Verwirrung pur

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Bernd
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Re: Verwirrung pur

Postby Bernd » Sun Apr 14, 2019 9:09 pm

Kannst du den genauen Augenblick der Entscheidung bestimmen und das konkrete Wesen finden, das diese Entscheidung zu treffen scheint?
Ist es wirklich möglich, den Moment der Entscheidung sowie den scheinbaren „Entscheider“ zu finden? Oder taucht die Idee „Ich habe mich entschieden, meinen rechten oder linken Arm (nicht) zu heben“ erst nach dem eigentlichen Ereignis auf?
Ich kann keinen genauen Zeitpunkt ausmachen. Und es ist auch kein Entscheider zu finden. Es ist ein Gedanke da , dass ich das jetzt entscheide. Und dann kommen wieder Gedanken wie: Hab ich das jetzt entschieden oder nicht ? Wo ist der Entscheider? Was bedeutet das jetzt? Ist das überhaupt relevant usw.
Gibt es da ein „in dir“? Oder ist da einfach nur wahrnehmen? Ist es so als ob „du“ durch 2 Löcher nach außen schaust, wie aus einem Zelt? 
Achte ganz genau auf die Wahrnehmung/Präsenz. Wohnt die an einem bestimmten Ort?
Die Wahrnehmung ist nicht zu finden. Ein Gefühl ist da und Gedanken sind da. Die Wahrnehmung ist immer da wo das Gefühl oder der Gedanke gerade auftaucht.

Wird das schöne Gefühl wahrgenommen? Wird Energielosigkeit wahrgenommen? Was ist immer da und immer gleich neutral?
Die Gefühle werden wahrgenommen. Und es wird der Gedanke wahrgenommen dass das jetzt aber toll bzw. doof ist.
Es gibt irgendetwas was immer da ist.aber dass ist nicht zu beschreiben. Es wird von den Gefühlen verdeckt würde ich sagen.
Und dann gibt es den Versuch das zu finden was immer da ist. Es kommt die Definition, dass es so etwas wie Liebe ist. Etwas bedingungsloses, etwas was nie zerstört werden kann. Und das ist das was ich bin. Aber letzendlich kommt dies dem wohl nur nahe und ist wieder eine Geschichte.
Ist das wirklich wahr? "Weißt" du es (gelerntes Kopfwissen), oder kannst du das spüren? Spür nochmal nach: Kannst du wirklich ein Ende des Spürens finden wenn du den Gedanken dazu nicht glaubst?
Wie fühlt sich das an, das Aufhören des Körpers? Weiß das reine Spüren was davon, oder ist das nur in Gedanken?
Das aufhören des spüren kann man nicht fühlen. Wie soll das gehen? Es wird nur etwas gespürt oder es wird nicht gespürt. Und es gibt ein spüren, hören , sehen, riechen. Die Empfindungen ändern sich aber hören nicht auf. Nur wenn ich in den Spiegel schaue kommt der Gedanke: aha die Empfindungen sind in diesem Körper.
Wenn die Augen geschlossen sind, und rein nur das Spüren wahrgenommen wird, wie ist es dann?
Es gibt dann kein Ihnen und aussen. Es ist nur reines spüren da. Innen und aussen sind nur Etiketten.
Ist „Körper“ mehr als Farbe-Geräusch-Empfindung-Geruch-Geschmack? Und Gedanken dazu und darüber?
Ein Körper ist auch ein Etikett. Ein Oberbegriff für eine Abgrenzung zu etwas anderem. Eine Art Definition für das Etikett ich. Und es finden hier unterschiedliche Prozesse statt wie Herz schlagen, Geräusche wahrnehmen, usw
Gibt es mehrere Wahrnehmungen? Eine die im Körper wohnt und dann noch eine die dem „ich“ gehört? Wo ist dieses „ich“ überhaupt. Wo bist „DU“? SCHAU mit den Sinnen. Kannst du ein „ich“ sehen-hören-spüren-riechen-schmecken?
Nein nicht mehrere Wahrnehmungen. Der Körper reagiert auf Impulse. Und dann ist da noch eine Wahrnehmung über das was gerade passiert. Aber eigentlich ist das keine wahrnehmung sondern nur eine Beschreibung über das was im Körper passiert. Und wie er auf Dinge reagiert. So würde ich das beschreiben.
Ein ich kann als Gefühl wahrgenommen bzw. beschrieben werden. Sehen kann ich das nicht. Nur als einen Gedanken der den Körper als ich etikettiert. Schmecken kann ich das nicht. Riechen auch nicht. Hören nur in Form eines Gedanken der sagt das ich das bin.

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Re: Verwirrung pur

Postby Barb » Mon Apr 15, 2019 11:21 am

Ich kann keinen genauen Zeitpunkt ausmachen. Und es ist auch kein Entscheider zu finden.
Gut gesehen...:) Beobachte das immer wieder mal während des Alltags, wie Entscheidungen zustande kommen...
Es ist ein Gedanke da , dass ich das jetzt entscheide. Und dann kommen wieder Gedanken wie: Hab ich das jetzt entschieden oder nicht ? Wo ist der Entscheider? Was bedeutet das jetzt? Ist das überhaupt relevant usw.
Ja genau, die Gedanken sagen dies, die Gedanken sagen das. Kannst du bestimmen welche Gedanken aufkommen?

Schauen wir uns das mal näher an. Nimm dir dazu ein bisschen Zeit, mache es dir ganz bequem. Atme sanft und langsam, entspanne den Körper. Schließe die Augen und beobachte:

1. Wo kommen die Gedanken her und wo gehen sie hin? Warte neugierig auf den nächsten Gedanken und sieh nach.

2. Kannst du vorhersagen, welcher Gedanke als nächstes kommt? Kannst du verhindern, dass er erscheint, wenn er dir nicht gefällt? Kannst du einen Gedanken ungeschehen machen, wenn er einmal erschienen ist?

