Nochmal neu schauen

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Re: Nochmal neu schauen

Postby OmLoveOm » Fri Feb 15, 2019 9:51 pm

Liebe Verananda!
Wenn gedanken nur Wahrgenommen werden, wie und wem können sie etwas vorgaukeln?
Das ist eine gute Frage. Spontan würde ich sagen, dem, der wahrnimmt, wird etwas vorgegaukelt.

Aber die Empfindung des Vorgegaukels wird ja auch wahrgenommen. Also letztlich wird ja alles nur wahrgenommen.

Wie, weiß ich nicht. Da wird einfach etwas in bestimmter Weise empfunden. Ob es jetzt durch die Gedanken ausgelöst wird, oder ob die Gedanken einfach mit dem Empfinden zur gleichen Zeit auftauchen und andere Gedanken dann sagen, dass da ein Zusammenhang besteht, weiß ich nicht.
Außer in den "Augen" anderer Gedanken, die vielleicht behaupten, dass der Gedanke stimmt?
wäre das mehr als ein weiterer Gedanke?
Nein. Das sind auch nur Gedanken, die wahrgenommen werden.
Ist es 100% echt gesehen und nicht-intellektuell-gewusst klar dass es dieses Ich, das Selbst nicht gibt und nie gab?
Das ist die Gretchenfrage. Ich glaube nicht. Theoretisch ist es irgendwie klar und logisch nachvollziehbar, aber irgendwie wird es noch angezweifelt. Es ist nicht so klar gesehen, dass es einfach klar ist und kein Zweifel bleibt. Es ist eher theoretisch klar, aber eben auch nicht richtig.
Irgendwelche Zweifel, noch irgendein Durcheinander oder irgend etwas das du noch anschauen möchtest?
Wenn ich wüsste, was da hilft. Was da hilft, es wirklich klar zu sehen und nicht eher so gedanklich nachvollziehen zu können und logisch zu finden. Ich bin da gerade etwas ratlos.

Ist in dieser Ratlosigkeit ein Ich zu finden?

Da ist schauen, da sind Gefühle, da ist Körperempfindung, da ist ein Gedanke, der sagt, "Da ist sitzen.", da ist Atmen, da sind Fingerbewegungen und Empfindungen, von denen ein Gedanke sagt, "Das ist das Empfinden der Tastatur an den Fingerspitzen." ...

Da ist Erleben, aber niemand, der erlebt. Obwohl - und da sind wir wieder bei der alten Leier - da immernoch der Eindruck ist, dass da ein Ich ist, das erlebt.

Dieses ewige im Kreis gedrehe, nervt wahrscheinlich nicht nur mich ...

Okay. Wer ist hier genervt?

Ein Gefühl wird wahrgenommen, Gedanke wird wahrgenommen, dass das Genervtsein ist. Gedanke wird wahrgenommen, dass ich genervt bin.

Wer nimmt das wahr? Gedanke: Ich. (sehr nachdrücklich)

Wer ist dieses Ich? Wo ist dieses Ich?

Keine Ahnung. Sorry.

Alles Liebe

Om

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Re: Nochmal neu schauen

Postby Verananda » Fri Feb 15, 2019 10:03 pm

Wenn ich wüsste, was da hilft. Was da hilft, es wirklich klar zu sehen und nicht eher so gedanklich nachvollziehen zu können und logisch zu finden. Ich bin da gerade etwas ratlos.
da hilft genau und nur und ausschliesslich das: WIRKLICH SCHAUEN .....:
Das ist eine gute Frage. Spontan würde ich sagen, dem, der wahrnimmt, wird etwas vorgegaukelt.
Spontan würde ich sagen = Gedanken = nicht schauen
Es gibt also doch wen, der/die wahrnimmt?
Schau hin! Was wird wirklich gesehen?
Das ist die einzige Chance!
Aber die Empfindung des Vorgegaukels wird ja auch wahrgenommen.
Mit welchem Sinnesorgan wird "die Empfindung des Vorgegaukels" wahrgenommen?
Also letztlich wird ja alles nur wahrgenommen.
Verabsolutierungen schützen zuverlässig auch die kleinsten Regungen von "ich könnte doch mal schauen, was mit den Sinnen wirklich wirklich wahrgenommen wird" zu beseitigen .....
Wie, weiß ich nicht. Da wird einfach etwas in bestimmter Weise empfunden. Ob es jetzt durch die Gedanken ausgelöst wird, oder ob die Gedanken einfach mit dem Empfinden zur gleichen Zeit auftauchen und andere Gedanken dann sagen, dass da ein Zusammenhang besteht, weiß ich nicht.
Gedanken helfen nicht weiter. Nicht-wissen hilft hier auch nicht weiter.
Schau hin! "Da wird einfach etwas in bestimmter Weise empfunden."
Was genau wird wahrgenommen und wo ist darin ein ich oder selbst?

