Andreas

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Sariputta
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Re: Andreas

Postby Sariputta » Sat Nov 24, 2018 10:23 am

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein. Das gibt es nicht und gab es nie.
Als Illusion gab es das natürlich und hatte - wie so viele andere Illusionen auch - Wirkungen; meistens unheilvolle. Als Illusion erscheint es auch jetzt immer mal wieder, aber wenn ich mir des illusionären Charakters dieser Erfahrung bewusst werde, verliert sich diese Wirkung sofort.
2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.
Die ICH-Illusion erscheint, wenn ich mich als getrennt von der Welt und vom Anderen erlebe. Diese Trennung wiederum ist eine Folge dessen, dass sich Vorstellungen, wie etwas zu laufen habe, einstellen und ich mich mit diesen Vorstellungen identifiziere. Je mehr Wille sich auf den Versuch, die Vorstellungen durchzusetzen, entfaltet, desto stärker wird die Identifikation mit der Illusion, die dann schon lange ihren illusionären Charakter verloren hat und als Realität erlebt wird.
Das hört sich vielleicht ein bisschen abstrakt an, aber genauso erlebe ich es in vielen Beispielen meines Alltages.

3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.
Das ganze Leben, das sich in mir manifestiert, fühlt sich wesentlich entspannter und friedlicher an. Es ist keine überschwängliche Glückseligkeit und Jubel da, sondern eher eine gewisse Ernsthaftigkeit , die sich aber wunderbar anfühlt.
Im Umgang mit anderen Menschen (meiner Frau, meinen Kindern, meinen Patienten) zeigt sich eine große Gelassenheit und Mitgefühl, da ich sie nicht für das "persönlich zur Verantwortung ziehe", was sie sagen oder machen. Da ist niemand, dem Vorwürfe gemacht werden könnten ! Aber es gibt Verirrungen und Leiden, das Mitgefühl hervorruft.
4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Das waren eigentlich zwei "Schubse".
Der erste war Jorams Hinweis, dass die ICH-Illusion bestehen bleibt, aber als Illusion erkannt wird und durch diese Erkenntnis seine Wirkung verliert. Das hat mich aus einer Sackgasse befreit, weil ich immer erwartet hatte, das ICH müsste gänzlich, also auch als Illusion verschwinden.
Der zweite Schubs bestand darin, dass ich durch die letzten Fragen plötzlich ganz klar "sehen" konnte, wie diese Illusion entsteht; ich konnte sehen, - und vor allem : sehe das weiterhin in meinem Alltag - wie die Vorstellungen und Wünsche und vor allem die Identifizierung damit zur Illusion des Getrennt-Seins führen und damit zur ICH-Illusion.

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.

Entscheidungen passieren, sie ergeben sich. Da ist niemand, der sie trifft, aber es gibt ein nachträgliches Beziehen dieser Entscheidung auf ein (illusionäres) ICH, das sie angeblich getroffen hat.
Das fängt für mich bereits beim morgendlichen Aufstehen an : wenn ich aufmerksam bin, dann erlebe ich ganz klar, dass "es mich aufsteht", d.h. der Impuls kommt vor "meinem Entschluss".
Meine Verantwortung besteht - wie der Name schon sagt - darin, auf die Erfahrungen, die sich in mir zeigen, zu antworten. Es gibt dabei keinen freien Willen, aber ich bin auch nicht total determiniert. Es ist die Bewusstheit, die die totale Determiniertheit beendet und in der sich ein Gestaltungsraum eröffnet. Aber nicht ich gestalte dann, sondern es gestaltet sich; die Bewusstheit ermöglicht Veränderung, Entkonditionierung, Verlöschen der karmischen Impulse.
Verantwortung entsteht auch dadurch, dass alle Handlungen zu Folgen führen, die als Erfahrungen in "mein" Bewusstsein treten. Anders ausgedrückt : es gibt Verantwortung, aber keinen Verantwortlichen.
6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?
Ich war überrascht, wie emotional der Prozess bei mir verlief. Ich war anfangs eher hochgestimmt und ein hintergründiger Jubel war da vielleicht eine Erwartungsfreude).
Je mehr es "zur Sache" ging, desto trauriger, gereizter und übellauniger wurde ich.
Das wurde mir auch mit besorgter Miene rückgemeldet.
Nach dem Erkennen breitet sich ein sehr friedliches und entspanntes Gefühl aus.
Ich hatte während des ganzes Prozesses die Tendenz, die Fragen nicht mehr zu erinnern, obwohl sie klar und prägnant waren und ich ein gutes Gedächtnis habe. Es gab also einen inneren Widerstand, genau hinzuschauen.
Ich möchte mich natürlich auch sehr herzlich bei Joram für seine schnörkellose, direkte Art, mich zu guiden, bedanken; das hat mir sehr geholfen, nicht abzulenken, sondern dran zu bleiben.

