum interessiert Dich dann, was sie macht und was sie ist?
Natürlich bin ich Anna !
Es stimmt auch, dass ich versucht habe, das Wort "ich" zu vermeiden. Setze ich in meinem 1. Beitrag statt "Anna" "ich" ein, fühlt es sich unangenehm an. So wie "guck mal, was ich alles schon gemacht habe". Ich hätte dann nicht so viel geschrieben... Ja, es ist 75 % verstecken und 25 % eine rückblickende Zusammenfassung einer Such-Gechichte aus der Reporter Rolle.
Ich werden von nun an von mir in der 1. Person schreiben, damit es klarer ist, um wen es geht.
Ich bin mir gar nicht sicher, ob es um sie geht. Aber was ist mir Dir?
Es geht um mich in der Anna-Rolle, weil es sich so anfühlt, als ob ich das bin.
Warum ist Kaugummi knatschen und Gedanken schauen entspannend, die Anna-Rolle nach dem Aufstehen aber nicht? Wo ist da der Unterschied?
So habe ich das ja noch gar nicht gesehen !
Der Unterschied ist, dass ich bewußt Gedanken schauen und Kaugummi knatschen meistens nur in einer Übungssituation ( Meditation ) wahrnehme, wo nur der jetzige Moment da ist ohne Druck, Hektik und Stress.
Wenn ich aufstehe, gerade aus dem friedlichen Reich des Schlafes entrissen, dann geht es gleich los mit dem Gedankenkarussell, ich muss dies und das erledigen, wird wieder spät heute, schlechtes Gewissen, weil was anderes hinten runter fällt. Aber den ganzen Schlammassel auch als Teil des unterhaltsamen Theaterstücks anzusehen, ist zwas herausfordernd, aber einen Versuch wert.
Ja, falls Du fragst, ich mag den Gedankenpeiniger nicht, er reisst mich in den Widerstand.
Und es stiimmt auch, dass ich die Hoffnung habe, wenn die Anna-Rolle durchschaut ist, dass mich das oben beschriebene Gedankenkarussell nicht mehr anficht.
Viele Grüße
Anna

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Tompi » Tue Jan 15, 2013 11:55 am

Dann sehen wir uns die Gedanken doch mal genauer an. Woran liegt es, dass sie Dich so mitnehmen können? Dazu solltest Du zwei Dinge genauer erforschen: Gedankenkontrolle und Gedankeninhalte.

Es ist nicht schwer festzustellen, dass einfach immer Gedanken da sind. Du beschreibst es als Gedankenkarussell direkt nach dem Aufstehen. Hast Du das Gefühl, dass Du bestimmst was da gedacht wird? Kannst Du beeinflussen welcher Gedanke als nächster kommt? Und wenn ja: wie genau machst Du das?

Die zweite Untersuchung kannst Du über die Inhalte der Gedanken machen. Welche Bedeutung haben sie? Wenn da zum Beispiel ein Gedanke an eine Banane da ist - heißt das auch, dass Du sie essen kannst? Ist das eine Möglichkeit satt zu werden? Gedanken können in die Vergangenheit wandern oder in die Zukunft. Aber wandern sie wirklich dort hin? Es gibt auch Gedanken über Spiderman oder den Weihnachtsmann. Gibt es deswegen einen realen Spiderman, der Spinnennetze aus seinem Handgelenk schleudern kann? Und nicht zu vergessen: was ist mit dem Widerstand, in den "Dich" diese Gedanken zu reissen scheinen? Sind das nicht auch wieder nur Gedanken daran, dass es anders sein sollte?

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Anna B. » Tue Jan 15, 2013 10:26 pm

Hallo Tom,
Dazu solltest Du zwei Dinge genauer erforschen: Gedankenkontrolle und Gedankeninhalte.
Gedankenkontrolle
habe ich nicht. Sie erscheinen und ich nehme sie wahr. Selbst wenn ich mir vornehme, bewußt an den letzten Urlaub zu denken, weiß ich nicht welche Gedanken dazu hochkommen.
Ich empfinde mich als "Wirt" von vielen unangenehmen Gedanken, die ich nicht bestimme, aber auch nicht bestellt habe. Ungebetene Gäste halt.
So wie im Kino, wenn Du einen Film siehst, der Dir nicht gefällt, der Dich aber so fesslet, dass Du vergisst, dass es nur ein Film ist.
Kontrolle gibt es höchstens insofern, dass ich gemerkt habe, dass es Faktoren gibt, die den mentalen Lärm
beeinflussen, wie Fernsehen, laute Musik, etc, was ich bewusst vermeiden kann.