3. Kannst du die Entscheidung treffen, längere Zeit NICHT zu denken?

4. Kannst du kontrollieren nur besonders schöne und angenehme Gedanken zu denken?

5. Denke an eine Zahl zwischen 1 und 100. Weißt du, welche Zahl kommt, bevor sie erscheint?

6. Ist der Gedanke "Ich" eine besondere Art Gedanke, der andere Gedanken denken kann? Oder kommt er von derselben Stelle wie die anderen Gedanken

7. Findest du jemanden, der denkt, oder geschieht das alles von selbst, ohne Kontrolle durch einen Denker?


Die Wahrnehmung ist nicht zu finden. Ein Gefühl ist da und Gedanken sind da. Die Wahrnehmung ist immer da wo das Gefühl oder der Gedanke gerade auftaucht.
Die Wahrnehmung ist immer da, genau. Egal ob Gefühltes, Gesehenes, Gehörtes, Gespürtes, Geschmecktes, Gerochenes, Gedachtes - all diese Erfahrungen werden wahrgenommen...
Die Gefühle werden wahrgenommen. Und es wird der Gedanke wahrgenommen dass das jetzt aber toll bzw. doof ist. 
Es gibt irgendetwas was immer da ist.aber dass ist nicht zu beschreiben. Es wird von den Gefühlen verdeckt würde ich sagen.
Es ist der Prozess des Wahrnehmens der immer da ist. Wahrnehmung selbst kann nicht wahrgenommen werden, also ist sie nicht verdeckt von Gefühlen, sondern dadurch dass Gefühle (oder andere Erfahrungen) wahrgenommen werden, weißt du dass wahrnehmen ist... Macht das Sinn für dich?
Und dann gibt es den Versuch das zu finden was immer da ist. Es kommt die Definition, dass es so etwas wie Liebe ist. Etwas bedingungsloses, etwas was nie zerstört werden kann.
Gewahrsein ist bedingungslos, ganz genau. Manche nennen es auch Liebe... es ist immer ein wenig schwierig mit Worten. Viele sind sehr mit Geschichten und Erwartungen behaftet... Gewahrsein, Leben, Sein, Existenz, Wahrnehmung, Erfahrung... alles Definitionen des einen Unbeschreiblichen...
Und das ist das was ich bin..
Muss es ein „Ich“ geben, das ist?
Was wäre wenn es keine Objekte gibt, sondern einfach nur Prozesse?
Keine Substantive nur Verben... leben....fließen...... sein....
Aber letzendlich kommt dies dem wohl nur nahe und ist wieder eine Geschichte
Es ist immer schwierig bzw. unmöglich das Absolute in Worten auszudrücken. Zur Kommunikation auf der relativen Ebene sind sie ein sehr nützliches Werkzeug, aber dennoch eine ungenaue Beschreibung der Wirklichkeit. Und letztendlich sind es die Worte, die Sprache, die Gedanken, die eine Trennung - die, wenn man genau hinschaut gar nicht real ist - vorgaukeln...
Es wird nur etwas gespürt oder es wird nicht gespürt.
Wirklich? Gibt es „nicht spüren“? Gibt es eine Erfahrung von „Nichts“?
Und es gibt ein spüren, hören , sehen, riechen. Die Empfindungen ändern sich aber hören nicht auf.
Ja genau...
Nur wenn ich in den Spiegel schaue kommt der Gedanke: aha die Empfindungen sind in diesem Körper.
Die Gedanken sagen das, aber mit geschlossenen Augen, ohne Gedanken, findest du da ein „im Körper“? Findest du da überhaupt einen Körper?
Es gibt dann kein Ihnen und aussen. Es ist nur reines spüren da. Innen und aussen sind nur Etiketten.
Sehr schön gesehen... :)
Ein ich kann als Gefühl wahrgenommen bzw. beschrieben werden.
Wie und wo ist dieses Gefühl? Aus was besteht es?
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Bernd
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Re: Verwirrung pur

Postby Bernd » Tue Apr 16, 2019 9:22 pm

1. Wo kommen die Gedanken her und wo gehen sie hin? Warte neugierig auf den nächsten Gedanken und sieh nach.

2. Kannst du vorhersagen, welcher Gedanke als nächstes kommt? Kannst du verhindern, dass er erscheint, wenn er dir nicht gefällt? Kannst du einen Gedanken ungeschehen machen, wenn er einmal erschienen ist?

3. Kannst du die Entscheidung treffen, längere Zeit NICHT zu denken?

4. Kannst du kontrollieren nur besonders schöne und angenehme Gedanken zu denken?

5. Denke an eine Zahl zwischen 1 und 100. Weißt du, welche Zahl kommt, bevor sie erscheint?

6. Ist der Gedanke "Ich" eine besondere Art Gedanke, der andere Gedanken denken kann? Oder kommt er von derselben Stelle wie die anderen Gedanken

7. Findest du jemanden, der denkt, oder geschieht das alles von selbst, ohne Kontrolle durch einen Denker? 
Ich weiss weder woher die Gedanken kommen noch wo sie hingehen. Und ich kann auch nicht verhindern bestimmte Gedanken zu denken oder nicht zu denke . Ungeschehen machen kann ich sie auch nicht. Nicht zu denken kann ich auch nicht. Vielleicht können das buddhistische Mönche aber ich kann es nicht.
Ich kann auch nicht nur schöne Gedanken denken. Aber ich kann Gedanken wahrnehmen. Wahrnehmen und den Gedanken glauben oder nicht glauben und ihn auf Wahrheit überprüfen. Und ich habe erlebt dass dadurch der Gedanke nicht wieder auftaucht. Aber ob ich das tue oder nicht habe ich dann ja auch nicht in der Hand. Es erscheint aber so als könnte ich diese Entscheidung treffen auch wenn ich keinen finde der dies entscheidet und keinen genauen Zeitpunkt kg wo dies entschieden wird.... Hilfe....
Ich der Gedanke "ich" kommt auch von der gleichen Stelle. Er kann keinen anderen Gedanken denken. Nur hat er eine andere Ladung. Er erscheint in Kombination mit einem Gefühl. Und er ist irgendwie immer präsent. Andere Gedanken kommen und gehen aber sehr oft gibt es Gedanken mit einem " Ich " davor
Es gibt keinen der denkt. Das denken ist ein Prozess der wahrgenommen wird.

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Re: Verwirrung pur

Postby Bernd » Tue Apr 16, 2019 9:39 pm

Es ist der Prozess des Wahrnehmens der immer da ist. Wahrnehmung selbst kann nicht wahrgenommen werden, also ist sie nicht verdeckt von Gefühlen, sondern dadurch dass Gefühle (oder andere Erfahrungen) wahrgenommen werden, weißt du dass wahrnehmen ist... Macht das Sinn für dich?
Also die Wahrnehmung ist immer da. Es werden Gedanken und Gefühle wahrgenommen. Und manchmal wird ein Gefühl mit dem gedanken ich wahrgenommen. Und diese ich Gefühl ist sehr oft da.

Muss es ein „Ich“ geben, das ist?
Was wäre wenn es keine Objekte gibt, sondern einfach nur Prozesse? Keine Substantive nur Verben... leben....fließen...... sein....
Das würde sich sehr friedlich anfühlen. Niemand der etwas schaffen und erreichen muss.
Wirklich? Gibt es „nicht spüren“? Gibt es eine Erfahrung von „Nichts“?
Nein. Es wird etwas gespürt. Wobei es auch Momente gibt wo nichts gespürt wird. Z.b. im Traum.
Wie und wo ist dieses Gefühl? Aus was besteht es?
Aus was es besteht kann ich nicht sagen. Und ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll. Es ist irgendwie nichts und es befindet sich in der bauchgegend. Komisch ist das wenn ich das jetzt beschreibe. Ich beschreibe ein ich ....