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Joram
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Re: Andreas

Postby Joram » Sat Nov 24, 2018 8:25 pm

Es gibt dabei keinen freien Willen, aber ich bin auch nicht total determiniert. Es ist die Bewusstheit, die die totale Determiniertheit beendet und in der sich ein Gestaltungsraum eröffnet. Aber nicht ich gestalte dann, sondern es gestaltet sich; die Bewusstheit ermöglicht Veränderung
Wie genau beendet die Bewusstheit die Determiniertheit?
Ist "Bewusstheit" etwas, was abgetrennt vom Erleben existiert?
Hat "Bewusstheit" einen freien Willen?

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Sariputta
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Re: Andreas

Postby Sariputta » Sun Nov 25, 2018 8:37 am

Wie genau beendet die Bewusstheit die Determiniertheit?
Unbewusstes Sein ist determiniert; es sind die unbewusst erworbenen Gewohnheiten, die Konditionierungen, das Karma, die das Erleben und Verhalten zwangsläufig bestimmen und in immerwährenden Kreisläufen sich wiederholen lassen.
Erst Bewusstheit schafft einen Raum, in dem Veränderung sich ereignen kann. Sie wirkt wie ein Katalysator in der Chemie, der Veränderungsprozesse ermöglicht oder wie Wärme in der Physik, die ebenfalls Entwicklungen ermöglicht, die bei Kälte sich nicht ereignen können.
Wie das passieren kann, weiß ich auch nicht. Das ist für mich ein Mysterium, so wie das ganze Leben ein Mysterium ist.
Ist "Bewusstheit" etwas, was abgetrennt vom Erleben existiert?
Nein.
Bewusstheit ist eine besondere Qualität des Erlebens.
Ich kann mir der Wahrnehmungen und der Entstehungsbedingungen meines Erlebens und Verhaltens gänzlich unbewusst sein oder auch in gänzlich illusionärer Verblendung die wahren Bedingungen verkennen oder aber ich kann mir der Wahrnehmungen und des Erlebens und Verhaltens, das sie anstoßen, klar bewusst sein.
Bewusstheit stellt sich ein, auch wenn da niemand ist, dem das passiert.
Hat "Bewusstheit" einen freien Willen?
Nein.
Bewusstheit ist kein Subjekt und kein Ding, sondern eine Qualität des Seins.
Bewusstheit führt auch nicht zu einem freien Willen. Wessen freier Wille soll das auch sein ?!
Trotzdem bewirkt Bewusstheit etwas; sie befreit von Illusionen, Verkennungen, Verblendungen. Deshalb befreit sie.

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Joram
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Re: Andreas

Postby Joram » Mon Nov 26, 2018 12:25 pm

Glückwünsche :-)

Die anderen Guides haben nichts mehr hinzugefügt,
so kann ich nur sagen, herzlich Willkommen :-)

Auf Facebook gibt es noch einige Gruppen die für Interessant sein können,
ich schreibe dir eine private Nachricht und erkläre dort wie es weiter gehen kann, wenn du möchtest.

Liebe Grüße

Joram
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