Gedankeninhalte:
Klar, Dein Beispiel mit dem Bananen Gedanken habe ich verstanden. Ist die Fata Mogana, von der Du in Teresas Interview sprichst. Mich quälen aber andere Gedanken. Welcher Art sie sind, habe ich im folgenden unterstrichen:
Das sah heute so aus:
- 17.00 h alle Kollegen hatten das Bürogebäude schon verlassen, nur ich sass noch 2 Stunden da, weil ich etwas Wichtiges erledigen wollte. Diese Situation kommt oft vor, manchmal ist noch mein Chef da, aber der war heute auch mal früher weg. Es tauchten vergleichende, selbstverurteilende Gedanken auf wie: "bin ich dämlicher, weniger gewieft, trotteliger meine Interessen nach Freizeit vor mir selber durchzusetzen ( es zwingt mich ja keiner, kann meine Zeit selber einteilen) als meine Kollegen mit dem gleichen Job.-> Selbstvorwürfe
-dann: bin spät dran, zuhause erwartet mich ein Riesenberg Schnee, der wegzuschaufeln ist, was ich nicht in mein Zeitbudget eingeplant hatte. -> Widerstand
-Mitten in diesen finsteren Gedanken stellte ich auf dem Parkplatz meiner Arbeitsstelle fest, dass der Wagen freigekratzt werden musst, was ebenfalls auf die Zeit schiesst. -> Widerstand
- muss noch kochen, mich mit meinen Katzen beschäftigen, bei denen ich sehr oft ein schlechtes Gewissen hab, sie so lange in der Wohnung alleine zu lassen, und die "Hausaufgabe" für LU ( also für mich selber !) machen.
- morgen ruft mich zu 98 % eine neue Kundin an, der ich für morgen eine Problemlösung in Aussicht gestellt habe, die morgen noch nicht da sein wird. Das gibt Ärger, wovor ich mich fürchte ! Es verhagelt mir gerade den Feierabend.
- Und dann: es wird wieder spät werden und ich bekomme wie immer zu wenig Schlaf ! -> Selbstvorwürfe

Dass mit dem Widerstand habe ich mir direkt bei den beiden Schneeräumaktionen angeschaut.
Mit Hingabe, weil ich es eh nicht ändern kann, machte es sogar Spaß und ich habe schöne Dinge entdeckt, die Weihnachtslichter, de der Schnee so malerisch refelktiert hat, hätte ich ohne den Schneeräumdienst in dieser Woche nicht so wahrgenommen.

Dass mit den selbstverurteilenden Gedanken ist schwerer: ich könnte auch feststellen, dass der Gedanke kommt und dann geht, seine Lebensdauer kurz ( dafür wiederholt er sich aber penetrant) und der Inhalt relativ ist.
Ich hatte sogar die Idee, dass das Wort " dümmer" nur ein Klang ist. So wie wenn ich es auf chinesich hörte.
Sobald aber etwas auftaucht, dass mich berührt oder verletzt (z.B. wenn jemad sagt, Du bist aber häßlich", dann ist die "das- ist-nur- ein -Klang -Theorie" dahin.
Und noch schwieriger wird es mit der Kundin, die sich morgen melden wird. Wahrscheinlich. Ich müsste dann den Mut haben, die Gefühle des Versagens, die enttäuschte Reaktion, die Drohung ( ich kauf nichr mehr bei Dir etc,) auszuhalten und mir genüsslich anzusehen.
So wie Osho, von dem erzählt wird, dass er sich beim Zahn ziehen extra keine Betäubung hat geben lassen, um alles mitzubekommen. Es heißt sogar, dass er diese Erfahrung so spannend fand, dass er sich danach weitere gesunde Zähne in der Art hat ziehen lassen...
In dem Sinne grüßt Anna

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Tompi » Wed Jan 16, 2013 10:15 am