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Re: Verwirrung pur

Postby Barb » Wed Apr 17, 2019 11:16 am

Sehr schön geschaut!
Aber ich kann Gedanken wahrnehmen.
Findest du da eine Trennung? Ein „Ich“ das Gedanken wahrnimmt? Gibt es Wahrnehmer – wahrnehmen – Wahrgenommenes? Oder einfach nur wahrnehmen?
Wahrnehmen und den Gedanken glauben oder nicht glauben und ihn auf Wahrheit überprüfen. Und ich habe erlebt dass dadurch der Gedanke nicht wieder auftaucht. Aber ob ich das tue oder nicht habe ich dann ja auch nicht in der Hand.
Gut beobachtet :)
Es erscheint aber so als könnte ich diese Entscheidung treffen auch wenn ich keinen finde der dies entscheidet und keinen genauen Zeitpunkt kg wo dies entschieden wird.... Hilfe..
..

Ja, das kann anfangs schon ein wenig irritierend bzw. auch erschreckend sein wenn das gesehen wird. Das ist nur aufgrund der Konditionierungen, und vor allem wegen der Sprache... Wir sind so aufgewachsen, so erzogen worden. Die ganze Welt glaubt daran ohne es zu hinterfragen. Und wenn man beginnt es zu hinterfragen – so wie wir das hier tun – kann das das System schon mal in Aufruhr versetzen... Alles was neu und ungewohnt ist wird zuerst einmal mit Argwohn und Skepsis betrachtet... :)

Aber ich kann dich beruhigen. Es hat doch bis jetzt auch keinen Entscheider gebraucht damit diese Erscheinung, die „Bernd“ genannt wird, atmen, essen, trinken, gehen, herzklopfen, verdauen usw. kann... :) Entscheidungen geschehen, braucht es einen Entscheider? Sitzt im Baum ein Entscheider, der sagt: So jetzt die Blätter von grün auf gelb... - und jetzt fallen lassen - und ein paar Monate darauf wieder spriessen..? Oder geschieht das einfach von ganz alleine?... :)
Ich der Gedanke "ich" kommt auch von der gleichen Stelle. Er kann keinen anderen Gedanken denken.
:)
Nur hat er eine andere Ladung. Er erscheint in Kombination mit einem Gefühl. Und er ist irgendwie immer präsent.
Ist das wirklich wahr? Entspricht das der Realität, oder sind das wieder nur weitere Gedanken die eine Geschichte erzählen?
Andere Gedanken kommen und gehen aber sehr oft gibt es Gedanken mit einem " Ich " davor
Ja, ca. 75% der Gedanken drehen sich um ein illusionäres „Ich“... Schon lustig, nicht? Aber: auch das wird gesehen, nicht wahr?
Es gibt keinen der denkt. Das denken ist ein Prozess der wahrgenommen wird.
Genau
Also die Wahrnehmung ist immer da. Es werden Gedanken und Gefühle wahrgenommen. Und manchmal wird ein Gefühl mit dem gedanken ich wahrgenommen. Und diese ich Gefühl ist sehr oft da.
Sollte das verschwinden? Was wäre, wenn dieses „Ich-Gefühl“ auch nach dem Tor nicht weggehen würde?
Was wäre wenn es keine Objekte gibt, sondern einfach nur Prozesse? Keine Substantive nur Verben... leben....fließen...... sein....
Das würde sich sehr friedlich anfühlen. Niemand der etwas schaffen und erreichen muss.
Du hast schon gesehen, dass du nicht der Kontrolleur deiner Entscheidungen bist (beim Armheben).. Versuche immer wieder im Alltag zu beobachten, wie Entscheidungen zustande kommen. Am Abend, wenn du im Bett liegst, dann picke dir eine Entscheidung heraus, die „du“ vermeintlich tagsüber getroffen hat. Verfolge diese Entscheidung bis zu ihrem Ursprung... Schau ob du einen Entscheider findest, oder ob einfach entscheiden geschieht... Erzähl mir davon, ich bin neugierig, was du findest.. :)
Aus was es besteht kann ich nicht sagen. Und ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll. Es ist irgendwie nichts und es befindet sich in der bauchgegend. Komisch ist das wenn ich das jetzt beschreibe. Ich beschreibe ein ich ....
Haha... :) Ja, wenn es zu dämmern beginnt, dass es gar kein „Ich“ gibt, dann erscheinen manche Dinge komisch... Wenn du den Gedanken nicht glaubst, ist es dann nicht einfach nur eine Art Kontraktion in der Bauchgegend? Und manchmal heftet sich da ein Gedanke drauf, der sagt „ich-ich-ich“?... :)
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Re: Verwirrung pur

Postby Bernd » Mon Apr 22, 2019 7:59 pm

Findest du da eine Trennung? Ein „Ich“ das Gedanken wahrnimmt? Gibt es Wahrnehmer – wahrnehmen – Wahrgenommenes? Oder einfach nur wahrnehmen?
Es ist nur ein einfaches wahrnehmen da. Dass ich das bin der das wahrnimmt ist ein Gedanke. Dass es etwas gibt was von mir wahrgenommen werden kann ist ebenfalls eine Geschichte. Und es spricht auch nichts gegen die Geschichte. Sind halt Gedanken die auftauchen. Die Gedanken kommen halt oder eben nicht. Eigentlich völlig egal. Es ist nicht möglich ein ich zu finden welches irgendwas wahrnimmt ohne eine Geschichte daraus zu machen.
Ja, das kann anfangs schon ein wenig irritierend bzw. auch erschreckend sein wenn das gesehen wird. Das ist nur aufgrund der Konditionierungen, und vor allem wegen der Sprache... Wir sind so aufgewachsen, so erzogen worden. Die ganze Welt glaubt daran ohne es zu hinterfragen. Und wenn man beginnt es zu hinterfragen – so wie wir das hier tun – kann das das System schon mal in Aufruhr versetzen... Alles was neu und ungewohnt ist wird zuerst einmal mit Argwohn und Skepsis betrachtet... :) 
Das ist total schön was du da geschrieben hast. Es fühlt sich alles sehr verwirrend an für mich. Aber es wird langsam immer klarer. Und wirklich ganz lieben Dank dass du dir die Zeit nimmst. Das ist wirklich toll.:-)
Entscheidungen geschehen, braucht es einen Entscheider? Sitzt im Baum ein Entscheider, der sagt: So jetzt die Blätter von grün auf gelb... - und jetzt fallen lassen - und ein paar Monate darauf wieder spriessen..? Oder geschieht das einfach von ganz alleine?... :)
Na wenn ich jetzt behaupte würde dass in einem Baum ein Entscheider sitzt dann muss ich mir wohl noch woanders Hilfe suchen ;-)
Es passiert natürlich alles von selbst. Egal ob ich mir eine Geschichte erzähle oder behaupte dass es ein ich gibt oder nicht. Die Dinge passieren so oder so..