alles Liebe Ve

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Re: Nochmal neu schauen

Postby OmLoveOm » Sun Feb 17, 2019 8:58 pm

Liebe Verananda,
Es gibt also doch wen, der/die wahrnimmt?
Es ist zum Haare raufen: Genauso fühlt es sich an. Als sei da jemand, nämlich ich, die da wahrnimmt. Aber es geht ja nicht ums Anfühlen, sondern ums Sehen. Okay. Ich versuch's.
Schau hin! Was wird wirklich gesehen?
Wahrnehmungszeug: Bunte Formen, Geräusche, Atmen, Bewegung, Körperteile, Gedanken, Körperempfindungen, Gefühle.

Kein Ich, das wahrnimmt. Nur Gedanken, in denen ein Ich vorkommt und die die Frage stellen, wer denn hier nun wahrnimmt und meinen, es müsse doch jemanden geben, der wahrnimmt, denn wie sonst sollte Wahrnehmung denn sonst geschehen, wenn es da keinen gibt, der wahrnimmt.
Mit welchem Sinnesorgan wird "die Empfindung des Vorgegaukels" wahrgenommen?
Die Empfindung des Vorgegaukels ist ein Komplex aus Verschiedenen Gedanken und damit zusammenhängenden Gefühlen.

Also Gedanken, die eine Geschichte erzählen, die geglaubt wird und andere Gedanken, die sagen, dass es nur eine Geschichte ist und die Realität anders ist. Gefühle, von denen Gedanken sagen, dass sie mit dieser Geschichte zusammen hängen.

Mit welchem Sinnesorgan Gedanken und Gefühle wahrgenommen werden, kann ich nicht sagen. Sie sind einfach da. Und meist sehr intensiv.
Was genau wird wahrgenommen und wo ist darin ein ich oder selbst?
Wahrgenommen werden Farben und Formen, Geräusche, Empfindungen, Gefühle, Gerüche, Gedanken, Finger, die sich bewegen und andere Körperteile. Ein Ich oder Selbst ist nur als Gedankeninhalt zu finden.

Einen lieben Gruß

Om

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Re: Nochmal neu schauen

Postby Verananda » Mon Feb 18, 2019 11:24 am

Liebe Om,

dann scheint es klar zu sein: Wirklich gesehen wird: kein Ich, kein Selbst

Gedankeninhalte erzählen Geschichten von Ich-Gefühlen, Ich-schaffe-das-nie, Ich-kann-nicht-richtig-schauen, Ich-bin-ratlos-und-verzweifelt. Wird diesen Gedanken geglaubt entstehen illusorische Welten - dramatische, verzweifelte, wundervolle, euphorische, wasauchimmer-Welten. Innerhalb dieser Gedankenwelten gibt es keine Chance die Ich-Illusion zu "durchschauen". Da können wir endlos im Kreis weiterplaudern. Siehst du das?

Wird wieder wirklich geschaut ist es klar: kein Ich, kein Selbst

So einfach ist es. Ich würde dir gerne noch die Abschlussfragen schicken, ok?

alles Liebe Ve

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Re: Nochmal neu schauen

Postby OmLoveOm » Mon Feb 18, 2019 11:35 am

Ja, gerne.

Und du hast Recht. Es geht nur mit direktem Schauen. Immer wieder.

Die Tendenz, in der Illusion zu versacken ist einfach stark. Wahrscheinlich muss das direkte Schauen erst zur Gewohnheit werden.

Einen lieben Gruß

Om

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Re: Nochmal neu schauen

Postby Verananda » Mon Feb 18, 2019 11:40 am

hier sind sie :-)

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.

6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?

ich freue mich auf deine Antworten!
Ve

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Re: Nochmal neu schauen

Postby OmLoveOm » Thu Feb 21, 2019 8:01 pm

Liebe Verananda!

Ich hatte einen Ortswechsel, der mich momentan noch sehr in Beschlag nimmt. Werde antworten, sobald es geht.