Selbst wenn ich mir vornehme, bewußt an den letzten Urlaub zu denken, weiß ich nicht welche Gedanken dazu hochkommen
Das hört sich an, als hättest Du zumindest Kontrolle darüber, an den Urlaub anstatt an die Arbeit zu denken. Ist das so?
Kontrolle gibt es höchstens insofern, dass ich gemerkt habe, dass es Faktoren gibt, die den mentalen Lärm beeinflussen, wie Fernsehen, laute Musik, etc, was ich bewusst vermeiden kann.
Auch das möchte ich hinterfragen. Da ist also vielleicht weniger mentaler Lärm während der Fernseher läuft. Ok. Aber triffst Du die Entscheidung Dich vor den Fernseher zu setzen?
"bin ich dämlicher, weniger gewieft, trotteliger meine Interessen nach Freizeit vor mir selber durchzusetzen"
Es gibt also Gedanken, die Du als vergleichend und selbstverurteilend bezeichnest. Und es gibt Gedanken über Selbstvorwürfe und Widerstand. Deine Untersuchung "dümmer" nur als Klang zu betrachten, finde ich gut. Das geht ja in die Richtung, dass Worte vielleicht einfach "leer" sind. Also auf nichts konkretes hinweisen müssen. So wie es ein Schild geben kann "Radarkontrolle in 5 km", ohne dass da überhaupt eine Kontrolle ist. Könnte es also sein, dass es zwar den Gedanken gibt "ich bin dämlicher als die Anderen", es aber gar nicht so ist? Dass es also nicht zu jedem Gedanken eine Entsprechung in der Realität ausserhalb dieses Gedankens geben muss? Jetzt ist das bei diesem Beispiel natürlich schwierig festzustellen. Aber wir können das ja auch anders überprüfen: gibt es Spiderman? Du weisst schon, dieser Typ in dieser amerikanischen Großstadt, der an Wänden hochklettern kann. Es gibt Filme über ihn, Fotos, Bücher. Hast Du ein Bild von ihm im Kopf? Was ist nun mit diesem Gedanken - verweist er auf eine reale Person?

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Schild Radarkontrolle in 5 KM"

Postby Anna B. » Wed Jan 16, 2013 11:38 am

Und was ist wenn doch mal eine Radarfalle da steht ?
Es ist doch nicht IMMER und ALLES Seifenschaum, oder doch ?!

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Tompi » Wed Jan 16, 2013 11:51 am

Finde es heraus. ;) Was ist wirklich da und was ist nur ein Verweis auf etwas Anderes, das es unter Umständen gar nicht gibt?

Vor Dir steht zum Beispiel gerade ein Computer, oder? Du wirst diesen sprachlichen Verweis interpretieren können und guckst auf dieses Ding. Du kannst es sehen, anfassen, hören. "Computer" verweist also zumindest auf etwas, dessen Existenz Du mit Deiner direkten, unmittelbaren Wahrnehmung überprüfen kannst. Aber das ist halt nicht immer so. Wie ist das nun mit Spiderman? Was daran ist real und Teil Deiner unmittelbaren Wahrnehmung, was daran verweist sozusagen "ins Leere"?

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Anna B. » Wed Jan 16, 2013 9:26 pm

Hallo Tom,
Aber triffst Du die Entscheidung Dich vor den Fernseher zu setzen?
Thema "Wahlfreiheit":
Eine Entscheidung wird gefällt, weil ein Gedanke auftaucht (z.b.ich könnte jetzt einen Espresso gebrauchen) oder weil eine Situation es erfordert (z. B. es brennt)
Die Entscheidung wird bestimmt von den Genen ( ängstliche Veranlagung),den Erfahrungen, die ich bereits zu dem Thema gemacht habe und den Umständen, die gerade herrschen. Es sieht so aus, als hätte ich mir weder meine Gene, noch meine bisherigen Erfahrungen ausgesucht. Doch weiß ich das wirklich genau ? Veileicht kann ich mich nur nicht mehr daran erinnern, mir vor meiner Geburt diese oder jene Lernerfahrung ausgesucht zu haben. Du kannst es nicht wirklich wissen. Genauso wenig kannst Du wissen ob es Spiderman oder den Weihnachtsmann gibt oder definitiv nicht gibt... dazu später.
Die Entscheidung wird gefällt aufgrund eines nicht genau zu definierenden Mischmasch von Faktoren, deren Gewichtung ich nicht kenne. In meiner Erfahrung ist es so, dass ich eine zeitlang mit einer Frage "schwanger bin" und dann ist sie auf einmal da. Glasklar. Sie trifft sich von selber. Aber wie gesagt, das war vielleicht so bestimmt.