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Re: Verwirrung pur

Postby Bernd » Mon Apr 22, 2019 8:11 pm

Ist das wirklich wahr? Entspricht das der Realität, oder sind das wieder nur weitere Gedanken die eine Geschichte erzählen?
Es sind Gedanken die eine Geschichte erzählen. Gedanken über ein ich und diese Gedanken lösen Gefühle aus. Z.B. wenn der Gedanke kommt : ich bin nicht in Ordnung, erscheint ein trauriges Gefühl. Oder der Gedanke: alles was ich tue ergibt keinen Sinn, dann erscheint auch ein trauriges Gefühl. Und das ist seit ein paar Tagen sehr präsent. Auch wenn die Gedanken erscheinen ohne das ich etwas tue.
Ja, ca. 75% der Gedanken drehen sich um ein illusionäres „Ich“... Schon lustig, nicht? Aber: auch das wird gesehen, nicht wahr?
Ja schon. Nur fühlt es sich gerade überhaupt nicht lustig an.
Wenn du den Gedanken nicht glaubst, ist es dann nicht einfach nur eine Art Kontraktion in der Bauchgegend? Und manchmal heftet sich da ein Gedanke drauf, der sagt „ich-ich-ich“?... :)
Ja das stimmt. Aber im normalen Alltag ist da kein erkennen da. Es ist nur wenn ich genau hingucken und Ruhe dazu habe.

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Re: Verwirrung pur

Postby Barb » Tue Apr 23, 2019 11:31 am

2 Fragen sind noch übriggeblieben, vielleicht hast du sie übersehen... :) Bitte befasse immer mit allen Fragen und beantworte sie. In einer der Fragen könnte der Schlüssel liegen, wir wissen nicht in welcher... :)

Ich werde auf alles andere eingehen, wenn du die noch beantwortet hast...


Also die Wahrnehmung ist immer da. Es werden Gedanken und Gefühle wahrgenommen. Und manchmal wird ein Gefühl mit dem gedanken ich wahrgenommen. Und diese ich Gefühl ist sehr oft da.
Sollte das verschwinden? Was wäre, wenn dieses „Ich-Gefühl“ auch nach dem Tor nicht weggehen würde?
Das würde sich sehr friedlich anfühlen. Niemand der etwas schaffen und erreichen muss.
Du hast schon gesehen, dass du nicht der Kontrolleur deiner Entscheidungen bist (beim Armheben).. Versuche immer wieder im Alltag zu beobachten, wie Entscheidungen zustande kommen. Am Abend, wenn du im Bett liegst, dann picke dir eine Entscheidung heraus, die „du“ vermeintlich tagsüber getroffen hat. Verfolge diese Entscheidung bis zu ihrem Ursprung... Schau ob du einen Entscheider findest, oder ob einfach entscheiden geschieht... Erzähl mir davon, ich bin neugierig, was du findest.. :)
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Re: Verwirrung pur

Postby Bernd » Tue Apr 23, 2019 8:37 pm

Oh sorry. Habe ich überlesen.
Hier meine antworten:
Sollte das verschwinden? Was wäre, wenn dieses „Ich-Gefühl“ auch nach dem Tor nicht weggehen würde?
Ich glaube nicht dass das verschwinden wird. Aber irgendetwas passiert ja wenn man das klar sieht. Oder vielmehr klar gesehen wird. Und es ist bestimmt auch irgendetwas anders. Nur was weiss ich nicht. Es kommt der Gedanke nach Frieden. Und es gab Situationen wo dieser Frieden bereits da war. Und der war bedimgungslos unabhängig vom ich Gefühl. So stell ich mir das vor. Und ich kann sehen dass es wieder eine Geschichte ist...
Am Abend, wenn du im Bett liegst, dann picke dir eine Entscheidung heraus, die „du“ vermeintlich tagsüber getroffen hat. Verfolge diese Entscheidung bis zu ihrem Ursprung... Schau ob du einen Entscheider findest, oder ob einfach entscheiden geschieht... Erzähl mir davon, ich bin neugierig, was du findest.. :)
Ok, ich Versuch es mal.
Heute Abend als ich vom Fussball nach Hause kam, habe ich entschieden noch etwas zu kochen. Zunächst war ein abwiegen da. Koch ich noch etwas oder esse ich ein Brot. Dieses abwiegen waren Gedanken. Dann kam der Gedanke dass ich mir ja ein tolles Rezept für eine blumenkohlsuppe rausgesucht und die Zutaten schon eingekauft hatte. Ich ging in die Küche und fing an zu kochen. Einen Entscheider kann ich nicht finden. Es kamen Gedanken: koche ich jetzt , koche ich nicht, und dann kam der Gedanke: ja ich koche. Dann setzte sich mein Körper in Bewegung und fing an zu kochen. Ich weiss nicht ob der Körper dem Gedanken folgte oder ob der Körper es zuerst getan hat und es dann den Gedanken drüber gab. Das kann ich nicht beurteilen.

Ist das richtig so?

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Re: Verwirrung pur

Postby Barb » Wed Apr 24, 2019 10:18 am

Ich komme heute leider nicht dazu auf deine Antworten einzugehen. Ich schreibe dann morgen wieder.

Bis dahin habe ich eine tolle Übung für dich um mal so richtig die direkte Erfahrung kennen zu lernen.

Es ist gut sich etwas Zeit zu nehmen, um zu schauen, was direktes Erleben ganz konkret ist – das erleichtert alle anderen Schritte. 
Wenn ich dich frage, welche Farbe deine Socken haben, die du gerade trägst, hast du zwei Möglichkeiten, eine Antwort zu finden:

Du kannst darüber nachdenken, du kannst an den heutigen Morgen zurückdenken und versuchen, dich daran zu erinnern, wie du deine Socken angezogen hast, und du kannst mir sagen, welche Farbe du für wahrscheinlich hältst.

Alternativ kannst du deine Socken kurz ansehen und mir sagen, welche Farbe sie tatsächlich haben :)
Sicher sein kannst du nur, wenn du nachsiehst, richtig?

Wenn du mal nachsiehst, kannst du etwas auf eine andere Art und Weise erfahren als durch Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, körperliche Empfindung, Denken (nur das Vorhandensein des Denkens, nicht der Inhalt)?

Alles, was gesehen, gehört, berührt, gerochen und geschmeckt werden kann, ist das Wirkliche, das was ist.
Gedankeninhalte können nicht wirklich erlebt werden, nur in der Fantasie. Die meiste Zeit bewegen wir uns in dieser Cyberwirklichkeit und nehmen gar nicht an dem Leben teil, durch das der Körper geht.

Probiere es mal aus wie es ist, in der Wirklichkeit zu sein. Reduziere die Wirklichkeit dabei auf die Namen, die der Wahrnehmung am nächsten sind.
Mache diese Übung so häufig wie möglich über den ganz Tag verteilt. Benenne jede Erfahrung einfach als sehen-hören-spüren-riechen-schmecken-denken.