Ganz lieben Gruß

Om

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Re: Nochmal neu schauen

Postby Verananda » Fri Feb 22, 2019 8:59 pm

gerne, ein paar ruhige ungestörte Minuten dafür schaden nicht ......
:-)

alles Liebe VE

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Re: Nochmal neu schauen

Postby OmLoveOm » Thu Feb 28, 2019 8:19 pm

Liebe Verananda,

dann will ich mich mal an die Beantwortung der Fragen machen:


1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

Ein Ich, mich oder Selbst ist nirgends wahrnehmbar. Es existiert nur in Gedanken, die darauf verweisen. Auch in der Erinnerung ist es nicht anders. Ich, mich oder Selbst existieren nur als Inhalt von Gedanken.


2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.

Die Ich-Illusion besteht aus einer Kombination aus Gedanken und Gefühlen und wird bestärkt durch die Sichtweise anderer Menschen, die diese Illusion ernst nehmen und ihr glauben.

Gedanken haben eine Geschichte von einem Ich als Inhalt. Sie erzählen von Geburt und Kindheit, von Eltern und Geschwistern, von einer möglichen Zukunft, von Eigenschaften, die dieses Ich hat, von Ängsten und Sorgen. All das wird begleitet von Gefühlen und Emotionen, die von Gedanken wiederum dieser scheinbaren Person zugeordnet werden.

Das gesamte Konstrukt aus Gedanken, die scheinbar eine Erinnerung erzählen,
vernetzt mit anderen Gedanken, die das scheinbar bestätigen
und Gefühlen, die laut Gedanken mit den Erinnerungen und der scheinbaren Person in Verbindung stehen,
erschafft recht glaubhaft eine Person, ein Ich, dem scheinbar Dinge gehören und das scheinbar Dinge erlebt hat.

Die Geschichte vom Ich, die in Gedanken erscheint bzw. von Gedanken erschaffen wird, ist in sich schlüssig. Jeweils in dem Moment, in dem sie auftaucht.

Ein Gedanke sagt: "Ich sitze hier vor dem Computer. Das fühlt sich überzeugend an."
Also: Gefühl und Gedanke, der sagt, dass das doch stimmt.
Der nächste Gedanke sagt: "Aber das stimmt doch nicht. Es gibt doch gar kein ich. Wieso fühlt es sich dann so überzeugend an?"
Zwischendurch ganz andere Gedanken, von denen wieder ein anderer Gedanke sagt, dass es eine Erinnerung an eine Situation beim Abendessen ist.
Unterhaltsames Gedankenschauspiel. (Wieder ein Gedanke)

Letztlich werden ganz viele Gedanken wahrgenommen, die sich zum Teil aufeinander beziehen und die eine Geschichte beinhalten von einer Person, die verschiedene Dinge erlebt hat.

In der momentanen Wahrnehmung sind außer diesen Gedanken noch Farben, Formen, Geräusche, Geruch, Bewegung, Atmen, Körperempfindungen wahrnehmbar. Dazu ein Gedanke, der sagt: "Das ist mein Körper, der sich hier bewegt, der hier schreibt." Solange diesem Gedanken kein anderer Gedanke "widerspricht", wird er geglaubt. Andere Gedanken können diesen Gedanken scheinbar bestätigen: "Ja, klar, das ist ja mein Körper." So hält sich das Spiel, die Illusion aufrecht.

Bei genauem Hinschauen passiert hier schreiben, Bewegung, Gedanken.


3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

Tja, was ist anders? Dinge werden nicht mehr so ernst genommen. Sie passieren, werden wahrgenommen und haben nicht mehr so eine große Bedeutung oder Wichtigkeit. Sie passieren einfach.

Sie berühren "mich" nicht mehr so sehr.


4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

Immer wieder in der direkten Wahrnehmung zu schauen und dem Gedankeninhalt nicht zu glauben. Solange in Gedanken geschaut wird, ist die Illusion aktiv. Wenn das Schauen auf die direkte Wahrnehmung reduziert wird, wird das gesehen, was wirklich da ist, was wirklich wahrnehmbar ist.


5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.

Entscheidung, Absicht und Wahl passieren einfach. Sie werden wahrgenommen. Freier Wille und Kontrolle sind Illusionen. Es scheint so, als könne ich eine Entscheidung treffen, eine bestimmte Absicht wählen oder eine Wahl treffen. Aber letztlich passieren Dinge, gibt es Impulse, die einfach da sind und wahrgenommen werden. Kein Ich, das irgendetwas davon wählt oder beschließt.