Nun zu den Thema Schild, Computer und Spiderman.
So wie es ein Schild geben kann "Radarkontrolle in 5 km", ohne dass da überhaupt eine Kontrolle ist
Ich glaube ich verstehe was Du meinst. Es gibt nur das was jetzthier gerade ist, z.B. der PC vor dem ich jetzt sitze. Ich kann ich direkt sehen und anfasen. Es sieht zumindestens so aus wie ein PC und nicht wie eine Attrappe.

Bei dem Schild - wenn ich es denn hierjetzt sähe - ist erstmal nur eine Stange mit etwas Blech oberhalb, auf dem Blech sind Buchstaben und oder ein Symbol. Es kann ein echt gemeinter Hinweis oder aber nur ein Scherz sein. Und ob dann wirklich später eine Radarfalle auftaucht, kann sein oder auch nicht. Kann ich nicht sicher wissen. Hierjetzt nur ein Blechschild.

Das gilt aber auch für Spiderman.Du kannst nicht defnitiv ausschließen dass es ihn nicht gibt, nur weil Du ihn noch nicht gesehen hast. Wenn ich ein Comic von Spiderman vor mir hätte, könnte ich nur sagen, ich sehe Papier mit rot / blauen Farben und einem schwarzen Gitterlinien -Netz. Das ganze bildet sich in meinem Kopf zu Spiderman, meine Katze würde wahrscheinlich auch blau / rote Farben mit schwarzem Gitter sehen, aber gar nicht auf die Idee von Spiderman kommen.
Wie ist das mit Tom ?
In meiner direkten Wahrnehmung gibt es schwarze Kleckse, die Buchstaben genannt werden. Über diesen Buchstaben steht "von Tompi ...Datum". Das heißt doch gar nichts. Es könnten wie bei Dr. Sommer von der Bravo ein ganzes Team von Verfassern sein, die nur durch dasselbe Pseudonym zusammengehalten werden.
Tompi ist ein Bild in meinem Kopf.
Und wenn das so ist, dann gibt es konsequenterweise auch Amerika nicht. Hierjetzt kann ich Bilder von etwas anschauen über Maps oder Schulatlas, das Amerika genannt wird. Aber im Moment es ist ein Bild in meinem Kopf, angereichtert mir dem was ich dazu erlebt oder gehört habe. Oder ? Was sagst Du dazu ?

Zusammenfassend weiß ich eigentlich gar nichts. Ich kann nur von diesem Moment sprechen und wie es scheinbar aussieht.
Heute Nachmittag schwankte ich bei dieser Einsicht zwischen Erleichterung und Trauer.

Nun zu diesem Thema:
dass es zwar den Gedanken gibt "ich bin dämlicher als die Anderen", es aber gar nicht so ist?
Ich kann das dämlicher als andere inhaltlich hinterfragen:
Vergleiche sind immer relativ. Ich muss fragen in Bezug auf was / welches Thema und dann gibt es immer welche , die auf diesem einen Gebiet noch dümmer, und welcher die schlauer sind. Und der Vergleich kann in 1 Tag / 1 Jahr wieder ganz anders ausfallen. Meistens sagt ein Vergleich mehr aus über den der vergleicht als über den der verglichen wird.
Aber wie das mit einer schwerst geistig behinderten Person ?
Da gibt es doch eine Entsprechung in der Realität.
Sie ist scheinbar dümmer, aber wenn ich das jetzt alles zusammenfasse, kann ich nicht genaus wissen.
Ich bin verwirrt.
Grüße
Anna

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Tompi » Wed Jan 16, 2013 10:00 pm

Zusammenfassend weiß ich eigentlich gar nichts. Ich kann nur von diesem Moment sprechen und wie es scheinbar aussieht.
Heute Nachmittag schwankte ich bei dieser Einsicht zwischen Erleichterung und Trauer.
Super! Der ganze Absatz vor diesem Zitat hat mir sehr viel Freude gemacht! Das ist genau das, was mit "umittelbarer Wahrnehmung" gemeint ist. Direktes Hinsehen ohne Spekulationen. Einfach nur hinsehen, was jetzt gerade wirklich da ist.