Mache das, während du dir verschiedener Dinge bewusst wirst. Zu Beginn ist es ganz hilfreich, die Label – also sehen-hören-spüren-riechen-schmecken-denken – laut auzusprechen. Wenn du merkst, dass du wieder ins Kopfkinoversum abgedriftet bist, dann freue dich darüber, dass du es bemerkt hast, und mache wieder weiter die direkte Erfahrung zu benennen.


Das kann z. B. folgendermaßen aussehen:

Eine Tasse wahrnehmen = sehen
Der Geruch von Kaffee = riechen
Die Wärme der Tasse = spüren
Das Klirren des Löffels in der Tasse beim Umrühren = hören
Gedanke jetzt gleich einen Schluck zu nehmen = denken
Einen Baum im Blickfeld = sehen
Den Wind im Gesicht = spüren .
Die Zahnpasta auf der Zahnbürste = schmecken .
Ein vorbeifahrendes Auto = hören.
Gedanke an die Arbeit = denken . (Gedanken können Wörter und geistige Bilder sein).

Es gibt zwei Arten von Gedanken:

1- Der Gedanke weist auf etwas was in diesem Moment via Sinne wahrnehmbar ist – der Gedanke ‚labelt‘.
2- Der Gedanke weist auf einen anderen Gedanken, das ist Gedankeninhalt und die Geschichte, die erzählt wird.

Geh ganz entspannt und locker dazu... Sei neugierig, erforsche die Wirklichkeit wie ein Detektiv... :)
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Re: Verwirrung pur

Postby Barb » Thu Apr 25, 2019 11:37 am

.

Magst du vielleicht zuerst ein wenig erzählen, wie es dir mit dem Wahrnehmen der direkten Erfahrung ergangen ist?
Es ist nur ein einfaches wahrnehmen da. Dass ich das bin der das wahrnimmt ist ein Gedanke. Dass es etwas gibt was von mir wahrgenommen werden kann ist ebenfalls eine Geschichte. Und es spricht auch nichts gegen die Geschichte. Sind halt Gedanken die auftauchen. Die Gedanken kommen halt oder eben nicht. Eigentlich völlig egal. Es ist nicht möglich ein ich zu finden welches irgendwas wahrnimmt ohne eine Geschichte daraus zu machen.
Sehr schön gesehen!
Und wirklich ganz lieben Dank dass du dir die Zeit nimmst. Das ist wirklich toll.:-)
Sehr gerne, ist mir ein großes Vergnügen :)
Entscheidungen geschehen, braucht es einen Entscheider? Sitzt im Baum ein Entscheider, der sagt: So jetzt die Blätter von grün auf gelb... - und jetzt fallen lassen - und ein paar Monate darauf wieder spriessen..? Oder geschieht das einfach von ganz alleine?... :)
Na wenn ich jetzt behaupte würde dass in einem Baum ein Entscheider sitzt dann muss ich mir wohl noch woanders Hilfe suchen ;-)
:))
Es passiert natürlich alles von selbst. Egal ob ich mir eine Geschichte erzähle oder behaupte dass es ein ich gibt oder nicht. Die Dinge passieren so oder so.
Genau so...
Ist das wirklich wahr? Entspricht das der Realität, oder sind das wieder nur weitere Gedanken die eine Geschichte erzählen?
Es sind Gedanken die eine Geschichte erzählen. Gedanken über ein ich und diese Gedanken lösen Gefühle aus. Z.B. wenn der Gedanke kommt : ich bin nicht in Ordnung, erscheint ein trauriges Gefühl.

Beobachte mal ganz genau so gut und so oft es geht: Sind diese „Gefühle“ immer körperlich spürbar? Wenn nicht sind es nur verkleidete Gedanken, die sagen das ist ein Gefühl... Und wenn da körperlich was da ist, beobachte weiter, ob gewisse Empfindungen (Druck, Enge...) mal mit dieser Emotion bezeichnet werden, und mal mit einer anderen, und mal vielleicht mit gar keiner...Und ob manchmal zuerst ein Gedanke da ist und dann ein Gefühl, und dann wieder umgekehrt..
Oder der Gedanke: alles was ich tue ergibt keinen Sinn, dann erscheint auch ein trauriges Gefühl. Und das ist seit ein paar Tagen sehr präsent. Auch wenn die Gedanken erscheinen ohne das ich etwas tue.
Jaja, das ist unsere ergebnisorientierte Konditionierung... Was wäre, wenn es überhaupt keinen Sinn haben müsste was du tust, sondern wenn das Tun der Sinn wäre? Und wenn es überhaupt keinen „tieferen“ Sinn für deine Existenz bräuchte, wenn einfach das Sein, dass als „Bernd“ erscheint, Sinn genug wäre?
Wenn du den Gedanken nicht glaubst, ist es dann nicht einfach nur eine Art Kontraktion in der Bauchgegend? Und manchmal heftet sich da ein Gedanke drauf, der sagt „ich-ich-ich“?... :)
Ja das stimmt. Aber im normalen Alltag ist da kein erkennen da. Es ist nur wenn ich genau hingucken und Ruhe dazu habe
Das muss einfach geübt werden. Lebenslange Konditionierungen lösen sich nicht so schnell auf... Einfach immer wieder nachschauen bis es zum Selbstläufer wird....
Sollte das verschwinden? Was wäre, wenn dieses „Ich-Gefühl“ auch nach dem Tor nicht weggehen würde?
Ich glaube nicht dass das verschwinden wird. Aber irgendetwas passiert ja wenn man das klar sieht. Oder vielmehr klar gesehen wird.
Außer, dass gesehen wird, muss gar nichts geschehen... :)
Hast du mal an den Weihnachtsmann oder an das Christkind geglaubt? Ist irgendetwas geschehen, als du gesehen hast, dass das nur eine Geschichte ist?
Und es ist bestimmt auch irgendetwas anders. Nur was weiss ich nicht. Es kommt der Gedanke nach Frieden.
Nur die Erwartungen einer großartigen Erkenntnis/Zustand sind es, die dem klaren Sehen im Weg stehen. Dieses einfach nicht glauben wollen, dass es das sein kann... Das hier? Das was jetzt da ist? Genau so wie es sich jetzt zeigt? Neinneinnein... das kann es nicht sein, da muss noch mehr sein.... ;)) Aber das sind nur Gedanken, die gemäß unserer Vergangenheit aufploppen... Für den Verstand ist das alles viel zu einfach, man kann sich nicht den Weg durchs Tor durchdenken, nur mit der direkten Erfahrung geht das...
Und es gab Situationen wo dieser Frieden bereits da war. Und der war bedimgungslos unabhängig vom ich Gefühl.
Wurde das gesehen? Wahrgenommen? Scheint so, sonst wäre keine Erinnerung daran da... Dieses wahrnehmen ist vorm Frieden, vor allen Bedingungen... Das ist das Bedingungslose was immer da ist.. Kannst du das erkennen?
So stell ich mir das vor. Und ich kann sehen dass es wieder eine Geschichte ist...
Sehr schön, dass du das siehst...:)
Ich weiss nicht ob der Körper dem Gedanken folgte oder ob der Körper es zuerst getan hat und es dann den Gedanken drüber gab. Das kann ich nicht beurteilen
„Ich weiß nicht“ ist das Allerbeste... :)
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Re: Verwirrung pur