Somit gibt es keinen freien Willen und keine Kontrolle. Wünsche tauchen auf. Vorher weiß ich nicht, was ich mir wünschen werde bzw., dass da gleich ein Wunsch auftauchen wird. Darüber gibt es keine Kontrolle.

Ich weiß nicht, ob ich gleich einen Schluck Wasser nehmen werde oder aufstehen werde, um das Fenster zu öffnen. Wenn die Entscheidung passiert, passiert sie, wird sie wahrgenommen.

Letztlich ist es auch wieder nur ein Gedanke, der sagt: "Ich habe mich entschieden." Wirklich wahrgenommen wird die Handlung und manchmal ein Gefühl und ein Gedanke, der dieses Gefühl als Impuls bezeichnet, aufzustehen und das Fenster aufzumachen.

Verantwortlich bin ich für nichts dieser Dinge. Wahrgenommen werden Handlungen und Gedanken, die von Entscheidung, Absicht, freiem Willen, Wahl und Kontrolle sprechen.


6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?

All diese Dinge können so gesehen werden. Häufig in der alltäglichen Wahrnehmung gewinnt die Gedankenillusion die Oberhand mit all den dazugehörigen "Ich-Gefühlen".

Die erwartete und erhoffte, fühlbare Erfahrung von Ich-Losigkeit ist bisher leider ausgeblieben. Das Ich-Gefühl hält sich auch hartnäckig in den Situationen, in denen einfach geschaut wird, was momentan wahrnehmbar ist.

Natürlich gibt es oft genug Situationen, in denen kein Ich-Gefühl wahrnehmbar ist und erst später von Gedanken wieder dazu gedichtet wird.

Das Ich-Gefühl ist von verschiedener Qualität. Wobei auch immer wieder Gefühle auftreten, die gedanklich als altbekannt und immer wiederkehrend bezeichnet werden. Und schon wieder ist die Illusion eines Ichs mit einem bestimmten Ich-Gefühl geschaffen. ;-)

Da letztlich ja alles immer in diesem Moment auftaucht, auch die "Erinnerungen", können die ja einfach in sich schlüssig in diesem Moment auftauchen. Dazu noch ein Gedanke, der sagt, dass diese Erinnerung jedesmal so erinnert wird, und schon ist die Illusion von einem Ich perfekt, das diese Dinge in seiner Kindheit erlebt hat und jedesmal die gleiche Erinnerung daran hat. - "Dann muss es ja so gewesen sein." :-)

Danke.

Alles Liebe

Om

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Re: Nochmal neu schauen

Postby Verananda » Fri Mar 01, 2019 5:14 pm

Liebe Om,

vielen Dank für deine sehr schönen Antworten!

Ich-Gefühl ist nicht gleich Ich. Die Ich-Illusion was sie ist und wie sie entsteht hast du sehr schön beschrieben.

Doch lass uns hier noch etwas genauer schauen:
Natürlich gibt es oft genug Situationen, in denen kein Ich-Gefühl wahrnehmbar ist und erst später von Gedanken wieder dazu gedichtet wird.
Die erwartete und erhoffte, fühlbare Erfahrung von Ich-Losigkeit ist bisher leider ausgeblieben. Das Ich-Gefühl hält sich auch hartnäckig in den Situationen, in denen einfach geschaut wird, was momentan wahrnehmbar ist.
Sind die oben beschriebenen Situationen die, wo die "erwartete und erhoffte, fühlbare Erfahrung von Ich-Losigkeit" eintritt oder wäre das nochmal anders? Wie genau anders?

"Leider" hört sich an als ob da noch ein Wunsch, eine Erwartung wäre? Ist das so?
Was würde es dir geben, wenn diese Erfahrung so eintritt wie du es dir wünscht? was wäre dann anders, besser ...?

Findet noch eine Suche statt? Wonach genau?

alles Liebe Ve

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Re: Nochmal neu schauen

Postby OmLoveOm » Mon Mar 04, 2019 8:34 pm

Liebe Verananda,
Natürlich gibt es oft genug Situationen, in denen kein Ich-Gefühl wahrnehmbar ist und erst später von Gedanken wieder dazu gedichtet wird.
Die erwartete und erhoffte, fühlbare Erfahrung von Ich-Losigkeit ist bisher leider ausgeblieben. Das Ich-Gefühl hält sich auch hartnäckig in den Situationen, in denen einfach geschaut wird, was momentan wahrnehmbar ist.
Sind die oben beschriebenen Situationen die, wo die "erwartete und erhoffte, fühlbare Erfahrung von Ich-Losigkeit" eintritt oder wäre das nochmal anders? Wie genau anders?
Hihi! Ja, das ist allerdings eine berechtigte Frage.