Zu Spiderman: in meiner direkten Erfahrung gibt es ihn jetzt gerade nicht. Das ist kein Beweis für seine Nicht-Existenz. Und natürlich kann ich darüber spekulieren, ob es ihn vielleicht doch geben könnte. Aber das ist halt Spekulation. Wenn ich vor Gericht schwören müsste, würde ich nur sagen wollen: "In meiner direkten Wahrnehmung gibt es Spiderman jetzt gerade nicht." Genauso wenig wie eine Toilette oder meinen Hinterkopf (ich hoffe allerdings inständig, dass es beides doch gibt...).

Kannst Du mit der selben Haltung nochmal den ersten Teil Deiner Zeilen durchgehen? Was kannst Du wirklich darüber sagen, wie eine Entscheidung fällt, ohne auf Spekulationen zurück zu greifen?

Ich freue mich schon darauf wie es weiter geht. :)

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Anna B. » Thu Jan 17, 2013 3:08 pm

Hi Tom ,
erstmal nur jetzt einen Zwischenstand, das Thema ist mir wichtig und ich möchte mir noch einige Einsichten dazu überprüfen. Es ist doch so: es gibt Gedanken und Gedanken, die Entscheidung genannt werden ( denen meistens viele Gedanken vorausgehen ) und dann vielleicht eine Handlung.
Um bei dem Beispiel mit dem Schild "Radarkontrolle" zu bleiben, entspricht das Schild der Handlung, die ich sehen kann. Die schwarzen Kleckse, aus denen manche "Radarkontrolle" lesen, sind die Gedanken dazu.
Die Gedanken und die Gedanken über die Gedanken erscheinen von selber und die Handlungen, die mit diesen Gedanken zu tun haben können, führen ihr Eigenleben. Mit anderen Worten: ich kann mich auf nix verlassen, außer auf das was konkret erscheint. Meintest Du das oder habe so viel nachgedacht, dass ich mich völlig verrannt habe ?
Gruß
Anna

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Anna B. » Thu Jan 17, 2013 11:01 pm

Hi Tom, bin nochmal zu dem Ausgangspunkt zurückgegangen:

Aber triffst Du die Entscheidung Dich vor den Fernseher zu setzen?
Und:
Das hört sich an, als hättest Du zumindest Kontrolle darüber, an den Urlaub anstatt an die Arbeit zu denken. Ist das so?
Und dann:
Kannst Du mit der selben Haltung nochmal den ersten Teil Deiner Zeilen durchgehen? Was kannst Du wirklich darüber sagen, wie eine Entscheidung fällt, ohne auf Spekulationen zurück zu greifen?
Ich hatte vorhin den Gedanken, ein Expreriment dazu zu machen und habe mich vor den Fernseher gesetzt. Ziemlich schnell kam ein anderer Gedanke, dass es heute Wichtigeres zu tun gibt. Der nörgelnde Zensor war da. Mit diesen unangenehmen Gedanken ging ein Stechen in der Bauchgegend einher und ruck zuck stand ich auf und machte den Fernseher aus. Es sieht so aus, als hätte ich mich heute Abend entschieden, mich NICHT vor der Fernsehen zu setzen. Dann kam der Gedanke, dass dieser beschriebene Kontrolleur, die Handlungen auslöst, wenn er mich nur genug gängelt. Und dann wird es kurios, denn es gibt dann 2, den Besserwisser und mich. Und wer bin ich ? Dieser kontrollierende Besserrwisser kann ich zwar nicht sein, weil ich ihn wahrnehmen kann, ganz klar. Aber er schiebt sich so in den Vordergrund und reißt die Herrschaft an sich und klebt sich an mir fest, dass ich auf ihn immer wieder reinfalle.
Die Handlungen können aber trotz den Ratschlägen des Kontrolleurs ganz anders ausfallen, dann habe ich ein schlechtes Gewissen. Sie haben ein Eigenleben, sie können trotz oder mit oder völlig ohne Gedanken entstehen.
Ich habe mich im letzten Jahr mich immer wieder aufs Sofa gesetzt und mich im Sitzen immer wieder gefragt "wer sitzt jetzt in diesem Moment " ? Und ich konnte nur Wärme, Druck, Kribbeln etc finden. Das ich ist in dem Fall gar nicht nötig, nur eine Geschichte. Man kann auch prima ohne jemanden Sitzen !
Ich kann diese Einsicht aber nicht auf alles übertragen. Knoten im Kopf ;-)
Grüße
Anna

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Re: Wer hilft Anna zu sterben ?