Postby Bernd » Sat Apr 27, 2019 8:58 am

Magst du vielleicht zuerst ein wenig erzählen, wie es dir mit dem Wahrnehmen der direkten Erfahrung ergangen ist?
Es ist, so dass eine gewisse Ruhe einkehrt. Und die Gedanken werden als Denken wahrgenommen und der Inhalt als etwas was sich ständig wandelt und keine Substanz hat. Keine Identifikation mit dem Inhalt des Denkens. Nichts mehr da. Die Gedanken werden dann sehr vielschichtig und es werden mehr, dass mir dass wahrnehmen dann nach einer kurzen zeit wieder schwer fällt. Die Gedanken versuchen irgendwie die Überhand zu gewinnen.

Beobachte mal ganz genau so gut und so oft es geht: Sind diese „Gefühle“ immer körperlich spürbar? Wenn nicht sind es nur verkleidete Gedanken, die sagen das ist ein Gefühl... Und wenn da körperlich was da ist, beobachte weiter, ob gewisse Empfindungen (Druck, Enge...) mal mit dieser Emotion bezeichnet werden, und mal mit einer anderen, und mal vielleicht mit gar keiner...Und ob manchmal zuerst ein Gedanke da ist und dann ein Gefühl, und dann wieder umgekehrt..
Ich glaube es ist mal ein Gedanke zuerst da und mal ein Gefühl. Es scheint so als wenn ein Gefühl die Reaktion auf ein Gedanke ist. Und wenn das Gefühl nicht etikettiert wird ist kein Problem da. Erst der Gedanke macht das Gefühl zu einem Problem. Manchmal sind einfach Gefühle da. Druck, enge, Freude, usw. Und ja, diese Gefühle werden wahrgenommen und dann bezeichnet.. Und dann wird das Gefühl künstlich am Leben erhalten erhalten und es entsteht eine Endlosschleife. Gedanke, Gefühl, Gedanke, Gefühl,. Und dann ist irgendwann wieder vorbei und es geht wieder von vorne los. Ich würde sagen das sind so eine Art musterprozese die immer wieder stattfinden aus Gewohnheit.
Ich würde sagen dass Gefühle immer körperlich spürbarbar sind oder kannst du die Frage nochmal anders formulieren? Weiss nicht so genau was du meinst..

Jaja, das ist unsere ergebnisorientierte Konditionierung... Was wäre, wenn es überhaupt keinen Sinn haben müsste was du tust, sondern wenn das Tun der Sinn wäre? Und wenn es überhaupt keinen „tieferen“ Sinn für deine Existenz bräuchte, wenn einfach das Sein, dass als „Bernd“ erscheint, Sinn genug wäre?
Das fühlt sich sehr friedlich an. Zumindest jetzt gerade. Und es kommen Gedanken darüber dass dann ja alles sinnlos wäre. Und ich für nichts mehr kämpfen müsste, mich nichts mehr motivieren kann, das Leben sehr emotionslos sein würde, ich mich für nichts mehr begeistern kann. Und das ist auch dass was in mir seit längere Zeit passiert. Diese beiden Seiten wechseln sich immer ab. Auf der einen Seite der innere Frieden, der nichts braucht und der immer da ist, und die Depression, dass alles so belanglos ist und nichts mehr wirklich wichtig.
Hast du mal an den Weihnachtsmann oder an das Christkind geglaubt? Ist irgendetwas geschehen, als du gesehen hast, dass das nur eine Geschichte ist?
Es ist nichts geschehen, außer Gedanken und Gefühle. Ein gewisse Enttäuschheit vielleicht, ich weiß es nicht mehr so genau.

Wurde das gesehen? Wahrgenommen? Scheint so, sonst wäre keine Erinnerung daran da... Dieses wahrnehmen ist vorm Frieden, vor allen Bedingungen... Das ist das Bedingungslose was immer da ist.. Kannst du das erkennen?
Ja. Der Frieden wurde wahrgenommen. Und da er jetzt gerade nicht wahrgenommen wird ist es eine Gefühl was kommt und geht. Mal ist er da und mal nicht. Und da ich darüber schreiben kann kann es nicht dass sein was wahrnimmt. Die Wahrnehmung selbst ist das was immer da ist und kann ja selbst nicht wahrgenommen werden. Das was jetzt gerade da ist, immer da war und immer da sei wird muss eine andere Instanz sein, etwas was noch dahinter ist als Basis oder so..

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Barb
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Re: Verwirrung pur

Postby Barb » Sat Apr 27, 2019 12:05 pm

Es ist, so dass eine gewisse Ruhe einkehrt. Und die Gedanken werden als Denken wahrgenommen und der Inhalt als etwas was sich ständig wandelt und keine Substanz hat. Keine Identifikation mit dem Inhalt des Denkens. Nichts mehr da.
Hört sich ja richtig gut an… :)
Die Gedanken werden dann sehr vielschichtig und es werden mehr, dass mir dass wahrnehmen dann nach einer kurzen zeit wieder schwer fällt. Die Gedanken versuchen irgendwie die Überhand zu gewinnen.
Das ist einfach nur Gewohnheit. Versuche so oft wie möglich im Alltag, bei Routinetätigkeiten, wenn nicht die volle Konzentration erforderlich ist in die DE zu kommen.

Sehr hilfreich kann es auch sein, wenn du so eine kurze tägliche Achtsamkeitspraxis etablierst. Die könnte so aussehen:

Nimm dir einen Timer zur Hand (oder vielleicht eine App, wo du einstellen kannst, dass jede Minute ein Gong ertönt...)

Dann mach es dir ganz bequem, entspanne.

Für die 1. Minute lass die Augen offen und richte die Aufmerksam nur aufs Sehen. Blick dich im Zimmer um und jedes mal, wenn der Blick auf einem Objekt haften bleibt, sagst du laut „sehen“. Die auftauchenden Gedanken lass durchziehen. Sehen – Sehen – Sehen......

Für die zweite Minute schließe die Augen, und konzentriere dich aufs Hören. Ganz egal ob Kühlschrank, Auto, jedes mal wenn die Aufmerksamkeit auf ein Geräusch kommt label es laut mit „hören“. Hören – Hören – Hören.....

Für die dritte Minute konzentriere dich aufs spüren (nur Körperempfindungen). Ganz egal ob der Druck vom Hintern auf dem Stuhl, das Jucken am Fuß, die Verspannung im Nacken, das Grummeln oder Druck im Bauch, Enge in der Brust oder Kehle.... benenne es mit „spüren“. Alles andere wieder ignorieren.... Spüren – Spüren – Spüren.