Hm. Es scheint da eine Erwartung zu geben. Einerseits, dass es sich auf eine besondere Weise anfühlt, wenn Ich-Losigkeit wahrgenommen wird. Und andererseits, dass Ich-Losigkeit auch und gerade dann wahrgenommen wird, wenn aktiv geschaut wird, was momentan wahrnehmbar ist, gerade im Rahmen der Forschungen hier.

Zur ersten Erwartung: In den Momenten, in denen kein Ich-Gefühl wahrnehmbar ist, ist es nicht bewusst, dass es so ist. Erst hinterher, wenn Gedanken den Moment analysieren, fällt auf, dass da kein Ich-Gefühl wahrnehmbar war. Somit wird es aber in dem eigentlichen Moment, in dem es nicht wahrnehmbar ist, eben auch nicht bewusst erfahren, dass da kein Ich-Gefühl ist. Erst hinterher machen Gedanken darauf aufmerksam.

Zur zweiten Erwartung: Das verwirrt. Da hält sich die Illusion hartnäckig gerade in den Situationen, in denen aktiv versucht wird, sie zu durchschauen. (Das ist gemein!) :-(
"Leider" hört sich an als ob da noch ein Wunsch, eine Erwartung wäre? Ist das so?
Die grundlegende Erwartung ist wohl die, dass da endlich die ganz klare Erkenntnis ist, ohne Zweifel, dass da kein Ich ist. Und aus irgendeinem Grund wird das immernoch angezweifelt. Der Wunsch ist, es so klar zu erkennen, dass es die Überzeugung davon zur Folge hat und somit keine Zweifel mehr da sind.

Also scheint das, was da erfahren wurde, immernoch nicht auszureichen, um die Zweifel auszuräumen und tatsächlich klar davon überzeugt zu sein, dass es dieses Ich nicht gibt.
Was würde es dir geben, wenn diese Erfahrung so eintritt wie du es dir wünscht? was wäre dann anders, besser ...?
Ich vermute, dass ein Gefühl von Befreiung damit einhergehen würde, wenn ganz klar und ohne Zweifel erkannt wäre, dass da tatächlich kein Ich ist und auch nie war.
Findet noch eine Suche statt? Wonach genau?
Ich nehme an, dass die Suche genau die ist: Die Suche nach der ganz klaren Erkenntnis, dass es kein Ich gibt und auch nie gab.

Hm. Ich glaube, "ich" bin eine harte Nuss. Sorry.

Alles Liebe

Om

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Re: Nochmal neu schauen

Postby Verananda » Tue Mar 05, 2019 9:25 pm

Liebe Om,
Zur ersten Erwartung: In den Momenten, in denen kein Ich-Gefühl wahrnehmbar ist, ist es nicht bewusst, dass es so ist. Erst hinterher, wenn Gedanken den Moment analysieren, fällt auf, dass da kein Ich-Gefühl wahrnehmbar war. Somit wird es aber in dem eigentlichen Moment, in dem es nicht wahrnehmbar ist, eben auch nicht bewusst erfahren, dass da kein Ich-Gefühl ist. Erst hinterher machen Gedanken darauf aufmerksam.
ganz genauso ist es. Etwas das nicht da ist kann man auch nicht wahrnehmen. NICHT-ICH ist nicht wahrnehmbar. NICHT-ICH gibt es nicht weil es auch ICH nicht gibt. ICH kann als Illusion erkannt werden. Es braucht erst wieder Gedanken die aus nichts etwas machen ("WOW das war jetzt aber eine tolle Kein- Ich-Gefühl-wahrnehmbar-Phase !!!! Wieso hab ich das nicht gleich gemerkt als es nicht da war ?!?! Da stimmt bestimmt mit meinem Nichtich was noch nicht ....?!?!")
Zur zweiten Erwartung: Das verwirrt. Da hält sich die Illusion hartnäckig gerade in den Situationen, in denen aktiv versucht wird, sie zu durchschauen. (Das ist gemein!) :-(
Die Illusion bleibt. Wie das Bild der Oase in der Wüste als Fatamorgana. Aber es ist als Illusion durchschaut. Das ist der Punkt. Die Erkenntnis ist es.
Die grundlegende Erwartung ist wohl die, dass da endlich die ganz klare Erkenntnis ist, ohne Zweifel, dass da kein Ich ist. Und aus irgendeinem Grund wird das immernoch angezweifelt. Der Wunsch ist, es so klar zu erkennen, dass es die Überzeugung davon zur Folge hat und somit keine Zweifel mehr da sind.
Kennst du das Spiel von "addicted to search"? - Ich suche also bin ich?
Wer bist du ohne diese Suche?