Postby Tompi » Fri Jan 18, 2013 11:46 am

Die Gedanken und die Gedanken über die Gedanken erscheinen von selber und die Handlungen, die mit diesen Gedanken zu tun haben können, führen ihr Eigenleben. Mit anderen Worten: ich kann mich auf nix verlassen, außer auf das was konkret erscheint. Meintest Du das oder habe so viel nachgedacht, dass ich mich völlig verrannt habe ?
Ich glaube schon, dass ich das ungefähr so gemeint habe. ;) Ausser: da ist kein Ich, dass sich auf irgendetwas verlassen könnte, sondern nur das, was gerade konkret erscheint. Da ist ein Gedanke - aber kein Denker. Da ist eine Handlung - aber kein Handelnder.
Ich hatte vorhin den Gedanken, ein Expreriment dazu zu machen und habe mich vor den Fernseher gesetzt. Ziemlich schnell kam ein anderer Gedanke, dass es heute Wichtigeres zu tun gibt. Der nörgelnde Zensor war da. Mit diesen unangenehmen Gedanken ging ein Stechen in der Bauchgegend einher und ruck zuck stand ich auf und machte den Fernseher aus. Es sieht so aus, als hätte ich mich heute Abend entschieden, mich NICHT vor der Fernsehen zu setzen. Dann kam der Gedanke, dass dieser beschriebene Kontrolleur, die Handlungen auslöst, wenn er mich nur genug gängelt. Und dann wird es kurios, denn es gibt dann 2, den Besserwisser und mich. Und wer bin ich ? Dieser kontrollierende Besserrwisser kann ich zwar nicht sein, weil ich ihn wahrnehmen kann, ganz klar. Aber er schiebt sich so in den Vordergrund und reißt die Herrschaft an sich und klebt sich an mir fest, dass ich auf ihn immer wieder reinfalle.
Da bist Du voll auf Dich selbst reingefallen. ;) Im Grunde schreibst Du es ja auch: da war ein Gedanke, dass es Wichtigeres zu tun gibt. Wer hat ihn "gemacht"? Jedenfalls kein "Zensor", denn das ist nur eine Vorstellung. Es ist nur ein weiterer Gedanke, der sich auf einen vorherigen Gedanken bezieht. Es gab also diese Gedanken und dann eine Handlung. Dann verstrickst Du Dich wieder: den "Kontrolleur" (ein umbenannter "Zensor"?) gibt es auch nicht. Da sind einfach nur Gedanken. Und da sind Handlungen. Kannst Du wirklich jemanden finden, der eines von beidem auslöst? Nach dem Aufstehen vom Sofa mag da der Gedanke sein "Dass ich jetzt aufgestanden bin, lag an den Gedanken, dass es Wichtigeres zu tun gibt." Aber das ist nur ein weiterer Gedanke, der auftaucht. Wann und wo hat da "jemand" eine Entscheidung getroffen, wie und was passieren soll? Wann genau hast Du unter den unzähligen möglichen Gedanken ausgewählt, dass Du gerne "es gibt Wichtigeres zu tun" denken möchtest? Wann genau hast Du entschieden, dass Du auf diesen Gedanken mit Aufstehen reagieren möchtest? Und wie genau hast Du das gemacht?
Ich habe mich im letzten Jahr mich immer wieder aufs Sofa gesetzt und mich im Sitzen immer wieder gefragt "wer sitzt jetzt in diesem Moment " ? Und ich konnte nur Wärme, Druck, Kribbeln etc finden. Das ich ist in dem Fall gar nicht nötig, nur eine Geschichte. Man kann auch prima ohne jemanden Sitzen !
Das ist eine wunderbare Beobachtung. Aber: was kann man denn nicht prima ohne "ich" machen? ;)


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