Die vierte Minute widme dem Denken. Nicht der Inhalt ist wichtig, nur das bemerken von auftauchenden Gedanken...(egal ob Wort- oder Bildgedanken) Sprich laut das Label „denken“. Denken – Denken – Denken..

Die fünfte Minute (wenn du möchtest kannst du auch länger) lass die Aufmerksamkeit frei, und was auch immer in das Wahrnehmungsfeld kommt versehe mit einem Label. Hören – denken – spüren – spüren – denken – sehen ….......

Wenn du merkst, dass du in Gedankengeschichten abgedriftet bist, dann freue dich, dass du es gemerkt hast, und komme wieder zur direkten Erfahrung zurück.. :)

Ich glaube es ist mal ein Gedanke zuerst da und mal ein Gefühl. Es scheint so als wenn ein Gefühl die Reaktion auf ein Gedanke ist.
Wenn du beobachtest wirst du sehen, dass das auch oft ganz unabhängig ist...
Und wenn das Gefühl nicht etikettiert wird ist kein Problem da. Erst der Gedanke macht das Gefühl zu einem Problem.
Genau, erst durch Gedankengeschichten beginnt das Leiden...
Manchmal sind einfach Gefühle da. Druck, enge, Freude, usw. Und ja, diese Gefühle werden wahrgenommen und dann bezeichnet.. Und dann wird das Gefühl künstlich am Leben erhalten erhalten und es entsteht eine Endlosschleife. Gedanke, Gefühl, Gedanke, Gefühl,. Und dann ist irgendwann wieder vorbei und es geht wieder von vorne los. Ich würde sagen das sind so eine Art musterprozese die immer wieder stattfinden aus Gewohnheit.
Gut beobachtet :)
Ich würde sagen dass Gefühle immer körperlich spürbarbar sind oder kannst du die Frage nochmal anders formulieren? Weiss nicht so genau was du meinst..
Naja, ist es nicht manchmal einfach so, dass gar keine großartigen körperlichen Empfindungen da sind, und trotzdem die Gedanken dramatische Geschichten über Traurigkeit und Leid erzählen?
Wenn man mit „Gefühl“ Körperempfindung meint, dann stimmt es natürlich was du sagst. Hier in unserem Kontext meine ich eher Emotionen...
Das fühlt sich sehr friedlich an. Zumindest jetzt gerade.

Schön...:)
Und es kommen Gedanken darüber dass dann ja alles sinnlos wäre. Und ich für nichts mehr kämpfen müsste, mich nichts mehr motivieren kann, das Leben sehr emotionslos sein würde, ich mich für nichts mehr begeistern kann.
Ach lass doch die Gedanken mal plappern, nimm sie einfach nicht ernst... Die erzählen sowieso immer nur das was irgendwann mal gelernt oder gelesen oder eingetrichtert wurde... Je weniger die ernst genommen werden, desto uninteressanter werden sie... :)
Und das ist auch dass was in mir seit längere Zeit passiert. Diese beiden Seiten wechseln sich immer ab. Auf der einen Seite der innere Frieden, der nichts braucht und der immer da ist, und die Depression, dass alles so belanglos ist und nichts mehr wirklich wichtig.
Vielleicht hast du zu lange für irgendetwas gekämpft was gar nicht in deiner Natur liegt? Vielleicht sind ja manche Dinge die du für wichtig erachtet hast wirklich belanglos? Und der Körper sagt mit der Depression (kannst es auch als deep-rest-ion erkennen) dass jetzt mal genug ist, dass auch entspannen sein darf und Ruhe, und dass auch mal nichts gemacht werden darf, dass Sein reicht und nicht immer Motivation für irgendwas da sein muss... Genieße das... :) Wir lernen von klein auf immer nur irgendetwas nachzulaufen, immer irgendetwas werden zu müssen, weil das was wir sind angeblich nicht reicht... Immer laufen, laufen, laufen...
Es ist nichts geschehen, außer Gedanken und Gefühle. Ein gewisse Enttäuschheit vielleicht, ich weiß es nicht mehr so genau.
Ent-täuschung = das Ende der Täuschung... :) So kann es auch sein, wenn klar erkannt wird, dass es kein getrenntes „Ich“ gibt... Da muss nicht mehr passieren. Diese Durchschauung ist erst der erste Schritt, danach kann es schon geschehen, dass nach und nach mehr Entspannung und Frieden eintritt... Das Kopfkino läuft weiter, nur laufen wir den Geschichten nicht mehr so leicht auf... :)
Ja. Der Frieden wurde wahrgenommen. Und da er jetzt gerade nicht wahrgenommen wird ist es eine Gefühl was kommt und geht. Mal ist er da und mal nicht. Und da ich darüber schreiben kann kann es nicht dass sein was wahrnimmt. Die Wahrnehmung selbst ist das was immer da ist und kann ja selbst nicht wahrgenommen werden.
Ganz genau, erinnere dich immer wieder daran...
Das was jetzt gerade da ist, immer da war und immer da sei wird muss eine andere Instanz sein, etwas was noch dahinter ist als Basis oder so.
Ist da irgendeine „Instanz“ zu finden? Muss es eine Entität „dahinter“ sein? Schau mal, findest du irgendeine Trennung zwischen Erfahrung und wahrnehmen? Ist nicht irgendwie die Erfahrung aus sich selbst heraus gewahr?

Wie ist es wenn du wahrnehmen einfach als Prozess siehst? Und nicht „das“ Leben, sondern einfach „leben“... Einfach alles Prozesse, endloses fließen, kein Stillstand (deshalb auch nicht zu ver-stehen... :))
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Bernd
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Re: Verwirrung pur

Postby Bernd » Sun Apr 28, 2019 9:52 am

Sehr hilfreich kann es auch sein, wenn du so eine kurze tägliche Achtsamkeitspraxis etablierst. Die könnte so aussehen:
Die Übung ist total schön und tut mir gut. Nun versuche ich das den ganzen Tag zu machen damit es perfekt ist, damit ich wieder irgendwo hinkomme und es endlich klick macht. Schon lustig was der Verstand sich alles so ausdenkt ,...
Wenn du beobachtest wirst du sehen, dass das auch oft ganz unabhängig ist...

Ja, das kann ich sehen.