Dazu auch eine kleine Geschichte von den rosaroten Nichtelefanten:
Es war einmal ein Mensch, der war der festen Überzeugung das es diese rosaroten Elefanten von denen immer wieder geredet wurde geben müsse, es sei denn denn er würde mit eigenen Augen sehen das es diese nicht gibt. So reiste er durch die Welt auf der Suche endlich mit eigenen Augen einen rosaroten Elefanten eindeutig und zweifelsfrei entweder zu sehen oder nicht zu sehen. Seine Gedanken waren voll von diesen rosaroten Teilen. Also muss es doch irgendwo einen geben. An seinem Lebensende als er zu schwach wurde zum Reisen hatte er immernoch weder einen rosaroten Elefanten noch einen rosaroten Nichtelefanten gesehnen.
Sie waren einfach nirgends zu finden. Verzweifelt lies er den Kopf hängen und erblickte .... eine wundervolle Blume auf einer Wiese ... und noch eine .... wow ... wo kamen die denn plötzlich alle her? Sie mussten die ganze Zeit um mich herum gewesen sein? Er badete in diesen neuen Eindrücken und gluckste vor Glück. Die Elefanten waren verschwunden und die Suche beendet.
Ich vermute, dass ein Gefühl von Befreiung damit einhergehen würde, wenn ganz klar und ohne Zweifel erkannt wäre, dass da tatächlich kein Ich ist und auch nie war.
Das mit dem Gefühl der Befreiuung kann schon gut sein ..... doch vielleicht liegt die Befreiuung genau darin, das die Suche beendet ist und das Leben genauso erfahren wird wie es gerade ist: mit allen illusionären Erscheinungen, allen Gefühlen, aller Lebendigkeit, allem schönen und allem unschönen .... mit einfach allem bedingungslos? Das ist die Qualität der Hingabe von der sooft gesprochen wird .....


lass das mal alles ein bischen wirken und dann Berichte!

alles Liebe Ve

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Re: Nochmal neu schauen

Postby Verananda » Sat Mar 16, 2019 2:22 pm

wie gehts bei dir?
dass mal hören wo du gerade stehst mit den letzten Fragen!
alles Liebe Ve

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Re: Nochmal neu schauen

Postby OmLoveOm » Sat Mar 16, 2019 2:51 pm

Liebe Verananda!

Ich melde mich nach dem Wochenende wieder.

Hab ein schönes Wochenende!

Alles Liebe

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Re: Nochmal neu schauen

Postby OmLoveOm » Thu Mar 21, 2019 8:34 am

Liebe Verananda!

So, jetzt klappt es endlich mit dem Antworten.
Kennst du das Spiel von "addicted to search"? - Ich suche also bin ich?
Wer bist du ohne diese Suche?
Ja. Vielleicht klammert sich das scheinbare Ich an diese Suche und erhält sich dadurch aufrecht. Es gibt ihm sozusagen eine Daseinsberechtigung. Also: Natürlich alles nur Gedanken. Gedanken erzählen die Geschichte von einem Ich, das schon lange sucht, und somit scheint eben dieses Ich zu existieren. - Tricky. :-)

...
Das mit dem Gefühl der Befreiuung kann schon gut sein ..... doch vielleicht liegt die Befreiuung genau darin, das die Suche beendet ist und das Leben genauso erfahren wird wie es gerade ist: mit allen illusionären Erscheinungen, allen Gefühlen, aller Lebendigkeit, allem schönen und allem unschönen .... mit einfach allem bedingungslos? Das ist die Qualität der Hingabe von der sooft gesprochen wird .....
Klingt so, als wäre es an der Zeit, mit dem Zweifel aufzuhören. Denn es scheint so, als wäre alles gesehen, was es zu sehen gibt.

Ganz lieben Gruß

Om


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