Naja, ist es nicht manchmal einfach so, dass gar keine großartigen körperlichen Empfindungen da sind, und trotzdem die Gedanken dramatische Geschichten über Traurigkeit und Leid erzählen?
Was ich beobachtet habe ist, dass es Emotionen gibt, die kommen und gehen. Diese werden evtl. im Nachhinein etikettiert. Und dann gibt es Emotionen die auf Grund einer Geschichte entstehen. Die erste Variante ist die natürliche Emotion ohne Problem und die zweite Variante ein künstlich vom Kopf erschaffene Emotion.
Hier ein Beispiel aus meinem Alltag. Ich bin Fussballtrainer einer Jugendmannschaft. Wir hatten gestern ein Spiel. Als wir ein tor geschossen haben kam die Emotion Freude. Nach ein paar Minuten war sie wieder weg. Dann schossen die Gegner ein Tor, da kam die Emotion Enttäuschung. Und auch diese war nach paar Minuten wieder weg. Das wurde in den Momenten gar nicht bewertet oder etikettiert. Es kam einfach so und ging wieder. Also sehr natürlich
Nach unserem Tor, nach der Freude kamen dann Gedanken wie, hoffentlich gewinnen wir das heute, das war auch etwas glücklich, wie soll ich mich jetzt freuen und es wurde etwas kompliziert. Es entstand eine künstliche Emotion.
Genau wie beim Gegentor. Hier kamen nach der Emotion der natürlichen Enttäuschtheit, Gedanken wie: jetzt verlieren wird auch noch, jetzt muss ich etwas ändern, das hatte ich mir hier anders vorgestellt, so ärgerlich, usw. Die Emotion wurde hier künstlich durch Gedanken am Leben gehalten und konnte mein System nicht verlassen.
Ist es das was Du meinst oder verirre ich mich da gerade?


Vielleicht hast du zu lange für irgendetwas gekämpft was gar nicht in deiner Natur liegt? Vielleicht sind ja manche Dinge die du für wichtig erachtet hast wirklich belanglos?
Genau das ist es was gerade passiert. Es ist ein extreme Unruhe da, eine Grundidee vom machen und dass es nie genug ist. Das geht schon morgens nach dem Aufwachen los. Und mit den Übungen kommen leicht Impulse in eine Gegenbewegung hin zum natürlichen Grundzustand. Und auch da kommt schon wieder Gedanken an Optimierung. Und dnan ndie frage wofür eigentlich...


Ist da irgendeine „Instanz“ zu finden? Muss es eine Entität „dahinter“ sein? Schau mal, findest du irgendeine Trennung zwischen Erfahrung und wahrnehmen? Ist nicht irgendwie die Erfahrung aus sich selbst heraus gewahr?
Es ist keine andere Instanz da. So etwas wie einen Beobachter gibt es überhaupr nicht. Der Beobachter ist schon wieder ein Konzept.

Wie ist es wenn du wahrnehmen einfach als Prozess siehst? Und nicht „das“ Leben, sondern einfach „leben“... Einfach alles Prozesse, endloses fließen, kein Stillstand (deshalb auch nicht zu ver-stehen... :))
JA, und selbst das ist schon wieder eine Geschichte oder? Ich nehme das wahrnehmen als Prozess da. Schon wieder einer der etwas wahrnimmt.

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Barb
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Re: Verwirrung pur

Postby Barb » Sun Apr 28, 2019 12:02 pm

Die Übung ist total schön und tut mir gut.
Schön... :)
Nun versuche ich das den ganzen Tag zu machen damit es perfekt ist, damit ich wieder irgendwo hinkomme und es endlich klick macht. Schon lustig was der Verstand sich alles so ausdenkt ,...
Super, dass du das erkennst! Versuch dich einfach so gut zu entspannen wie es geht...Und die direkte Erfahrung zu üben schadet ja wirklich nicht, einfach so wie du sagst, weil es gut tut (und es liegt halt in unserer Natur Dinge zu tun, die uns gut tun, das wird sich nicht ändern...:))
Ist es das was Du meinst oder verirre ich mich da gerade?
Ja, genau! Wunderbar beobachtet... :)
Vielleicht hast du zu lange für irgendetwas gekämpft was gar nicht in deiner Natur liegt? Vielleicht sind ja manche Dinge die du für wichtig erachtet hast wirklich belanglos?
Genau das ist es was gerade passiert. Es ist ein extreme Unruhe da, eine Grundidee vom machen und dass es nie genug ist. Das geht schon morgens nach dem Aufwachen los. Und mit den Übungen kommen leicht Impulse in eine Gegenbewegung hin zum natürlichen Grundzustand. Und auch da kommt schon wieder Gedanken an Optimierung. Und dnan ndie frage wofür eigentlich...
Alles gut... :) Wenn es einmal beginnt dass das gesehen wird, kann eine Art De-Identifizierung stattfinden... Versuch das alles nicht zu eng zu sehen, lach auch mal über dich selber :) Wenn erkannt wird was Gedanken oft für einen Zirkus aufführen kann es auch geschehen, dass ein sich-darüber-amüsieren erscheint... :)
JA, und selbst das ist schon wieder eine Geschichte oder? Ich nehme das wahrnehmen als Prozess da. Schon wieder einer der etwas wahrnimmt
WO ist dieses „Ich“ das wahrnimmt? SCHAU wirklich ganz eindringlich nacheinander mit allen Sinnen, so als würdest du irgendein Ding suchen, dass du jetzt auf der Stelle dringend brauchst!

Streng genommen ist jedes ausgesprochene Wort eine Geschichte...aber irgendwie müssen wir ja kommunizieren... :) Du weißt schon: Die Wahrheit die ausgesprochen werden kann ist nicht die Wahrheit...

Das Absolute kann nicht beschrieben werden, Worte wie wahrnehmen/erfahren/sein kommen da vielleicht noch am nächsten heran. Das Wahrnehmen kann man dann noch unterteilen in sehen-hören-spüren-riechen-schmecken-denken (nur der Gedanken-Container, nicht der Inhalt) und alles was danach kommt wird immer mehr Fantasywelt... :)

Schaun wir doch noch weiter was die Gedanken so alles in die rohe, direkte Erfahrung hinein interpretieren:

Stelle einen Apfel (oder eine andere Frucht) vor dir auf eine weiße Fläche und untersuche:

Wo findet das Sehen statt? Draußen oder drinnen?
Wo ist die Grenze zwischen Außen und Innen?
Schaut das pure Gesehene eher nach 2D oder 3D aus, wenn du nur auf das eigentliche Sehen achtest und nichts denkst?
Schaue genau hin: Siehst du überhaupt einen "Apfel" oder nur Farbe?
Bemerke, wie die Gedanken benennen, was gesehen wird.
Woher kennst du den Namen der Farbe?
Hat das, was du siehst bereits einen Namen, wenn du es siehst, oder gibt es nur etwas? Bemerke die Lücke, die zwischen dem Sehen und dem Benennen liegt.
Gibt es jemanden, der sieht oder ist da nur sehen?
Gibt es eine "Instanz", die ein wahrgenommenes Objekt wahrnimmt oder einfach nur Wahrnehmung?
Was ist die Aufgabe der Gedanken in diesem gesamten Wahrnehmungsprozess?
Denkst du die Erfahrung oder ist da einfach nur Erfahrung?


Versuch es leicht zu nehmen, entspanne... :))
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